Werner Krämer

 Methode,Econometrics  

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"Die gefährlichsten Wahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt", Georg Christoph Lichtenberg, dt. Schriftsteller, 1742-1799.               

Seiteninhalt:  Übungsmodell (Spieltheorie); Übungs-Lern-Datenraster;     Methode der Volkswirtschaftslehre, Wissenschaftstheoretische Grundlagen  der Volkswirtschaftslehre, WirtschaftsgeschichteZusammenhang zwischen Modell, Planspiel, Rollenspiel und Simulation, Statistik (Blogs,Wikis der VWL)

 

Knossos, Palast, auf Kreta. Die minoische Kultur ist die älteste Hochkultur Europas (vor über 4000 Jahren). Damit ist sie letztlich auch die Wiege unseres wissenschaftlichen, auch volkswirtschaftlichen, Denkens. Der Kontinent "Europa" hat seinen Namen von jener phönizischen Prinzessin Europa, die der Göttervater Zeus in Gestalt eines Stiers nach Kreta entführte (Gründungsmythos). Die Insel beherrschte die Meere mit einer mächtigen Flotte. Die neueste Forschung berichtet aber auch von Menschenopfern und Kannibalismus.

 

   Fortis fortuna adiuvat

Das Schiff hängt mehr am Ruder denn das Ruder am Schiff (Sprichwort)

Ökonometrisches Übungsmodell für Deutschland:

Gliederung: I. Basisdaten, II. Logische Struktur, III. Wirtschaftspolitische Steuerung, IV. Erläuterungen, V. Wichtige Grundlagen eines Modells und der Spieltheorie, VI. Lernhilfe.

 

I. Basisdaten  ( erhalten Sie unter anderem über die Institutionen in "Links")

Wirtschaftswachstum (BIP ), Außenwirtschaftliches Gleichgewicht (AG)

Arbeitslosenquote   (AL)

Inflationsrate    (IR)

Exporte (X) + Importe (M)

Investitionen  (I),    Konsum (C)

Leitzins (i),     Preise (P)

Wechselkurs (WK)

Löhne (L oder W)

II. Logische Struktur:  (Einfachstkonjunkturmodell als Denkstruktur)

Finanzpolitik                                                                    Wirtschaftswachstum

                        Wechselkurs           Exporte (+ M)         Außenwirtschaft

                            Löhne                                                  Arbeitslosenquote

                          Zins                      Investitionen

Geldpolitik           Preise                  Konsum                     Inflationsrate

 

III. Wirtschaftspolitische Steuerung (spieltheoretische Auszahlungsmatrix)

                                                                 Finanzpolitik (Staatshaushalt)

                                                 hohe HH-Defizite     geringe HH-Defizite

                  niedrige Zinssätze    sehr niedrige AL       mäßig hohe AL

                                                 sehr hohe IR             mäßig hohe IR

Geldpolitik (EZB)                      mäßig hohe I             hohe I

                  hohe Zinssätze         mäßig hohe AL          hohe AL

                                                 mäßig hohe IR           geringe IR

                                                 geringe I                    mäßig hohe I              

Hauptziel der Europäischen Zentralbank ist die Geldwertstabilität. Der Staat muss im Rahmen des Stabilitätspaktes handeln.

IV. Erläuterungen

Dieses kleine Modell soll nur die Methode der Volkswirtschaftslehre verdeutlichen. Es setzt die Kenntnis der Grundlagen der VWL voraus. Für praktische Prognose- und Analysezwecke ist es natürlich nicht geeignet. Die Variablen können spielerisch beliebig geändert werden. Empirische Informationen und Daten erhalten Sie, wenn Sie den Links nachgehen. Dies sollte aber nicht als Data-Mining ("automatisches" Durchforsten riesiger Datenmengen) gesehen werden, denn dies liefert immer mehr zweifelhafte Resultate.  Jeder Student bzw. Ökonom sollte sich sein persönliches Info - Netzwerk zulegen, da man einige wichtige Daten auch für Prüfungen parat haben sollte.  Ein komplexes Simulationsmodell finden Sie unter anderem  in Clement u. a.: Praxis der Wirtschaftspolitik, München 2001. Auch Kollege Prof. Dr. Ulli Guckelsberger bietet ein Modell der Konjunkturprognose als Download auf seiner Homepage an (Pfad: Home FH LU, Studium, Professoren).

"Der Mensch hat Hoffnung, der Wirtschaftsweise Zahlen. Und deren Botschaft ist klar: Es wird alles schlechter, wenn nicht in diesem Jahr, dann wenigstens im nächsten. Die Statistik ist die Religion der Marktwirtschaft", Martin Gerstner, in: Sonntag Aktuell, 22. 10. 2006, S. 1.

V. Wichtige Grundlagen eines Modells und der Spieltheorie

Die Methoden der VWL werden in ökonomische Modelle eingebracht. Diese sind  Gedankenexperimente, die oft mit der Ceteris-paribus-Annahme arbeiten (siehe unten). Sehr bekannt sind die Produktionsmöglichkeitskurve und das Konzept des komparativen Vorteils . Ein ökonomisches Modell ist die kompakte, vereinfachte Abbildung der ökonomischen Realität (Beispiel: Wirtschaftskreislauf, vom Physiokraten Francois Quesnay, 1694-1774, "Tableau economique" erschien 1758; am bekanntesten ist das IS/LM-Modell, das durch Analyse des Zusammenwirkens von Güter- und Geldmarkt die Bestimmung des Gesamteinkommens bei gegebenem Preisniveau zeigt). Das GINFORS (Global Interindustry Forecasting System) ist ein aktuelles Modell, das auch die Umwelt einbezieht. Alle vorliegenden Modelle sind noch nicht in der Lage, alle ökonomischen Phänomene zu erklären oder zuverlässige Prognosen abzugeben. "Das ist eine Mahnung, dass jedes Modell nur eine grobe Annäherung an die Realität sein kann", Spencer Dale, Chef - Volkswirt, Bank of England.

Computable General Equilibrium Models (CGE, berechenbare allgemeine Gleichgewichtsmodelle): Auf der neoklassischen Wirtschaftstheorie beruhende, numerisch spezifizierte gesamtwirtschaftliche Modelle mit einer Gliederung  (mehr oder weniger tief) nach Märkten und Branchen.

VAR-Modelle: Vectorautoregressionen. Sie untersuchen lange Zeitreihen aus der Realität ohne bestimmten theoretischen Rahmen. Sie können auf annahmen über Präferenzen oder Entscheidungsregeln von Konsumenten verzichten.

Exogene Variable: Parameter, der in einem Modell vorgegeben ist und von dem die Lösung des Modells (Gleichgewicht) abhängt; die Akteure müssen sich an diese Parameter anpassen. Wird auch als Schock bezeichnet. Das Gegenteil ist eine endogene Variable, die im Modell bestimmt wird und u. U. von den Akteuren kontrolliert wird.

Ceteris-paribus-Klausel: Analyse eines Zusammenhangs unter der Annahme, dass sich nur die betrachtete (unabhängige) Variable ändert, während alle anderen konstant sind. Eine extreme Anwendung ist die geschlossene Volkswirtschaft (die sich nicht am internationalen Handel beteiligt, "Closed Economy"). Das Gegenteil ist eine große offene Volkswirtschaft, die Einfluss auf die Weltmärkte und insbesondere auf den Weltzinssatz hat.

Business as usual: Annahme über das Verhalten des politischen Systems in Modellrechnungen. Es wird unterstellt, dass die Politik im Simulationszeitraum gegenüber dem aktuellen Stand nicht verändert wird.

Komparative Statik: Untersucht, wie sich die Änderung exogener Größen auf die endogenen Größen eines Modells auswirken. Es ist der Vergleich zweier Gleichgewichtszustände.

Gleichgewicht: Zustand, in dem kein Akteur glaubt, durch Änderung seines Verhaltens seine Lage verbessern zu können. Die Volkswirtschaftslehre nimmt das Gleichgewicht in der Regel als Bezugspunkt. Man geht in der modernen Makroökonomik nicht mehr nur von einem stabilen Gleichgewicht aus, sondern betrachtet mehrere Gleichgewichte (multiple Gleichgewichte). Nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/2009 gerät der Begriff immer mehr in die Kritik. Evolutionsprozesse, die auf menschlicher Kreativität, Neugierde und Nachahmung beruhen, rücken in den Vordergrund. Zuerst in der Ökonomie hatte Thorstein Veblen (1857-1929) die Ideen von Darwin aufgegriffen. Immer wichtiger wird auch die Einbeziehung des Zeitfaktors, so dass simultane Gleichgewichte in kurzer und langer Frist unterschieden werden.

Allgemeine Gleichgewichtsanalyse: Ermittlung von Preisen und Mengen zur gleichen Zeit auf allen relevanten Märkten, wobei rückwirkende Einflüsse einbezogen werden.

Totalanalyse: Alle relevanten Zusammenhänge werden vollständig berücksichtigt. Das Gegenteil ist eine Partialanalyse (z. B. wird nur der Gütermarkt analysiert). Hier werden Gleichgewichtspreise und -mengen auf einem Markt unabhängig von den Einflüssen anderer Märkte untersucht.

Ex-ante-Analyse: Analyse einer Transaktion aus dem Blickwinkel einer Periode, die vor der Ausführung der Transaktion liegt. Dass Gegenteil ist eine Ex-post-Analyse.

Kurzfristige Analyse der geschlossenen Volkswirtschaft: dies wird nur noch zu didaktischen Zwecken gemacht (Grundstudium), weil es zu weit von der heutigen Realität entfernt ist. Die kurzfristige Analyse der offenen Volkswirtschaft ist realitätsnäher, aber formal schwieriger.

Rationale Erwartungen: die Wirtschaftssubjekte nutzen bei der Prognose zukünftiger Entwicklungen alle verfügbaren Informationen über die Wirtschaftspolitik optimal.

Repräsentativer Agent: Analyse des Verhaltens eines einzigen Akteurs in einem Modell. Damit wird die Anwendung der Mathematik einfacher.

Hysterese-Effekt: Fortdauer einer Wirkung bei Wegfall der Ursache, also ein lang andauernder Einfluss der Vergangenheit (z. B. Entstehung struktureller Arbeitslosigkeit aus der konjunkturellen).

Random walk: Pfad einer Variablen, deren Änderungen im Zeitablauf nicht vorhersehbar sind.

Steady state: Zustand eines dynamischen Systems, in dem sich die endogenen Variablen nicht mehr ändern (häufig auch Wachstumsgleichgewicht genannt).

Risiko: Hier tun sich Modelle, vor allem mathematische, sehr schwer. Der wichtigste Grund ist: Statistiken bilden die Vergangenheit ab. Was niemals vorkam, kann nicht in Berechnungen eingehen. Die Risikomodelle der Banken unterscheiden sich stark, auch in ihrer Qualität. Als gut gelten die von Goldman Sachs und der Deutschen Bank.

Beta-Faktor: Eine Konstante misst die Empfindlichkeit einer Anlage auf Marktschwankungen. Dies ist das nichtdiversifizierbare Risiko jeder Anlage. Hier kann nicht in verschiedene Projekte investiert oder Aktien vieler Unternehmen besessen werden.

Edgeworth-Box: Diagramm, das alle möglichen Allokationen zweier Produktionsfaktoren zwischen zwei Produktionsprozessen darstellt. Es ist auch auf Güter und Konsumenten anwendbar.

Varianz: Mathematisches Maß für das Risiko (Situation mit ungewissem Ausgang). Der Erwartungswert bewertet das durchschnittliche Ergebnis einer riskanten Situation (Summe der Wahrscheinlichkeitsergebnisse mal Wert).

"Die Ökonomen haben die Disziplin in eine Art soziale Mathematik verwandelt, in der analytische Schärfe alles und praktische Bedeutung nicht zählt", Mark Blaug, berühmter britischer Wirtschaftshistoriker, über weite Teile der Spieltheorie.

Spieltheorie:  Die Spieltheorie erlaubt die Analyse von Situationen mit zwei und mehr Entscheidungsträgern, die entgegen gesetzte Ziele verfolgen, und sich in einer strategischen Interaktion befinden. Berühmte Vertreter sind von Neumann/ Morgenstern, Harsanyi/ Nash/ Selten, Auman/ Schelling, Hurwicz/ Maskin/ Myerson. Reinhard Selten erhält als einziger Deutscher 2004 den Nobelpreis für Ökonomie für seinen Beitrag in der Spieltheorie. Selten, 1930 geboren, studiert in Frankfurt Mathematik. 1968 habilitiert er sich in VWL in den USA. Zuletzt war er Professor in Bonn.

Gefangenen-Dilemma: Situation (Prisoner`s Dilemma), in der individuelles Rationalverhalten zu einem kollektiv abträglichen Ergebnis führt. Ausgangsposition der Spieltheorie: Zwei Gefangene entscheiden unabhängig voneinander, ob sie ein Verbrechen gestehen sollen. Wenn nur ein Gefangener gesteht, wird er eine milde Strafe erhalten, der andere dagegen eine harte. Gesteht keiner der beiden, wird die Strafe milder ausfallen als bei einem Geständnis beider Gefangener.

Pay-off: Gewinn (Auszahlung), den der Spieltheorie zufolge die Teilnehmer an einem Spiel erspielen.

Strategie: Aktionsplan bzw. Regel für ein Spiel. Bei einer strategischen Handlung wird einem Spieler ein Vorteil verschafft, sein Verhalten aber eingeschränkt. Bei einem Spiel treffen die Spieler strategische Entscheidungen, die die Reaktionen der Mitspieler mit einbeziehen.

Dominante Strategie: Eine Strategie ist dominant, wenn sie die beste Antwort auf das Verhalten des Gegenspielers ist, unabhängig davon, welche Strategie der Gegenspieler wählt. Von dieser Strategie sind dominierte Strategien zu unterscheiden: bei dominanter Strategie eines Spielers wird er keine dominierte wählen. So werden  vielmehr dominierte Strategien iterativ eliminiert.

Nash-Gleichgewicht (1951 von dem Mathematiker John Nash bewiesen): Dieses tritt in der Spieltheorie ein, wenn kein Spieler bei einer gegebenen Strategie der anderen Spieler seine Auszahlungsfunktion verbessern kann. Es ist ein nichtkooperatives Spiel, in dem die Spieler keine glaubhaften und verbindlichen Vereinbarungen treffen können. Ein anderes Gleichgewicht ist das Bayessche. Es erhält man, wenn die Spieler ihre erwartete Auszahlung maximieren, rationale Erwartungen besitzen und die Bayessche Regel anwenden (aus der statistischen Wahrscheinlichkeitstheorie bekannt). Treffen die dominanten Strategien beider Spieler zusammen, erhält man ein dominantes Gleichgewicht.

Weiterentwicklung des Nash-Gleichgewichts durch R. Selten (geb. 1930, 1994 einziger deutscher Wirtschaftsnobelpreisträger): nicht nur ein Spiel als Ganzes, sondern auch einzelne Teile erreichen ein Nash-Gleichgewicht. Vgl. Ders., Reexamination of the Perfectness Concept for Equilibrium Points in Extensive Games, in: International Journal of Game Theory, 4(1), 1975. Einer der Begründer der experimentellen Wirtschaftsforschung in Deutschland.

Teilspiel-Perfektheit: Verfeinerung des Nash-Gleichgewichts durch R. Selten (einziger deutscher Nobelpreisträger der Ökonomie). Das Gleichgewicht muss nicht nur im Spiel als Ganzem, sondern auch in all seinen Teilen bestehen.

Symmetrisches Gleichgewicht: Die Gleichgewichtsstrategien und Auszahlungen der Spieler sind identisch.

Kooperatives Spiel: Die Spieler können verbindliche Vereinbarungen treffen und sich so gegenüber Dritten oder gegenüber sich selbst glaubhaft festlegen.

Einmalige simultane Spiele: Ein Spiel wird nur einmal durchgeführt, wobei die Akteure ihre Entscheidungen gleichzeitig treffen. Ein Spiel kann auch mehrfach bestritten werden, oder die Akteure treffen ihre Entscheidungen nacheinander (sequentielle Spiele).

Bei sequentiellen Spielen wird besonders der Spielbaum mit Wahrscheinlichkeiten eingesetzt (ist auch aus der Wahrscheinlichkeits-theorie bekannt). Bei der Bewertung der Alternativen spielt das Moral Hazard und das Monitoring eine wichtige Rolle. Gelöst werden sie oft durch die Methode der Backward Induction (gesucht wird die Nash-Strategie für das letzte Teilspiel).

Das Reversal Paradoxon (Umkehr-) macht deutlich, das für einen Wahlausgang entscheidend sein kann, ob eine Wahlalternative entfällt während eines Wahlprozesses. Dies gilt auch, wenn die entfallende Wahlalternative die geringste Präferenz aufweist.

Sehr wichtig ist bei Spielen die Informationsstruktur. Sind jedem Spieler alle Bestandteile des Spiels (Spielerzahl, Auszahlungen, Strategien) bekannt, herrscht vollständige (complete) Information. Konnte jeder Spieler bei jeder seiner Aktionen die bis dahin ausgeführten Aktionen der Gegner beobachten, ist die Information vollkommen (perfect).

Nach der Geschwindigkeit werden statistische und dynamische Spiele unterschieden. Beide können mit vollständiger und unvollständiger Information verbunden werden. Bei beiden können Bayessche Gleichgewichte erreicht werden.

"In einem Nullsummenspiel (zero-sum game) erhält bei jedem Ereignis ein Spieler eine Auszahlung, die der andere Spieler bezahlen muss. Damit addieren sich die Auszahlungen der Spieler immer zu null", Sieg, G.: Spieltheorie, München/ Wien 2005, S. 25.

Maximin-Theorem: Der Akteur wählt jene Strategie, die ihm das (garantierte) Minimum, das ihm der Gegenspieler nicht nehmen kann, maximiert.

Commitment - Strategie (Aumann/ Schelling, Nobelpreis 2005): Alle Brücken hinter sich abbrechen, um den Verhandlungsgegner glaubhaft zu bedrohen.

Tit for Tat: eine effektive Strategie für das wiederholte Gefangenendilemma. Der Agent folgt seinem Gegner. Wenn der Gegner vorher kooperativ war, ist der Agent auch kooperativ. Wenn nicht, ist der Agent nicht kooperativ. Er kann mit kooperativen Gegnern zusammenarbeiten und unkooperative Gegner angreifen.

Mechanismus-Design (Hurwicz/ Maskin/ Myerson, Nobelpreis 2007): Zwei Kinder streiten sich um ein einziges verbliebenes Stück Kuchen. Lösung: Kind 1 teilt das Kuchenstück in zwei Teile. Anschließend wähle Kind 2 eines der beiden Kuchenteile, das andere behält Kind 1. Vgl. Hehenkamp, B.: Die Grundlagen der Mechanismus-Design-Theorie, in: Wirtschaftsdienst, 11/ 2007, S. 770.

Zukunftsformel: Der Spieltheoretiker Bruce Bueno de Mesquita sagt mit spieltheoretischen Formeln wirtschaftliche und politische Ereignisse voraus. In nahezu 90% der Fälle sollen seine Aussagen eintreffen.

Zu den Pionieren der Ökonometrie und quantitativen Wirtschaftsanalyse in den Wirtschaftswissenschaften gehört Jan Tinbergen (1903 - 1994). Er erhielt zusammen mit Ragnar Frisch den ersten neu gestifteten Nobelpreis für Ökonomie 1969. Zu seinen Hauptwerken zählt: Statistical Testing of Business Cycle Theories, 1939. Ökonometrie überprüft mit Hilfe statistischer Daten wirtschaftstheoretische Aussagen.

VI. Lernhilfe

Das dargestellte Modell eignet sich auch, um fundamentale  ökonomische Übertragungsmechanismen, die immer wieder vorkommen,  zu lernen und zu üben. Als wichtige Beispiele seien die Zinselastizität der Investitionen, "Crowding-out", Löhne und Arbeitsproduktivität, Zahlungsbilanz-Preiseffekt und der Wechselkursmechanismus genannt. So kann das Modell  durchaus auch mit der Makroökonomik einer offenen Volkswirtschaft interpretiert werden (z. B. Einfluss der Geldpolitik aus dem Ausland bei flexiblen Wechselkursen, etwa USA). In der Einbindung in die Globalisierung liegt zugleich die Schwäche aller nationalen Modelle und ein Weltmodell gibt es noch nicht. Im Hauptstudium bzw. 2. Studienabschnitt arbeite ich überwiegend mit logischen Partial - Kausalmodellen, die jeweils für bestimmte Problemstellungen konstruiert sind. Mit dem obigen Modell  kann man sich auch in die Grundzüge der Spieltheorie einarbeiten. Transfereffekte ergeben sich auch mit der Statistik: Korrelation und Regression sowie Pfadanalyse, zeitabhängige Daten (Prognosetechniken), Fehlermöglichkeiten und Grenzen statistischer Untersuchungen können beispielhaft behandelt werden. Die Übungstheoreme und das empirische Datenraster weiter unten sollten in enger Beziehung gesehen werden: sie bieten eine weitere Vertiefung in einer anderen Logik als die bekannten Lehrbücher (mit den mir zur Verfügung stehenden Ressourcen kann ich das Buch von Mankiw z. B. nicht mehr optimieren). Die ganzen hier angebotenen Bausteine sollten als Ergänzung zu Büchern und der Vorlesung genutzt werden.

Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise, die von Ökonomen nicht vorhergesagt wurde, zeigt, dass die Modelle und Theorien der Volkswirtschaftslehre grundlegend überarbeitet werden müssen. Nicht ökonomische Motive und psychologische Faktoren (Emotionen) müssen in die Modelle eingebaut werden. Wichtige bisherige Theoriestränge sind unhaltbar.

"Alle Modelle sind falsch. Aber manche sind nützlich", N. N.

 

Experto credite!  P. V. MaroAktuellen Daten sollte man systematisch hinterher eilen (vgl. Internationale Wirtschaft bei Aktuelles)

"Die Ökonomie ist wie ein gigantischer Computer, der die numerische Lösung einer großen Anzahl von Preisgleichungen durch schrittweisen Vergleich errechnet", Wassily Leontief  (Konstrukteur der Input-Output-Analyse, Input-output economics, New York 1986).

 

Empirisches Lern-Datenraster (Indikatoren, relevante aktuelle Daten), Data collection, (vgl. als Muster Ostasien, Ökonometrie = Einsatz der Statistik in der Ökonomie und ihre Analyse):

Gliederung: Magisches Viereck, Parameter der Finanzmärkte, Schlüsseldaten, Grundtendenzen in der Welt, institutionelle Rahmenbedingungen, empirische Wirtschaftsforschung (mit Prognose), Messung von Wohlstand, Wichtige Indikatoren im (Extra-) Ausland.

"Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten", US-Senator P. Moynihan (1927-2003).

- So sollte man mindestens die Daten zum magischen Viereck (makroökonomische Grundzahlen) der Wirtschaftspolitik für die wichtigsten Länder der Weltwirtschaft parat haben: Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP/ Gross domestic product, es ist der Gradmesser für den Erfolg und das Wachstum einer Volkswirtschaft. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes betrug 2010 in Deutschland 3,6% (höchster Wert seit deutscher Einheit). Für 2011 werden wieder 2,8% erwartet. Im Juni 2011 schrauben mehrere Institute ihre Erwartungen auf 3,7% hoch (im dritten Quartal 2011 +0,5%). Größte Komponente ist der private Konsum mit 58%, die Investitionen umfassen 18%. Der Außenbeitrag liegt bei rund 5%, die Ausgaben des Staates liegen bei 19,5%. Tatsächlich betrug die Wachstumsrate 2011 3,0%. Ermittelt wird der Wert (aktuelle Marktpreise, real: Inflationseffekte herausgerechnet) aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres im Inland hergestellt werden. Die Vorleistungen werden von den Endprodukten abgezogen. Unbezahlte Heimarbeit und Schwarzarbeit finden keinen Eingang. Früher wurde Computersoftware als Vorleistung, heute als Investitionsgüter betrachtet. Die Wachstumsraten des BIP werden international nicht einheitlich berechnet, z. B. rechnen die US-Statistiker die Zuwachsraten auf das Jahr hoch (annualisieren). Unterschiede gibt es auch in der Saisonbereinigung. Ende 2010 schlagen die Wirtschaftsweisen in Deutschland und Frankreich neue BIP-Indikatoren vor. Die US-Statistiker haben auch einige Tricks auf Lager: Einrechnung des technischen Fortschritts, quadratische Gewichtung in der Inflation, mehr Buchung bei Investitionen (Erhöhung durch Abschreibungen), keine Qualitätsbereinigung bei Bildung, Bankdienstleistungen nicht als Vorleistung sondern Endprodukt. Das Konzept der USA wurde von Simon Kuznets 1937 entwickelt.1942 wurde es in die Praxis umgesetzt.  Deutschland ist mit ca. 2489,4 Mrd. € 2008 die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Davon waren die Konsumausgaben mit 1,4 Bill. € der größte Batzen. Beim Pro-Kopf-Einkommen, einem internationalen Maßstab für Wohlstand, ist Deutschland auf Platz 19 unter 30 OECD-Staaten zurückgefallen. Der Umfang der Schattenwirtschaft liegt bei ca. 350 Mrd. €. Nach der Entstehungsrechnung hatte bei der Wirtschaftsleistung 2010 das stärkste Wachstum das Produzierendes Gewerbe mit 10,3%.  Das Bruttonationaleinkommen (bis 1999 Bruttosozialprodukt) wird im Rahmen der Verwendungs- und Verteilungsrechnung der VGR des StBA ermittelt und dient als Maßstab für den Wohlstand eines Landes. Über die Einkommensströme an die übrige Welt und von der übrigen Welt ist auch eine Berechnung vom Bruttoinlandsprodukt aus möglich (der Unterschied Brutto - Netto beruht auf den Abschreibungen; der Unterschied Marktpreis - Faktorkosten ergibt sich aus den addierten Subventionen minus den indirekten Steuern).  Genauer ist der Net Economic Welfare (-externe Kosten, + private Dienste). Frankreich will zukünftig die Umweltverschmutzung und den Bildungsstand einbeziehen. Das Frankfurter Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt hat einen alternativen Maßstab für Fortschritt entwickelt. Die Schattenwirtschaft (inoffizielle, verborgene Untergrundwirtschaft; illegal oder um Steuern zu vermeiden) wird gesondert von einigen Wirtschaftswissenschaftlern geschätzt. Dazu gehören Nachbarschaftshilfe, Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Arbeiten ohne Rechnung und  Einkommen aus illegalen Geschäften (Prostitution, Rauschgifthandel). In Deutschland lag der Umfang der Schattenwirtschaft 2010 bei ca. 14,6% (353 Mrd. €) des offiziellen BIP (in Europa ist Griechenland mit 25% Spitzenreiter). 2011 lag der Gesamtumsatz der Schattenwirtschaft darunter mit 343 Mrd. € (13,4%). Grund ist die steigende Beschäftigung (Institut für angewandte Wirtschaftsforschung, Tübingen, IAW).  Arbeitslosenquote (ALQ/ Unemployment rate: Gliederungszahl mit gemeldeten Arbeitslosen im Zähler und Erwerbspersonen, d. h. Arbeitslose + Erwerbstätige, im Nenner). Zusätzlich werden als Indikatoren für Vollbeschäftigung verwendet die Zahl der offenen Stellen (ungenau, da kostenlose Meldung) und die natürliche Arbeitslosenquote (Höhe der friktionellen AL). Preissteigerungsrate, Handelsbilanz (Exporte, Importe)  für die USA, Japan, und Deutschland (je nach Problembereich auch  für die G9-Länder) sollten bekannt sein. Die Preissteigerung wird mit dem Preisindex für die Lebenshaltung gemessen. Dabei handelt es sich um die Kosten eines festen Warenkorbs (Ergebnis der Verbrauchsstichprobe, EVS) im Vergleich zu den Kosten desselben Warenkorbs in einem Basisjahr (Basisjahr der Vergangenheit, Laspeyres-Index). International nicht einheitlich werden Qualitätsveränderungen bei der Preissteigerung berücksichtigt. Die USA rechnen diese relativ stark ein, so dass bei Qualitätssteigerung, z. B. Rechenleistung eines PC, das Produkt de facto billiger wird (so genannte hedonische Preisindizes). "Die deutsche Wachstumsrate von 2,2% im zweiten Quartal wäre nach amerikanischer Lesart - also annualisiert beziehungsweise für das Gesamtjahr einfach mit vier multipliziert - rund 9 Prozent", Axel Weber, Präsident der Bundesbank im Herbst 2010.

"Wer unsere Gesellschaften mit Hilfe des BIP lenkt, agiert wie ein Pilot ohne Kompass", J. Stiglitz und A. Sen, Nobelpreisträger.

- Ebenso sollte man die wichtigsten Parameter der Finanzmärkte  verfolgen: Wechselkurs €/$, Leitzins in der EU (für Hauptrefinanzierungs-geschäfte) und in den USA ("federal funds rate"), Aktienkurse "Dow Jones" (NYSE) und  "DAX"  (für OAI noch "Nikkei" und "Hang Seng" sowie mittlerweile Shanghai-Index mit Shenzhen, die Anfänge gehen auf das Ende der Qing-Dynastie im Jahre 1890 zurück). Momentan ist der Bovespa (Brasilien) wegen seiner Wertentwicklung besonders interessant. 2008 war ein Jahr der Verluste: am größten in Island und der Ukraine. Gewinne gab es nur in Ghana, Ecuador und Tunesien.  In New York war das schlechteste Börsenjahr seit 1931 (Rückgang des Dow Jones um 777,68 Punkte an einem Handelstag, Rekord). Es gibt auch einen MSCI-Welt-Aktienindex. Der Wechselkurs bzw. Devisenkurs setzt 1 € in Relation zu x$. Der Leitzins wird von der Zentralbank festgelegt und bestimmt die Konditionen, zu denen sich Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank leihen können. Der Dow-Jones schloss 1906 mit 100 Punkten, 1956 mit 500 und war 2006 erstmals über 12.000 Punkte. Sein Ursprung kann bis zum 17. Mai 1792 zurückverfolgt werden, als das Buttonwood-Abkommen von 24 Börsenmaklern vor dem Haus Wallstreet 68 in NY unterzeichnet wurde. Ursprünglich diente er dazu, die Effizienz des industriellen Sektors in Amerika zu überwachen. Nach dem chaotischen Absturz 2010 ohne erkennbaren Grund werden Regeln gegen Panikreaktionen aufgestellt (Handelsstopp). 70% des täglichen Aktienhandels in den USA gehen auf High-Frequency-Trader zurück. Der DAX setzt sich aus Deutschlands 30 größten und liquidesten börsennotierten Firmen zusammen (Basiswert 1000 1987, umfasst auch Dividenden). 425 Jahre ist Frankfurts Börse alt. Im Mai 2011 wird der Parketthandel eingestellt. Das Xetra-System bringt es auf mehr als fünf Mrd. Euro. Der Hang Seng Index hat seinen Namen von Hongkongs Hang Seng Bank, die den Index 1969 ins Leben rief (chinesisch, "stets wachsend"). Der Nikkei wird von der Wirtschaftszeitung Neihon Keizai Shimbum veröffentlicht und misst die Wertentwicklung der  225 wichtigsten Aktien an der Börse von Tokio (1950 eingeführt). Immer interessanter wird das Marktbarometer der indonesischen Börse der Jakarta - Composite - Index (402 Aktien, seit 1982). Interessant ist in Deutschland auch der NAI (Naturaktienindex). Die älteste Aktienbörse ist die Amsterdamer Börse von 1602.Wichtig sind auch die Indikatoren der Geldpolitik: Die Geldmenge M1 umfasst den Bargeldumlauf sowie täglich fällige Sichteinlagen. Er gilt als zuverlässiger monetärer Frühindikator. Die Zinsstruktur misst die Differenz zwischen den langfristigen und den kurzfristigen Zinsen.  Klettern die kurzfristigen über die langfristigen Zinsen spricht man von einer inversen Zinsstruktur, was auf das Ende einer Rezession hindeutet.

- Genauso sollte man für die wichtigsten Länder die Schlüsseldaten wie Bevölkerung und Höhe des BIP und das Pro-Kopf-Einkommen nennen können (wichtig können für spezielle Fragestellungen auch die Analphabetenrate und die Sparquote sein).

- Bei einigen Themen sollte man die Grundtendenzen in der Welt im Umriss erahnen können: Verschuldung (Haushaltsdefizit: Neuverschuldung bezogen auf das BIP pro Jahr x 100; Gesamtverschuldung; auch Euro-Konvergenzkriterien von 3,0% und 60%); Staatsquote: Verhältnis der staatlichen Ausgaben zum BIP (R. Barro fand keinen Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum; setzt sich aus vielem zusammen, nicht einheitlich definiert, z. B. Sozialversicherung, Wohlfahrtseffekte der Ausgaben?).  Konjunktur (Boom, Rezession, Stagnation); Inflation (gemessen durch die Preissteigerung am Preisindex für die Lebenshaltung: hier werden laufend die Kosten eines bestimmten Warenkorbes, der eine repräsentative Güterauswahl enthält, ermittelt, die Basisperiode ergibt sich aus dem Jahr der EVS-Stichprobe). Die Inflation steht in engem Bezug zur Geldmenge:M1=Bargeldumlauf und gängiger Geldmengenbegriff, M2=M1 + Einlagen mit Laufzeit bis 2 Jahren und Kündigungsfrist von bis 3 Monate, M3=M2 + Geldmarktfonds, Geldmarktpapiere und Bankschuldverschreibungen.  Welthandel (Exporte, Importe), Welt -BIP, Direktinvestitionen (Beteiligung, Erwerb oder Bau von Produktionsstätten im Ausland), Energie/Umwelt.

- Einige institutionelle Rahmenbedingungen sollten bekannt sein: Wirtschaftsordnung (Art der Marktwirtschaft: frei, gelenkt; welches Grundmodell?), Zentralbankstatus (abhängig, unabhängig; Bank der Banken: kontrolliert die Höhe der Mindestreserven und des Zinses), politisches System (z. B. Demokratie, Diktatur), Kultur (individualistisch, kollektivistisch), Geschichte (Tradition), Wirtschaftsstruktur (z. B. Anteil tertiärer Sektor), Integration in die Weltwirtschaftsordnung (Mitglied WTO, IWF, G8).

- Es sollte auch bekannt sein, aus welchen Quellen der empirischen Wirtschaftsforschung die Daten stammen. In Deutschland legt im Januar eines jeden Jahres die Bundesregierung den Jahreswirtschaftsbericht vor (z. B. Prognose für  2011: Wirtschaftswachstum +2,25; Haushaltssaldo -2,5%; Arbeitslosenquote +7%). Im Frühjahr und Herbst eines jeden Jahres geben die Wirtschaftsforschungsinstitute (seit 1950, 8 Institute seit 2007), ein Gemeinschafts-Gutachten heraus. In der Gemeinschaftsprognose der acht Institute im April 2011 wird ein Wachstum von 2,8%, eine Inflationsrate von 2,4% und eine Arbeitslosenzahl von 2,89 Mio. für 2011 vorausgesagt. Im Herbstgutachten 2011 wird 2012 nur noch ein Wachstum von 0,8% gesehen (Arbeitslose 2,8 Mio., Preise +1,8%, HH-Defizit -0,6%). Im Spätherbst erscheint jährlich das Gutachten des Sachverständigenrates für Wirtschaft (seit 1963). Im neuen Gutachten 2011 wird für 2012 ein Wachstum von 0,9% (2011: 3,0%) erwartet. Die Arbeitslosigkeit soll 2012 im Schnitt bei 2,89 Mio. liegen (6,9%). An Inflation wird 2012 1,9% erwartet. Es wird ein Euro-Tilgungsfonds empfohlen. Das Finanzministerium gibt einen Finanzbericht heraus, der viele internationale Übersichten enthält. Alle zwei Jahre gibt es den Subventionsbericht der Bundesregierung. Die EU kritisiert hier, dass die Empfänger in der Landwirtschaft nicht genannt werden. Vergleichbare Institutionen gibt es auch in den USA und Japan. Alle genannten Institutionen sind bei den Links vertreten. Von 2005 bis 2008 fährt der Bund seine Subventionen um 2 Mrd. € zurück. Darüber hinaus gibt es noch andere - zum Teil private - Institute, die Indikatoren erstellen: Das Marktforschungsunternehmen GfK konstruiert den Konsumklimaindex. Dies geschieht seit 1980 (2000 Verbraucher, alle Ausgaben der privaten Haushalte, drei Teile: Anschaffungsneigung, Einkommenserwartung, Konjunkturerwartung). Im März 2011 steigt der Index auf den höchsten Stand (6,0) in Deutschland seit 2007, weil die Verbraucher mit höheren Einkommen rechnen. Er fällt danach langsam wieder (auf 5,2 im September 2011, am positivsten ist die Einkommenserwartung). Seit 2010 gibt es einen Frühindikator für die Ausgaben der privaten Verbraucher. Er wird am DIW in Berlin erstellt. Datengrundlage sind die monatlichen Umfragen der EU-Kommission (Dreger, C./ Kholodilin, K.: Forecasting Private Consumption by Consumer Surveys, DIW, Berlin Sept. 2010). Das Ifo - Institut in München berechnet das Geschäftsklima. Dieser erreicht im Januar 2011 mit 110,3 den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Im November 2011 steigt er überraschend wieder an. Der DIHK macht regelmäßig Umfragen (z. B. im Frühsommer). Die Commerzbank berechnet den Earlybird-Frühindikator für die Wirtschaftswoche (z. B. Januar 2010 mit 2,05 Punkte höchsten Stand seit 20 Jahren). Seit 2011 arbeitet das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mit einem Flash-Frühindikator, der die Wirtschaftsleistung im laufenden und folgenden Quartal einschätzt. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) lässt den Einkaufsmanagerindex (EMI) ermitteln. Sein Vorteil ist die internationale Vergleichbarkeit. Bei diesen Projekten handelt es sich eher um Frühindikatoren. Neu ist die Mautstatistik. Sie kann als Frühindikator für die Konjunktur benutzt werden. Allerdings ist die Korrelation mit den anderen Frühindikatoren nicht besonders hoch. Speziell für den sozialen Bereich wird ein Sozialbericht erstellt vom Arbeitsministerium. 2009 fließen wegen der Wirtschaftskrise 754 € in Sozialausgaben (gut ein Drittel des Nationaleinkommens).

Die EU arbeitet mit eigenen Indices, in denen auch Werte für Deutschland ermittelt werden. Die EU-Kommission erhebt einen Index, der die konjunkturelle Entwicklung misst für die Eurozone und die gesamte EU. Daneben wird die Wirtschaftsstimmung und das Geschäftsklima (Auftragslage, Exportaufträge, Produktionstrends) in Indices gemessen.

Die OECD will einen Glücksindex ermitteln. Dieser soll ein Maßstab für Wohlbefinden sein. Der Vorschlag dazu geht auf einen Forschungsbericht von Joseph Stiglitz und A. Sen zurück. Vorher entstand ein solcher Index in Bhutan (Bhutan-Entwicklungs-Index, "Bruttonationalglück"). Auch in Deutschland beschäftigt sich eine Bundestagskommission mit der Frage. Die OECD arbeitet mit den Kriterien Wohnsituation, Einkommen, Arbeit, soziale Bindungen, Umwelt, Gesundheit, Verbindung von Privat- und Berufsleben.

Das BIP wird jährlich und für Quartale prognostiziert. Kurzfristige Quartalsprognosen gibt es vom Statistischen Bundesamt (StBA, sechs Wochen nach Ende eines Quartals für das nächste) und von Barclays - Handelsblatt (sofort im laufenden Quartal vor dem StBA). Im Herbst 2009 wird eine Prognosebörse der Konjunktur eingerichtet (Handelsblatt, IW, TH Karlsruhe). Diese Prognosebörse EIX sagt Konjunkturdaten relativ gut voraus. Gut ist auch die Bloomberg-Umfrage unter Bankvolkswirten. Das ZEW in Mannheim ermittelt den ZEW-Konjunkturindex für mittelfristige Konjunkturerwartungen, der monatlich herausgegeben wird. Da er Finanzanalysten und institutionelle Anleger befragt, ist er eher ein Stimmungsbarometer für die Finanzmärkte (korreliert hoch mit der Entwicklung der wichtigsten Aktienindices).  Prognostiziert werden auch die Steuereinnahmen von einem Arbeitskreis "Steuerschätzungen" (seit 1955). Unter Federführung des Bundesfinanzministerium treten 35 Fachleute zusammen (Wirtschaftsforscher, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, SRW, Länderfinanzministerien, Kommunale Spitzenverbände). Grundlage der Schätzung sind die Eckdaten der Bundesregierung. Für jede Einzelsteuer errechnen die Arbeitskreismitglieder Prognosen. Als nächstes werden die auf Bund, Länder und Gemeinden sowie die EU entfallenden Steuern ermittelt. Auch die Bundesregierung selbst erstellt jährlich eine Frühjahrsprognose. 2010 sieht die Regierung ein Ende der Krise und ein kleines Job-Wunder. Für 2011 wird mit 2,6% Wachstum (2012 1,8%) gerechnet. In der Schätzung im Herbst 2011 werden für den Gesamtstaat 16,2 Mrd. € mehr Steuern erwartet. Konjunkturprognosenprognosen werden auch von der OECD erstellt. Die Prognose ist eines der schwierigsten Gebiete der empirischen Wirtschaftsforschung. Exakte Prognosen sind im Bereich der Bevölkerung und der Ernte möglich. In der Regel sind Prognosen bedingt, d. h. sie treffen nur zu, wenn bestimmte angenommene Rahmenbedingungen eintreten. In der Statistik wird normalerweise die Trendextrapolation mit Hilfe der linearen Regression gelehrt. Im 17. Jahrhundert schrieb der Wissenschaftler Robert Boyle eine so genannte Wunschliste der Zukunft. Die meisten Vorhersagen wurden war: Krankheiten durch Transplantation heilen, fliegen können, geographische Breiten finden (Navi) und ein Schiff, das mit allen Winden segelt (Motorschiff). "Viele leben zu sehr in der Gegenwart: die Leichtsinnigen; andere zu sehr in der Zukunft: die Ängstlichen", Arthur Schopenhauer (Die Welt als Wille und Vorstellung; er war ein Wegbereiter der Moderne)).

"Der Trend stellte sich stets schwächer dar, ich selbst wurde bald nichtlinear. Ich sah das Gedankengebäude stehn, von außen, als wär` ich exogen. Und niemals werde ich erfahren, was Ober- und Untergrenze waren. Mein Geist mir selbst der Unbekannte, vermengt ex post nun mit ex ante: Meine Gedanken sind unelastisch, mein Handeln unheilbar stochastisch". Aus "Klagelied des Nicht-Ökonometrikers" von D. H. Robertson (O. V. Trebeis: Nationalökonomologie, Tübingen 1994, S. 251f.

Das Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt (Stefan Bergheim) misst seit 1970 die gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Entwicklungen in 22 reichen Ländern. In diesem Fortschrittsindex liegen die skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Finnland vor Japan. Deutschland liegt an 18. Stelle. Berücksichtigt werden vier Dimensionen: Bildung, Einkommen, Gesundheit, Umwelt.

-Messung von Wohlstand: Immer mehr rückt man vom Bruttonationaleinkommen (oder BIP) ab. Der Gini-Koeffizient kann die Verteilung von Reichtum darstellen. Der ökologische Fußabdruck misst, wie viel Agrarland benötigt werden, um die Ressourcen zu beschaffen, die die Einwohner verbrauchen. Der Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) wird jährlich vom UNDP der UN berechnet. Neben BIP pro Kopf gehen auch Lebenserwartung und Bildungssystem ein. Der Glücks-Index (Happy Planet Index, HPI) kombiniert Lebenserwartung, Lebenszufriedenheit und ökologischen Fußabdruck. Beabsichtigt ist auch, dass Bruttonationaleinkommen breiter zu messen: Der Konsum ist in reichen Ländern nicht mehr so sehr Glücksbringer, weil die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind. Andere Wünsche rücken ins Blickfeld, wie Umwelt, Arbeitsbedingungen und sozialer Zusammenhalt. Trotzdem hängt Zufriedenheit auch immer noch von Geld ab. Interpretiert man Wohlstand Richtung Lebensqualität kommen weitere Größen dazu: Nicht-Armutsrisiko, Soziale Kontakte und Beziehungen, Bildung, Gesundheit, persönliche Aktivitäten.

-Kennzahlen im (Extra-) Ausland: Der Case-Shiller Index zeigt die Entwicklung des US-Immobilienmarktes. Er enthält auch Teilindices für die Immobilienentwicklung der wichtigsten US-Wirtschaftsregionen und wird monatlich veröffentlicht. Federal Fund Rate: Ist der Zinssatz, der in den USA für Tageskredite innerhalb des Bankensystems gilt. Sie wird von der US-Notenbank gesteuert, indem sie dem Markt Liquidität entzieht oder zuführt. Die Federal Fund Rate gilt als der Leitzins der US-Geldpolitik. Der US Einkaufsmanagerindex wird vom Institute for Supply Management (ISM) in Arizona angefertigt. 400 Einkaufsmanager werden befragt. Er deckt auch den Euro-Raum ab. Mittlerweile wird auch ein Einkaufsmanagerindex in China erstellt. Der Consumer Sentiment Index der University of Michigan misst die Konsumneigung der Verbraucher in den USA. Der Tankan-Index in Japan wird von der Bank of Japan (BoJ) in Tokio herausgegeben. Er gleicht dem ifo-Index. Er ist einer der wichtigsten Frühindikatoren Asiens. Er misst die Stimmung von Großunternehmen der japanischen Wirtschaft. Der Baltic Dry Index (BDI) wird von Baltic Exchange in London veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein weltweites Maß für die Verschiffung wichtiger Frachtgüter. Die OECD arbeitet mit dem OECD-Frühindikator. Prognos ermittelt jährlich aus 34 Einzelindikatoren (z. B. Lohnkosten, Bildungsstand, Höhe der Zölle) für 100 Länder der Welt den Freihandels- und Investitionsindex. Die Rangliste wird von der EU, Singapur, den USA und Hongkong angeführt.

Internationale Verflechtungen werden unter anderem durch die Exportquote, die Importquote, den Offenheitsgrad und den Außenhandelsanteil gemessen. Ein neuer Früh-Indikator für den Welthandel ist der RWI/ISL-Containerumschlag-Index. Es sind die größten 20 Containerhäfen weltweit enthalten.

Fortsetzung des VWL - Lehrbuchs auf der Seite Fallstudie/ E-Learning: hier (Volkswirtschaftslehre, Inhalt: Fallstudien, Funktionsweise, Ideologien (Ideen) und Wirtschaft, wirtschaftspolitische Grundkonzeptionen, Marktbetrachtung (Grundlagen, Finanzmärkte, Umwelt, Arbeitsmarkt), Weltwirtschaftskrise,  Wirtschaftsordnungen) und auf dieser Seite "Methode" (Methode und Wissenschaftstheorie der VWL).

 

Zur Methode der Volkswirtschaftslehre (VWL):

"Eine Einführung in die Volkswirtschaft für Praktiker im Betrieb kann keine Anleitung dafür sein, wie man ein Geschäft oder eine Bank führt, wie man sein Geld gut anlegt oder wie man an der Börse schnell reich wird", Paul A. Samuelson nach Puhani, J.: Volkswirtschaftslehre für Betriebswirte, München 2009, Vorwort.

Aufgabe der Volkswirtschaftslehre (VWL) ist die Beschreibung, Erklärung, Prognose und wirtschaftspolitische Beratung bei ökonomischen Tatbeständen und Problemen. Die Tatbestände können systemunabhängig (Knappheit, Arbeitsteilung) und systemabhängig (Wirtschaftsordnung) sein. Die VWL orientiert sich an den Zielen "Vollbeschäftigung, Preisstabilität, Wirtschaftswachstum, Außenwirtschaftliches Gleichgewicht, Soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit" (Magisches Sechseck). Zwischen diesen Zielen können Konflikte, Komplementarität und Neutralität bestehen. Mit Modellen wird mathematisch, geometrisch, logisch (spieltheoretisch) oder verbal nach Lösungen gesucht. Im Vordergrund stehen die Einflussfaktoren ökonomischer Sachverhalte (Hypothesen, Operationalisierungen und Messungen dazu). Statistisch werden meist Zusammenhänge und Kausalitäten metrischer Merkmale untersucht. So wird die Korrelationsanalyse nach Bravais - Pearson oder die Regressionsanalyse eingesetzt. Zeitliche Folgen dürfen nicht mit Kausalbeziehungen verwechselt werden. Wenn die Wirtschaftspolitik (Ordnungspolitik, Prozesspolitik) durchgeführt wird, kann es zu Zeitverzögerungen (Lags) kommen. Die Geldpolitik kann schneller wirken als die Fiskalpolitik (beide gehören zur Prozesspolitik). Mit beiden Politiken werden Rezessionen bekämpft. Vorher muss die VWL erkennen, was die Rezession ausgelöst hat (Makroökonomik).

Die Methode ist eine Verbindung von Mathematik, ökonomischer Theorie und empirischen Methoden/ Statistik. Häufig geht es um Entscheidungen darüber, ob man eine bestimmte Aktivität ein bisschen ausdehnt oder ein wenig einschränkt (Marginalentscheidungen). Die Analyse solcher Entscheidungen führt die VWL mit der Marginalanalyse durch (mathematisch mit der Differentialrechnung). Insofern muss nicht immer alles 100-prozentig erfolgen, was getan werden muss. Will man das Verhalten von Menschen ändern (z. B. im Umweltbereich), so muss man Vorteile aufzeigen, die Menschen realisieren können (Anreize). Dies muss genau erfolgen:  sinkende Steuersätze sind z. B. mit den Einstellungen der Menschen, insbesondere zur Arbeit, abzugleichen. Sehr wichtig ist die Einbindung von Informationen. Die Effizienz von Finanzmärkten wird z. B. nach den benutzten Informationen beurteilt. Asymmetrische Informationen spielen in der Wirtschaftspolitik, z. B. der Umweltpolitik, eine große Rolle. Informationsgüter werden zunehmend zum Forschungsgegenstand (Eigentumsrechte, Preisbildung). Umweltschutzprobleme sind häufig die Folge unzureichend konstruierter Eigentumsrechte. Deshalb muss die Reformation dieser Rechte genau verfolgt werden. Die Einschätzung der Rationalität hat sich grundlegend verändert. Durch experimentelle Forschung rückt man vom "homo oeconomicus" ab und kommt zu realistischeren verhaltenswissenschaftlichen Folgerungen. Der Kern ist aber gleich geblieben, indem es darum geht, wie Menschen Entscheidungen treffen und wie diese Entscheidungen zusammenwirken. Die mathematischen und statistischen Grundlagen sind im Bachelor -Studium oft  zu wenig vorhanden bzw. bekommen zu wenig Raum neben den Kernfächern (kann durch E-Learning nicht ausgeglichen werden). Die Methode sollte dann auf die problemorientierten Bereiche "Arbeitslosigkeit", demographischer Wandel", Finanzkrise" bezogen werden. Die Studenten sollten mit ihrem Wissen kommunizieren und agieren können im Zusammenhang mit praktischen Problemen im Betrieb.

"Es ist noch viel zu tun, bis wir die Fragen der Fiskalpolitik beantworten können", US-Ökonomen auf dem Jahrestreffen mit der FED in Jackson Hole 2009.

 

Wissenschaftstheoretische Grundlagen der VWL:

"Die ganze Wissenschaft ist nichts anderes als eine Verfeinerung des Alltagsdenkens", Albert Einstein.

Das Vorgehen in der VWL ist oft deduktiv, d. h. der Schluss erfolgt vom Allgemeinen auf das Einzelne (es gibt auch induktive Methoden). Meist stammt das Wissen über existierende Dinge aber aus der Erfahrung (Empirismus). Dabei kann sich die Eigenschaft einer Aussage bei empirischer Überprüfung als falsch erweisen (Falsifizierbarkeit; nach Popper unterscheidet sich hier die Wissenschaft von der Nichtwissenschaft). Wird ein Theorem versuchsweise als wahr angenommen, spricht man von einer Hypothese. Axiome (nicht zu beweisende Annahmen) sollten vermieden werden (Gegenposition von M. Friedman). Häufig wird abstrahiert mit Modellen (vereinfachtes Bild einer sehr komplexen Realität, Komplexitätsreduktion), wobei mit Aggregation, Isolierung ("Ceteris paribus-Klausel") und  Mechanisierung (Verhaltensannahmen, "homo oeconomicus") gearbeitet wird. Dies sollte nicht zu Modellplatonismus (H. Albert) führen. Methodologischer Individualismus, rationales Verhalten und Knappheit sind zentrale Ausgangspunkte. Nach der Krise rücken "animal spirits" in den Vordergrund. Das Denken in Gleichgewichten (komparative Statik) verkürzt oft die Möglichkeiten. Eine ökonomische Situation ist im Gleichgewicht, wenn Menschen durch andere Handlungen nicht besser gestellt werden können. Zeitlich sind sowohl ex-post als auch ex-ante Betrachtungen (z. B. Prognosen) legitim. Die VWL geht nicht von einem Absoluten aus, d. h. sie kennt keine Wirklichkeit in höchster Vollkommenheit. Aber sie arbeitet mit Idealzuständen (z. B. vollständiger Wettbewerb). Kern ist die Analyse, bei der eine Sache verstanden werden soll, indem man sie zerlegt. Kausalitätszusammenhänge dominieren, Alternativen müssen geprüft werden (z. B. Chaostheorie für Finanzmärkte). Die VWL hat ihr eigenes Begriffssystem, in dem die Worte bestimmte Bedeutungen haben. Dialektik (These, Antithese, Synthese) und Dualismus (z. B. Kern- und Randbelegschaft) sind häufige Denkschemata. Ohne Ethik (die philosophische Reflexion über die Frage, welches Leben wir führen sollen) kommt die VWL nicht aus. Es geht immer auch um Gerechtigkeit, so dass jeder seinen fairen Anteil erhält. Wir dürfen nicht Alles nur vom Ökonomischen her denken. Dies darf aber nicht zum Überwiegen der Werturteile führen in der Wissenschaft. Effizienz knüpft in der VWL an Gerechtigkeit an, wenn alle Möglichkeiten genutzt werden, Menschen besser zustellen, ohne das andere schlechter gestellt werden (Pareto - Optimum).

Meinungsverschiedenheiten zwischen Ökonomen entstehen häufig durch durch die Frage nach den Vereinfachungen und über die Werturteile. Letzteres kann in einer normativen Wirtschaftswissenschaft münden. In der positiven Wirtschaftswissenschaft wird das Funktionieren der Wirtschaft analysiert. Trotzdem kann es auch hier zu Irrtümern kommen: die unbeabsichtigten Folgen von Politik sind einzurechnen, Löhne sind auf Arbeitsproduktivität und Stücke zu beziehen. Verallgemeinerungen sollten ganz vorsichtig verwendet werden (z. B. Überbevölkerungsproblem in der Welt, Protektionismus bei ausländischer Konkurrenz).

"Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst", Ernst Bloch (1885-1977, geboren in Ludwigshafen).

 

Wirtschaftsgeschichte und Geschichte der Ökonomie:

"Nichts macht konservativ-reaktionärer als entweder nur die Vergangenheit oder nur die Gegenwart zu kennen", das Zitat wird J. M. Keynes zugeschrieben, Quelle nicht bekannt.

Viele Jahrtausende betrug die Lebenserwartung etwa 25 Jahre, Hunger und Krankheiten bedrohten das Leben, über dreißig Prozent der Neugeborenen erlebten nicht ihren fünften Geburtstag. In den letzten 250 Jahren hat sich dies alles geändert. Der Lebensstandard konnte enorm wachsen. Dies war u. a.  durch Bildung, Patentrechte, Demokratie, bessere Arbeitsteilung und neue Rechtsformen (z. B. beschränkte Haftung) möglich. Es ist sehr lehrreich sich diese Ursprünge der Wirtschaftsgeschichte immer wieder vor Augen zu halten, um die Leistung moderner Wirtschaften zu würdigen. Natürlich leitet sich daraus eine hohe Legitimation für das Fach ab, was sich mit der Funktionsweise von Wirtschaften, nämlich die Volkswirtschaftslehre, beschäftigt.

Wirtschaftsgeschichte und Geschichte allgemein haben generell hat in Asien einen höheren Stellenwert. Gerade in China wird immer wieder darauf verwiesen, dass das Land bis Mitte des 19. Jahrhunderts die größte Volkswirtschaft der Erde war und das viele technologische Errungenschaften aus China kommen. Die historische Methode hat aber neben der Mathematik, Statistik, Logik, Experimenten u. a. eine gleichberechtigte Stellung in der VWL.

Die Gedanken und Ideen der einflussreichsten Ökonomen waren auch durch die Zeit, in der sie lebten, geprägt. Adam Smith (1723 bis 1790, gilt als "Urvater" der Volkswirtschaftslehre) entwickelte das Wettbewerbskonzept der "unsichtbaren Hand". Er bricht mit der bis dahin herrschenden dirigistischen Wirtschaftsform des Merkantilismus (Zölle, Exportsubventionen). David Ricardo (1772-1823) plädierte mit seinem Konzept der komparativen Kosten für internationalen Handel. Karl Marx (1818 bis 1883) analysierte den Kapitalismus und knüpfte an die Arbeitswertlehre von Ricardo an. Alfred Marshall (1842 bis 1924) führte das Angebots-Nachfrage-Modell (Marshall-Diagramm) ein und begründete die Wohlfahrtsökonomie. John Maynard Keynes (1883 bis 1946) baute ein neues makroökonomisches Modell, um Weltwirtschaftskrisen zu bekämpfen (Dominanz und Unterstützung der Nachfrage). Milton Friedman (1912 bis 2006) wies auf die einmalige Rolle des Geldes hin (Monetarismus). Als Gründervater der modernen Volkswirtschaftslehre gilt Paul Anthony Samuelson (1915-2009), der das erste weltweite Lehrbuch verfasste und einer der letzten Generalisten war.

Aber auch vor den großen Ökonomen und ihren Theorien gab es ökonomische Analysen im Rahmen der Philosophie. Wichtige Elemente finden sich bei den klassischen griechischen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles (z. B. Allmendeproblem). Das mittelalterliche Denken, vor allem Augustinus, haben einen Beitrag geleistet (z. B. kanonisches Zinsverbot). Dann folgen die großen Rationalisten (Descartes), die großen Empiristen (Hume) und die revolutionären Denker in Frankreich (Voltaire).

 "Der Prozess der schöpferischen Zerstörung ist für den Kapitalismus wesentliches Faktum..., der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft", J. A. Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus, Demokratie, New York 1942; S. 137f. (nach der deutschen Ausgabe, München 1980).

 

Zusammenhang "Modell, Planspiel, Rollenspiel und Simulation":

"Des Menschen Auge sieht weit, des Menschen Verstand sieht weiter", Dschingis Khan.

Das Modell ist ein vereinfachtes Abbild eines Stückes der Realität. In der Volkswirtschaftslehre ist das Denken in Modelle eine übliche Vorgehensweise. Das Abbild ist immer subjektiv geprägt. Wenn man mit einem Modell arbeitet, das über Zahlen definiert ist und damit Vorgänge nachahmt, und das zusätzlich noch eine dynamische Betrachtungsweise hat, spricht man von Simulation. Meist wird der formulierte Spielrahmen heute am Computer berechnet. Sind in dieses Simulationsmodell Menschen mit ihrem Verhalten als Entscheidungsträger eingebaut, nennt man dies Planspiel.  Vgl. Matischiok, G. M.: Denken in wirtschaftlichen Zusammenhängen, Stuttgart 1999, S. 21. Beim Rollenspiel wird ein Planspiel in sehr kompakter Form in der Regel als Theaterstück vor einem Publikum vorgespielt. Dies kann persönlich ablaufen oder vorher in einem Video aufgenommen sein. Vgl. als Veranstaltung hierzu "Psychologie &Kommunikation".

"Die Zukunft war früher auch besser", Karl Valentin.

 

Statistik: 

"Wenn vor Jahren schon, die Zahl der Brücken veröffentlicht wurde, die in den nächsten Jahren einstürzen werden, und diese Brücken dennoch einstürzen, ist damit nichts gegen die Statistik gesagt, sondern einiges über die bedauernswerte Tatsache, dass die richtigen Zahlen nie von den richtigen Leuten zur rechten Zeit gelesen werden", Dieter Hildebrandt, Kabarettist.

Gesundheitskennzahl. Um den Nutzen des deutschen Gesundheitssystems besser beurteilen zu können, soll eine statistische  Maßzahl konstruiert werden, die den Gesundheitszustand der Bevölkerung indiziert. Erst dann könnten die gestiegenen Kosten, insbesondere im Bereich der Zivilisationskrankheiten, richtig eingeordnet werden. Gehen Sie auf einige Probleme einer solchen Maßzahl ein.

"Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) beruht auf fünf Säulen: chinesische Arzneitherapie, Akupunktur und Moxibustion, Tuina-Massage, Ernährungslehre und Qigong.

Der Bettler in der Wohlstandsgesellschaft (Armut). Stellen Sie einen Forschungsplan auf (u. a. mindestens eine Forschungsfrage, mindestens eine Hypothese, Auswahlverfahren usw.) für eine empirische Studie. Diskutieren Sie auch mögliche auftretende Probleme.

In der Statistik wird immer interessanter, wie Lügen verkauft werden: Bei der Bayrischen Landesbank war die ursprünglich genannte Abschreibung 1,8 Mrd. €. Diese Zahl erwies sich nach Aussage führender Politiker als "nicht belastbar", so dass sie sich auf 4,3 Mrd. "aufblähte".

Messung der Internationalen Wettbewerbsfähigkeit (betriebs- und volkswirtschaftlich).

In der Statistik ist die Fallstudie auch immer Teil der Klausur (10%). Die meisten meiner Fallstudien aus der Statistik beschäftigen sich mit Problemstellungen aus der Marketing - Forschung.

"There are three kind of lies: lies, damned lies, and statistics", Benjamin Disraeli, englischer Schriftsteller und Politiker.

Zahlreiche mathematische Übungsaufgaben zur Statistik enthält mein Skript. Ebenso ist darin eine Klausur enthalten. Zusätzlich gibt es viele Übungsbücher der Statistik.

 

"Es gibt in der Pfalz ein liebes Nest, das hält mein Herz und meine Seele fest", Karl May über die Villa Motzenbäcker in Ruppertsberg, Pfalz (am 30. März 1912 starb Karl May in Radebeul bei Dresden).

Der Pfälzer Dialekt bietet eine Menge von Begriffen, um die Benutzer gewisser methodischer Regeln und Verfahren humorvoll zu kennzeichnen: Dappschädel, Dibbelschisser, Dollbohrer, Griwwelbisser, Labbeduddel.