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Werner Krämer Ostasien/ Global |
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"Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt. Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels", Laotse (Laozi, chinesischer Philosoph, 6. Jh. v. Chr., Begründer des Taoismus, Die Weisheit des Tao Te King, Das Buch vom Sinn und Leben). Hat Laotse das Internet vorhergesehen? Good afternoon
konnichiwa
Buenos dias Ostasien (insb. China, Japan) hat folgende Gliederung: Lage und Entwicklungen, Institutionelle Rahmenbedingungen und Wirtschaftspolitik, Wissen, Buchtipps, Autarkie versus Freihandel, Makroökonomische Daten (mit Umwelt, Außenwirt.),Management, Unternehmen, Markt, Wirtschaftsbeziehungen China und Japan, Kyoto als Symbol, Ostasien als Teil der Globalisierung, Probleme, Tagungen, Aufenthalte.
Nach dem Buch der Riten ist die Schildkröte in China eines der vier heiligen Tiere. Sie symbolisiert Kraft, Ausdauer, Festigkeit und langes Leben. Schon früh leitete man von ihr kosmische Bezüge ab (gewölbter Panzer als Versinnbildlichung des Himmelsgewölbes, glatte Unterseite als die auf dem Wasser schwimmende Himmelsscheibe). "Behold the turtle. He makes progress only when he sticks his neck out", James Bryant Conant, 1893-1978, American scientist, president of Harvard University.
"Die Wahrheit in den Fakten suchen", Deng Xiaoping (Schöpfer des modernen, pragmatischen Chinas; 1997 gestorben; 1974 Ministerpräsident, 1977 wurde er wieder stellvertretender Ministerpräsident, 1978 und 1992 stellte er entscheidende Weichen in der Reformpolitik). China: (direkt zu Japan bzw. Sonstige Länder in Asien, ( Indien) auch Australien & Wirtschafts-Integrationen)
Das in aller Welt gebräuchliche Wort "China" geht auf den Begründer des Kaiserreichs Shao Sheng zurück, der sich als Kaiser Chín Shi Huang ti nannte, nach seinem Herkunftsland Chin. Er vereinigte 221 vor Christus das in sieben Teilreiche zerfallene Land. Er begründete das chinesische Kaisertum, das in dieser Form 2133 Jahre bis zum letzten Kaiser Pu Yi im Jahre 1912 Bestand hatte (die berühmte Terrakotta-Armee gehört zu den Grabbeigaben des ersten Kaisers. Die Chinesen selbst nennen ihr Land Zhongguo = Reich der Mitte. Deguo = Deutschland ist das Land der Tugend. Das Hochchinesische "Mandarin" nennen die Chinesen Putonghua (Allgemeine Sprache) , Zhongwen (Chinesische Sprache) oder Guoyu (Nationalsprache). Das alte, kaiserliche China sah sich als ein Reich, das "alles unter dem Himmel" ist (Tianxia, aus tian-Himmel und xia-darunter). Konjunktur: Im ersten Quartal 2011 läuft die Wirtschaft heiß. Im dritten Quartal schwächt sich das Wachstum auf 9,1% ab, im vierten Quartal auf 8,9%. Das Wachstum flaut auch in China ab. Die Industrie schrumpft auch im Dezember. Insgesamt wird 9,2 % Wachstum für 2011 erreicht (2012 etwa 8%-8,5%, im März 12 auf 7,5% korrigiert, Weltbank-Prognose 8,2%). Die Inflation steigt auf den höchsten Stand seit 2008 (5,4%). Dann flaut die Wirtschaft, insbesondere die Produktion, etwas ab (schlechte Nachfrage aus USA, Geldpolitik). Die wegen der Inflation harte Geldpolitik soll gelockert werden wegen einer Abschwächung der Weltwirtschaft. So ergibt sich Ende 2011 eine Stopp- (Leitzins und Mindestreservesatz erhöht) und Go-Politik (Verteilung von Geld und Krediten durch den Staat). Anfang 2012 wächst der Außenhandel deutlich langsamer. Der Mindestreservesatz wird im Februar 2012 wieder auf 20,5% gesenkt, um "eine harte Landung zu verhindern". Im ersten Quartal 2010 lag das Wirtschaftswachstum bei 11,9% (vor allem durch den Privaten Konsum getragen). Im Mai steigen die Exporte um 49% (Februar 2010 steigen die Exporte um 45,7%, die Importe um 44,7%). Chinas Importe wachsen im Herbst 2011 schneller als die Exporte (Wachstum aus eigener Kraft). Die Industrieproduktion stieg um 21%. Im März gibt es erstmals wieder einen Importüberschuss (7,24 Mrd. $, wegen Konjunkturprogramm). Allerdings steigt auch die Inflation um +2,7%. Dies zeigt China insgesamt als Gewinner der Krise und zunehmend als Anker der Weltwirtschaft. Allerdings gibt es 2010 auch Warnsignale für einen Crash an den Finanzmärkten (vor allem Immobilienmarkt, es könnte ein Preissturz kommen, es könnten Unruhen drohen). Damit zusammenhängend ist ein gewaltiger Bauboom. Mitte 2010 verdichten sich die Indikatoren für einen Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Dieser würde auch die Banken mit in den Abgrund ziehen. Indizes deuten Mitte 2010 auch auf sinkende Produktion und Exporte (Auslaufen Konjunkturprogramme, Einschränkung der Kreditvergabe). Von Januar bis Juli 2008 ging der Außenhandelsüberschuss noch um 9,6% zurück (immer noch 123,7 Mrd. $). Im November 08 brechen die Exporte dramatisch ein (erstmals seit sieben Jahren Rückgang, -2,2%). 2009 wurden bis August 23,4% weniger exportiert als letztes Jahr. Noch schlimmer ist der Einbruch im ersten Quartal 09. So stellt sich im März 2010 erstmals seit sechs Jahren ein Handelsdefizit heraus. Von April bis Juni 09 wuchs die Wirtschaft allerdings wieder um 7,9%, für das Jahr 2009 beträgt das Wachstum 9,1% (letztes Quartal 10,7%). Die Produktion ist danach gegenüber dem Vorjahr um 12,3% gestiegen. Würde das Wirtschaftswachstum unter 8% betragen, wäre höhere Arbeitslosigkeit die Folge, man braucht mindestens 8%; geringstes Wachstum seit 17 Jahren; immerhin als einzige der großen Volkswirtschaften noch relativ hohes Wachstum mit 8,7% 2010. Die Krise trifft Exportfirmen und mittelgroße Firmen besonders hart. Die Regierung macht im Herbst 2008 ein Konjunkturprogramm . Mit weiteren großen Ausgabenprogrammen, die die Sozialversicherung und denFinanzsektor weiter ausbauen, sollen die Sparquote gesenkt und der Konsum angeregt werden. Der Konsumanreiz gelingt 2009 nicht wie erhofft. Ab Juni 2009 ist wieder ein Zuwachs der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe zu beobachten (schon im ersten Halbjahr hat die Produktion wieder um 7% zugelegt). Durch die Bindung an den Dollar profitiert China bei den Exporten. Der Stahlboom hält an, China scheint über Bedarf zu produzieren. Es drohen Überkapazitäten und eine Überflutung der Märkte mit Billigprodukten. Auf dem Immobilienmarkt droht einen Überhitzung. Der Staat drosselt die Kreditvergabe der Banken. "Wenn China bebt, erzittert die Welt", Alain Peyrefitte, 1973. Seit Oktober 2007 hat der Shanghai-Index rund 60% verloren. In Folge der Hypothekenkrise in den USA kommt es zu weiteren Kurseinbrüchen. Am stärksten am 21. 01.08 (größter Abfall seit 11.09.01). Nach der amerikanischen Leitzinssenkung durch die Fed um drei Viertel Prozentpunkte begann eine Berg- und Talfahrt an den asiatischen Aktienmärkten (-26% Hang Seng gegenüber dem Höchststand 2007, CSI Shanghai 2008 -30%). Weitere dramatische Kurseinbrüche gibt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Ebenso nach Ablehnungen des Rettungspakets in den USA (auch Nikkei, Sensex) und am 06.10.08 (Einbruch beim Hang Seng). 2008 verzeichnet der MSCI China Index einen Rekordverlust von 53%. Im ersten Quartal 2009 steigt er um 50%! Mitte 2009 herrscht wieder Euphorie und die Kurse steigen weiter (bis Mitte 2009 ca. 50%). Am 19.08.09 kommt es zu einem Einbruch. In China könnte vor einer Situation wie Japan in den Neunziger Jahren stehen. Die Zinsen werden mehrmals gesenkt. Im März 2007 bricht der Handelsüberschuss ein. China verdrängt 2006 Deutschland von der dritten Stelle der Automobilproduzenten (hinter den USA und Japan, das wohl 2007 überholt wird). 2006 wächst der Autoabsatz um 40%. Die Regierung setzt seit 2006 auf einen Wqchstumskurs mit mehr Konsum und weniger Exporte. Die heimische Nachfrage soll den Exportrückgang auffangen. Die Regierung schnürt im November 2008 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 450 Mrd. $, das vor allem der Infrastruktur zugute kommen soll. Durch die Initiativen lokaler Regierungen wuchs es auf 1,2 Bill. €. Im März 2009 wird das Programm noch erweitert (465 Mrd. € werden bereitgehalten). Es herrscht die größte Energieknappheit seit 20 Jahren, es droht eine Trinkwasserkrise; das starke Wirtschaftswachstum bedroht insgesamt die Umwelt. China kümmert sich verstärkt um Afrika: bis 2010 soll der Handel auf 100 Mrd. $ verdoppelt werden; China ist besonders an Rohstoffen interessiert. Ende Januar 2007 besucht Hu Jintao zum 2. Mal binnen eines Jahres den Kontinent (mit 3 Mrd. $ Krediten). "China hat anderen Ländern nie seinen Willen aufgezwungen und wird das auch in Zukunft nicht tun", Hu Jintao zu dem Vorwurf, sein Land wolle Afrika kolonialisieren. 2007 rückt China an die 2. Stelle der Exportländer und wird voraussichtlich 2009 Deutschland als Exportweltmeister ablösen. Befristete Sonderangebote werden wegen Tod durch Drängelei verboten. Der Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft ruft kurz vor Beginn der Olympischen Spiele zu einem fairen und vertrauensvollen Umgang der Deutschen mit China auf. "China überspringt gerade mehrere Entwicklungsstufen, für die Europa Jahrzehnte brauchte", Jürgen Hambrecht, vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses und BASF. Gesellschaft, Politik und Reformen: Der steigende Reformstress und der wachsende Abstand zwischen Armen und Reichen führt zu einer wachsenden Zahl gewaltsamer Auseinandersetzungen, vor allem in den armen Provinzen (z. B. in Donzhou: 20 Tote bei Protest gegen Enteignung für ein Windkraftwerk, zum Ausgleich fehlt ein funktionierendes Rechtssystem), das Einkommen der Bauern hält dem schnellen Wachstum nicht stand, Wanderarbeiter sterben zu Tausenden (weniger als 20% aller Erwerbstätigen sind in einer Sozialversicherung). Chinas Bergwerke sind die gefährlichsten der Welt. Ein schweres Unglück ist im November 2009 mit 104 Toten. Das letzte schwere Unglück ist im April 2010 in der Provinz Shanxi. 115 Kumpel können gerettet werden. Vom 15. 10. - 20. 10. 07 fand der 17. Parteitag der KPC statt, wo die Richtlinien für die zukünftige Politik aufgestellt werden. Das "blinde Wachstum" soll beendet werden (gerechtere Verteilung des Wohlstands und mehr Umweltschutz). Außerdem konnte Hu Jintao mehr Anhänger in den ständigen Ausschuss des Politbüros (9 Mitglieder) hineinholen . Ab 5. März 2007 fand der Nationale Volkskongress für 10 Tage statt, auf dem knapp 3000 Delegierte den 5-Jahresplan beschlossen (Vorsitzender: Wu Bangguo). Es ging u. a. um ein umweltfreundliches Wirtschaftswachstum (Energie sparen, geringere Verschmutzung), mehr Gerechtigkeit und ein neues Eigentumsrecht. Bis Mitte März 2008 findet wieder der Nationale Volkskongress statt. Die Regierung soll transparenter werden: die 28 Ministerien, 37 Zentralbehörden und 29 Koordinationsstellen sollen transparenter und verringert werden. Xi Jinping, auch Präsident der Parteihochschule, soll zum stellvertretenden Staatspräsident gewählt werden, Li Keqiang zum stellvertretenden Ministerpräsidenten. Vom 05.03. bis 19.03.2009 berät der Nationale Volkskongress über die Wirtschaftskrise. Die steigende Arbeitslosigkeit schürt die Furcht vor Unruhen. Auf dem am 05.03.10 beginnenden Volkskongress wird versucht, den Immobilienmarkt abzukühlen. Der überhitzte Immobilienmarkt ist die Schattenseite des Booms. Mao-Nachfolger Hua Guofeng starb im August 2008. Auch China beteiligt sich mit zwei Zerstörern an der Piratenjagd vor Somalia (erstmals seit 200 Jahren außerhalb Chinas). Bei einem Besuch der US-Außenministerin Hillary Clinton in China im Februar 2009 vereinbaren beide Länder mehr Kooperation in der Wirtschaftspolitik. Im Frühjahr 2009 will sich China in europäische Firmen einkaufen. Mitte März 2011 beschließt der Volkskongress wieder einen neuen Fünfjahresplan: 1,5 Billionen Dollar werden in die Schlüsselindustrien investiert (Erneuerbare Energien, Informationstechnologie, Elektroautos). 45 Flughäfen werden gebaut. "...Und wenn sie ihre Bäume rot anstreichen, können wir das zwar komisch finden, die kulturellen Unterschiede sollten wir bei der Beurteilung dieser Spiele aber nicht vergessen, Jochen Zeitz, Puma, im Handelsblatt Nr. 163, 22.08.08, S. 7. In China gibt es mittlerweile 300.000 Dollar-Millionäre und 64 Dollar-Milliardäre (2010, Forbes). Anwohner sollen die chinesische Mauer vor Vandalismus schützen. Anlässlich der Olympischen Spiele hat die KP im Sommer 2006 eine Benimm-Kampagne für Chinesen gestartet. Sie richtet sich an Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und an Manager von Staatsbetrieben. Über 2 Mio. Menschen wurden wegen der Spiele umgesiedelt. Ca. 45% aller in China verkauften Bücher, Filme, CDs und Computerprogramme sind Raubkopien (Xinhua). Die Kontrolle ausländischer Presseagenturen wird verschärft (Xinhua hat Vorzensur). Für Olympia 2008 wird auf Zeit die Pressefreiheit gelockert. 2005 übernachteten ca. 850.000 Chinesen in Deutschland (70-80 Mio. können sich eine Auslandsreise leisten). Michael Schäfer wird neuer deutscher Botschafter in China. Die chinesische Führung stockt 2007 ihre Truppen im muslimischen Gebiet "Xinjiang" auf in der Furcht vor Unruhen. China stoppt den Organ-Tourismus 2007 (2005 zwischen 15.000 und 20.000 Organverpflanzungen bei Ausländern für durchschnittlich 60.000€). Ende März 2007 besucht der chinesische Präsident Hu Jintao Russland, das ein wichtiger Energielieferant ist (strategische Partnerschaft bei Öl und Gas). Ende Mai 2007 besucht Bundespräsident Köhler China: die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Umweltschutz, Energie und Kultur soll verstärkt werden. Die chinesische Polizei zerschlägt 2007 einige Menschenhändlerringe, die auch Kinder als Sklaven gehalten haben. Am 01.07.07 feiern Hongkong und China den 10. Jahrestag der SVZ ("Ein Land, zwei Systeme"). Der Chef der Aufsichtsbehörde Für Lebensmittel und Arzneien Zheng Xiaoyu wurde Mitte 2007 hingerichtet. Angesichts drastisch steigender Lebensmittelpreise, insbesondere von Fleisch, fürchtet die Regierung im Sommer 2007 soziale Unruhen. Bei ihrem China-Besuch Ende August 2007 mahnt die Bundeskanzlerin die Einhaltung der internationalen Spielregeln an. Ende August werden 5 Minister ausgewechselt. Der Dalai-Lama-Besuch im Kanzleramt bei Frau Merkel erzürnt die Regierung in Peking, sie sagt mehrere Gesprächstermine ab. (Die Bundesregierung unterstützt das Autonomiestreben Tibets). Auch die Imagekampagne "Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung", die drei Jahre laufen sollte, ist ins Stocken geraten. Am 28.11.07 fand der EU - China - Gipfel in Peking statt. Erst im Januar 2008 wird die diplomatische Krise zwischen Deutschland und China beendet. Ende Januar 2008 zum Frühlingsfest wird China von der größten Schneekatastrophe seit Jahrzehnten heimgesucht (Schäden in Höhe von 5 Mrd. €). Demonstrationen und Proteste in Tibet (Autonomie, Religionsfreiheit) im März 2008 werden gewaltsam niedergeschlagen. Die Unruhen greifen auch auf andere Provinzen über. Der Dalai Lama spricht von "kulturellem Völkermord". China lehnt den Dialog mit dem Dalai Lama ab. Zehntausende ausländische Studenten müssen während der Olympischen Spiele das Land verlassen. Auch Geschäftsvisa aus Hongkong werden verschärft. Am 12. Mai 2008 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Sichuan (über 70.000 Tote). Zerstört wurde auch das Venedig des Ostens Dujiangyan, das zu den drei Weltwundern der chinesischen Antike zählt. Der Wiederaufbau dürfte insgesamt mindestens drei Jahre dauern und ca. 500 Mrd. Yuan (50 Mrd. €) kosten. Deutschland leistet Hilfe durch mobile Krankenhäuser und den Wiederaufbau von Schulen. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi erklärt die Beziehungen offiziell wieder für normal. Im April 2010 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Qinghai (12.00 Verletzte, 100.000 Menschen ohne Wohnung). Vor den Olympischen Spielen legt die Regierung das Programm "soziale Harmonie und Stabilität schützen" auf, um gegen Kritiker in den Provinzen vorzugehen. In West-China führen die Uiguren mehrere Attentate durch. Die auch für die internationale Presse verhängte Internetzensur wird kurz vor Beginn der Spiele gelockert. Die Spiele wurden am 08.08. 2008 eröffnet. Nach dem Ende der Paralympics wird das Fahrverbot einzelner Tage in Peking beibehalten. Eine Chemikalie (meist Melamin) im Milchpulver verschiedener Hersteller (20 Firmen) macht in China über 50.000 Kinder krank. Der Chef der Qualitätskontrolle tritt zurück. Deutsches Milchpulver soll den Bedarf decken. China lässt Ende Nov. 08 den China- EU-Gipfel platzen, weil Sarkozy den Dalai Lama treffen will. 2009 wird ein neuer "Gedenktag der Befreiung der Leibeigenschaft" der Tibeter vor 50 Jahren verkündigt (Propaganda: das Gute soll das viele Schlechte in Begleitung der gewaltsamen Kollektivierung übertünchen). Dieser Gedenktag der Machtübernahme in Tibet vor 50 Jahren wird am 28. März 09 gefeiert. Die chinesische Regierung veröffentlicht im April 2009 einen Aktionsplan für Menschenrechte (stärkerer Rechtsschutz, Einkommensverbesserungen, erweiterte Möglichkeiten für Rechtsbeschwerden). Die geheimen Memoiren vom ehemaligen KP-Chef Zhao Ziyang über die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 geben tiefe Einblicke in die Struktur der KPC. Der wichtigste Dissident Chinas Bao Tong gibt am 18. Mai 09 ein viel beachtetes Interview im Handelsblatt. Ende Juni 2009 kommt es zu schweren Unruhen in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Im Juli kommen bei Unruhen von Uiguren in der westchinesischen Provinz Xinjiang über 200 Menschen ums Leben (die muslimischen Uiguren fühlen sich von den Han-Chinesen unterdrückt, es gibt später 200 Gerichtsverfahren). Vor dem 60. Geburtstag der Staatsgründung am 01. 10. wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt (Ausländer nicht nach Tibet, Ring um Peking, strenge Kontrolle). Die Feierlichkeiten wurden mit einer gewaltigen Parade begangen. Der Ehrenpräsident des chinesischen PEN-Clubs, Liu Xiaobo, muss elf Jahre ins Gefängnis. Ende 2009 wird das Grab des legendären Herrschers Cao Cao bei der Stadt Anyang in der Provinz Henan entdeckt. 2010 will sich Google aus China zurückziehen wegen der Zensur. Peking droht den USA mit Sanktionen wegen der Waffenlieferungen an Taiwan. Der private Empfang des Dalai Lama bei Obama belastet die Beziehungen weiter. Im Süden Chinas wurden Mitte 2010 1,4 Mio. Menschen wegen einer drohenden Hochwasserkatastrophe evakuiert. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in China im Juli 2010 sollen die Beziehungen beider Länder auf eine völlig neue Ebene gestellt werden (Zusammenarbeit bei der Reform der Finanzmärkte und beim Kampf gegen Klimawandel). Im September 2010 löst Premier Wen Jiabao in der Staatsspitze einen Streit über die Zukunft der Reformpolitik aus ("Donner ohne Regen"?). 2010 bestimmt China den zukünftigen Partei- und Staatschef: Xi Jinping. Auf den Friedensnobelpreis an Liu Xiabao reagiert die chinesische Führung hysterisch und erfindet sogar einen Gegennobelpreis, den Konfuziuspreis. Ende 2010 startet der oberste Korruptionsbekämpfer Wu Yuliang eine neue Kampagne gegen "Extravaganz und Verschwendung". Verschwenderische Exzesse der Spitzenfunktionäre kosten Milliarden. Im Januar 2011 besucht Chinas Präsident Hu Jintao die USA. 2011 wird die Todesstrafe für zahlreiche Verbrechen abgeschafft. Im April 2011 wird der Künstler Ai Weiwei verhaftet (Wirtschaftsverbrechen lautet die Anschuldigung). Vor dem Deutschland -Besuch der Regierung wird er freigelassen zusammen mit dem Menschenrechtsaktivisten Hu Jia. Beim Besuch werden Wirtschaftsverträge in Höhe von 10,6 Mrd. € unterzeichnet. Jeder 50. ausländische Tourist kommt mittlerweile aus China. 2012 bekommt China wahrscheinlich eine neue Doppelspitze: Xi Jinping und Li Keqiang. Im Februar 2012 besucht die Bundeskanzlerin Merkel China (fünfte Mal als Kanzlerin, Hilfe bei der EU-Schuldenkrise, Werbung für chinesische Direktinvestitionen in D.). Am 05.03.12 beginnt wie jedes Jahr der Volkskongress in der Großen Halle des Volkes in Peking (3000 Mitglieder). In den mittleren und niedrigen Gehaltsgruppen soll das Einkommen erhöht werden, um die Binnenkonjunktur zu stärken. Die Abhängigkeit vom Außenhandel soll verringert werden. Es wird ein neues Gesetz für Geheimarrest beschlossen. Im Herbst 2012 ist dann der Kongress der Kommunistischen Partei, bei dem die neue Parteiführung gekürt wird. Der Vorsitzende der KPC in der Metropole Chongqing ist im März 2012 seines Amtes enthoben worden (er galt als kommender Star, Sohn eines der "acht Unsterblichen"). Im April 2012 flüchtet der Regimekritiker Chen in die amerikanische Botschaft in Peking, verlässt sie zu einem Klinikaufenthalt. Er kann die USA ausreisen. Im Mai 2012 weist China erstmals seit 14 Jahren wieder die Journalistin Melissa Chan von Al Jazeera aus."Wir müssen auf der Basis von Chinas tatsächlichen Gegebenheiten demokratische Politik mit chinesischen Besonderheiten erforschen", Wen Jiabao, chinesischer Regierungschef. "China? Eine günstige wirtschaftliche Entwicklung hängt nicht am politischen System", F.-W. Steinmeier, ehemaliger Bundesaußenminister. Technologie/ Innovationen: China hat ein neues Internetgesetz gegen "Blogger" erlassen (137 Mio. Internetnutzer 2006, Zuwachsrate +23% jährlich); 2006 wird die Tibet-Bahn, die höchste Eisenbahnstrecke der Welt, nach fünf Jahren Bauzeit von Qinghai nach Tibel in Betrieb genommen. 2006 startet die Regierung eine Innovationsoffensive. China zerschießt den alten Wettersatelliten "Fengyun 1C" und zeigt damit, dass es in einen Weltraumkrieg eingreifen könnte. China bringt im Januar 2007 zwischen Shanghai und Hangshou bzw. Nanjing den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen aus Japan auf die Schienen. Die reichste Provinz Chinas "Jiangsu" will als erste die Vorgaben des Volkskongresses 2007 umsetzen: neues Bewertungssystem für Wohlstand mit Zustand von Umwelt, Bildung, medizinischer Versorgung. Die Racketsportart Taiji Bailong Ball, die in China erfunden wurde, findet im westen immer mehr Anhänger. Sie verbindet westliche Techniken (Schläger und Ball) mit asiatischer Bewegungsphilosophie. Im Sommer 2007 kommt heraus, dass China mit sogenannten Trojaner-Spähprogrammen die Bundesregierung ausspioniert. Am 24. 10. 07 wird der erste Satellit zum Mond geschickt vom Raumbahnhof Xichang. China plant langfristig eine Verbesserung seiner militärischen Fähigkeiten. Dabei spielt die Luft- und Raumfahrt eine Schlüsselrolle. Hier muss China bald nicht mehr abkupfern. Im Mai 2008 wird zwischen Shanghai und Ningbo die längste Brücke der Welt freigegeben. Es wird ein riesiger Atom-U-Boot-Bahnhof im südchinesischen Meer gebaut. 2009 werden die Atom-U-Boote vor Qingdao präsentiert. Im September 2008 startet China seine dritte bemannte Weltraummission; Zhai Zhigang soll einen Weltraumspaziergang machen. China entdeckt immer mehr Weihnachten mit Weihnachtsbäumen und europäischer Musik als Anlass für Partys und Geschenke. Beim Deutschlandbesuch von Wen Jiabao 2009 wird eine weitere Zusammenarbeit beim Transrapid, bei Energie, Umwelttechnik und Finanzdienstleistungen vereinbart. 2009 kauft sich China in Firmen ein, die über Schlüsseltechnologien im Flugzeugbau verfügen, um langfristig Boing und Airbus Konkurrenz machen zu können. Ende 2009 schießt man Chemikalien in die Wolken, um Regen über Peking zu erzeugen. Es schneit, ohne dass Heizungen eingeschaltet oder Straßen geräumt werden. In Chansa/ Hunan hat China einen Supercomputer gebaut (Tianhe, viertschnellster der Welt).2014 soll der erste in China entwickelte Passagierjet auf den Markt kommen. Anfang 2010 testet man erfolgreich ein neues Raketenabwehrsystem. 2010 wird die Transrapid von Shanghai nach Hangzhou genehmigt. 2010 investiert China 100 Mrd. Dollar in den Ausbau eines Hochgeschwindigkeits-Schienennetzes. Der Verkehr vor Peking (vor allem im Norden) staut sich oft auf 100 km. Eine Tram auf Stelzen soll Abhilfe schaffen. Die längste Schnellbahn der Welt von Peking nach Shanghai über 1300 km geht bald im Juni 2011 in Betrieb. 2011 testet China erstmals einen Tarnkappenbomber (15-minütiger Jungfernflug). Auf der Luftfahrtschau in Paris 2011 wurde der erste Prototyp eines chinesischen Passagierjets vorgestellt. Wegen der CO2-Abgabe werden Airbusbestellungen storniert.Die Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen Ende Juli 2011 und in einer Chemiefabrik in Dalian im August lassen viele Chinesen am Nutzen des technischen Fortschritts zweifeln. Die Modernisierung der F-16-Kampfflugzeuge Taiwans durch die USA stört die bilateralen Beziehungen. Ende September 2011 schießt China die erste Weltraumstation (Testmodul) ins All. China will ein Konkurrenzflugzeug zu Boing und Airbus bauen. Internationale Zulieferer sollen helfen. Im Januar 2012 kommt es vor einem Apple-Store in Peking zu Tumulten (zu großer Andrang, Banden von Schwarzmarkthändlern). "China, Indien und Korea werden mit rasantem Tempo immer einflussreichere Spieler auf dem Patentmarkt", Alain Pompidou, Präsident des Europäischen Patentamtes. "Sein Licht unter den Scheffel stellen und den rechten Augenblick abwarten", Deng Xiaoping. Konjunktur: Im ersten Quartal 2012 erholt sich Japans Wirtschaft (BIP +1%; Konsum, Export, Aufbau des Nordostens). 2011 hat Japan das erste Handelsbilanzdefizit seit 30 Jahren. 2011 wird Japan durch die Naturkatastrophe (Erdbeben, Tsunami, Atomkraftwerke) zurückgeworfen (1. Quartal -0,9%). Im Mai 2011 brechen die Exporte um -10,3% als Folge des Erdbebens ein. Gleichzeitig im Mai stieg die Industrieproduktion wieder um 5,7% zum April. Die Regierung rechnet 2011 mit Mini-Wachstum von 0,5%. Die Rating -Agentur Moody´s stuft Japan im August 2011 herab (von Aa2 auf Aa3) . Auch der Einzelhandel kommt nicht in Schwung. Der jüngste Tankan-Bericht warnt vor einem Yen-Höhenflug (Firmenexodus?). 2010 zeigt sich auch in Japan der Aufschwung (Industrieproduktion, Bruttoinvestitionen größer Null). Auch die Exporte treiben Japans Konjunkturerholung (März 2010 43,5% über dem Vorjahr). Im 1. Quartal 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 1,2% (Exporte mit 0,7 Punkten); im 2. Quartal nur um magere 0,1%, im 3. Quartal +1,1%. Der starke Yen, die mangelnde Kauflust der Japaner und fehlende Investitionen bremsen. Hinzu kommen Preisdeflation, die rapide alternde Bevölkerung und soziale Deformation bei der Renten- und Gesundheitssicherung. Im August 2010 wird ein weiteres Konjunkturprogramm von 8,5 Mrd. € aufgelegt. Im September 2010 greift die japanische Notenbank massiv in den Devisenhandel ein, indem sie Landeswährung im Milliardenumfang verkauft. Außerdem stellt die Zentralbank weitere zinsgünstige Kredite zur Verfügung. Im Oktober 2010 wird der Leitzins quasi auf Null gesenkt (0 bis 0,1%). Japan hat Ende 2008 die Produktion kräftig gedrosselt, Januar und Februar bricht die Industrieproduktion ein (10,2%, 9,4%). Japan ist in einer Rezession. Im letzten Quartal 2009 ging das BIP um -4% im Jahresvergleich zurück. Um 1,2% sanken im März die Verbraucherpreise. Statistisch ist Japan der größte Krisenverlierer (stärkster Rückgang seit 50 Jahren). Mitte 2009 scheint der Absturz gestoppt. Japan profitiert vor allem vom Aufbau der Infrastruktur in China (Baumaschinen). Im September steigt die Produktion wieder um 2,1%, das BIP im 3. Quartal um 0,7%. 2010 soll die Wirtschaft um1,4% wachsen (2011: 1,1%, 2012: 1,2%). Das Geschäftsklima steigt 2010 deutlich an. Seit Februar 2002 bewegte sich die Wirtschaft Japans, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, nach Jahren der Deflation vorübergehend auf Wachstumskurs. Japan hat im Jahr 2007 ein Wachstum von 2,0%, 2006 ein Wachstum von 2,2% erzielt (2005: 1,9%, 2008: voraussichtlich 1,7%, 2009: voraussichtlich 1,5%). Neue Exportmärkte in Asien und Südamerika, aber auch Großinvestitionen der Elektronik- und Automobilindustrie in Japan haben dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Exporte brechen 2008 um 50% ein, im 1. Quartal 2009 noch mal um 28% zum Vorquartal.. Auch andere Frühindikatoren sind Ende 2008 und Anfang 2009 rückläufig. Es fehlt auch an Produktivität und Innovation. Insbesondere die weltweite Nachfrage nach japanischen Autos und Elektronikprodukten geht zurück. Auch die Binnennachfrage bricht ein. Ende 2009 und 2010 drosselt Toyota weltweit die Produktion, weil 8,5 Mio. Fahrzeuge zurückgerufen werden müssen. Damit kriselt ein Symbol Japans. Die Regierung legt im Herbst 08 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 70 Mrd. € auf (weitgehend Kredit finanziert). Ein Investitionsprogramm in Höhe von 380 Mrd. € folgt. Erst im zweiten Quartal 2009 gibt es mit 0,9% ein Plus beim BIP-Zuwachs nach fünf Minusquartalen. Dabei profitiert Japan stark vom Wachstum Chinas. Die Preise am Immobilienmarkt steigen wieder. Ist Japan auf dem Weg in eine Stagflation? Zusätzliche Bargeldgeschenke (bis 500 € pro Haushalt sollen den Konsum anregen. die Rückzahlung von Hypotheken soll bezuschusst werden. Der Nikkei - Index der Japan-Aktien hat im Jahre 2008 -42% verloren, soviel wie nie zuvor.. Zu einem Dreijahrestief kommt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Die japanische Konjunktur ist volatil wegen der großen Abhängigkeit von den USA. Von hier könnte weiter nachlassendes Wachstum kommen. Denn der Export ist neben dem Binnen-Konsum der Hauptwachstumsfaktor. Wegen der höheren Zinsen in den USA ist der Yen schon länger unter Druck. Am 17.08.07 kommt es zu einem Aktien-Crash von 5%, stärker ist der Rückgang dann am 21. 01. 08 (-5,6%, unter 13.000), am 06.10.08 (-4%, tiefster Stand seit 5 Jahren) und am 08.10 (-9%, 20Jahrestief). Der Yen ist immer noch unterbewertet, doch die BoJ interveniert nicht. Die japanische Industrie kann mit diesem Wettbewerbsvorteil günstiger exportieren (vor allem die Automobilindustrie hat profitiert, im Januar Export +18,2% gegenüber dem Vorjahr), es gibt auch keine Inflationsgefahr. Die Deflation, die eine Reaktion auf frühere Übersteigerungen, insbesondere bei Aktien und Grundstückspreisen, war, scheint überwunden (zuletzt sogar Preissteigerung von 0,6%). Japans Anleger leihen sich billiges Geld in Japan und legen es in Hochzinsländern an (Carry Trade). Mitte November 2006 hat Japan ein Exportverbot für Luxusgüter nach Nordkorea erlassen. Am 21.02.2007 erhöhte die BoJ den Leitzins auf 0,5%. Im Oktober 08 wird er wieder auf 0,3% gesenkt, im Dezember auf 0,1%. Gesellschaft, Politik und Reformen: Über 10 Jahre andauernde Rezession und der Druck durch die Globalisierung haben in der Wirtschaft, den Unternehmen und der Gesellschaft zu großen Struktur - Veränderungen geführt (z. B. Abbau des auf der Firma beruhenden sozialen Sicherungsnetzes). Es ist auch ein Wachsen des Nationalismus zu beobachten. Die Bestimmungen für die Einreise sollen verschärft werden. Mitte September 2006 legte Koizumi sein Amt nieder, Nachfolger war Shinzo Abe (wollte die Beziehungen zu China verbessern und "Flamme der Reformen soll weiter brennen"). Auf internationaler Bühne wird seither selbstbewusster agiert, auch gegenüber den USA. Die japanische Regierung unter Abe wurde auch nationalistischer und rückt nach rechts. Die Regierung wurde durch verschiedene Skandale erschüttert. Abe trat daher im September 2007 zurück, auch als Vorsitzender der LDP. Nachfolger wurde Yasuo Fukuda in beiden Funktionen . Leistungs- und Anpassungsdruck führen zu einer Selbstmordwelle unter Japans Schülern. Das japanische Landwirtschaftsministerium schickt Sushi Inspektoren in die Welt, um die Zubereitungsregeln zu kontrollieren. Erstmals seit sechs Jahren reiste im April 2007 wieder ein chinesischer Ministerpräsident (Wen Jiabao) nach Japan. Vertreter der Energiewirtschaft beider Länder unterzeichneten Kooperationsabkommen. Die Zwischenfälle häufen sich vor den Südkurilen, die zwischen Japan und Russland umstritten sind. Der Zwist verhindert bessere bilaterale Handelsbeziehungen der beiden Länder. Bis 2020 will Japan eine komplett neue Netzinfrastruktur für das Internet schaffen (Kommunikationsminister Yoshihide Suga). Bundeskanzlerin Merkel besucht Ende August 2007 mit einer 30köpfigen Wirtschaftsdelegation Japan. Vorher hat sie China besucht. Es geht vor allem um Klimapolitik und die Übergabe der G8 Führung an Japan. Japan unterstützt den US-Einsatz in Afghanistan nicht mehr. Ein Rüstungsskandal erschüttert Ende 2007 Japans Regierung: Verteidigungsbeamte erhielten Bestechungsgeld für die Vergabe von Beschaffungsaufträgen. Der Besuch von Regierungschef Fukuda in China Ende 2007 knüpft die Kontakte enger und verbessert weiter die Beziehungen beider Länder. Im Sommer 2008 ersetzt Fukuda 13 von 17 Ministern seiner Regierung. Im September 08 tritt Y. Fukuda frustriert zurück. Taro Aso wird sein Nachfolger ("Club der alten Männer"). Bei der Parlamentswahl im August 2009 kommt es zu einer Niederlage der LDP, die seit 1955 regiert. Die DPJ gewinnt und Hatoyama wird Ministerpräsident. Er will die Kaufkraft fördern und Japan weniger abhängig von Exporten machen. 2010 gerät Hatoyama in Schwierigkeiten wegen Millionenspenden seiner Mutter für den Wahlkampf am Fiskus vorbei (Die Mutter ist Erbin des Gründers von Bridgestone). Außerdem hält er das Wahlkampfversprechen zur Schließung eines US-Stützpunktes nicht ein. Im Juni 2010 tritt er zurück. Finanzminister Naoto Kan wird neuer Premierminister. Er will die Steuern erhöhen und den Haushalt sanieren. Seine Partei verliert die Senatswahl. 2010 besucht erstmals kein Regierungsmitglied den Yasukuni - Schrein. 2010 gestattet die Regierung erstmals einen Blick in Todeszellen und Hinrichtungsräume. 86% aller Japaner sind für die Todesstrafe. Die demokratische Partei Japans (DPJ) steht vor der Spaltung. Regierungschef Naoto Kan und die graue Eminenz Ichiro Ozawa kämpfen um die Parteiführung und den Premier. Kan gewinnt die Kampfabstimmung klar. Im Juni 2011 übersteht er ein Misstrauensvotum. Ende August tritt Kan als Vorsitzender der DPJ und als Ministerpräsident zurück (Krisenmanagement nach dem Erdbeben). Sein Nachfolger in beiden Funktionen wird der bisherige Finanzminister Yoshihido Noda. Seit 1999 gibt es in Japan den Nationalen Teishu-Kampaku-Verein (Vereinigung der chauvinistischen Ehemänner), die Schmeicheleien für ihre Ehefrauen üben. Technologie/Innovationen: Mitsubishi und Toyota entwickeln gemeinsam einen Regionaljet (70 bis 90 Sitze). Honda will einen Businessjet mit sechs Sitzen bauen. Viele Japaner geben mittlerweile dem Grabstein von Angehörigen einen digitalen Speicher mit persönlichen Daten des Verstorbenen bei (Familie, Vorlieben, Verdienste). Japan ist das Partnerland auf der Hannover Messe (weltgrößte Industrieschau) 2008. Die japanische Weltraumagentur Jaxa schickt Samen heimischer Kirschbäume für Experimente ins Weltall. Die Japaner bringen 2008 mit "Kibo" das größte Weltraumlabor zur ISS. Wenn eine Rakete Nordkoreas über Japan fliegt, soll diese abgeschossen werden. 2010 kommen die ersten Brennstoffzellen für den Hausgebrauch (erstes Land der Welt). Die katastrophale Pannenserie und Rückrufaktion des einstigen Elite-Konzerns Toyota stürzt die Industrienation Japan in eine Krise. Im Juni 2008 erschüttert ein schweres Erdbeben Nordjapan und richtet große Schäden in der Präfektur Iwate an (Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz seit 1999). Iwate lebt vor allem von der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei. Dadurch ist die Präfektur sehr stark betroffen. Am 11.03.11 trifft ein schweres Erdbeben mit Tsunami Japan (Jahrhunderterdbeben, Stärke 9). Es gibt sehr viele Todesopfer (30.000). Vier Atomkraftwerke sind schwer zerstört. Fukushima ist mit vier Blöcken am schlimmsten betroffen. Es tritt radioaktives Cäsium, Jod, Plutonium und Strontium aus. Einige Atommeiler sind außer Kontrolle. Die Lage spitzt sich immer mehr zu (Erweiterung der Evakuierungszone, Verseuchung des Meeres, Schäden am Druckbehälter). In Reaktor 2 hat wohl eine Kernschmelze eingesetzt. Der Betreiber Tepco gibt keine genauen Informationen, ebenso sind die Regierungsangaben intransparent. Die Regierung gibt das Gebiet um Fukushima auf (20km Sperrgürtel); es läuft radioaktives Wasser aus (Leck kann geschlossen werden). Die Folgen für die Wirtschaft sind unabsehbar (Werksstilllegungen, Stromausfälle, Verseuchungen, Wanderung, Warenengpässe, kaputte Infrastruktur, Benzinknappheit, Folgeschäden bei der Gesundheit). Insbesondere die japanische Automobilindustrie wird um Jahre zurückgeworfen. Ca. 500 Zuliefererbetriebe im Nordosten sind betroffen. Am härtesten wird Toyota in Mitleidenschaft gezogen (Drosselung der Produktion in Japan, Nordamerika und China). Auch deutsche Firmen müssen die Produktion in Japan vorübergehend runterfahren (BASF, Schott, Böhringer). Immer mehr Unternehmen verlagern ihren Sitz nach Osaka. Die Rückversicherungen schätzen den Schaden auf 220 Mrd. Euro (teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten). Ein Nachbeben im April 2011 beschädigt weitere Atomkraftwerke (Onagawa). Tepco muss auf Anordnung der Regierung Entschädigungen zahlen. Es legt auch einen Zeitplan vor, der aber unrealistisch erscheint. Tepco beantragt Staatshilfen. Die japanische Regierung gibt den Plan zum Ausbau der Atomenergie auf. Es soll ein Rettungsfonds für Autozulieferer eingerichtet werden. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wird 100 Tage nach der Katastrophe Japan Versäumnisse vor. Die japanische Regierung beziffert Mitte 2011 die direkten Kosten der Schäden auf 147 Mrd. €. Hinzu kommen mögliche Kosten durch das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi. Mitte 2011 tritt der Minister für Wiederaufbau Matsumoto zurück. Bis 09.2011 wurden 54,8 Mrd. € für den Wiederaufbau bereitgestellt. Ein weiteres Konjunkturpaket ist geplant. Ab 2011 entsteht von Osaka nach Tokio über Nagoya eine 438 km lange Magnetschwebebahn (Maglev), die 500 km/h schnell ist. Als Reaktion auf den Führungswechsel in Nordkorea kauft Japan Kampfjets in den USA. Der Fächer stammt ursprünglich aus Japan und kam im 15. Jahrhundert nach Europa. Spanien wurde zum wichtigsten Herstellungsland, als sich der französische Kunsthandwerker Eugenio Prost im 18. Jahrhundert dort niederließ. Sonstige Länder und Vereinigungen in Asien: Indiens Wirtschaft (Indien ist zum größten Back-Office der Welt aufgestiegen und dominiert als wichtigster Offshoring-Standort den weltweiten Handel mit IT -Dienstleistungen, Ihlau: Weltmacht Indien, S. 24, vgl. auch WIPRO und andere große indische Firmen bei Links) hatte 2010 ein Wachstum von 10,4% (2009 5,5%). 2010 liegt das BIP bei 1265 Mrd. $ (Rang 11 weltweit); die Bevölkerung liegt bei 1230 Mio. 2008 lag das Wachstum der Wirtschaft bei 6,2% (2007: 9% auf fast 1 Bio. $ BIP, 2006: 9,2%, 2005: 8,1%, 2004: 6,9%; bis 2050 soll sich der Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung von heute 2% auf 17% erhöhen, bis 2025 soll es die fünftgrößte Wirtschaftsmacht werden). Heute ist es drittgrößte Wirtschaftsmacht in Asien. BIP pro Kopf: 728 € (2007, 2010 1176 Dollar Prognose). Seit mehr als 25 Jahren wächst die Wirtschaftsleistung jedes Jahr um über 5%. CO2-Ausstoß pro Kopf 1,18 t pro Jahr-2007, insgesamt 1324 Mio. t); das Bevölkerungswachstum liegt bei 1,4%, Alphabetisierung 61%, Kindersterblichkeit 6,3%, 60% aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, die nur ein Fünftel des BIP erwirtschaftet; um 2030 dürfte Indien das bevölkerungsreichste Land sein, aber ca. 300 Mio. leben von weniger als 1$ pro am Tag, 600 Mio. sind jünger als 25 Jahre). Die Inflationsrate beträgt 2007 6,7% und 2008 8,3%, die Arbeitslosenquote 7,2% (hohe Dunkelziffer). Die Notenbank erhöht 2010 den Leitzins auf 5,0%. Der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen beträgt 2007 350 Mrd. $. Die Infrastruktur ist die große Schwäche Indiens. Kein anderes land der Welt hat einen solchen Investitionsbedarf an Infrastruktur. Die Rupie, die indische Währung, wertete relativ stark gegenüber dem Dollar auf, was die Exporte verteuert; auch die Löhne steigen relativ stark. 22,9% hat die Rupie 2008 an Wert eingebüßt. Deutschland ist der sechstgrößte Handelspartner Indiens . Für 5,2 Mrd. € exportierte Indien 2009 nach Deutschland (Importe 8 Mrd. €). Die ausländischen Direktinvestitionen lagen 2008 bei ca. 30 Mrd. $. Indien wird zusammen mit China neuerdings als die Vision "Chindia" gesehen. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen in Indien 2,47 Mrd. €. Mit Preiskontrollen, Exportverboten und Subventionen versucht die Regierung 2008, die wirtschaftliche Lage in den Griff zu bekommen. Ende 08 kommen Steuererleichterungen dazu, insbesondere bei der Mehrwertsteuer. Indien ist der viertgrößte Abnehmer deutscher Waren in Asien und der am schnellsten wachsende Exportmarkt. Für deutsche Firmen ist Mumbai der begehrteste Standort. Das größte Hindernis für ausländische Investitionen ist die ausufernde Bürokratie. Das Land bleibt von der Weltwirtschaftskrise weitgehend verschont. 2010 führt Indien den Emissionshandel ein. Indiens Zentralbankchef Duvvuri Subbarao kritisiert zunehmend Chinas Wechselkurspolitik. 2011 erhöht Indien die Zinsen weiter (auf 6,5%), weil Inflation droht (hoher Anstieg der Lebensmittelpreise). Die Löhne steigen 2011 um 13%. In Asien kämpfen Indien und China um die Vorherrschaft. Noch dominiert China, das systematisch große Häfen in den Nachbarstaaten Indiens als Stützpunkte ausbaut. Auf lange Sicht hat Indien gute Karten. "In Indien wächst eine neue Mittelschicht aus 200 bis 300 Millionen Menschen heran, ein Markt, ein Land, so groß wie die europäische Union", Armin Buck, Siemens - Indien - Chef. Kultur und Geschichte: Seit Jahrhunderten gliedert ein komplexes Kasten-System die Gesellschaft. Jeder dient in der Kaste, in die er geboren wurde. Diese Ordnung bleibt relativ stabil. Die Hindu-Religion vereint eine Vielzahl von Sekten, Kulten und Traditionen. Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien. 1492 entdeckt Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, die Europäer kommen nach Indien. 1947 entstehen durch die Teilung Indien und Pakistan. Indiens gefährlichster innerer Feind sind die aufständischen Maoisten. Unternehmen: Mittlerweile hat Indien mit Mittal den größten Stahlproduzenten, mit Arcelor einigt man sich auf Fusion (Weltmarktanteil 12,5%). VW baut ein Werk in Indien (110.00 Autos, 2009). 2007 eröffnet auch BMW ein neues Werk. Daimler kooperiert bei Nutzfahrzeugen mit Hero (Joint-Venture). Tata baut das billigste Auto der Welt (ca. 1700 €) und kauft Jaguar und Landrover von Ford. Daimler hält 7% an Tata und will bei Jaguar kooperieren. Daimler investiert 700 Mio. € in ein Gemeinschaftsunternehmen (60%) mit dem Partner Hero, der allerdings 2009 aussteigt. Es wurden Nutzfahrzeuge produziert. VW baut ab 2008 eine neue Fabrik bei Mumbai. Das weltweit größte Stahlunternehmen Mittal baut für 5 Mrd. Euro eine neue Stahlfabrik in Südost-Indien. SAP will in Indien bis 2011 1 Mrd. $ investieren. Die Deutsche Bank will bis 2007 tausende von Stellen nach Indien auslagern. Vodafone hat die Mehrheit an dem indischen Mobilfunkbetreiber Hutchison Essar übernommen. Die Allianz will in Indiens Bankensektor einsteigen. Heidelberger Cement erweitert seine Produktion in Indien. SAP will wichtige Entwicklungsentscheidungen zukünftig im indischen Bangalore treffen und stärkt damit den Standort Indien. Die indische Softwarefirma Yasu soll übernommen werden. Pläne zur Begrenzung von Auslandsinvestitionen lösen im Oktober 2007 Panikverkäufe an der Börse aus (Mumbai). Indien und Deutschland wollen ihr Handelsvolumen bis 2012 auf 20 Mrd. € verdoppeln (Merkel Ende Oktober 07 in Indien). Die BASF baut eine neue Kunststoff-Produktionsanlage in ihrem Standort Thane bei Mumbai (Bombay). Daimler will im südindischen Chennai einfache Lastwagen bauen. Indian Oil und Bharat Petroleum sind die größten Unternehmen in Staatshand. Die Privatisierung der indischen Unternehmen kommt 2009 ins Stocken. 2010 will die Deutsche Telekom in Indien starten. Siemens will ab 2010 in den nächsten drei Jahren 8000 Jobs in Indien schaffen. 2010 verkauft Daimler seinen 5%-Anteil an Tata. Ca. 470 Unternehmen sind noch in staatlicher Hand (40% der Wirtschaftsleistung). Sie sollen schrittweise privatisiert werden. Eine Reihe von Milliardären scheinen die Wirtschaft zu dominieren. Dies führt immer wieder zu Korruptionsskandalen. "Auch Pannen haben ihren Wert, aber nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika", C. Reisbach, Brauereivorstandsvorsitzender. Wirtschaftswachstum in anderen Ländern: Malaysia 5,6% (wird zum Zentrum des islamischen Finanzwesens). Seit die US-Notenbank mehrmals die Zinsen 2008 gesenkt hat, strömt Anlagekapital nach Asien, und übt einen starken Druck auf die Wechselkurse aus. Preiskontrollen sollen die Preissteigerungen eindämmen. Auch die Subventionen auf Energiepreise werden abgebaut. Das Land hat eine der besten Infrastrukturen in Asien, eine englischsprachige Bevölkerung und zahlreiche Naturressourcen.2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 3,41 Mrd. €. Thailand 7,0% (2007 Auflagen für Auslandsinvestitionen, ein buddhistisches Wirtschaftsmodell ist geplant; Aktienkurse sind gefallen). Der Baht, die Währung Thailands, wurde innerhalb des letzten Jahres um 20% aufgewertet. Der Export ist 2006 gegenüber dem Vorjahr um 18,4% gestiegen, 2007 18%. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 1,63 Mrd. €. Das Land hat andauernde Inflationsprobleme. Deshalb hat die Zentralbank Thailands den Leitzins zum achten Mal auf jetzt 4,75% erhöht. Machtkämpfe und Korruption belasten das Land. Durch das Stilllegen von Flughäfen wird der Tourismus, die wichtigste Devisenquelle des Landes, getroffen. Thailand, der weltgrößte Reisexporteur, will mit Vietnam, Myanmar, Kambodscha und Laos den Handel abstimmen (Reiskartell). 2010 kämpft das Land gegen Inflation. Vietnam hatte 2007 ein Wachstum von 8,3% (2006 8,2%). Ursache ist der boomende Export in die USA, Japan und die EU. Der Ho-Chi-Minh-Stock-Index ist 2007 um 250% gestiegen. 2008 befindet sich der Kurs im freien Fall und halbiert sich (Währungskrise durch Inflation). Eine Wirtschaftskrise erschüttert das Land. Goldimporte werden Mitte 2008 verboten. Ab Januar 2007 ist das Land das 150. Mitglied der WTO. Das BIP pro Kopf betrug 2007 513€, die Inflationsrate 7,3%, die ALQ 5,1%. Vietnam hat 82,3 Mio. Einwohner, die Währung heißt Dong. Siemens erhält den Zuschlag für den Bau einer U-Bahn (Dank für deutsche Entwicklungshilfe). Große Zulieferer der Sportartikelfirmen produzieren in Vietnam (z. B. Schuhe für Nike). Es wird zum Top - Investitionsstandort internationaler Einzelhandelskonzerne. Kambodscha hatte 2006 ein Wachstum von 9,5% und profitiert stark von seinen Ölvorräten. Indonesien wird zum Jahreswechsel 2007 von einer Katastrophenserie überzogen; das Wachstum betrug 2009 4,5% (2006 5,3%). Indonesien ist die drittgrößte Demokratie (235 Mio. Einwohner) und das größte islamische Land der Welt. Vielen gilt das Land als der Zukunftsmarkt Asiens. Schon jetzt haben Holz, Palmöl und Kohle ausländischen Investoren angelockt. Das Land hat noch viele andere Rohstoffe (Kupfer, Zinn, Gas). Es ist politisch stabil und hat eine positive demographische Entwicklung. Die deutschen Direktinvestitionen betrugen 2008 1,35 Mrd. €. Die Mongolei (2,6 Mio. Einwohner) verfügt über riesige Rohstoffreserven an Gold, Kupfer und Steinkohle. Sie wirbt um Investoren. Der taiwanesische Aktienindex ist der dynamischste in Asien; Taiwan will den "Nationalen Vereinigungsrat" auflösen und erntet damit heftige Kritik aus China. Taiwan hatte 2006 ein Wirtschaftswachstum von 4,4% (ALQ: 4,6%). Acer kauft den US-Konkurrenten Gateway. Taiwan hat bis 2008 ca. 64 Mrd. $ auf dem chinesischen Festland investiert (offiziell Platz vier, inoffiziell wahrscheinlich 250 Mrd. $ mit Briefkastenfirmen). 2009 will China Taiwan bei Investitionen auf dem Festland 19 Mrd. $ zur Verfügung stellen und erwartet im Gegenzug Handelserleichterungen. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei 102 Mrd. $. Der Wahlsieg des China freundlichen Kandidaten 2008 lässt die Aktienkurse nach oben schießen. Die Weltwirtschaftskrise trifft das Land schwer (-4% 2009). 2010 wird ein Freihandelsabkommen mit der VR China abgeschlossen (Zölle für 800 Produktgruppen fallen weg, mehr Freiraum für Dienstleister). Südkorea schichtet seine Währungsreserven von Dollar in andere Währungen um, ein immer größerer Teil wird auch in Gold angelegt, ebenso kämpft das Land mit den chinesischen Billiglöhnen, das Wirtschaftswachstum lag 2006 bei 4,9% (Prognose 2007: 5,8%), die Wirtschaft befindet sich im Aufschwung, Korea war das Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse 2005; der Norden wird mit Investitionen und Devisen unterstützt, um den Zusammenbruch zu verhindern. 2007 wird auch Reis geliefert. Hyundai-Boss Chung bekommt eine Anklage wegen Bestechung und Unterschlagung. Die Hyundai-Arbeiter streiken Anfang 2007 für volle Bonuszahlung für 2006. Nach einem Tankerunfall entsteht eine große Ölpest an der Küste. Die Kultur ist eine der ältesten der Welt (seit 2400 v. Chr.). 2009 trudelt das Land in eine Rezession (Exporte -18% 2008). Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea liegt wegen der deutschen Automobilindustrie auf Eis, 2011 kommt ein Abkommen mit Deutschland zustande. 2010 schließen die USA und Südkorea ein Freihandelsabkommen. 2011 wird der Leitzins auf 2,75% heraufgesetzt um die Inflation von 3,5% zu bekämpfen.2011 wird ein sechsmonatiges Handelsverbot gegen die Deutsche Bank erlassen. Nordkorea darf in der chinesischen Währung Yuan handeln. 2011 kommt Kim Jong Un an die Spitze als Nachfolger seines Vaters. Er ist erst 29 Jahre alt. Es gibt Sorge um die Stabilität des Landes; Südkorea, China und Japan reagieren nervös. Singapur erhöht 2007 die Einkommen seiner Minister um 60% als Schutz vor Korruption. Die Wachstumsrate beträgt hier 7,9% (2006), 2010 14% nach einem Einbruch 2009 wegen der Krise (-2,1%). Hier leben 4,99 Mio. Einwohner. Wichtigste Branchen sind Finanzen und Versicherungen, Verarbeitendes Gewerbe und Handel. Ein Staatsfonds aus Singapur stützt Ende 2007 die UBS (9,8 Mrd. $) und Merrill Lynch (Temasek 4,4 Mrd. $). Erstmals seit 4 Jahren ist die stark exportabhängige Wirtschaft im letzten Quartal 2007 um über 3% geschrumpft. Das Innovationsmanagement gilt als das Beste in der Welt. Berühmt ist die Verordnung gegen "Kaugummi-Vandalismus", die 2010 erneuert wird. Myanmar (Burma) hat eine große strategische Bedeutung für China: Bodenschätze, Holz, Öl und Gas lagern dort in großen Mengen. Wichtig ist auch der Zugang zum Golf von Bengalen. Im September 2007 werden alle Verbindungen nach außen, insbesondere das Internet, gekappt. China will eher einen Sturz der Militärjunta verhindern. Ein Tropensturm im Mai 2008 verwüstet das Land und führt zu über 20.000 Toten und über 40.000 Vermissten (Zyklon löste Flutwelle aus). 2012 versucht man die Regimegegnerin Aung San Suu Kyi einzubinden. In Bhutan, das etwa so groß wie die Schweiz ist, leben 2,3 Mio. Menschen. Interessant ist die Cross National Hapiness (GNH), d. h. wichtiger als wirtschaftliches Wachstum ist die Zufriedenheit der Menschen. Allerdings muss mehr als die Hälfte des Staatshaushalts durch Kredite und Zuschüsse aus dem Ausland abgedeckt werden. Hinter der vordergründigen Demokratie mit der Partei der "vollkommenen Harmonie" steht ein Königreich, das keine Abweichler duldet. Australien hatte 2009 ein BIP von 45.587 $ Wachstum 1,3%). Die Inflationsrate lag bei 1,8%, die ALQ bei 5,6%. Das Land hat 22 Mio. Einwohner. Es ist sehr rohstoffreich. 2010 will die Börse von Singapur die australische Börse (ASX) übernehmen. Wirtschaftsintegrationen: Gemeinsam mit der Asean, der südostasiatischen Freihandelszone (rund 1,9 Mrd. Menschen insgesamt; Thailand, Laos, Malaysia, Singapur, Kambodscha, Vietnam, Burma, Indonesien, Philippinen, Brunei) will China bis 2010 die größte Freihandelszone der Welt schaffen, auch Japan ist mittlerweile einbezogen. Chinas Anteil am Asean - Außenhandel ist in den letzten zehn Jahren von 4 auf 11% gestiegen. Ab 11 01. 2007 fand ein Treffen auf der philippinischen Insel "Cebu" statt (als regionale Dialogpartner sind einbezogen: Australien, Neuseeland, Indien, Japan, China und Südkorea). Die Asean - Staaten gründeten im Mai 2007 einen Währungspool (ein Teil der Währungsreserven wird zusammengelegt, Schutz vor Finanzkrisen). Ende Juli 2007 findet ein dreitätiger Gipfel statt (Handelsliberalisierung, Klimaschutz). Asean (Generalsekretär Ong Keng Yong) will bis 2013 sechs neue Freihandelsabkommen abschließen. Bis 2015 sollen die Zölle abgebaut werden. Es gibt mittlerweile auch eine Charta mit Grundprinzipien. Auf dem Gipfeltreffen in Thailand im März 2009 wird beschlossen, bis 2015 eine Wirtschaftsintegration nach dem Vorbild der EU zu schaffen. Der Asean-Gipfel im April 2009 in Pattaya, Thailand (Folgen der Weltfinanzkrise) muss wegen Demonstrationen abgebrochen werden. Auch das Gipfeltreffen im thailändischen Hua Hin im Oktober 2009 wird von Tumulten begleitet. Es geht um Folgen von Naturkatastrophen und Klimawandel. Ab 2010 fallen viele Zollschranken, der Handel hat sich auf 200 Mrd. erhöht. Auf der Asean-Konferenz im Oktober 2010 in Vietnam bekräftigen die USA eine Führungsrolle im asiatisch-pazifischen Raum und warnen China vor Einschüchterung der Nachbarn. Noch ist der Dollar die dominierende Währung. Viele kleinere Staaten wickeln auch ihren Außenhandel in Dollar ab (z. B. Thailand 90% des Japan-Handels). Nach Reformen darf das Militärregime in Myanmar 2014 den Vorsitz übernehmen. Auf der Konferenz im November 2011 auf Bali ist die Behandlung der Seegrenzen im südchinesischen Meer zwischen China und USA umstritten. Die APEC ist mit einer Bevölkerung von 2,6 Mrd. und einem Anteil von 41% an der Weltbevölkerung, die größte Wirtschaftsintegration, auch schon 60% Intra-Handel, 21 Staaten, 50% des Welt-BIP. Auf dem APEC-Treffen im November 2006 in Vietnam (Hanoi) wird Russland der Weg in die WTO geebnet. Außerdem soll die Doha-Runde wieder in Gang gebracht werden. Danach findet noch eine Konferenz in Singapur statt, auf der es nur um Umweltfragen geht (keine positiven Signale). Am 05.09. 2007 begann der Apec-Gipfel in Sidney. Es ging um den Klimawandel und die Doha-Runde (Agrarsubventionen) . Der APEC-Gipfel im August 2008 beschäftigt sich mit Strukturreformen und Wirtschaftsförderung. Beim Treffen im November 2008 in Lima geht es um die globale Finanzkrise. Ab 2010 sollen die Handelsschranken abgebaut werden. Henkel will mit Ausbau des Asiengeschäfts wachsen. Siemens beteiligt sich an taiwanischer Benn-Q. Heidelberger Cement gründet mit dem indonesischen Mischkonzern Indorama Lohia ein Gemeinschaftsunternehmen in Indien (Indien ist nach China der zweitgrößte Zementverbraucher in der Welt). Die Metro will weiter in Asien expandieren. 2010 findet ein Apec-Gipfel in Yokohama/ Japan statt: Es geht um die Unterbewertung des Yuan, die Aufwertung des Yen und die Probleme in den USA. Auf dem Apec-Gipfel im November 2011 geht man weiter Richtung Freihandelszone. Ein Teil der Mitglieder gibt die Schaffung einer Transpazifischen Partnerschaft (TPP) bekannt unter Führung der USA (ohne China). Die Zölle auf Umweltgüter sollen bis 2015 auf 5% gesenkt werden. Nach einem Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankchefs Mitte April 2006 kommt es zu einer Aufwertung von Baht, Won und Rupiah und einer Abwertungstendenz des Dollar. Am 28.05.07 beraten die Außenminister der EU mit ihren Kollegen aus 16 asiatischen Ländern über den Klimawandel, die Energiepolitik und die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Am 24.06.2007, 10 Jahre nach der Asienkrise, berät das Weltwirtschaftsforum Ostasien in Singapur. Am 18.08. 07 treffen sich die Länder der Shanghai Cooperation Organisation (SCO, seit 1996: Russland, China, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan) in Bischek. In Folge der Hypothekenkrise in den USA und den weltweiten Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten kommt es immer wieder zu Panikverkäufen in Asien; am stärksten ist Korea betroffen. Im südkoreanischen Seoul fand die 11. Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft im Oktober 07 statt. Anwesend waren 600 Teilnehmer. Die Asien-Pazifik-Konferenz 2010 findet Mitte Mai in Singapur statt. Siemens-Chef Peter Löscher löst Jürgen Hambrecht als Vorsitzenden des Asien-Pazik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft 2010 ab (davor Heinrich von Pierer). Im Herbst 2011 verlangt das Forum einen fairen Marktzugang für deutsche Firmen und kritisiert den Zwang zu Joint Ventures. 2012 werden offene Rohstoffmärkte eingefordert. Die Wirtschaftskrise 2008 zwingt China, Japan und Südkorea zu einer Zusammenarbeit. Im Dezember 2008 kommt es zu einem Gipfel: Konjunkturprogramme werden abgestimmt. Ostasien steuert immer mehr auf eine Dreierallianz zwischen China, Japan und Südkorea zu. Die Asean-Staaten stocken im Februar 2009 ihren Hilfsfonds zur Bewältigung der Finanzkrise von 80 Mrd. $ auf 120 Mrd. $ auf (Ausbau der Chiang Mai-Initiative). "Wir haben uns über die Weltwirtschaft ausgetauscht", Jin Renqing, Chinas Finanzminister, auf dem G7-Gipfel in London zu Meldungen über eine Yuan - Aufwertung zum Jahreswechsel. "Während die Chinesen am 29. Januar 2006 das Jahr des Hundes einläuten, gibt es für die wilden Verwandten des Haushundes wenig Grund zum Schwanzwedeln", aus einer Pressemeldung des WWF; vgl. auch: Chinesisches Horoskop. 2007 war das Jahr des Schweins. Am 07.02.2008 begann das chinesische Jahr der Maus (niemals gegenüber Chinesen Ratte sagen!). Es müsste ein Jahr des Überflusses mit guten Gelegenheiten und Aussichten auf Erfolg werden.("In the chinese year of the mouse 2008 businesses will proper and the world economy will boom"). Und wie war die Realität? 2009 ist das Jahr des Ochsen/ Rindes. 2010 ist das Jahr des Tigers. Am 03. Februar 2011 beginnt nach dem Mondkalender das Jahr 4708, nach dem Tierkreiszyklus im Zeichen des Hasen. Am 23. Januar 2012 beginnt das chinesische Jahr des Drache (Wasser-Drachen). Der Drache steht in der chinesischen Mythologie für Kraft, Macht und göttlichen Beistand. Traditionell werden in diesen Jahren viele Kinder geboren. Der gelbe Drache symbolisiert die Macht der chinesischen Kaiser.
"Plane das Schwierige da, wo es noch leicht ist. Tue das Große da, wo es noch klein ist", Laotse: Die Weisheit des Tao Te King (Pinyin-Umschrift: Laozi, Dao De Jing, "Das Buch vom Weg und seiner Kraft", Taoismus bzw. Daoismus). China: (direkt zu Japan) Gliederung: Wirtschaftsordnung, Kultur, Notenbankstatus, Währung/ Geldpolitik, Finanzmärkte/ Aktienmarkt, Bankensystem, Finanz- und Steuerpolitik, Bildungs- und Forschungspolitik, Sozialpolitik und Sozialversicherung, Strukturpolitik, KMU und Mittelstandspolitik, Entwicklungspolitik.
Wirtschaftsordnung: Sozialistische Marktwirtschaft: Mischsystem, d. h. Volkseigentum und starker Plan- bzw. Staatsanteil verbunden mit Marktpreisbildung und Gewinnergebnisrechung bei Betrieben. Planwirtschaftliche Methoden spielen noch eine Rolle, vor allem über die KP-Kader (Partei hat 73 Mio. Mitglieder mit strengen Aufnahmekriterien; sie bilden eine Klammer bis in die Regionen, "Rotchina AG"; der Parteitag trifft sich alle 5 Jahre in Peking; die 2213 Delegierte wählen die 350 ZK-Mitglieder). Der Anteil der Privatwirtschaft liegt mittlerweile über 50% (abhängig von der Zuordnung der Rechtsformen, den Anteilen und dem Einfluss des Staates). Die Staatsunternehmen, noch ca. 35% aller Unternehmen (ca. 150.000 größere Unternehmen 2003), haben in der Wertschöpfung einen Anteil von 42%. Typisch sind auch stark informelle Strukturen wie das Kultur geprägte "Family Business Network". Ein neues Eigentumsrecht soll das Privateigentum gesetzlich schützen. Im August 2007 wird ein Anti-Monopolgesetz verabschiedet: Preisabsprachen werden verboten und Fusionen sind genehmigungspflichtig. Für ausländische Investoren wird bei Zusammenschlüssen "die nationale Sicherheit" überprüft (wegen der Schwammigkeit sehr umstritten!). Nach dem internationalen Business-Monitor von Handelsblatt ist China 2008 das wettbewerbsfähigste Land der Erde (vor Deutschland und der Schweiz). China wird von der EU noch nicht als Marktwirtschaft anerkannt (non-market economy), was Antidumping - Maßnahmen erleichtert. Umgekehrt sind die Märkte in China noch nicht vollständig geöffnet, wodurch viele ausländische Firmen von lukrativen Aufträgen ausgeschlossen sind. In der Weltwirtschaftskrise 2009 verstärkt China die staatliche Lenkung seiner Wirtschaft wieder (der Umweltschutz wird gelockert). Rund 6,5 Mrd. € will China von 2010 bis ca. 2013 in "Auslandspropaganda" investieren, um sein Image in der Welt zu verbessern. China baut seine Wirtschaft konsequent von einer Export- zu einer Binnenwirtschaft um. Eine "zentrale Disziplinarkommission" mit ca. 800 Mitarbeitern soll gegen Korruption vorgehen. Sie handelt allerdings nur auf Anweisung der höchsten Parteigremien. "Je mehr Gesetze und Verordnungen kundgemacht werden, desto mehr Diebe und Räuber gibt es", Laotse, chinesischer Philosoph. "Die Chinesen sind nach der Finanzkrise ernüchtert über den angelsächsischen Kapitalismus", Ansgar Gerstner. Deshalb gilt das Motto "Alle Macht dem Staat". Karl Marx (1818 - 1883, geb. in Trier, "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern"; "Alles muss angezweifelt werden") zählt in China als Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus zu den einflussreichsten Philosophen und politischen Theoretikern der Neuzeit (Hauptwerk: Das Kapital, 3 Bände, Hamburg 1867 - 1894). Zeitweilig lebte ja fast die Hälfte der Weltbevölkerung unter Regierungssystemen, die sich nach ihrem Anspruch auf seine Ideen gründeten. Allerdings hat seine Lehre heute kaum Einfluss auf die tatsächlichen Organisationsprinzipien der Wirtschaft (2009 habe ich einen Vortrag über die Bedeutung von Marx in China bei der HdBA in Mannheim gehalten, einen Vortrag mit dem Thema "Keynes meets Marx" halte ich bei der Keynes-Gesellschaft). Deng Xiaoping formulierte diesen Pragmatismus mit folgenden Worten: "Es ist egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache sie fängt Mäuse". Offiziell wurde auf dem 12. Kongress der KPC im Jahre 1982, als man sich auf einen Sozialismus mit chinesischen Eigenheiten festlegte, die Grundlage für die wirtschaftliche Öffnung geschaffen. 1978 wurde in Beijing das erste private Unternehmen in China mit der Lizenz 001 gegründet (das Restaurant von Guo Peiji in der Nähe der Halle des Volkes). Heutzutage dient der Konfuzianismus als moralischer Kompass für die sozialistisch-harmonische Gesellschaft ("Xiaokang Society"): "Wer das Alte bewahrt und zugleich neues Wissen zu gewinnen vermag, der kann den Menschen Lehrer und Vorbild sein", Konfuzius. Die kommunistische Partei hat heute (2011) ca. 80 Mio. Mitglieder. Es ist ein Netzwerk-System, das in alle Ecken des Landes reicht (etwa 780.000 Dorf-Parteikomitees). Auch Privatunternehmer halten sich an den Parteischulen auf, um Kontakte zu knüpfen (dürfen seit 2002 Mitglieder sein). Am 01.07.2011 wird die KPC 90 Jahre alt. 2011 muss erstmals ein Unternehmer (der Baumagnat Liang Wengen, kontrolliert Baumaschinenkonzern Sany) in das Zentralkomitee aufgenommen werden, weil der Ärger unter Chinas Privatunternehmern immer mehr wächst. Kultur: Konzept einer "Harmonischen Gesellschaft". Konfuzianismus, Moral wichtiger als Recht; Modulsystem der Sprache (200 Einzelmodule), das von der Technik her auch auf die Wirtschaft übergreift. Daneben Taoismus und Buddhismus mit ihren tradierten mythologischen Vorstellungen. Zentrum waren die heiligen Berge Chinas (10, 5 Berge des Taoismus und 5 des Buddhismus, + Huang Shan), von wo auch heute bei uns bekannte Lebensformen kamen wie Feng Shui, Kungfu, Qi Gong und Tai Chi (sie gingen vom Atmen aus). Der Wutai Shan ist der heiligste Berg, wo der Buddhismus zuerst in China Fuß gefasst hat. Es gibt dort heute noch über 100 Klöster. Er liegt relativ nahe bei Peking. Die taoistische Philosophie lehrt die Harmonie von Mikro- und Makrokosmos, lebt von der Liebe zur Natur und von Gelassenheit. Es gibt eine spannungsgeladene Einheit von Gegensätzen. Der Konfuzianismus als hierarchisches Ordnungssystem wird eher von den oberen Zehntausend (Beamten, Kader) als Morallehre beachtet. Gute Quellen für die heutige Alltagskultur sind die Krimis von Qiu Xiaolong (vier ins Deutsche übersetzt). Manifestationen der Kultur, Kulturstandards und Stereotype sind unter anderem Gegenstand meiner Veranstaltung "Psychologie und Kommunikation". Vergleiche auch die Homepage meines Kollegen M. Vermeer vom OAI ( www.chinacom.de ). "Viel Höflichkeit beleidigt niemanden", Chinesisches Sprichwort. Das erste und einzige chinesische Kulturinstitut in Deutschland wurde in Berlin eröffnet. In Oranienburg soll eine chinesische Stadt entstehen. Seit Sommer 2006 läuft eine Benimm-Kampagne der KP für Chinesen anlässlich der Olympischen Spiele ("Spuck nicht, wirf nichts auf die Straße", "Schrei nicht ins Handy"). Auch das "Schlange stehen" soll geübt werden. Zur Zeit werden Konfuzius-Institute nach dem Vorbild der deutschen Goethe-Institute gegründet (in Berlin, Nürnberg, Düsseldorf, Hannover, Hamburg). Hier soll man Chinesisch und Kalligrafie lernen können. Von den gut 50.000 chinesischen Schriftzeichen sind 3500 im Alltag gebräuchlich. Chinesisch ist die weltweit verbreiteste Sprache mit 1052 Mio. Menschen. Nach einer Erhebung der Nationalen Statistikbehörde sind die größten Sorgen der Chinesen: Sozialmoral, Medizinische Versorgung, Soziale Sicherheit und Bildung. Cicheng bei Shanghai plant als erste chinesische Stadt eine Altstadtsanierung nach fränkischem Vorbild (Iphofen). In der Provinz Guandong wird ab 2011 das Salzkammer-Idyll und Weltkulturerbe Hallstadt als Wohnviertel für Reiche nachgebaut. Zum chinesischen Neujahrsfest (2012 am 23.01.12, Jahr des Drachen) sind Partner zu mieten. "Die Chinesen übernehmen die Technik, aber nicht die Kultur des Westens", Manfred Pohl, Wirtschaftshistoriker, in der Wirtschaftswoche, Nr. 8/2007, S. 40. Die bekannteste kulturelle Institution aus China in Deutschland sind die China-Restaurants. Die "Spezialitäten - Kochs" dieser Restaurants werden oft ausgebeutet, weil sie nur eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis haben und nach geheimen Knebelverträgen arbeiten. Vom 09. 02. 2008 bis zum 01. 06. 2008 fand in Mannheim im Reiss-Engelhorn-Museum die Ausstellung "Ursprünge der Seidenstraße - Sensationelle Neufunde aus Xinjiang, China" statt. Am 11.09.08 begann eine dreitätige deutsch-chinesische Konferenz in Hamburg ("China meets Europe"). Bis 11.01.09 lief eine Ausstellung in Dresden im Residenzschloss: "Goldener Drache - Weißer Adler, Kunst im Dienste der Macht am Kaiserhof in China und am sächsisch-polnischen Hof. Im Jahre 2010 soll am Platz des Himmlischen Friedens die deutsche Ausstellung "Kunst der Aufklärung" stattfinden. 2009 war China das Gastland der Buchmesse in Frankfurt. Vorher gibt es ein Symposion "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit", wobei es Auseinandersetzungen um die Teilnahme kritischer Autoren gibt. Der Dialog auf der Buchmesse war für China und die Welt wichtig. Im Münchner Haus der Kunst stellt Ai Weiwei seine Gegenwartskunst aus ("So sorry", bis 17.01.2010).Im ostasiatischen Museum in Köln (ältestes Spezialmuseum, 100 Jahre 2009) wird die Ausstellung Buddhistische Kunst in China 550-600 gezeigt (bis 10.01.10). Im April 2010 findet die Weltausstellung Expo in Shanghai statt. Es ist eine Art Experimentierfeld für umweltgerechte Stadtplanung. 50 Mio. € zahlt Deutschland für seinen Auftritt. Im April 2011 wird im Nationalmuseum in Peking, das als größtes Museum der Welt gilt, die deutsche Ausstellung "Kunst der Aufklärung" eröffnet. Im März 2012 geht sie zu Ende. Es gab 500.000 Besucher; wegen der zeitgleichen Inhaftierung von Ai Weiwei kam sie in die Kritik. Notenbankstatus: abhängige Zentralbank. Die People`s Bank of China (PBOC) hat den Charakter eines Ressorts der Regierung und unterliegt den Weisungen des Staatsrats. Zentralbankchef ist Zhou Xiaochuan. Die Regierung schafft 2007 einen eigenen Fonds (staatlicher Investmentfonds), um die Währungsreserven profitabler anzulegen. Bisher verwaltet die "State Administration of Foreign Exchange (Safe, Chef Yi Gang)", die zur Zentralbank gehört, die Reserven. Diese soll zukünftig nur noch die "normalen" Reserven anlegen. Diese sind zu ca. 60% in niedrig verzinsten amerikanischen Staatsanleihen angelegt (1159,8 Mrd. $ Mai 2011). Damit finanziert China einen großen Teil des US-Staatshaushalts. Etwa dreißig Prozent ist in anderen Währungen angelegt, 20% in Euro. Mehr Der Rest wird von einer neuen Gesellschaft investiert (Chef: Lou Jiwei, Exvizefinanzminister "Wenn wir einen fetten Hasen sehen, werden wir ihn erlegen"). Startkapital ca. 350 Mrd. $. Der Name ist "China Investment Corporation (CIC". Die erste Investition erfolgt im Mai 2007 bei Blackstone (3 Mrd. $; maximaler Anteil 9,9%; Sperrfrist bei anderen Finanzierungsgesellschaften). Ende 2007 wird bei Morgan Stanley investiert (5 Mrd. $ für knapp 10% Anteil). 2011 erfolgt ein einstieg bei der Münchener Rück (3,04%). Der Staatsfonds verbrüdert sich mit der New Yorker Beteiligungsgesellschaft Cerberus. Alle diese Finanzinvestitionen bringen Verluste. Einzelne Tranchen sollen auch an Investmenthäuser in aller Welt vergeben werden (überwiegend für festverzinsliche Papiere). Zwei Drittel sollen in die Stärkung des heimischen Bankensektors investiert werden, ein Drittel im Ausland. Unter anderem will der Fonds in die Deutsche Bahn investieren. Unklar ist noch, ob er auch chinesischen Unternehmen bei Zukäufen im Ausland helfen soll (extra-territoriale Industriepolitik). Ein Teil der Devisen werden dafür genutzt, sich landwirtschaftliche Anbauflächen in Lateinamerika und Afrika sowie anderen Teilen der Welt zu sichern. Es soll auch ein Infrastrukturfonds für Südostasien aufgebaut werden. Auch der Staatsfonds ist eine Gesellschaft, die ihr Geld vermehren will, allerdings hat sie einen längeren Atem als private Fonds. 2010 wird der Staatsfonds neu zugeschnitten: Auslandsaktivitäten sollen von inländischen Bankbeteiligungen getrennt werden. Es geht dabei auch um eine klare organisatorische Trennung von CIC (China Investment Corporation) und Central Huijin Investment. CIC soll sich nur auf das Auslandsgeschäft konzentrieren, Huijin auf das Inland. Diese Gesellschaft hat für die KPC die Kontrolle über den Finanzsektor. CIC soll sich mehr auf Rohstoffe im Ausland ausrichten (2010: 90% der Mittel im Ausland, davon 36% in Aktien, 26% in Staatsanleihen). Chef des Staatsfonds CIC ist Lou Jiwei. 2012 dürfte CIC ca. 500 Mrd. $ angesammelt haben (zuletzt 50 Mrd. $ von der ZB und 30 Mrd. $ von der Devisenbehörde). Vor allem europäische Firmen sind im Focus.. Staatsfonds gibt es unter anderem auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Abu Dhabi Investment Authority 875 Mrd. $), Kuweit (KIA, erster Staatsfonds, 264 Mrd. $),, Saudi-Arabien (433 Mrd. $), Singapur (GIC: 330 Mrd. $ + 159 Temasek), Russland (144 Mrd. $), Government Pension Fund, Norwegen (361 Mrd. $), Hongkong und Australien. Das Vermögen aller 20 Staatsfonds wird auf 3,9 Bio. $ geschätzt. 2010 will der Staatsfonds bei der Beteiligung am kanadischen Düngerhersteller "Potash" helfen. China gibt einen 25 Milliarden Kredit an Russland, wodurch Moskau die Ölversorgung der nächsten 25 Jahre sichert. China setzt seine ungeheuren Währungsreserven vor allem für strategische Rohstoffe ein. Im September 2009 kauft China die erste IWF-Anleihe in Höhe von 50 Mrd. $. Anfang 2010 werden die Banken angewiesen, keine Kredite mehr zu vergeben. Geldmenge und Inflation wachsen zu schnell. In den nächsten Monaten dürften die Zinsen erhöht und die Landeswährung aufgewertet werden. 2011 kommen die chinesischen Druckereien mit dem Gelddrucken nicht mehr nach. Die Bargeldnachfrage wächst jährlich um 20%. Die Notenbank kürzt die Mittel für die Kreditvergabe Anfang 2011 um 40 Mrd. Euro. Die chinesische Zentralbank kauf zunehmend europäische Staatsanleihen (Griechenland, Portugal, Ungarn). Es geht auch um industrielle Beteiligungen, insbesondere in Italien. China will in größerem Umfang kaufen, wenn dafür Handelshemmnisse abgebaut werden. Auch Russland kauft europäische Staatsanleihen. Die anderen Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Süd-Afrika denken über Hilfen nach. "Wer China versteht, hat keine Angst", Wan Gang, chinesischer Wissenschaftsminister. Währung und Geldpolitik: Renminbi, RMB ("Volkswährung"), Haupteinheit ist der Yuan (bedeutet: "runder Gegenstand", daneben gibt es den Jiao und den Fen als kleinere Einheiten (auch Mao); die Bevölkerung spricht auch häufig noch von Kuai. Die ausländische Währung heißt auch Yuan: der US-Dollar Meiyuan, der Euro Ouyuan. Die neuen Banknoten 2008 haben anstelle von Mao das neue Olympiastadion drauf), Bindung an den Dollar (mittlerweile auch an € und Yen, Zusammensetzung des Währungskorbes geheim), amerikanische Schätzungen sprechen von einer Unterbewertung von 30%; im Mai und Juni 2007 erfolgt eine leichte Aufwertung (Aufwertung gegenüber $ vom 1.6.05 - 8,3 - bis Frühjahr 08 14%, gegenüber € und Yen um 3%), weil die tägliche Abweichung vom Mittelwert der Zentralbank statt 0,3% jetzt 0,5% betragen kann. Devisenreserven: 3000 Mrd. $ (Ende 2010, Mitte 2011 3,2 Bio., Weltspitze, China größter Gläubiger der Welt, mehr als Japan, Russland und die EU zusammen), 900,7 Mrd. US-$ in US-Staatsanleihen (2009, weltgrößter Besitzer von US-Bonds), Trend geht zu Gold als Reserve, insgesamt Diversifizierung). Mittlerweile hält china auch Euro-Staatsanleihen im Wert von ca. 420 Mrd. € (Anfang 2012). Ende 2011 betrugen die Devisenreserven 3,18 Billionen $. Sie sind damit erstmals leicht gesunken (Oktober 2011 3,27). 1$=ca. 7 Yuan (genau: 6,90); 1€=9,2Yuan. Ende 2007 wird eine Aufwertung durchgeführt, um die Inflation zu zähmen und das Wachstum zu drosseln. Ende 2008 wird der Yuan in Teilen für den internationalen Handel zugelassen (Pilotprojekt für ausgesuchte Wirtschaftszonen mit ausgesuchten asiatischen Nachbarländern). Insgesamt ist es zwischen 2005 und 2008 zu Aufwertungen gekommen, seit 2008 ist der Yuan in der Praxis wieder mehr an den $ gekoppelt (um die Aufwertung zu stoppen). Nachteil davon ist, dass sich China die Inflation ins Haus holt. Deshalb wird wahrscheinlich die Schwankungsbreite erhöht werden. Die Strategie des geldpolitischen Ausschusses von 2005, mehrere Währungen zu berücksichtigen, soll in der Zukunft aber stärker angewandt werden. 2010 wurde der Yuan um 3,5% aufgewertet. 2011 wird mit einer Aufwertung um bis zu 8% gerechnet. Eines Tages wird der Yuan neben Dollar, Yen und Euro treten. Ende April 2006 wurde der Leitzins auf 5,85% erhöht, im Mai 2007 auf 6,57%, Mitte September 2007 auf 7,29% (Kreditzins, 1 Jahr), Ende 2007 auf 7,47%; der Zins für Spareinlagen blieb unverändert bei 2,25% und wurde im Mai 2007 auf 3,06% erhöht (für einjährige Anlagen) sowie im September 2007 auf 3,3%. Allein 2007 gab es sechs Zinserhöhungen. Ziel: weniger Investitionen, mehr Konsum. 2008 folgen wieder mehrere Zinssenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln (für Kredite 6,7% 1 J., für Sparguthaben 3,6% 1 j.) Ende 2010 wird der Leitzins der chinesischen Notenbank auf 5,56% festgelegt (Kampf gegen Inflation), danach noch einmal auf 5,81%. Im April 2011 kommt eine weitere Erhöhung auf 6,56%. Die Kreditvergaben sollen weiter eingeschränkt werden (vorsichtigere Geldpolitik). In Erwartung einer Yuan - Aufwertung fließt ausländisches Geld nach China, wodurch die Geldmenge zunimmt. Die Geldmenge wächst auch sehr schnell wegen des Außenhandelsüberschusses. Vor allem die Geldmenge M2 ist 2007 zuletzt um 17,1% gewachsen. Schon 2006 erhöhte die Zentralbank den Mindestreservesatz von 8,0% an ständig, im Mai 2007 zum 05.06.07 auf 11,5%, später noch mal auf 12%. Mitte Januar 2010 wird der Mindestreservesatz noch mal um 0,5% erhöht. Vom 25.2.10 müssen Großbanken 16,5% und kleinere Institute 14,5% ihrer Einlagen bei der Notenbank vorhalten. Im Februar 2011 wird er Mindestreservesatz um einen halben Prozentpunkt auf 19% erhöht. Im April 2011 wird er auf den Rekordwert von 20,5% erhöht, um die Inflation zu bekämpfen; im Mai 2011 auf 21%. Diese Erhöhung wird im Februar 2012 wieder auf 20,5% zurückgenommen. Mitte 2007 gibt es Spekulationen über eine Loslösung des Hongkong-Dollar vom US-$, was Turbulenzen auslöst (irgendwann muss der Hongkong-Dollar ganz fallen). Es besteht ein enger Zusammenhang zum Einbruch am innerchinesischen Aktienmarkt. 2009 ist der Yuan auch Thema beim Besuch von Obama. Aber schon beim Apec-Gipfel Mitte November09 stellt sich China bei der Wechselkurspolitik quer. Ende November 2009 macht auch die EU Druck für eine Yuan - Aufwertung (20% der gesamten chinesischen Produktion werden in Staaten der EU geliefert). Allerdings ist für Deutschlands hoch entwickelte Exportgüter der Einkommenseffekt wichtiger als der Preiseffekt. Mittlerweile unterhält die chinesische Zentralbank eine Reihe von bilateralen Währungsswaps mit anderen Zentralbanken: Südkorea, Singapur, Indonesien, Malaysia, Argentinien, Weißrussland und Island. Hongkong dient als Drehscheibe von Währungsgeschäften. Es geht um eine mittelfristige Ablösung vom Dollar. 2011 verschärft China die Regulierung im Währungshandel (spekulative Währungsgeschäfte ausländischer Investoren). Im Herbst 2011 bereitet die Zentralbank die Yuan - Freigabe vor. Unklarheit herrscht über den Zeitplan. Der Handel in der Landeswährung Yuan soll massiv erleichtert werden. Dazu soll eine eigene Plattform aufgebaut werden. Es handelt sich um ein vollautomatisches Abwicklungssystem. Damit wird die Konvertierbarkeit der eigenen Währung gestärkt (Verzerrungen durch große Dollarschwankungen, vor allem für die Schwellenländer). "Bis der Yuan eine Leitwährung wird, ist es noch ein langer Weg", Stephen Green, Standard Chartered, Shanghai. Die chinesische Zentralbank einen Plan für ein neues Welt-Währungssystem vor (Titel "Die Reform des internationalen Währungssystems"). Kurzfristig will sie die Rolle der Sonderziehungsrechte stärken, langfristig eine Rohstoff-Reservewährung schaffen. Offenbar ist den Chinesen die Hauptweltreservewährung "Dollar" zu Kredit belastet. Allerdings verraten die Chinesen nicht die Zusammensetzung ihrer Notenbankreserven. Schon Keynes hatte 1944 den Bretton Woods den "Bancor", einen Korb mit 30 repräsentativen Rohstoffen, vorgeschlagen. Länder mit einem Defizit und Länder mit einem Überschuss sollen Gebühren zahlen. Daraus entwickelte in den sechziger Jahren Nicholas Kaldor ein "Rohstoff-Reserve-Währungssystem". China misstraut dem Weltwährungssystem und hat heimlich bis 2009 seine Goldreserven auf 6000 Tonnen erhöht (5. Stelle in der Welt). Auch Russland fordert mittlerweile, die Sonderziehungsrechte auszubauen (mit Rubel, Yuan, Rohstoffe, Gold). Kurz vor dem G8-Gipfel im Juli 2009 erlaubt China für ausgewählte Firmen (vor allem aus Hongkong und Macao) grenzüberschreitende Geschäfte in Yuan abzuwickeln (noch ist der Yuan nicht konvertierbar). China profitiert Ende 2009 durch seine Dollarbindung vom schwachen Dollar, was den Exporten zugute kommt. Um die Bedeutung des Yuan zu erhöhen, hat die Zentralbank Maßnahmen ergriffen: über Yuan-Swap-Geschäfte können Handelspartner Importe aus China bezahlen (Rechnungsstellung in Yuan). Durch die Emittierung von Hongkong Yuan - Anleihen entsteht ein Offshore-Markt. 2010 warnen chinesische Ökonomen vor einem "Yuan-Krieg" mit den USA. China will seine Währung nicht weiter aufwerten, die USA könnten mit einem Handelskrieg antworten. Durch die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar 2010 profitiert der Euro auch gegenüber dem Yuan (1€ nur noch 8,2 Yuan). Der Dollar wird schon seit Mitte 2008 mit 6,8 Yuan konstant gehalten. Dies ändert die Zentralbank im Juni 2010, so dass wieder der Yuan an einen Währungskorb gebunden ist (wie 2005 - 2008). Daraufhin erfolgt eine Aufwertung um 0,5% auf 6,79 Yuan pro Dollar. Im Oktober verschärft sich der Streit zwischen den USA und China um die Aufwertung. Bei globalen Einkaufstouren, etwa auf den Rohstoffmärkten, könnte China Geschäfte in eigener Währung und zu günstigeren Bedingungen abwickeln. Doch es dürfte noch ca. 15 Jahre dauern, um aus dem Renminbi ein frei konvertierbares Zahlungsmittel und eine Reservewährung zu machen. 2011 wollen die USA China nicht als Währungsmanipulator einstufen, was Sanktionen zur Folge haben müsste. Aus Angst vor Inflation 2011 könnte China seine Währung aufwerten lassen (Abbau von Inflationsdruck). Die Krise des Dollars könnte den Renminbi schneller zur Weltleitwährung machen (im günstigsten Falle schon in 10 Jahren). Der Abstieg des britischen Pfunds als Leitwährung kann zur Orientierung dienen. "Den Marktkräften könnte schrittweise eine größere Rolle zugestanden werden", Zhou Xiaochuan, Chef der chinesischen Zentralbank. "Präsident Obama glaubt, dass China seine Währung manipuliert", Timothy F. Geithner, US-Finanzminister. Finanzmärkte/ Aktienmarkt: 2009 überholt China Japan als zweitgrößten Aktienmarkt der Welt. Die Finanzmärkte sind immer noch stark reguliert. Börsen in Hongkong (Hang Seng-Index, H-Aktien) und Shanghai (ca. 850 Unternehmen) sowie Shenzhen (über 600 Unternehmen). A-Shares werden in Yuan geführt und sind überwiegend für heimische Anleger. B-Aktien, die in Shanghai in US-$ und in Shenzhen in Hongkong-$ geführt werden, finden weniger Beachtung. Die Yuan - Aktien werden an beiden Börsen mit dem CSI 300-Index gemessen. Ein neuer Börsenplatz ist in Tianjin geplant. Mit diesem will die Deutsche Börse kooperieren (Tianjin ist eine Experimentierzone für die völlige Liberalisierung des Finanzsektors). In Hongkong sollen immer mehr Wertpapiere in Yuan gehandelt werden. Der Umfang der handelbaren Aktien liegt bei ca. 185 Mrd. $. Die chinesische Börsenaufsicht CSRC lässt Börsengänge (nach einem Kriterienkatalog) ab Sommer 2006 wieder zu. 2006 legten die Börsenkurse in Shanghai um 130% zu, 2007 um 150%. 2007 wird die Steuer auf Börsengeschäfte verdreifacht, um die überhitzten Aktienmärkte abzukühlen. Ein Kursrutsch am 27.02.07 am chinesischen Aktienmarkt in Shanghai (-9%, größter Absturz seit 10 Jahren) lässt weltweit die Kurse sinken. Gründe sind der Rückgang der US-Auftragseingänge, Nervosität der Akteure vor der Sitzung des Nationalen Volkskongresses, die mögliche Einführung einer Kapitalertragsteuer und Äußerungen von Alan Greenspan. Erstmals erreicht der Schanghai-Index am 11.05.07 4000 Punkte. Es wird bereits eine Blase und eine dramatische Korrektur befürchtet. Ein Kursrutsch in Shanghai Ende Mai 2007 um über 6% aufgrund der Erhöhung der Kapitalertragsteuer hatte kaum Auswirkungen auf andere Börsen (Gewöhnungseffekt; isolierter Handel, weil wenig fremdes Kapital). Anders ist dies beim Kursrutsch am 21.01.08: allein die ICBC verlor erst 7,8, dann 8,6%. Insgesamt hat der Shanghai-Composite-Index (CSI) 2008 35% eingebüßt (Hang-Seng-Index -13 %). Die ostasiatischen Aktienmärkte folgen heute insgesamt den US-Trends stärker als vor der Finanzkrise 1997. Mitte 2009 kehrt wieder Euphorie an den Börsen ein und die Kurse steigen. Ab August sackten die Kurse wieder. Der Markt fürchtet das Platzen der Immobilienblase und das Ende der Konjunkturförderung. Insgesamt sind die Ausschläge an der Börse extrem, weil die Chinesen Wetten lieben und einige haufenweise Geld haben. China Mobile, China Petroleum und Petrochina sind mit 507 Mrd. € so viel wert wie die 30 deutschen DAX-Konzerne (durch Zukäufe, Missverhältnis zum Umsatz). Petrochina ist das wertvollste Unternehmen der Welt. Mit der Müllverbrennungsfirma Zhong-De geht am 6. Juli 2007 erstmals eine chinesische Firma an die deutsche Börse in Frankfurt (Börseneröffnung mit 15% über Ausgabekurs). Die China Securities Regulatory Commission rät von der Spekulation mit Aktien in China ab! 2010 drosselt die Regierung die Kreditvergabe durch die Banken. Das Börsendebüt von China Minsheng in Hongkong enttäuscht. Mitte 2010 hat die Börse in China ein 15-Monats-Tief. Dagong ist die größte Rating-Agentur in China. Sie stufte die Kreditwürdigkeit der USA Ende 2010 auf A plus herunter (China AA plus). 2011 steckt Chinas Aktienmarkt fest. Die Regierung hat die Zufuhr an frischem Geld in die Wirtschaft gedrosselt. Das dämpft die Hoffnung auf steigende Kurse. Die Rating-Agentur Fitch warnt im Herbst 2011 vor Kreditrisiko in China und droht mit einer Herabstufung. Die Regierung zögert noch mit einer Reform des Finanzsektors. Eine Schuldenkrise ist nicht auszuschließen. Im März 2012 lockert das Land den Kapitalverkehr. Auslandsbanken dürfen mehr Kredite in fremder Währung vergeben (NDRC setzt Grenze auf 24 Mrd. $ hoch angesichts der schwächeren Konjunktur). Bankensystem: Die ICBC (beim Börsengang Ende Oktober 2006 mit 22,0 Mrd. $ Rekord, das Ministry of Finance und die staatliche Central Huijin Investment haben je 36,2% Anteil) ist seit 2006 an der Börse. Mittlerweile ist die ICBC gemessen am Börsenwert die größte Bank der Welt (350.00 Mitarbeiter, 100 Mio. Kunden, 17.000 Geschäftsstellen). Die meisten Gewinne stammen aus Zinseinnahmen, das Auslandsgeschäft ist noch rudimentär. Im ersten Halbjahr 2008 wurde mit 6,4 Mrd. € ein Rekordgewinn eingefahren. Die Eigenkapitalrendite liegt bei 22,8% (weltweit Spitze). Im ersten Quartal 2010 konnte die Bank ihren Gewinn um 18% steigern. 2011 erwirbt sie 80% des US-Geschäfts der Bank of East Asia. Jiang Jianqing, der Boss der Bank, ist auch Parteisekretär und Mitglied im Zentralkomitee. Im ersten Quartal 2011 steigt der Gewinn sogar um 29%. Die Bank of China (116 Mrd. € 2010), die China Construction Bank (151 Mrd. € 2010) und die Bank of Communications folgen an die Börse. 2011 ist die China Construction Bank nach der Marktkapitalisierung schon die zweitgrößte Bank der Welt. 2007 folgt die China Citic Bank (weltweit größte Börsengang des Jahres, 5,9 Mrd. $). Internationale Institute sind mit rund 20 Mrd. $ beteiligt, dürfen aber keine Kontrollmehrheit übernehmen. Es fehlt noch die Agricultural Bank of China, die die Hälfte aller "faulen" Kredite hält (99 Mrd. $) und in ländlichen Regionen eine große Rolle spielt. Geprüft wird auch hier die Beteiligung strategischer Investoren aus dem Ausland sowie ein Börsengang. Auch sie geht an die Börse und erreicht 2011 schon Platz 4 in der Welt. Die China Development Bank soll in eine vollwertige Geschäftsbank umgewandelt werden. Seit dem Börsengang steigern die Banken ihre Gewinne deutlich (ICBC um 62% im ersten Halbjahr 2007, BoC um 52%). Sehr erfolgreich waren die Börsengänge von Petrochina (+163%) und Alibaba 2007. Zwei neue Investmentfonds haben im Juni 2007 an einem Tag soviel Geld gesammelt, dass sie vorzeitig geschlossen werden mussten. Chinesische Unternehmen (China Mobile, China Construction Bank) drängen an die Börse in Shanghai. China und Singapur investieren in die britische Barclays - Bank, damit diese ABN Amro (größte Bankenfusion aller Zeiten) übernehmen kann. Die chinesischen Banken haben Hypothekenkredite in der Höhe von 289 Mrd. € (3 Bio. Yuan) vergeben, wobei keine Bonitätsprüfungen vorgenommen wurden! (dies ist in Anbetracht der Bankenkrise in den USA eine Zeitbombe). Hinzu kommt, dass chinesische Banken massiv im US-Markt für Hypotheken engagiert sind (z. B. Bank of China, BOC). So müssen die ICBC und die BOC 2008 Kredite in Milliardenhöhe abschreiben. Nach der Pleite von Lehman Brothers werden weitere folgen. Die Kredite in China stellen eine große Gefahr dar. Die Kosten erhöhen sich mit jeder Zinserhöhung der Zentralbank. Mittlerweile sind auch ausländische Banken betroffen, die an chinesischen Banken beteiligt sind (so die Royal Bank of Scottland an der BOC). 2007 wird eine Postsparkasse gegründet. Die chinesische Bankenaufsicht untersagt 2008 eine Lockerung der Kreditbedingungen für Immobilien. Trotzdem werden die Preise in den Ballungszentren von staatlichen Gesellschaften gemacht, die Zugang zu verbilligtem Kapital haben. Die chinesische Regierung ist sehr rigide bei der Zulassung ausländischer Versicherungen, Banken und Anwaltskanzleien. Jede neue Finanzdienstleistung muss auch einzeln beantragt werden (z. B. Sparplan, Konsumentenkredit). Die chinesischen Banken profitieren von Margen zwischen niedrigen Guthabenzinsen und hohen Darlehenszinsen. 2010 geht die Agricultural Bank of China (ABC) an die Börse. Es beteiligen sich stark arabische Staatsfonds (Kuwait 800 Mio. $, Qatar 2,8 Mrd. $). 22,2 Mrd. Aktien sollen in Shanghai plaziert werden, 25,4 Mrd. in Hongkong. Es ist der größte Börsengang aller Zeiten. Das Finanzministerium hat faule Kredite mit einem Volumen von 120 Mrd. $ ausgelagert. Die staatliche Central Huijin Investment steckt weitere 19 Mrd. $ in die Bank. Die ABC-Bank hat 440.000 Mitarbeiter in 24.000 Filialen. Sie wurde 1950 unter Mao Zedong gegründet. Ende 2009 hatte sie 320 Mio. Kunden mit 879 Mrd. € Spareinlagen. Ende 2010 geht die erste chinesische Regionalbank Chongqing Rural an die Börse. 2011 versucht die China Development Bank die HSH Nordbank zu übernehmen. Schon vorher gab es Kredite. Eine Ironie besteht darin, dass viele Experten vor der Finanzkrise 2008/2009 einen Zusammenbruch der chinesischen Banken voraussagten, aber zusammenbrachen die US-Banken. Gängige Interpretation in N. Lardy: China`s Unfinished Economic Revolution, Washington D. C. 1998. Sehr hohe "faule Kredite" (geschätzt mehr als 30% des gesamten Kreditvolumens, genannt auch "bad loans", ihr Wert wird auf 900 Mrd. $ geschätzt, die meisten sind bei der Agricultural Bank of China). 30% des Bankensektors gelten als unterkapitalisiert. Im ersten Quartal 2006 haben die Banken Kredite von umgerechnet 126 Mrd. € vergeben (die Hälfte des für dieses Jahr geplanten Betrages, ein großer Teil fließt in den Immobilienbereich, Überinvestitionen). 2010 versucht China (Volkskongress) den Immobilienmarkt abzukühlen. Die Hauspreise sind auch 2011 weiter außer Kontrolle. Die Regierung bekommt den Immobilienmarkt nicht in den Griff. Mittlerweile gibt es einige Geisterstädte in China. Die Ursachen liegen auch in den Einnahmequellen chinesischer Städte: Einnahmen aus Landverkäufen werden immer wichtiger. Die Bedeutung direkter Steuereinnahmen und des Finanzausgleichs durch die Zentralregierung nimmt ab. Die schlecht verzinsten, hohen Spareinlagen bieten eine große Reserve (Spareinlagen priv. HH 2006: 1618 Mrd. €). China hat rund 300 Mrd.$ aus Handelsgewinnen in amerikanische Staatspapiere investiert (Abhängigkeit der USA!). Ausländische Banken steigen verstärkt in das Private Wealth - Management ein. Um die ständigen Konflikte zwischen der staatlichen Bankenaufsicht, die es seit 2002 gibt, und der Zentralbank zu entschärfen, soll ein Gremium eingerichtet werden. Dramatisch wird es für die USA und die Welt, wenn China seine Devisenüberschüsse nicht mehr in US-Staatspapieren parkt (430 Mrd. $). Mittlerweile ist der staatliche Investitionsfonds auch an vielen US-Banken beteiligt. In der Weltwirtschaftskrise 2009 verleihen Chinas große Staatsbanken großzügig Kredite, um die Wirtschaft anzuregen. Die Angst vor faulen Krediten wächst wieder. Der Wirtschaftsaufschwung ist mit billigem Geld der Staatsbanken erkauft. Ende 2009 investieren große chinesische Banken in Russland (Börsengang von Rusal) und Kasachstan (Rohstoffkonzern Kazakhmys). Die Großbanken können 2011 erfolgreich die Kreditsperren der Notenbank umgehen. Eine Immobilienkrise würde wahrscheinlich nicht auf die Banken übergreifen (kaum mit Hypotheken belastet, keine komplizierten Kreditderivate, hohe Reserveanforderung an die Banken, Staat als Eigentümer). Die Banken gelten insgesamt als sicher, weil der Staat Hauptanteilseigner ist. 2012 will die Regierung das Bankenmonopol bei der Kreditversorgung knacken. Die Konjunkturabkühlung erschwert der Kreditversorgung für Unternehmen. Im April 2012 erhöht die Wertpapieraufsicht die Quoten für Anlagen, die ausgewählte ausländische Investoren in China tätigen dürfen, von 30 auf 80 Mio. Dollar. In den Ming- und Qing-Dynastien (1368-1911) war Pingyao (südwestlich von Peking) das finanzielle Zentrum Chinas. Hier gab es auch Chinas erstes Bankhaus. Es ist die einzige Stadt Chinas, die ihren alten Charakter weitgehend bewahrt hat (Weltkulturerbe, alte Stadtmauer, alte Bausubstanz). Finanz- und Steuerpolitik: Ausbau der Steuerpolitik (2004 Abschaffung der Landwirtschaftsteuer): Gegenwärtig liegt die Ertragsbesteuerung einheitlich bei 30% national und 3% lokal (es gibt Ausnahmen für ausländische Unternehmen: 15%). Zukünftig soll der Steuersatz einheitlich 25% betragen. Außerdem sollen auch ausländische Betriebe die Landnutzungsteuer bezahlen (bis 3€ pro Quadratmeter). In den Sonderwirtschaftszonen soll die Steuerangleichung nur schrittweise ab 2008 umgesetzt werden. Die Unternehmenssteuern werden angehoben, um Bildung und Sozialsysteme zu finanzieren. Ab Januar 2008 müssen auch Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischer Beteiligung die normale Körperschaftsteuer zahlen (bis 25%). Schulbau und Lehrerfinanzierung obliegen aber zum Teil den Städten und Kreisen. So erklärt sich auch das Sparen von Stahlträgeren und Beton bei öffentlichen Bauten (z. B. im Erdbebengebiet von Sichuan). Die Value Added Tax (VAT, Mehrwertsteuer) beträgt 17%. Sie soll gesenkt werden, um den Verbrauch anzukurbeln. Besteuerung der Niedrigeinkommen soll fallen, dafür kommt eine Luxussteuer. Im März 2006 wird die Benzinsteuer angehoben. Für die Autos gibt es noch Mautgebühren und andere lokale KFZ-Steuern. Außerdem wird eine Autoerwerbsteuer eingeführt. 2009 wird eine Spekulationsteuer auf Immobilien eingeführt, die für Objekte gilt, die innerhalb von 5 Jahren weiterverkauft werden. 2010 will die Regierung eine Grundsteuer einführen, um die Immobilienblase zu bekämpfen. Der Wohnungs- und Häusermarkt trägt etwa 20% zum BIP bei. Die Öl-Raffinerien werden jährlich mit ca. 40 Mrd. $ subventioniert. Die Zinsabschlagsteuer beträgt 20%. Die Einführung einer Kapitalertragsteuer wird beschlossen. Die Steuereinnahmen sind in den vergangenen Jahren jährlich um 25% gestiegen. Intensivierung der Umweltpolitik (erneuerbare Energien!). Noch gibt es keine rationale Besteuerung von Wasser, Öl, Kohle und Naturressourcen. Weiterhin große Rolle spielt die Zollpolitik (zum Schutz, trotz WTO). Der chinesische Haushalt liegt 2006 bei 230 Mrd. € (+9,7%, Militär +14,7%). 2007 steigen die Militärausgaben nach offiziellen Angaben um 18% (44,94 Mrd. $, vor allem in Dual-Use-Technologie, Truppenstärke reduziert; USA 439,3 Mrd. $), die Gesundheitsausgaben um 80%. 2008 steigt der Verteidigungsetat auf 84,9 Mrd. Mrd.$ (tatsächlich viel mehr), womit China an zweiter Stelle hinter den USA (607 Mrd. $) liegt. Bei den Rüstungsausgaben fehlt Transparenz. Die Ausgaben dürften dreimal so hoch sein. 2010 steigt der Militäretat nur mit 7,5%, was die niedrigste Steigerung seit 20 Jahren ist (Russland empfindet China zunehmend als Bedrohung). 2012 steigen die Militärausgaben um 11,2% auf umgerechnet 85 Mrd. € (die USA schätzen knapp 100, USA 400 Mrd. €). Die extrem hohen Investitionen des chinesischen Staates tragen zum großen Teil zu den hohen Wachstumsraten bei. Die Schneekatastrophe Anfang 2008 führt zu hohen Investitionen in die Infrastruktur und regt damit die Binnenkonjunktur an. Das Konjunkturprogramm im Herbst 2008 gegen die Folgen der Finanzkrise umfasst mit den Initiativen der lokalen Regierungen 1,2 Bill. €. Sie sollen insbesondere in die Infrastruktur fließen. Daher wird sich das chinesische Haushaltsdefizit 2009 auf 108 Mrd. € verachtfachen (950 Mrd. Yuan, 3% des BIP, 2008 -13 Mrd. €, 2007 Überschuss). Ein Zusatzprogramm in Höhe von 450 Mrd. € steht ab März 09 zur Verfügung. Instrumente sind Investitionen in Infrastruktur, und Wohnungsbau, Steuersenkungen (Lohnsteuer halbiert), Unterstützung der Sozialsysteme, Hilfen für Kreditvergabe und Landwirtschaft. Ab Mai 2009 kommt wieder ein Programm in Höhe von 110 Mrd. €. Es werden Rabattgutscheine verteilt. Eine große Gefahr der Programme besteht darin, dass sie den Ausbau bereits vor der Krise bestehender Überkapazitäten fördern. Eine große Chance liegt darin, dass China einen großen Nachholbedarf an Infrastruktur und Binnenkonsum hat. Protektionistische Klauseln in den Programmen, die eine Bevorzugung inländischer Anbieter vorschreiben, rufen Proteste bei den Wirtschaftspartnerländern hervor. China macht insgesamt Konjunkturprogramme in Höhe von 17,3% des BIP (zweite Stelle hinter Japan). Im August 09 werden 90% mehr Autos verkauft als im Vormonat, vor allem ein Ergebnis der staatlichen Anreize (Steuererleichterungen für Kleinwagen, Rabatte in ländlichen Gebieten). Die Subventionen für den Kauf von Kleinwagen laufen 2010 aus, ebenso gibt es Zulassungsbeschränkungen für Autos in Großstädten. Immer noch landet ein großer Teil der Liquidität als Sparen in den Guthaben der Privathaushalte ("Tiger im Käfig"). "China ist heute die größte Reklametafel für autoritäre Herrschaft", Stephen Halper, US-Wissenschaftler. 2009 wird die Einführung einer Öko-Steuer für Unternehmen geplant, um die massive Umweltverschmutzung einzudämmen. Vor allem die Kohle ist ursächlich: China ist der weltgrößte Produzent und Verbraucher von Kohle. "Sowohl China als auch Indien legen großes Gewicht auf die Bildung von Humankapital", Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Bildungs- und Forschungspolitik: Stärkung des Bildungsbereichs (+40% 2007). 2004 machten erstmals mehr Chinesen den Bachelor als Amerikaner. Ca. 23 Mio. Studenten waren 2007 an den 1500 Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben. 2008 waren es schon über 25 Mio. Der Zugang ist über eine Prüfung geregelt (Gaokao). 2006 machten 4 Mio. Studenten einen Abschluss, darunter 440.000 Ingenieure, die nur 1/5 der Westgehälter verdienen. 2008 gab es schon 5,6 Mio. Hochschulabsolventen (Deutschland 0,3 Mio.). Mittlerweile liegt China bei den wissenschaftlichen Publikationen direkt hinter den USA. Mittlerweile gibt es auch über 70.000 private Schulen. 4,3% des BIP gibt China für Bildung und Ausbildung aus (USA 7,2%; Deutschland 5,8%). Innovationsoffensive der Regierung im neuen Fünfjahresplan (bis 2020 Innovationsorientiertes Land, die Ausgaben für Forschung steigen jedes Jahr um rund 20%, Anteil von 1,4% des BIP, bis 2020 auf 2,5%). Wesentlich höher sind diese Aufwendungen in den Boomregionen (3%). Die Forschungsaufwendungen sind hoch, 136 Mrd. $ 2006 (Deutschland 63 Mrd. $, USA 330 Mrd.$). 2010 gibt China 124 Mrd. US-$ für Forschung und Entwicklung aus (Prognose 2020 350 Mrd. $). 2011 steigen die F+E-Ausgaben auf 139,7 Mrd. $. 2009 meldeten erstmals in China Einheimische mehr Patente an als Ausländer (65400). China will seine Wirtschaft von Imitation auf Innovation umstellen. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 92% (116 Mio. Analphabeten, die nicht einmal 1500 Schriftzeichen lesen können). Das chinesische Bildungssystem wird oft kurz mit Tian ya shi" ("Enten stopfen") charakterisiert. 2008 haben 5,6 Mio. Studenten die Unis und FHs verlassen. Bis Juni 2009 hatten 1 Mio. noch keine Stelle gefunden. Sie konkurrieren mit den voraussichtlich 6,1 Mio. Absolventen 2009. Die besten Aussichten haben Ingenieure. Andere Abschlüsse werden von der Regierung zu den Funktionären aufs Land geschickt, um die Erlöse der Bauern zu steigern. 2007 meldeten 160.000 chinesische Ingenieure ihre Patente an, 30.000 mehr als in Deutschland. Noch vor 10 Jahren übertrumpften die Deutschen die Chinesen um das Sechsfache. 2011 ist China Patent-Großmacht geworden und liegt international auf Platz vier. Der ZTE-Konzern aus China ist 2012 das forschungsstärkste Unternehmen der Welt (China entwickelt sich von der Werkbank der Welt zum Labor). 2011 herrscht ein großer Fachkräftemangel in China. Ein großer Teil der Absolventen ist falsch oder schlecht ausgebildet. Die Fluktuationsrate liegt bei 30 Prozent. Die umstrittene Regelung zur Förderung einheimischer Produkte im Technologiesektor soll ab 2011 nicht mehr angewendet werden. "Haben wir erst mal Deutschland geknackt, gehört uns ganz Europa", Wang Mengshu, Jiaoting-Uni. "Beobachtet ruhig, verbergt unsere Möglichkeiten, wartet auf den richtigen Augenblick. Haltet euch bedeckt, und beansprucht nicht die Führung", Deng Xiaoping. Sozialpolitik und Sozialversicherung: Entwicklung eines Sozialversicherungssystems: Chinesen und Ausländer, die in China arbeiten, unterliegen mittlerweile der Sozialversicherungspflicht (Arbeitgeberanteil ca. 40%). Von 250 Mio. städtischen Erwerbstätigen sind 2008 205 Mio. (15%) Renten- und 130 Mio. Kranken - versichert (System wird seit 1997 aufgebaut). Bis Ende 2009 soll die Zahl der Rentenversicherten auf 225 Mio. steigen. Für die Grundsicherung sind in den nächsten zehn Jahren noch 5,7 Billionen € zu investieren. Das fertige System könnte die hohe Sparquote in China senken und so mehr Geld in den Konsum lenken. Im Jahre 2030 sind 380 Mio. Chinesen im Rentenalter über 65 Jahre. Keine Branche boomt so, wie der Immobilienmarkt, keine spiegelt so sehr die tief greifenden sozialen Veränderungen in den Städten wieder. Noch ungeklärt ist die Finanzierung der Pensionen, Gesundheits- und Bildungskosten für die freigesetzten Staatsbediensteten, die einen rechtlichen Anspruch auf die Zuwendungen haben. Seit 2006 gibt es die Möglichkeit, auch Wanderarbeiter in die Sozialversicherung aufzunehmen. In der Praxis sind nur 18% der Wanderarbeiter krankenversichert und 20% unfallversichert. Bei der Rentenversicherung lag der Anteil 2006 bei nur 10% (das größte Problem der Sozialversicherung). In der Wirtschaftskrise 2008 kehren viele Wanderarbeiter in ihre Heimatprovinzen zurück. Der Volkskongress arbeitet 2009 fieberhaft an einem sozialen Netz. Zuerst müssen die ca.20 Mio. arbeitslosen Wanderarbeiter unterstützt werden. Deshalb soll mehr Geld in die Westprovinzen fließen, wo der Großteil der armen Landbevölkerung lebt. Langfristig muss ein stabiles Sozialsystem geschaffen werden, damit die Menschen nicht so hohe Rücklagen bilden und mehr konsumieren. Heute leben rund 40% der Chinesen in Städten. 2030 sind es voraussichtlich 60%. Dieser Trend führt grundsätzlich zu einer Einkommensverbesserung und damit zu mehr Konsum. China konzentriert seine Staatsausgaben immer mehr auf Gesundheits- und Altersvorsorge, auch auf Bildung. Weil die eigene Wohnung eine Bedingung zum Heiraten ist, zahlen die Käufer fast jeden Preis, was die Immobilienüberhitzung mit ausgelöst hat. Allein im Jahr 2011 will die Regierung 140 Mrd. € für sozialen Wohnungsbau ausgeben. Dies soll helfen, die Kluft zwischen Arm und Reich zu bekämpfen. In den nächsten fünf Jahren sollen 36 Mio. niedrigpreisige Wohnungen entstehen. Immer wieder kommt es zu Missständen in den in China produzierenden Firmen. Z.B. wurden bei der Produktion von Apple - Handys viele Beschäftigte schwer vergiftet. Seit 1999 wird jährlich eine Liste mit Reichen veröffentlicht. Sie heißt "Hurun-Liste". Auf der letzten stehen 1363 Menschen mit einem persönlichen Vermögen von einer Milliarde Yuan (110 Millionen Euro). "Reich werden ist ehrenhaft", Parole der KPC in der Achtzigerjahren. Die Aufforderung an China, seinen Inlandsverbrauch zu steigern, ist etwas verfehlt. Selbst bei Erhöhung des Konsums würden Importe aus den USA oder der EU möglicherweise nicht steigen. Absoluten Vorrang haben inländische Dienstleistungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich. So auch J. Stiglitz: im freien Fall, München 2010, S. 424. Strukturpolitik: Sonderwirtschaftszonen, Entwicklungszonen; Bekämpfung der Inter- und Intra- Heterogenität der Provinzen (Disparitäten), z. B. Abschaffung des ländlichen Registrierungssystems in 11 Provinzen, (obwohl nur eine Minderheit in den Städten lebt, haben sie die weitaus beste Versorgung: medizinisch, Wasserleitungen, Einkommen). 34 Mrd. € sollen 2006 für Infrastrukturmaßnahmen in den ländlichen Raum fließen (ca. 700 Mio. Landbewohner mit ca. einem Drittel des üblichen Einkommens in Städten, +ländliche Krankenversicherung, Abschaffung des Schulgeldes). Mehr als die Hälfte aller Chinesen haben keinen Versicherungsschutz im Krankheitsfall. Weitere Deregulierung und Privatisierung der Staatsunternehmen, Orientierung auf Hochtechnologien beim Strukturwandel. China bekommt noch deutsche Entwicklungshilfe, etwa marktnahe Vorgaben für Pilotprojekte in der Energietechnologie und im Klimaschutz. Künftig soll keine klassische Entwicklungshilfe mehr geleistet werden, sondern eine "strategische Partnerschaft" eingegangen werden (Reformprozesse in Justiz, Gesellschaft und Klimaschutz). Der neue Entwicklungshilfeminister Niebel stellt auch das in Frage. China sieht sich selbst als Entwicklungsland, weil es sich auf die Wirtschaftskraft pro Kopf stützt. Hierbei liegt das Land auf Platz 99 in der Welt (2010). Die Kommission für Forschung, Technik und Industrie für nationale Verteidigung (COSTIND) bis 2008 ein Turboprop - Flugzeug bauen lassen. China hat Deutschland vom 5. Platz Rang der Patentanmeldungen verdrängt. Tianjin soll zusammen mit der Binhai New Area (Sonderwirtschaftszone) zu einer der mächtigsten Wirtschaftszonen des Landes ausgebaut werden. Die Region lockt mit Steuervorteilen und niedrigen Landpreisen. Im Mai 2008 bündelt China sein Telekommunikation in wenigen Konzernen: China Netcom, China Telecom und China Mobile. China muss Milliarden in den Umbau der Städte stecken (350 Mio. neue Einwohner, bessere Infrastruktur). Die Konjunkturpakete kommen insbesondere der Stahlbranche zugute (fast 50% der Weltstahlproduktion, Rekordzuwachs von 29%). Mittlerweile gibt es eine Überproduktion, was zu einem Preisverfall führen kann. Die Behörden auf Provinz-, Kreis- und Stadtebene ermuntern immer wieder die Wirtschaft zu unnötigen Projekten mit Förderung (z. B. niedrige Landpreise), um Steuereinnahmen zu bekommen. Die Feinsteuerung der Wirtschaft wird für die Regierung immer mehr zum Problem. "China muss seine gut ausgebildete Bevölkerung und seine finanziellen Reserven nutzen, um Strukturreformen einzuleiten", Robert Zoellick, Weltbank, 2012. Wichtiger Bestandteil der Infrastruktur ist Chinas Eisenbahn. Sie hat 2,5 Mio. Beschäftigte (eigene Unternehmen, Krankenhäuser, Hochschulen). In den nächsten 10 Jahren sollen 220 Mrd. € in neue Hochgeschwindigkeitsstrecken investiert werden. Das ist eine große Versuchung für Korruption. Die fortschreitende Urbanisierung treibt die Produktivität am stärksten an (zugewanderte Arbeiter kommen aus der Landwirtschaft). Zunehmend entstehen Ballungszentren und Infrastruktur in abgelegenen Gegenden wie der Inneren Mongolei. "Die Reichen brauchen keine Demokratie. Die Bauern und die einfachen Arbeiter brauchen sie, um ihre Interessen zu schützen", Wang Hui, Professor für Soziologie, Tsinghua-Uni, Peking (Die Zeit, Nr.30, 19.07.07, S. 37). KMU und Mittelstandspolitik: Hauptabteilung für mittelständische Unternehmen in der staatlichen Wirtschaftskommission, Steuervergünstigungen, Unternehmungsgründungsdarlehen. Örtliche Funktionäre beschlagnahmen allerdings auch Bodenflächen für neue Industriezonen ("Raub von Ackerland"). Chinesische Firmen haben seit 2003 acht deutsche mittelständische Unternehmen, die insolvent waren, aufgekauft. Es handelt sich fast ausschließlich um Maschinenbauunternehmen. Im Zuge der Unternehmensteuerreform 2007 kommt es zu Erleichterungen für Kleinunternehmen. Der Ertragsteuersatz soll maximal 20% betragen. Nach Schätzungen gibt es ca. 39 Mio. kleine und mittlere Unternehmen als Privatunternehmen. (90% der Firmen). Die Zahl soll sich in den nächsten Jahren auf 60 Mio. erhöhen. Viele von ihnen stehen vor einem Wechsel von der ersten auf die zweite Generation. Vier Faktoren machen die Nachfolge schwierig: die Ein-Kind-Politik, geringere Bedeutung der Töchter, keine Erfahrung, Fremdmanager unerwünscht. Mittlerweile sind die KMU zum Rückgrad der chinesischen Wirtschaft geworden (2005: 518 Mrd. € an Exporten, vor allem, weil die Binnenwirtschaft noch schwach ist). Der Boom der KMU geht zum großen Teil auch auf Umstrukturierungen und Liquidation von Staatsunternehmen zurück. Familienunternehmen ("Family Business Networks") sind sehr erfolgreich, die Staatsunternehmen oft ineffizient und schwerfällig. Facharbeiter mit grundlegendem technischen Verständnis zu finden, ist in China für KMU ganz schwierig. Dies ist einer der Hauptgründe für die Qualitätsprobleme. 2008 haben die KMU in China erhebliche Probleme. Allein im Perlflussdelta mussten 08 schon 67.000 Firmen dicht machen. Eine Senkung der Mehrwertsteuer und spezielle Kreditprogramme sollen helfen. KMU sind in China in der Regel gegenüber den staatlichen Großunternehmen benachteiligt, weil diese in Form niedriger Immobilien- und Energiepreise subventioniert werden. Chinas Staatsbanken benachteiligen sie bei der Kreditvergabe. In Chinas KMU findet praktisch kaum Forschung statt, weil kleine, innovative Firmen kaum Fremdkapital bekommen. 2012 erschwert die Konjunkturabkühlung die Kreditversorgung für KMU. Der Staat will das Bankenmonopol knacken. Vorreiter ist die Mittelstandshochburg Wenzhou. Private Geldhäuser sollen mehr Geschäftsmöglichkeiten bekommen. "Es ist für unsere Banken zu einfach, Gewinne zu machen", Wen Jiabao. Chinas Maschinenbaufirmen werden immer besser. Sie beteiligen sich auch immer mehr an Firmen in den USA und Europa. Hierunter sind auch viele kleine Unternehmen. Im Ranking sind 1134 Unternehmen aufgelistet. Der Aufbau läuft seit den Achtzigerjahren. Die Firmen konnten in der Weltwirtschaftskrise wachsen. Auch Firmen anderer Branchen gehen in Deutschland auf Shoppingtour. Sie wollen einerseits damit Kompetenzdefizite (Innovation, Qualität), vor allem im Zuliefererbereich, schließen. Anderseits sollen so die Auslandsinvestitionen diversifiziert werden, um die Abhängigkeit von US-Staatsanleihen zu verringern. Über die Anzahl chinesischer Beteiligungen in Deutschland gibt es nur Schätzungen. Sie schwanken zwischen 100 und 1800. Die Ungewissheit ergibt sich dadurch, dass viele chinesische Kleinstunternehmen (weniger als 10 Mitarbeiter, Investitionen unter 50.000€) tätig sind, bei denen es Erfassungsprobleme gibt. Es handelt sich oft um Tochterunternehmen, die von Handelsvertretern betreut werden. Mittlerweile nähert sich die Exportstruktur von Deutschland und China immer mehr an. die KMU werden auch in China immer mehr zum Rückgrat der Wirtschaft. Es fehlt allerdings häufig an Marken, Technik und professionellem Management. "Wenn ihr uns eure Technologie nicht geben wollt, dann lasst es bleiben. Dann bekommt eben der Nächste den Auftrag", Cai Weici, Vizepräsident des chinesischen Maschinenbauverbandes, auf dem Hamburger Wirtschaftstreffen China meets Europe im Sept. 2006. Entwicklungspolitik: China zahlt immer mehr Entwicklungshilfe. Unklar ist, welche Gegenleistungen erwartet werden (dies gilt aber für fast alle zahlenden Länder, China betont Politik der "Nichteinmischung"). Nach der Financial Times soll China in den letzten zwei Jahren 2009, 2010 mit 110 Mrd. $ schon mehr Geld aufgewendet haben als die Weltbank. Die chinesische Regierung veröffentlicht keine genauen Daten. Vgl. auch Rogue Aid? The Determinants of China`s Aid Allocation, Axel Dreher/ Andreas Fuchs, Uni Göttingen September 2011. Von 1996 bis 2005 hatten den höchsten Prozentanteil an der Entwicklungshilfe Tansania (4,6%) vor der Mongolei (3,7%) und Kambodscha (3,4), Niger (3,4), Benin (3,4). Traditionell liegen die Schwerpunkte auf dem Bau von Infrastruktur, Krankenhäusern und Sportstätten. China übt immer größeren Einfluss nach Süden aus. Dies geschieht auch mit Mitteln der Entwicklungshilfe. Betroffen sind Myanmar, Thailand, Malaysia, Vietnam, Laos, Kambodscha, Brunei, Singapur und Indonesien. Gliederung: Wirtschaftsordnung, Kultur, Notenbankstatus, Währung/ Geldpolitik, Finanzmärkte/ Aktienmarkt, Bankensystem, Finanz- und Steuerpolitik, Bildungs- und Forschungspolitik, Sozialpolitik und Sozialversicherung, Strukturpolitik, KMU und Mittelstandspolitik.
Wirtschaftsordnung: gelenkte Marktwirtschaft ("Japan AG"; in Europa am ehesten mit Frankreich vergleichbar). Das "eiserne Dreieck" bestimmt: Unternehmensvertreter, Parteigrößen, Ministerialbürokraten. Bei Großunternehmen herrscht noch immer das "Keiretsu" vor. Es handelt sich um eine branchenübergreifende enge Kooperation von Unternehmen (mit Hausbank, Generalhandelshaus), die als Mischkonzerne global agieren. Sie sind nach dem 2. Weltkrieg auf Druck der USA aus den Zaibatsu (Holdinggesellschaft im Familienbesitz) hervorgegangen. Diese vereinten Bank-, Handels- und Industriekapital in sich und konnten die Preise der Rohstoffimporte senken (sie hatten eine große Bedeutung in der wirtschaftlichen Entwicklung Japans). Sogo Shosha sind die wichtigsten Handelshäuser in Japan, die mit weltweiten Organisationen und Tochtergesellschaften verknüpft sind (z. B. Mitsubishi, Mitsui, Sumimoto). Insgesamt spricht man in Japan von einem "Machtdreieck" aus Industrie, Beamtenschaft und alter Staatspartei. Sehr mächtig sind die "Schattenmänner" aus dem Apparat der Parteien, die die Regierungsgeschäfte wie früher die Shogune lenken. Das eigentlich schlimme an Toyotas Rückrufaktionen 2009/ 2010 ist die Tatsache, dass damit der große Hoffnungsträger Japans strauchelt. Der Bankrott von Japan Airlines war der zweite große Schock. Die Inamori-Foundation (Stiftung des Kyocera-Gründers Kazuo Inamori) vergibt jährlich den "Kyoto-Preis", mit dem das Lebenswerk großer Wissenschaftler oder Künstler geehrt wird (im Jahre 2004 war Jürgen Habermas Preisträger). Der Preis wird ähnlich hoch wie der Nobelpreis gesehen. Kultur: Shintoismus, Pflichttreue, Selbstbeherrschung; Japanische Schrift besteht aus Kanji (von den Chinesen übernommen, im 5. Jahrhundert durch buddhistische Mönche aus Korea) und Mayogana (Hiragana- und Katakana - Silbensystem: das erste früher von Frauen benutzt und runder, das zweite eckiger aussehend von Mönchen benutzt, Fremdwörter). Der Zen-Buddhismus, der seine Ursprünge vor über 2500 Jahren in Indien hat, kam über China (Chan) nach Japan und ist mittlerweile spirituell im Westen am erfolgreichsten. Im Vordergrund steht die Erlösung durch Selbsterkenntnis. Ein Buddhist strebt an, dass seine Individualität im Nirwana erlischt (das erklärt am besten die kollektivistische Kultur). Die Samurai gelten noch heute als Vorbild: für den Menschen ungünstige Bedingungen sollen durch Selbstüberwindung aus dem Weg geräumt werden. Schulung für Verstand und Geist (Meditation) liegen in Kendo, Kyodo, Aikido, Chado, Kohdo und Origami. Japan hat die gesündeste Küche der Welt. Sie arbeitet viel mit Fisch, Soja, Reis, Gemüse und Obst. Als bekannteste Köchin gilt Harumi Kurihara, die 2004 das beste Kochbuch der Welt veröffentlicht hat. Das einzige japanische Restaurant der DDR war in Suhl/ Thüringen. Darüber gibt es den Film "Sushi in Suhl". Wer die japanische Ästhetik ergründen will, sollte die japanischen Gärten (mit Ikebana bzw. Kado, Bonsai) besuchen. Sie sind eng verbunden mit den Religionen. Wer die japanische Kultur von heute Kennen lernen will, sollte die Bücher von Haruki Murakami ("Mischung aus Zen und Coca Cola", Die Welt; magischer Realismus; Marathonläufer: "zumindest ist er nie gegangen") oder die Krimis von Sujata Massey lesen. Empfehlenswert auch: M. B. Stanzeleit, Neugierig auf Japan, Schweinfurt (Wiesenburg) 2006 (www.neugierigaufjapan.de) und Bartsch, M., Wie war`s in Japan?, Karlsruhe 2005. Einen Gesamtüberblick über die Kultur gibt Coulmas, F.: Die Kultur Japans, München 2005. Das Denken ist eher ganzheitlich (Intellekt, Gefühl, Willen) und intuitiv. Die Einbeziehung der Empfindung führt zu persönlicher Identifizierung mit Situationen und bringt auch ein Rechtsbewusstsein mit sich, das nur zu relativ wenigen juristischen Streitfällen führt. Eine kulturelle Besonderheit stellen die ca. 28.000 Love-Hotels dar. Sie sind ein moralisch akzeptiertes Schlupfloch für Normalbürger, die zuhause eine zu kleine Wohnung (vor allem zu kleines Bad) haben. Einmalig sind auch die vielen Ohrenstudios. Sie wurzeln in der Geisha-Kultur. Nachgefragt wird das Gesamterlebnis. Die japanische Volksseele kann man gut über die Kirschblüte begreifen. In ihr verbinden sich Schmerz, Freude, Abschied und Ankunft. 2011 entsteht eine Diskussion über einen neuen Typ Mann, "Pflanzenfresser" genannt. Dies sind Verweigerer von Frauen, Arbeit, Konsum, Alkohol, Urlaub, Mode, Restaurants u. a. Iwate ist die Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz. Premierminister Shinzo Abe startet 2007 die "Cool Biz" - Kampagne, um zum Energiesparen die Klimaanlagen herunterzufahren. Japanische Manga-Comics verdrängen immer mehr Micky Maus und Superman. Die größte japanische Gemeinde in Europa ist in Düsseldorf (etwa 8000 Menschen). Die Welt der japanischen Samurai wurde vom 24. Februar bis 5. Oktober 2008 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer gezeigt. Waffen, Rüstungen und Alltagsgegenstände sind ausgestellt. Die Samurai prägten bis in die 1870er Jahre auch stark Traditionen wie Teezeremonie, Ikebana und Origami. Auch ihr Einfluss auf die japanische Kultur insgesamt wird dargestellt. Vgl. www.museum-speyer.de .Empfehlenswert ist auch der Katalog "Samurai" für 19,80 €. In der Bonner Kunsthalle begann am 24. August 2008 eine Ausstellung über Tempelschätze aus einem der ältesten Klöster Japans (Daigo-ji, seit 1994 Weltkulturerbe). Enthalten ist auch eine Skulptur von Kukai, der vor über 1200 Jahren die Schule des geheimen Buddhismus in Japan etabliert hat. "Japan hat heutzutage einen weit größeren kulturellen Einfluss als in den 80er Jahren, als es eine wirtschaftliche Supermacht war", Douglas McGray, amerikanischer Journalist, zitiert nach Hirn, Angriff aus Asien, 2007, 193. Notenbankstatus: abhängige Zentralbank, Finanzministerium (Status umstritten seit 1998, Unabhängigkeit ist angestrebt, zumindest Kapitalservice für das Finanzministerium; Leitungsgremium: Policy Board). Das geldpolitische Komitee (Policy Board, Notenbankrat) wird auch von der Regierung besetzt. Dazu gehören immer hohe ehemalige Industriemanager. Gründung 1882 während der Meiji-Zeit. Notenbank-Gouverneur und damit Chef ist Masaaki Shirakawa. Die japanische Notenbank beteiligte sich mit 1 Bill. Yen an der weltweiten Aktion auf dem Geldmarkt gegen die Krise der internationalen Finanzmärkte im Sommer 2007. Am 20. 08. 07 stützt sie den Geldmarkt erneut mit 1 Bio. Yen (6,7 Mrd. €), ebenso die australische Zentralbank (2 Mrd. €). Nach der Insolvenz von Lehman Brothers gibt die Zentralbank 10 Mrd. € in den Finanzmarkt. Die BoJ kauft weiterhin Staatsanleihen (für jährlich 170 Mrd. €) und pumpt Geld in das Bankensystem, um die Deflation zu bekämpfen. Ab August 2010 stellt sie auch weitere zinsgünstige Kredite für Unternehmen zur Verfügung. Nach der Naturkatastrophe 2011 pumpt die Notenbank sofort Billionen von Yen in die Finanzmärkte. Es handelt sich hauptsächlich um Kredite für den Aufbau der Infrastruktur. Die japanische Notenbank flutet jährlich die japanische Volkswirtschaft mit 194 Mrd. Euro durch den Kauf von Staatsanleihen. Zusätzlich hat sie ein weiteres Programm von zuletzt 495 Mrd. Euro. Die Inflation ist zur Zeit kein Risiko in Japan. Die quantitative Lockerung kam schon vor mehr als zehn Jahren. "Die Führung der Notenbank soll den nach wie vor schlechten Zustand der Wirtschaft beachten", Shizuka Kamei, Minister für Finanzaufsicht, im November 2009. Währung und Geldpolitik: Yen, Devisenreserven: 1,019 Billionen $ Juni 2009 (auch weil die Kurse amerikanischer Staatsanleihen, in denen ein Großteil der Reserven angelegt ist, kräftig gestiegen sind), 1$=ca. 79 Yen, 1€=ca. 100 Yen. Einige Zeit stetige Abwertung des Yen. Er war deutlich unterbewertet. Aufwertung nach den Börsenkrisen 2007 und Auflösung von Carry Trades, auch im Sommer 2007. Ebenso in der Finanzkrise 2008 und danach. Bei der weltweiten Reservehaltung der Notenbanken hat der Yen an Boden verloren. Die japanische Notenbank, BoJ, hat am 09.03.06 ihre Null-Zinspolitik, die seit 2001 bestand, beendet und ist zu einer leichten Erhöhung des Leitzinses übergegangen: 0,25% am 14. 07. 06. Außerdem hat sie die Geldmenge, die sie den Banken zur Verfügung stellt, um über 80% auf gut 50 Mrd. $ drastisch reduziert. Um deflationäre Tendenzen zu bekämpfen, hat sie die Summe der bei ihr täglich fälligen Einlagen der Geschäftsbanken von 30 Mrd. € auf bis 260 Mrd. € erweitert und ihre monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen auf fast 9 Mrd. €. Am 21.02.07 erhöhte Japans Notenbank den Leitzins auf 0,5% (Overnight Call Rate, Stellenwert des Hauptrefinanzierungssatzes in Europa). In gleicher Höhe liegt der Diskontsatz, der Zinssatz als Rendite zehnjähriger Anleihen liegt bei 1,5%. Danach wächst der Druck für weitere Zinserhöhungen: Erhöhung der Zinseinkünfte für Konsum. Weitere Zinserhöhungen werden in Aussicht gestellt. Doch der Leitzins bleibt unverändert, weil die Industrieproduktion und die Preise sich negativ entwickeln und wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten. In der Finanzkrise 2008 wird der Zins auf 0,3% gesenkt, im Dezember 2008 auf 0,1%. Im Oktober wird der Leitzins quasi auf Null gesenkt (0 bis 0,1%). Seit Ende der achtziger Jahre hat sich der Anteil des Yen in den Reserven der Zentralbanken auf fünf Prozent halbiert und wurde damit vom britischen Pfund überholt. Auch in Japan werden Stimmen laut, die hohen Devisenreserven in einem staatlichen Investitionsfonds anzulegen. Der hohe Yen (fallender Dollar) macht Ende 2009 der Regierung große Sorgen (vor allem wegen Exports). Es werden Eingriffe am Devisenmarkt erwogen. Diese erfolgen im September 2010, indem die Bank of Japan Landeswährung im Milliardenumfang (100 bis 500 Mrd. Yen) verkauft, um eine Abwertung des Yen zu erreichen. Der teure Yen schadet insbesondere den japanischen Autobauern. 2011 kauft Japan Euro-Anleihen im Wert von 1,03 Mrd. €., um Europa zu helfen. Ende Oktober 2011 will die Notenbank erneut am Devisenmarkt intervenieren, um den Yen gezielt zu schwächen. Japan besitzt einen relativ hohen Anteil am Euro-Rettungsfonds. 2012 besitzt das Land einen Anteil von 12% an den EFSF-Papieren. Bei einer Auktion der Geldpapiere erwirbt Japan zuletzt im April 2012 einen Anteil von 4,5% (90 Mio. Euro). Finanzmärkte/ Aktienmarkt: Nikkei-Index, größte Börse in Tokio. 2010 wird das neue Handelssystem "Arrowhead" eingeführt. 2009 brechen die Einnahmen weg. China verdrängt Japan auf dem zweiten Platz. Am Jahresende 2005 stand der Nikkei bei 16.111,4; Ende 2006 bei 17.057,01. Analysten sehen für 2007 beim Nikkei ein großes Potential, das nächste große Ziel ist die Widerstandszone um 21.000 Punkte. Die Kurse gingen 2006 um durchschnittlich 40% in die Höhe. Besonders positiv Sony und Japanese Equity. Am 28.02.07 sinkt der Nikkei-Index um 4% als Folge des Rutsches des Aktienkurses in Shanghai einen Tag vorher. Weitere Kurseinbrüche gibt es infolge der amerikanischen Finanzmarktkrise (z. B. Insolvenz von Lehman Brothers). Am 09.03.09 fällt er auf den tiefsten Stand seit 26 Jahren. Vor 20 Jahren 1989 hatte er den Höchststand mit fast 40.000 Punkten. Zwischen der New Yorker und der Tokioter Börse zeichnet sich eine Allianz ab. Japan hält mittlerweile amerikanische Staatsanleihen in Billionenhöhe (auch China). Japans Nebenwerte stehen nach der Talfahrt vor einem Comeback. Viele Hedge Fonds holen sich ihr Kapital in Japan zu den niedrigsten Zinsen und sind vom Yen-Kurs abhängig (auch eine Art "Carry Trade"). Kapital fließt bei Turbulenzen an den Finanzmärkten nach Japan zurück und der Yen steigt. Private Equity belebt den japanischen Finanzmarkt; es ist eine steigende Akzeptanz zu beobachten. Ganz allmählich erholt sich 2011 der Immobilienmarkt. Es werden wieder mehr Wohnungen gekauft, vor allem in Tokio. Sofort nach dem Erdbeben mit Tsunami und anschließenden Explosionen in Atomkraftwerken fallen die Aktien des Nikkei-Index um 6%. Bankensystem: Japan hat ein Trennbanksystem. Es gibt privatwirtschaftliche und öffentliche Finanzinstitute. Die privatwirtschaftlichen bestehen aus Handelsbanken (Stadt- und Regionalbanken), Langfrist-Kreditbanken (Kapital), Treuhandbanken (Trust) und Darlehens- und Sparkassen. Zu den öffentlichen Banken zählen die Postbank, die Japan Development Bank und die Export-Import-Bank. Japans Banken haben traditionell eine Scheu vor riskanten Auslandsgeschäften. Dies hat sich bei der Finanzkrise 2008 als Glücksfall erwiesen. Dabei hat Japan aus der Asienkrise jede Menge Erfahrung mit der Entsorgung "fauler Kredite". 1999 wurde eine Bad Bank gegründet, die Deposit Insurance Corporation of Japan (DICJ). Im Frühjahr 2009 befinden sich allerdings auch die japanischen Banken im freien Fall (Mizuho, Nomura, Sumitomo Mitsui, Norinchukin). Die Finanzmarktreform ist so gut wie abgeschlossen (drei Großbanken haben überlebt, 2/3 der faulen Kredite wurden abgebaut). Die Folge ist auch, dass die japanischen Banken die Kreditkrise 2007/2008 besser verdauen als die globale Konkurrenz. Die japanische Post ist das weltweit größte Finanzinstitut, das Ersparnisse im Wert von 2,64 Billionen Euro verwaltet. Die japanischen Investmentbanken steigen wieder mehr ins internationale Geschäft ein. Am wichtigsten ist die Nomura Corporate Finance Group. Asien hält gegenwärtig nur 14% an der Weltbörsenkapitalisierung, davon Japan allein 9% (die USA mehr als 50%). In der Finanzbranche zeichnet sich 2008 ein neuer Schub von Allianzen und Fusionen ab. Im Mittelpunkt stehen die Regionalbanken (vor allem die Ashikaga Bank). Japans viertgrößte Bank Resona macht 2011 eine Kapitalerhöhung. Die Japanischen Pensionsfonds haben mit 2946 Mrd. $ das zweithöchste Vermögen nach den USA. 2008 steckt Japan in einer Immobilienkrise (Insolvenzen, Kreditklemme). Da auf dem Heimatmarkt das Kreditvolumen schrumpft, wollen die Großbanken in Asien expandieren. Wenn in der geplanten Steuerreform 2011 das Vortragen von Verlusten begrenzt wird (auf 80% des Einkommens), würde dies die Banken besonders hart treffen. Finanz- und Steuerpolitik: In Zeiten der Stagnation einige Konjunkturprogramme nach dem Muster von Keynes, die relativ wirkungslos waren. Begrenzung der Einkommensteuer auf maximal 37%, Kapitalertragsteuer halbiert, Vereinfachung der Erbschaftsteuer. Effektiver Höchstsatz bei der Körperschaftsteuer 40,87% (OECD-Schnitt 27,8%). Der Mehrwertsteuersatz ist weiterhin mit 5% weltweit der niedrigste. Bis 2010 will die Regierung rund 19000 Jobs im aufgeblähten öffentlichen Dienst des Landes abbauen. In den kommenden fünf Jahren sollen die Staatsausgaben um bis zu 14,5 Billionen Yen (rund 100 Mrd. €) sinken. 2009 liegt der Haushaltsentwurf wegen des Konjunkturpakets aber bei der Rekordsumme von 690 Mrd. €. Die Militärausgaben betragen 2008 ca. 46,3 Mrd. $. Steuerreform erst bei besserer Konjunktur im Jahre 2008. Wahrscheinlich wird man die Bemessungsgrundlage bei den direkten Steuern verbreitern (bisher wird nur die Hälfte der Lohneinkünfte und nur ein Drittel der Körperschaften besteuert). 2007 wurden massive Buchhaltungsfehler bei der staatlichen Rentenkasse entdeckt (bei 50 Mio. Konten wurden Einzahlungen falsch gebucht). Die sehr hohe Verschuldung mit 160% des BIP in Japan geht zu Lasten der Provinzen und Kommunen, die sich in einer Strukturkrise befinden. Ab 2009 soll mit dem Schuldenabbau begonnen werden (ausgeglichener Haushalt bis 2011 wird wohl nicht erreicht werden). Der Etat 2010 umfasst 93,3 Billionen Yen (700 Mrd. €). Im Herbst 2008 legt die Regierung ein Konjunkturprogramm in Höhe von 70 Mrd. € auf (teilweise finanziert über Sonderhaushalt in Höhe von 11 Mrd. €). Damit verabschiedet sich Japan vom Sparkurs. Es folgen weitere Programme (insgesamt 635 Mrd. €, 17,7% des BIP). Instrumente sind Beihilfen für Unternehmen und Banken, Ausweitung der Arbeitslosenhilfe, Konsumgutscheine an Familien, Investitionen in Umwelttechnik. Interessant ist die Einführung von Öko-Aktionspunkten, die man beim Kauf von energiesparenden Technikgeräten bekommt. Es gibt auch eine Abwrackprämie für Autos, die mit insgesamt 3 Mrd. € ausgestattet ist (bis März 2010). Neuwagen müssen aber bestimmte Umweltnormen erfüllen. Das Haushaltsjahr beginnt immer am 1. April. Ende 2009 legt Japan noch ein Konjunkturprogramm auf (55 Mrd. €, Subventionierung umweltfreundlicher Autos und Haushaltsgeräte). Die Finanzierung soll über Anleihen, Notfallfonds und Einsparungen des ersten Programms erfolgen. Der neue Premier Kan will die Finanzpolitik ändern: Er plant eine Steuerreform (Erhöhung der Mehrwertsteuer, jetzt 5%, Herabsetzung der Unternehmenssteuern). Die Abgabe auf Zigaretten soll um 40% steigen. Auch die sozialen Sicherungssysteme sollen reformiert werden. Um mit den Folgen von Fukushima fertig zu werden, empfiehlt 2011 eine Regierungskommission öffentliche Fonds, Sonderwirtschaftszonen (geringere Steuern) und eine Verdopplung der Mehrwertsteuer bis 2016. So soll auch 2012 die Mehrwertsteuer von 5% auf 10% steigen. 2011 gelingt es der Regierung erfolgreich Wiederaufbau-Bonds zu vermarkten (1 Mrd. Euro haben Privatkunden bei den sieben Großbanken angelegt). Bildungs- und Forschungspolitik: Ausgaben für Forschung und Entwicklung: 3,3% des BIP (Durchschnitt 2000 - 2008, 129 Mrd. $ 2006). Die Wahl des Kindergartens ist für den weiteren Lebensweg von entscheidender Bedeutung. Danach beginnt das 6-3-3 Bildungssystem. Gruppenkonformität hat Priorität: "der vorstehende Nagel wird eingeschlagen". Bei Patentanmeldungen liegt Japan mit 26.900 (2006) an zweiter Stelle in der Welt hinter den USA und vor Deutschland. Zunehmend setzt die japanische Industrie Patente als strategisches Instrument ein. Dies gilt für E-Autos und weitere Elektronik. Das Hochschulsystem ist hierarchisch strukturiert. Oben stehen die sieben ehemaligen Kaiserlichen Universitäten Kyoto, Tokyo, Osaka, Hokkaido, Tohoku, Kyushu, Nagoya. Von diesen Hochschulen kommt die Regierungs- und Wirtschaftselite. Vier Fünftel der Hochschulen sind in privater Trägerschaft und werden von 75% der Studenten besucht. Damit gibt der Staat relativ wenig Geld für das Hochschulsystem aus. Sozialpolitik und Sozialversicherung: Die soziale Absicherung findet über die Familie, das firmeninterne Sozialsystem und die Sozialversicherung statt. Es gibt eine gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung. Daneben spezielle Sozialleistungen wie eine Krankenversicherung für Taglöhner (seit 1953) und eine kostenlose medizinische Versorgung für Alte (seit 1973, Selbstbeteiligung seit 1983). Es gibt auch eine Sozialhilfe, die nicht stark nachgefragt wird. Die DPJ will eine "Politik mit warmem Herz" betreiben. 2009 erhöht die neue Regierung die Sozialausgaben. Dafür werden große Bauprojekte gestoppt. Im Durchschnitt beträgt das Renteneintrittsalter 69,5 Jahre. Dazu wurde schon 2005 ein Gesetz eingeführt. Allerdings legen die Firmen das Rentenalter der Mitarbeiter fest. "Nure ochiba" (nasses Laub) steht in Japan für nervende Ehemänner, die an den Schuhsohlen ihrer Frauen kleben. Dies und eine höhere Scheidungsrate kann auch bekämpft werden. Strukturpolitik: Special Zones for Structural Reform; Gründung der IRC (Industrial Revitalization Corp.); Deregulierung: u. a. Postreform (größter Arbeitgeber mit 400000 Beschäftigten, erste Teilprivatisierung Oktober 2007). Im Oktober 2009 friert die neue japanische Regierung die Privatisierung der Post ein. Japans Firmen greifen allerdings wegen zunehmender Schwierigkeiten auf dem Heimatmarkt im Ausland mit Investitionen an. Die Regierung von Hatoyama will den Kampf mit Bürokratie und Beamtenherrschaft aufnehmen. KMU und Mittelstandspolitik: Die japanische Wirtschaft hat eine dualistische Struktur. Sie entstand nach dem 1. Weltkrieg, als viele Großunternehmen Produktion auslagerten und sich dadurch eine untergeordnete Zuliefererindustrie bildete. Kleine und mittlere Unternehmen sind je nach Branche definiert: Verarbeitendes Gewerbe 20-299, Großhandel 5-99, Einzelhandel und Dienstleistungen 5-49. Die dualistische Struktur zeigt sich besonders in den Unterschieden in Löhnen und Produktivitäten. Als Spezialorganisationen gibt es: Small and Medium Enterprise Agency (SMEA), Small and Medium Enterprise Policy Making Coucil, Japan Small Business Corporation. Japanische Werkzeugmaschinenbauer dominieren die Weltproduktion (10,8 Mrd. € von 47,3 Mrd. €). Nur 15% der Japaner meinen, die Fähigkeiten eines Gründers zu haben (D: 39%, USA: 49%). ES gibt auch nur wenige Investoren, die Gründer begleiten (Business Angels). Die Venture-Capital-Fonds sind relativ klein. Nach der Finanzkrise stehen für den Mittelstand Kreditgarantien (45 Mrd. €) zur Verfügung. Der neue Premier Hatoyama will vor allem den Mittelstand fördern. Dies ist auch notwendig, da der Mittelstand am stärksten betroffen ist (Tankan-Barometer). Als erste Maßnahme wird eine Kreditstundung eingeführt (soll die Kreditklemme bekämpfen). Dieser Zahlungsaufschub wird allerdings wieder entschärft, indem er für die Banken freiwillig ist. Als Krönung japanischer Handwerkskunst gelten die Samuraischwerter. Der Stahl japanischer Schwerter wird "Tamahagane" genannt. Er ist härter als gewöhnlicher europäischer Messerstahl. Das liegt an einem hohen Kohlenstoffanteil. Nachteil ist die hohe Korrosion. Die Schwerter werden "Katanas" genannt. Eine gewisse Biegsamkeit und Belastbarkeit erhalten sie dadurch, dass sie aus zwei sehr verschiedenen Stählen zusammengesetzt sind (Shingane, Kawagane). Diese Schwerter haben auch eine große ästhetische, spirituelle und religiöse Bedeutung, Jahrelang habe ich eine Fallstudie über die Ostasien-Krise durchgeführt, indem auch die gravierende Rolle der Institutionen und der Wirtschaftspolitik untersucht wurde. Grundlage war das Buch "Die große Rezession" (The Return of Depression Economics) von Paul Krugman (Frankfurt/ New York 1999, Taschenbuch 2001). 2009 wurde das Buch im Hinblick auf die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 erweitert und aktualisiert ("Die Neue Weltwirtschaftskrise", Frankfurt/ Campus 2009). Es soll in der Veranstaltung "Internationale Ökonomie" wieder als Fallstudie eingesetzt werden. Zur Transformation in China habe ich auch eine Spezialveranstaltung durchgeführt. "Im Moment steckt China auf halbem Weg zwischen Markt- und Planwirtschaft....Rund 150000 Firmen sind noch immer in Staatsbesitz", auch: "Die größte Gefahr besteht nicht darin, dass China die USA überholt, sondern dass China mit den notwendigen Reformen nicht vorankommt, die sein Wachstum sichern", Henry Paulson, ehem. Chef der Investmentbank Goldman Sachs, jetzt US-Finanzminister (er gilt als China-Experte und ist sehr umweltfreundlich: Spende von 100 Mio. $ an Umweltbewegung). "Alle fragen, wie wird Chinas Zukunft aussehen? Das erinnert an Michelangelo. Der stand vor einem Marmorquader und klärte seine umstehenden Bewunderer auf, dass die Skulptur da schon drin stecke. Er müsse nur das Überflüssige entfernen. So ist es auch mit China", Shi Xiao Lin, Chinesischer Manager, (zitiert nach "Das China-Paradox, Umschlagrückseite).
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"Man erntet kein Reisfeld, ohne es vorher bestellt zu haben", Gautama Buddha. "Wissen bedeutet zu wissen, wie man etwas in Frage stellt, selbst wenn man es schon kennt. Wandelndes Wissen bedeutet weiterzulernen, selbst wenn man das Wissen durchlebt hat", Meister Hsing Yun. "Wird die Welt Chinesisch? Zum ersten Mal entwickelt sich eine Industriegesellschaft, die den Westen um seine wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft fürchten lässt", DIE ZEIT/ Fischer: Weltmacht China, Frankfurt 2005, S. 88. "Duell der Giganten, Chinas steiler Aufstieg hat Amerika in einen Schockzustand versetzt. Die beiden Supermächte ringen um Jobs, Märkte, Ressourcen - und um die globale Vorherrschaft. Eine Zeitenwende kündigt sich an: Das Machtmonopol der USA geht zu Ende, beginnt nun das Jahrhundert Chinas", SPIEGEL Special, Die Neue Welt, Hamburg 2005, S. 82. "Chinas größte Herausforderungen. ...Erstens ist das chinesische Wachstum nicht gleichmäßig verteilt. Wie überall sonst ist auch in China die Wirtschaft von der Geographie geprägt, in diesem Falle von zwei Scheidelinien: Die eine verläuft in Nord-Süd-, die andere in Ost-West-Richtung. ...Eine zweite große Herausforderung ist die Entscheidung darüber, welche Rolle der staatliche Sektor im Hinblick auf Sozialleistungen und Umweltschutz vor dem Hintergrund der Wirtschaftsreformen spielen soll, Sachs, J. D.: Das Ende der Armut, München 2005, S.202ff. "Angesichts Chinas ...ist der Faktorpreisausgleich für uns Deutsche freilich schwierig, weil der Lohndruck nach unten geht und eine weitere Zunahme der Handelsvorteile nur noch in dem Sinne zu haben ist, dass ein Teil der Lohnbezieher ein kleineres Stück von einem größer werdenden Kuchen erhält. Die Arbeiter sind die Verlierer der Globalisierung", H. -W. Sinn: Die Basarökonomie, Berlin 2005, S. 197. "..., dass die Geschwindigkeit der Veränderungen in China und Indien auch eine Herausforderung für unsere Gesellschaft und für den Rest der Welt ist, denn dadurch ändert sich sehr nachhaltig das Gefüge der globalen Wirtschaft", EZB-Präsident J. - C. Trichet im SPIEGEL Nr. 52, S. 79 (vgl. Veranstaltungsthema oben). "Ist der wertmäßige chinesische Zulieferanteil am entstehenden Gesamtprodukt groß, so sinkt der Zollsatz für importierte Komponenten und umgekehrt. Die führt bei einer Erhöhung des Local Content zu einem überproportionalen Rückgang der Zollbelastung", Himmelreich, H./ Hungerbach, J.: Das China-Paradox, München/Wien 2005, S. 233. "Welche Zahl auch immer man zugrundelegt, die chinesische Gesellschaft ist heute durch einen Abgrund in sehr viel Arme und sehr viele Reiche gespalten, Rudolph, J. - M.: Wenn China über die Welt kommt..., Wiesbaden 2005, S. 129. "Durch überlegte Währungspolitik erwarb sich China in der Asienkrise regionales Ansehen", Fischer, Doris: China in der Weltwirtschaft, in: Informationen zur politischen Bildung, 4/2005, S. 21. "Die Beziehung der Wirtschaftsmächte China und Japan ist von jeher spannungsreich und konfliktbeladen. Gemeinsam könnten sie jedoch zu einer Supermacht aufsteigen und das 21. Jahrhundert zum asiatischen Jahrhundert machen", Pilny, K.: Das asiatische Jahrhundert, Frankfurt/ New York 2005, Umschlagrückseite. "Vor allem wird der WTO-Beitritt eine effizientere chinesische Wirtschaft schaffen und sie auf eine neue Stufe globaler Wettbewerbsfähigkeit heben", Seitz, K.: China eine Weltmacht kehrt zurück, München 2006, 2. Auflage., S. 408. "Kann eine westliche Freihandelszone den Aufstieg der Asiaten wirklich verhindern? Die Antwort lautet: eindeutig nein. Das wird sie nicht schaffen und das ist auch nicht ihr Ziel. Was sie aber sehr wohl bewirken kann, ist den asiatischen Steigflug zu beeinflussen, seine Richtung so zu verändern, dass sich ihre und unsere Flugbahnen nicht ständig in die Quere kommen", Steingart, G.: Weltkrieg um Wohlstand, München 2006, S. 366. ..."Das sozialistische Eigentumssystem chinesischen Typs funktioniert so: Reißt sich ein Funktionär eine Parzelle unter den Nagel, um darauf einen Golfplatz anzulegen, darf er die Entschädigung für das Kollektiv, dem das Land gehört, nicht mehr in die eigene Tasche stecken. So verhungern die Bauern nicht sofort, sondern erst, wenn sie ihre Entschädigung aufgezehrt haben"..., gch, Rheinpfalz, 11.03.2007, S. 1 . "China denkt viel aktiver als früher über seine Strategie nach, nicht nur regional, sondern auch global. In ihrem Herzen glauben die Chinesen, dass das 21. Jahrhundert das chinesische Jahrhundert ist", Kenneth Lieberthal, University of Michigan (laut Handelsblatt, 28. 12. 07, S. 6). "Wie die Welt 2030 aussieht, hängt von China ab. Wenn China weiterhin den freien Marktkapitalismus fördert, wird es die Welt zu einem neuen Wohlstandsniveau bringen", Alan Greenspan: Leben für die Wirtschaft, Frankfurt 2007. "Es ist schon heute nicht übertrieben festzustellen: Chinas "Mutter-Courage-Ökonomie" ist die mächtigste asiatische Eroberungsbewegung, seit Dschingis Khan mit seinen Reiterhorden bis kurz vor Wien gezogen ist", Frank Sieren: Der China Schock, Berlin 2008, S. 37. "Informationen en masse werden ins Land fließen und wieder herausströmen. Mehr und mehr Chinesen werden so erkennen, dass die erfolgreichen Länder der Erde freie politische und wirtschaftliche Systeme besitzen. Daraus dürften Spannungen in einem System entstehen, das weniger frei ist", Donald Rumsfeld im SPIEGEL.
"Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel herausgucken", Georg Ch. Lichtenberg (1742-1799) Warum explodieren die Öl-, Stahl- und Getreidepreise? Warum steigt die Arbeitslosigkeit? Eine Antwort lautet: Wegen China, sie gibt Wolfgang Hirn in dem Buch "Herausforderung China", Frankfurt (S. Fischer) 2005; ähnlich: Frank Sieren: Der China Code, Berlin (Econ) 2005 (Taschenbuch 2006), seine grundlegende These: "Die Zukunft Deutschlands entscheidet sich im Reich der Mitte, denn die Grenzen des traditionellen westlichen Kapitalismus sind schon erreicht". Ein sehr informatives Bild des heutigen China, d. h. Gesellschaft, Staat, Partei und Wirtschaft, gibt Jörg - M. Rudolph mit dem Buch "Wenn China über die Welt kommt..., Wiesbaden 2005. Gabor Steingart behandelt in seinem Buch "Weltkrieg um Wohlstand" (München/ Zürich: Piper, 2006) die zukünftige Neuverteilung von Macht und Reichtum in der Welt. Die asiatischen Angreiferstaaten - vorneweg China und Indien - kämpfen mit aggressiven Methoden um Marktanteile. "Der Aufstieg der Angreiferstaaten ist unser Abstieg". Er fordert eine europäisch-amerikanische Freihandelszone als Gegenreaktion. Ulrich Kausch gibt in seinem Buch "China-Pioniere. Unternehmer berichten von ihren Erfolgen im Reich der Mitte" einen Überblick über Erfahrungen deutscher Unternehmen in China. Wer sich intensiv und kompakt über die chinesische Geschichte informieren möchte, sollte das Buch des Sinologen H. Schmidt-Glintzer "Kleine Geschichte Chinas" (München: Beck 2008) lesen. Frank Sieren beschäftigt sich in seinem Buch "Der China Schock" (Berlin 2008) mit der Strategie Chinas, armen Ländern Infrastruktur, Know how und Finanzen zu überlassen, um im Gegenzug Energie und Rohstoffe zu bekommen ("Mutter-Courage-Ökonomie"). Das Buch "Die 101 wichtigsten Fragen - China" (München 2008, Hans van Ess) ist eine sehr kompetente und umfassende Beschreibung der Geschichte, Politik, Wirtschaft, Sprache, Religion, Kultur, Gesellschaft und Ernährung des Landes. Vergleichbar damit ist das Buch von Pohl, K. - H.: China für Anfänger, Freiburg 2008. 2009 ist das Buch von Mark Leonard "Was denkt China?" erschienen (München, dtv). Es geht um China in der Globalisierung und seine Rolle in der Welt. Das strategische Denken des Landes wird gut skizziert. Das Buch von Liao Yiwu "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" (Chinas Gesellschaft von unten) enthält Gespräche mit den Unangepassten im modernen China (Frankfurt/ Fischer 2009). Mythen und Riten werden beschrieben. Gesprächspartner sind z. B. ein ehemaliger Rotgardist, eine Falsun-Gong-Anhängerin, Bettler, Straßenmusiker, Prostituierte. 2010 erscheint ein Buch über Mao´s "Großen Sprung", die Zeit von 1958 bis 1962: Frank Dikötter, Mao´s Great Famine, London. 2012 bringt "Die Zeit" ein Sonderheft zur Geschichte heraus mit dem Titel "Alter Glanz und Neue Macht, China". In einzelnen, abgeschlossenen Artikeln werden die wichtigsten Epochen (auch mit interessanten Bildern) dargestellt. Das Buch "Das asiatische Jahrhundert. China und Japan auf dem Weg zur neuen Weltmacht" (Frankfurt: Campus, 2005) von Karl Pilny untersucht mit Fakten und geschichtlichen Überlegungen, wie sich Asien und mithin die Welt entwickeln wird. Der Autor ist davon überzeugt, dass das Zentrum der Weltwirtschaft sich immer stärker nach Asien verlagert, dass jedoch die Spannung zwischen China und Japan die politische Vorherrschaft Asiens verhindert. Das Buch "Neue Wirtschaftspolitik. Was Europa aus Japans Fehlern lernen kann" von Richard A. Werner (München: Vahlen 2007) analysiert die Wirtschaftspolitik der letzten 15 Jahre. Er führt die Fehler insbesondere auf falsche Paradigmen zurück (2003 wurde er vom Weltwirtschaftsforum in Davos als "Global Leader for Tomorrow" ausgewählt). Olaf Ihlau berichtet in seinem Buch "Weltmacht Indien" ( München 2006) über Indiens Chancen und dem Wettlauf mit dem asiatischen Konkurrenten China. Es werden auch Indiens Probleme aufgezeigt, etwa das Verhältnis zu Pakistan. Zugleich geht es um Auswirkungen auf Europa. In seinem neuen Buch "Angriff aus Asien", Frankfurt 2007, zeigt Hirn, dass Asien den Westen überflügeln wird und sich eine neue Weltordnung ergibt. Von Qiu Xiaolong ist "Rote Ratten" 2007 herausgekommen (der vierte Krimi auf Deutsch von ihm). Der neuste Krimi als Taschenbuch von ihm ist 2009 "Blut und rote Seide". Der aktuellste Krimi ist "Tödliches Wasser" 2010 (Umweltzerstörung und Raubtierkapitalismus). Sehr lesenswert ist auch ein europäischer Krimi, der den Titel "Der Chinese" trägt. Das Buch hat Henning Mankell geschrieben (Wien, Zsolnay-Verlag, 2008). Empfehlenswert ist ebenfalls folgendes Buch: "Allein unter 1,3 Milliarden". Es handelt sich um eine Reisebeschreibung von Shanghai nach Kathmandu. Autor ist Christian Y. Schmidt (Rowohlt, Berlin 2008). Das Buch setzt allerdings eine gute Kenntnis über China voraus. Der Roman "Der Kaiser von China" (Köln: DuMont 2008) von Tilman Rammstedt ist mit seinem Witz und seiner Komik für jeden an China Interessierten Pflicht. Es handelt sich um eine fiktive Chinareise eines Großvaters mit seinem Enkel, wobei die Briefe aus China realitätsnah sind. Der deutsche Literaturpreisträger Hermann Hesse war zeitlebens fasziniert von China. Im Jahre 2009 ist bei Suhrkamp das Bändchen China-Weisheit des Ostens herausgekommen. Es stellt eine Sammlung der Beschäftigung Hesses mit China dar. Das neueste Buch von Haruki Murakami (bekanntester japanischer Schriftsteller, zahlreiche Literaturpreise) mit dem Titel "Schlaf", das 2009 in Deutsch erschienen ist, ist wieder sehr lesenswert wie alle Bücher von ihm. "The man who does not read good books has no advantage over the man who can´t read them", Mark Twain.
"China ist ein schlafender Drache, lasst ihn schlafen, denn wenn er sich erhebt, erzittert die Welt", Napoleon Bonaparte. (auf Sankt Helena, Aufzeichnungen des Leibarztes. "China - ein schlafender Riese" wird Bismark und Deng Xiaoping zugeschrieben; der deutsche Kaiser Wilhelm II. ("Germans to the Front") sprach in seiner berühmten Hunnenrede von der "Gelben Gefahr". Der rote Drache ist auch das Wappentier von Wales, also auch ein keltisches Symbol). Der Meister Kong sprach: "Nur die Weisesten und die Dümmsten ändern sich nie", Konfuzius, Lunyu 17.3.
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"Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnten Absatz der Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. ...An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. ...Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt", (Der "Rheinland- Pfälzer" Karl Marx, 1818-1883: Das Kapital, im Jahre 1867 erschienen). (Die Universität Trier führt zurzeit ein Forschungsprojekt durch, in dem die chinesischen Eintragungen in den Gästebüchern des Karl-Marx-Hauses analysiert werden. Die ersten Ergebnisse sind sehr interessant). Bei der Wahl der größten Rheinland-Pfälzer 2007 kommt Karl Marx nur auf den 7. Platz. Begraben liegt er auf dem östlichen Teil des Londoner Friedhofs Highgate (der Friedhof ist insgesamt wie das ganze Viertel sehr sehenswert). "Keine Talsenke ohne Berghang, kein Hingang ohne Wiederkehr", berühmtes Zitat des Kaisers von China vor 300 Jahren.
"Der Weg nach draußen führt durch die Tür", Konfuzius (Kongzi, chinesischer Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Staatsmann, 551-479 v. Chr., Konfuzius). Als Wiege des Konfuzianismus gilt die Stadt Qufu in der Provinz Shandong. Je mehr der Konfuzianismus offizielle Staatsdoktrin wurde, desto umfangreicher wurde gebaut. Hier leben die Nachkommen (77 Generationen über einen Zeitraum von 2500 Jahren). Es gibt 466 Hallen, Pavillons und 2000 Gedenksteine. Abgebildet ist ein "torii", ein Portal für die Götter im Shintoismus. Konfuzius formulierte Ideen von Harmonie und Ordnung. Bis zur Revolution 1911 war die konfuzianische Lehre Staatsdoktrin. Es gibt auch in China seit Jahrtausenden eine Legende von Flusskarpfen, die über das Drachentor springen... . China: (direkt zu Japan) Gliederung: Bevölkerung, Bruttoinlandsprodukt, Wirtschaftswachstum, Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt, Inflationsrate/ Budgetsaldo, Umwelt, Energie/ Rohstoffe, Außenwirtschaft, Migration.
Bevölkerung: 1,338 Mrd. Ende 2010 (letzte Volkszählung 2010, +6% seit der letzten Volkszählung von 2000), 135 je qkm (9.600.000 qkm Fläche). Bevölkerungswachstum 2006: 6,92 Mio. (Prognose 2032 1,5 Mrd.), Lebenserwartung: Frauen 74, Männer 70. Folgen der Ein-Kind-Politik sind eine rapide Überalterung (im Jahre 2025 werden schätzungsweise 200 Mio. Chinesen über 65 Jahre sein; 2050 ca. 30% über 60; es gibt auch eine große Zahl illegaler Kinder, für die man nach bekannt werden Strafe zahlen muss) und ein Fehlen von Millionen Mädchen (Anteil der Männer 51,5%, soziales Gleichgewicht wird gestört). In keinem anderen Land ist das Geschlechterverhältnis so unausgeglichen . Die Männer strengen sich besonders an, um eine Frau zu finden (Ökonomen sehen hierin einen wichtigen Wachstumsimpuls). Trotzdem liegt die Geburtenrate (Kinder pro Frau) jetzt wieder bei 1,75. Wegen der Pflege-Last weichen bereits einige Metropolen (z.B. Guangzhou in Kanton) die Ein-Kind-Regelung auf. Wer ein Mädchen hat, kann immer unter bestimmten Bedingungen noch ein zweites Kind bekommen. Ca. 950 Mio. Menschen leben auf dem Lande, davon haben nur ungefähr 12% einen Anspruch auf Rente. "China wird schneller alt als es reich wird". Jährlich ziehen 15 bis 20 Mio. Landbewohner neu in die Städte (allein in Peking in den letzten acht Jahren 1,3 Mio.), wo bereits 47% der Chinesen leben (2010). 2025 werden voraussichtlich 57% in Städten leben, 2050 schon voraussichtlich 72% aller Chinesen. Eine Bevölkerungsprognose 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass in den nächsten 20 Jahren 300 Mio. Chinesen vom Land in die Städte ziehen. 6% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze (weniger als 1$ pro Tag). Jeder 5. Mensch der Erde lebt in China. Chongqing ist mit 32 Millionen Einwohnern mittlerweile die grüßte Stadt der Welt. 2010 will China seine umstrittene Ein-Kind-Politik (seit 1979) lockern. Schon ab 2011 soll in ländlichen Pilotregionen ein zweites Kind erlaubt sein. Bis spätestens 2014 sollen überall zwei Kinder erlaubt sein, wenn beide Eltern Einzelkinder sind. Sehr viele Chinesen leben mittlerweile als Arbeitskräfte im Ausland: Bekannt sind die Städte in Afrika (Nigeria) und die Arbeitskräfte in Prato/ Toskana und Budapest. 2012 leben in China erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Die Wanderungen finden aber weiterhin kontrolliert statt (durch das zentrale Haushaltsregistrierungssystem "Hukou"; unkontrollierte Zuwanderer verlieren Rechte). Vom Mitte August bis November 2010 wird die Bevölkerung in China in einer Volkszählung erfasst. Die letzte war vor 10 Jahren, Stichtag ist der 01.11.10. 6,5 Mio. Volkszähler waren unterwegs in ca. 400 Mio. Haushalten. Die Zählung kostete ca. 75 Mio. €. Besonders interessiert ist man an der Überalterung, der Zahl der Kinder und der Zahl der Wanderarbeiter. Es gibt keine Fragen zu Religion und Einkommen. Trotzdem werden Falschantworten und Verweigerungen erwartet. Die meisten Schwierigkeiten entstehen dabei, die Leute zuhause anzutreffen. Im mehr Chinesinnen bringen ihr Kind in Hongkong zur Welt, um die Bevölkerungspolitik zu umgehen. Die Analphabetenquote liegt noch bei 4,1% (weniger als 5000 Zeichen!). 2011 gibt es ca. 460 Mio. Internetnutzer. "In keinem anderen Schwellenland steigt der Anteil der Ruheständler so schnell wie in China". Andererseits: "Die Tage des Wachstums durch willige und billige junge Arbeiter sind gezählt", Wirtschaftswoche, 30/23.07.07, S. 32-34. In den autonomen Regionen Tibet, Xinjiang, Innere Mongolei, Ningxia und Guangxi leben 97 Mio. Menschen. Die Einheit des Landes soll mit allen Mitteln gesichert werden. In der Provinz Yunnan am Lugu-See im Dorf Luoshi gibt es eines der letzten Matriarchate auf der Erde. Die Bewohner sind auch Anhänger des tibetischen Buddhismus (Lamaismus). Vgl. Ricardo Coler: Das Paradies ist weiblich, Berlin 2011. Bruttoinlandsprodukt (Wohlstand): 2010 5,745 Billionen $ (Prognose), 2009 4,9 Billionen $, 2008 2530 Mrd. €, (4,329 Billionen US-$, D: 3,7 Bio. $; 2007 2330 Mrd. €, 2097 Mrd. € 2006, jeweils noch dicht hinter D, 2005: 1840 Mrd. € bzw. 18232 Mrd. Yuan). 2010 kann China vor Japan zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde werden. 2025 dürfte China die USA als größte Volkswirtschaft ablösen (aber wohl spätestens 2030). Ca. 7600 US-$ 2010 pro Kopf im Durchschnitt (USA 47132, Japan 41366, D 40679). Aber extrem ungleich: z. B. in Shenzhen bzw. Guangdong und Beijing über 10 000 Yuan Pro-Kopf-Einkommen -verfügbares Einkommen- im Jahr, einige Provinzen liegen unter 7000 Yuan, 10% der Bevölkerung haben 40% der Vermögen, 2008: Stadt 1300 €, Land 400 €-; 29 Mio. haben ein Jahreseinkommen von weniger als 66 € pro Kopf, 200 Mio. Bauern haben weniger als 1$ pro Tag. 150 Mio. Chinesen haben unter 1,25$ pro Tag (Armutsgrenze). Das verfügbare Pro-Kopf-Jahreseinkommen beträgt 2010 1480 €. 2010 werden für die Stadt 200 $ und für das Land 60 $ monatliches Durchschnittseinkommen geschätzt. Über das Elend der Landbevölkerung berichtet folgendes Buch: Qinglian He: China in der Modernisierungsfalle, Hamburg 2006. Es kursieren auch andere Zahlen über das BIP pro Kopf: 2001$ im Jahre 2006. Für 2008 ergibt sich eine Zahl von 3260$. Dies gilt eher für die Ostprovinzen. (Deutschland 32.000$, USA 46859$ zum Vergleich). Die Einkommensschere klafft in China immer weiter auseinander: der Zuwachs beim Pro-Kopf-Einkommen des ärmsten Fünftel der Bevölkerung liegt bei 3,4%, beim reichsten Fünftel bei 7,1%. Der Gini - Koeffizient der Einkommensverteilungskonzentration liegt bei 0,5 (drastisch ungleiche Verteilung, Deutschland bei 0,28). Ca. 300.000 Menschen leben in absoluter Armut. Die so genannte "Xiaokang Society" (Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand) soll bis 2020 erreicht werden. Zusammensetzung des BIP: 49% Industrie, 40% Dienstleistungen, 11% Landwirtschaft. Anteil des Konsums nur 40% (D: 60%, Japan: 56%, USA: 70%; hohe Sparquote in China bis zu 40%, auch Angstsparen); der Focus soll sich in den nächsten Jahren auf die Binnennachfrage, insbesondere den Konsum, richten (man schätzt, dass es zur Zeit nur 200 Mio. Konsumenten für hochwertige Gebrauchsgüter gibt; seit 2000 ist der Konsum in China um 80% gewachsen). 2008 wird der private Konsum der Landwirte (740 Mio. in China) durch Rabatte angeregt. Die Sparquote soll in den letzten fünf Jahren (2003 - 2007) von 40% auf 51% gestiegen sein. Ursache ist ein noch rudimentäres Sozialsystem. Der Konsum hat in den letzten Jahren absolut zugenommen, die Konsumquote fiel aber (auch der Anteil am BIP ist seit200 von 46 auf 35% gesunken). Korrektur des BIP nach oben um 17%, da bei einer Volkszählung Millionen neuer Unternehmen auftauchten. Damit wird China hinter den USA, Japan und D die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt vor Frankreich und GB. 2007 lässt China Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsnation hinter sich. Nach der Kaufkraftparitätenmessung der Weltbank und des IWF liegt China schon heute hinter der USA auf dem 2. Platz (Anteil des BIP an der weltweiten Wirtschaftsleistung 13,2% bzw. 10%, wenn die Preissteigerung richtig einbezogen wird; USA 20,9%, Japan 6,9%, D 4,3%). "...mit unmäßig hohen Kosten bei unseren Rohstoffen und unserer Umwelt...", Hu Jintao auf dem KPC-Parteitag 2007 zur Wirtschaftsleistung. Wirtschaftswachstum: 9,2% 2011, 10,3% 2010. Für 2012 wird mit 8% gerechnet (Prognose, im März 12 7,5%). 9,2% 2009 (2010 löst China Japan als zweitgrößte Wirtschaftsnation ab). 2008 (11,4 % 2007, 10,7% 2006, nominal 12,6%; Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, NDRC, Chef: Ma Kai; Anlageinvestitionen +30%); 10,2% im Jahre 2005 trotz Begrenzung auf 8,0% (vor allem Plus im Dienstleistungsbereich, Exporte: +28,3% und Investitionen: +14%); 10,1% 2004 (2006 von 9,5% nach oben revidiert). Durchschnitt jährliches Wirtschaftswachstum real von 2005 bis 2010 11,2% (geometrisches Mittel). "Rote Linie" liegt bei 8%, sonst hohe AL, die OECD prognostiziert im März 09 6 bis 7%). Im 2. Quartal 2008 ging das Wachstum schon auf 10,1% zurück, im dritten Quartal auf 9%. Im 1.Quartal 2009 auf 6,1%, im zweiten steigt es wieder um 7,9%, im Dritten sogar auf 8,9%. Die Industrieproduktion legt im Nov. 09 um 19 Prozent zu, so wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Die Exporte schrumpfen (erholen sich durch die Bindung an den schwachen Dollar), die Binnenwirtschaft (Bau, Konsum) zieht an. Die Importe steigen im Nov. 09 um 27%. Für 2010 werden schon wieder 11% erwartet. China wird zum Hoffnungsträger der Weltkonjunktur, trotzdem hängt zu viel an den US-Verbrauchern. Der Chef der Statistikbehörde Xie Fushan sagte 2007, dass die Provinzregierungen "eine Fülle gefälschter Wirtschaftsdaten " übermittelt hätten, so dass das Wirtschaftswachstum noch rasanter sein dürfte (drei Viertel der 30 Provinzen über 12%). Wahrscheinlich um 2040 wird China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen, Deutschland wird wahrscheinlich 2009 vom dritten Platz verdrängt. Es werden große Anstrengungen unternommen, eine eigene innovative Industrie aufzubauen (Bsp. Life Science Park am Rand von Peking). Ein Großteil des Wachstums (45% des BIP und 70% des Exports) wird von drei Regionen getragen. Der Immobilienmarkt boomt noch stärker als die Wirtschaft insgesamt (Überinvestitionen, hohe Korruption). Die Volkswirtschaft ist relativ ineffizient: für jeden Dollar zusätzliche jährliche Produktionsleistung müssen erst 5,4 $ investiert werden (W. Hutton). China ist der größte Hersteller von Düngemitteln, Edelstahl, Schuhen und Vitaminen. Im Herbst 2008 erwägt China ein milliardenschweres Konjunkturpaket (rund 37 Mrd.). Das niedrigere Wachstum 2012 mit ca. 7,5% ist auch durch ein umbau der Struktur bedingt (mehr Binnenkonjunktur, weniger Außenhandel) "Noch nie ist so viel Wohlstand von so vielen Menschen in so kurzer Zeit geschaffen worden", US-Sinologe Roderick MacFarquhar. "Auch die Chinesen können nicht übers Wasser laufen", Christian Schneider, Allianz - Fondsmanager zum Wirtschaftswachstum in China. Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt: in den Städten: 120 Mio., auf dem Land: 488 Mio. (750 Mio. Menschen sind Landbewohner), 49,1% in der Landwirtschaft (2003), Jahresdurchschnittslöhne in chinesischen Unternehmen: 1405 €, Arbeitslosigkeit 2010 4,5%, 2009 4,3% . 2007 4% in den Städten (sind nur in der Statistik, 2005 4,2% , 4,2% auch 2004, 4,3% 2003; insgesamt dürfte die Arbeitslosenquote bei ca. 12% liegen). Es gibt ca. 150 Mio. (manche Schätzungen gehen bis 200 Mio., Prognosen gehen bis 300 Mio.) Wanderarbeiter und Industrienomaden. Es gilt immer noch mit örtlichen Varianten das Hukou - System (Haushaltsregistrierung), mit großen Nachteilen für die Zugezogenen. Nur registrierte Städter haben Anspruch auf Rente und medizinische Versorgung. Probleme bereitet das Hukou-System bei der Krankenversicherung. Durch dieses System kann aber die Zuwanderung in die Städte kontrolliert werden. Trotzdem steigt die Urbanisierung, die auch der größte Treiber der Arbeitsproduktivität ist (Zuwanderer kommen aus der Landwirtschaft!). Insgesamt werden auch sehr viele Zeitverträge vergeben. Pro Jahr wechseln ca. 1% der Erwerbstätigen von der Landwirtschaft in die Industrie und den Dienstleistungssektor. Die Mobilität der Arbeitskräfte hat maßgeblichen Anteil am gesamtwirtschaftlichen Wachstum. In den boomenden Küstenregionen fehlen Arbeitskräfte (z. B. konnten in Guandong 500.000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden, die Mindestlöhne sollen hier diesen Sommer um 17 bis 42% steigen; diese Provinz sorgt für ein 1/3 aller Exporte). Die Löhne steigen relativ stark: 2004 insgesamt um 3%, 2005 7%, 2006 12%, 2007 20%. Insgesamt betrachtet ist das Arbeitskräfte-Potential aber noch unausgelastet, aber dies geht allmählich zur Neige (nur noch 50 Mio. Menschen auf dem Lande nicht in Arbeit). Rund 100.000 Chinesen sind seit den neunziger Jahren in alle Ecken Afrikas gezogen und arbeiten dort (Nigeria, Libyen, Sudan u. a.). Seit 2007 gilt ein neues Arbeitsgesetz. Das jährliche Durchschnittseinkommen lag bei chinesischen Arbeitern und Angestellten 2005 bei 2098€ (21.000 Yuan) pro Jahr. Die Bauern kommen im Schnitt nur auf 537 € pro Jahr (4700 Yuan). Außerdem verloren in den vergangenen Jahren 40 Mio. Bauern ihr Land, weil die Dorfbehörden es in Industriezonen umwandelten. China will nicht länger die Billigfabrik der Welt sein: die Arbeitsproduktivität wächst um durchschnittlich 10% p. a.. Die chinesischen Taxifahrer stellen eine wichtige Beschäftigtengruppe dar, die mit den KP-Funktionären verbunden ist, die die Lizenzen ausstellen. Häufig werden sie subventioniert, um Unruhen zu vermeiden. Die Arbeitslosigkeit in China steigt nach der Finanzkrise massiv an (zeigt sich auch bei den Wanderarbeitern). Vor allem der Südosten ist betroffen (Perlflussdelta). Ende 2008/ Anfang 2009 sollen nach offiziellen Angaben 26 Mio. Wanderarbeiter ihren Job verloren haben. Die Fabriken in China, vor allem die neu gebauten, haben oft Überkapazitäten. Gleichzeitig wollen viele Firmen ins Ausland. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist sehr hoch, wobei die Statistiken der Provinzen oft dubios sind.2010 beginnt die Regierung, Gewerkschaften in die Freiheit zu entlassen: Die Jahreseinkommen zwischen Stadt- und Landbevölkerung sind extrem unterschiedlich. In der Stadt können schon ca. 2000 € verdient werden, auf dem Land durchschnittlich 600.In einigen chinesischen Städten und Provinzen werden angesichts steigender Arbeiterproteste 2012 die Mindestlöhne erhöht (z. B. um 14% auf 1260 Yuan/ 183 Euro in Shenzhen, an der Grenze zu Hongkong). "China ist ein reiches Land und ein armes Volk", N. N. im Internet. Die Delegierte des Volkskongresses Zhang Xiaomei hat eine Bezahlung der chinesischen Hausfrauen durch ihre Männer vorgeschlagen. Den chinesischen Arbeitern vieler ausländischer Firmen geht es besonders schlecht. Als herausragendes Beispiel gilt die taiwanesische Firma Foxconn in Shenzhen mit über 300.000 Beschäftigten. Diese haben lange Arbeitszeiten (11-12 Stunden am Tag), weniger Urlaub als vorgeschrieben, unzureichende Zuschläge, Überstunden und schlechte Schlafsäle. Der Monatslohn liegt bei etwa 110 Euro. Die Selbstmordrate ist hoch. Die deutschen Unternehmen halten in der Regel die chinesischen Gesetze ein. Zunehmend kommt es zu Arbeiterunruhen in Unternehmen in China, so auch 2010 bei Honda. Die schlimmsten Zustände herrschen in der Provinz Guangdong an der Grenze zu Hongkong. Dort sollen allein 26 Mio. Wanderarbeiter arbeiten. Höhere Löhne könnten den Exportboom bremsen, aber den privaten Konsum ankurbeln. Immer mehr chinesische Arbeitgeber versuchen ihre Arbeiter mit ausländischen Mittel zu motivieren (z. B. christliche Religion). Diese Vorgehen heißt in China "der Mond im Ausland ist runder". "Allein die verlangte Erhöhung entspricht dem absoluten Verdienst eines unserer Industriearbeiter in China", J. Heraeus, Chef des Technologiekonzerns, zur Lohnforderung der IG-Metall 2007 von 6,5%. "Wenn du ein Jahr lang reich sein möchtest, bau Weizen an. Wenn du zehn Jahre lang reich sein möchtest, pflanze Bäume. Wenn du 100 Jahre Reichtum sichern willst, bilde die Menschen", Chinesisches Sprichwort. Inflationsrate/ Budgetsaldo: +3,4% im Durchschnitt 2010 (Obergrenze der Regierung 3%, aber Erzeugerpreise fast +6%, Preise im Dezember 2010 +4,6%). -0,8% 2009. 4,8% 2007; 1,5% Jahresdurchschnitt 2006 (1,8% Jahresdurchschnitt 2005, 2004: 3,9%, 2003: 1,2%). Im Januar 2008 stieg die Inflation um 7,1% gegenüber dem Vorjahresmonat (höchste Rate seit 11 Jahren; angestrebte Obergrenze: 3%); verantwortlich sind die rasant steigenden Lebensmittelpreise (18,2% im Jahresvergleich), vor allem bei Fleisch (über 20%, Schweinefleisch über 50%). Auch die Preise für Gemüse und Speiseöl sind sehr stark gestiegen (über 30%). 2008 ist der Reispreis stark angestiegen, weil Thailand, Indien und Vietnam die Exporte drosseln. Der Preis pro Tonne stieg im April 2008 auf über 1000 $. Sojabohnenimporte haben sich extrem verteuert. Die Inflationsrate 2008 wird voraussichtlich bei 5,9% liegen. Im 2. Quartal 2008 sind die Produktionskosten (Herstellerpreisindex) um 8,8% gestiegen. Auch die Frachtkosten steigen sehr stark, was den Außenhandel beeinflussen wird. Einige Preise wurden schon im Herbst eingefroren, was zu einer Verknappung des Angebots führen dürfte. Preiskontrollen könnten die Produktion senken. In den Sommermonaten 2008 gehen die Lebensmittelpreise wieder etwas zurück. Der Ölpreis musste Ende Oktober 07 um 10% angehoben werden. Im Juni 2008 wird er um 16-18% erhöht, weil die Raffinerien ihre Kosten nicht mehr decken können. Es gibt auch noch staatliche Subventionen für die Tankstellen. Ausgleichszahlungen bekommen auch die Bauern, Fischer und Taxifahrer. Ansonsten wurden einige Preise eingefroren (Energie, manche Lebensmittel). Mittlerweile befürchtet die Regierung Proteste in der Bevölkerung. Starke Inflation hat in den vergangenen 60 Jahren immer politische Katastrophen ausgelöst. Die Erdbebenkatastrophe in Sichuan wird die Rohstoffpreise weiter anheben und damit auch die Inflation. Im März 2009 zeigen sich allerdings deflationäre Tendenzen (-1,2%), die sich bis Mitte 2009 ausdehnen (-1,7%). Inflationszahlen (auch Konsumzahlen) sind von der Statistik her eher mit Vorsicht zu betrachten. Im März 2010 steigt die Inflationsrate auf 2,4%. Ende 2010 liegt die Rate bei 5,1%. Im Januar 2011 beträgt die Inflationsrate 4,9% (offiziell, wahrscheinlich viel höher). Im März 2011 steigt sie auf 5,4%. China leidet unter zu viel Liquidität. Um die Inflation in den kommenden fünf Jahren zu dämpfen, soll nur noch ein Wirtschaftswachstum von 7% angestrebt werden. Die Inflation steigt im Mai 11 sogar auf 5,5%, im Juni noch mal auf 6,4%. Deutlich stärker zogen die Lebensmittelpreise an (14,4%). Die Schweinfleischpreise stiegen um 57%. Budgetsaldo: ca. -1,6% 2011, -2,7% 2010, -3,4% 2009 (2010: 3,3% geschätzt), (-1,7% 2005, -3,0% 2004, HH-Defizit in % des BIP); Auslandsverschuldung 190 Mrd. $; der Schuldenberg insgesamt wird auf ca. 500 Milliarden $ geschätzt. Städte und Provinzen haben 2011 schätzungsweise Schulden von 430 Mrd. Euro. Ausgelöst wurde dies vor allem durch Großprojekte. Offiziell lag die Verschuldung der Zentralregierung Ende 2010 bei 19% des BIP. 2011 dürfte sie bei 17% des BIP liegen. Über die Schulden der Lokalregierungen werden keine Angaben gemacht (Schätzungen gehen bis 24 Billionen Yuan, 50% des BIP; Dragonomics geht sogar von 80% aus). Die Zentralregierung hat ein großes makroökonomisches Kontrollproblem: Sie hat nicht im Griff, was die Behörden auf lokaler Ebene tun (niemand führt offenbar genau Buch über die Kredite, die im Rahmen der Konjunkturpakete vergeben wurden). "Die Idee, billig in China zu produzieren, funktioniert nicht mehr", Carl Martin Welcker, Geschäftsführer von Leistritz. Umwelt: CO2-Emissionen pro Kopf pro Jahr in t 2007: 5,1 (löste 2007 die USA als Spitzenreiter ab, 2008 21% der weltweiten CO2-Emissionen, 6496 Mio. t; USA 20%, 5909 Mio. t), beide haben das Kyoto - Protokoll nicht unterzeichnet, ca. 60% aller CO2 - Emissionen, USA: 19,73t CO2 pro Kopf 2006, China 4,7 t), Waldzunahme in % 1990-2000: 1,2%; seit Februar 2005 Pilotprojekt von NBS und SEPA zum "Green GDP" (im Juni 2006 erster Umweltschutzbericht bzw. Weißbuch des SEPA: State Environmental Protection Administration, seit 2008 Ministerium). Danach entsprechen die jährliche Umweltzerstörung bzw. die Folgekosten des Wachstums 13% des BIP. Von den 20 schmutzigsten Städten der Welt liegen 16 in China. Besondere Probleme bestehen mit der Wüstenbildung (jährliche Vergrößerung um 2500 Quadratkilometer) und der Trinkwasserversorgung im Landesinnern. 312 Mio. Menschen ländlicher Regionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 80% aller Seen und Flüsse sind stark verschmutzt bzw. tote Flüsse. Von 661 Städten haben 278 keine Kläranlage, 420 kämpfen mit Wasserknappheit. Hinzu kommt die Gletscherschmelze im Westen (vor allem auf dem Tibet-Tableau) und die Abholzung von Wäldern im Osten. Nur 14% des Landes waren 1990 bewaldet. Die Regierung hat ein Abholzungsverbot erlassen, ebenso ein Aufforstungsprogramm. Das Qinghai - Tibet Plateau ist die Quelle für die wichtigsten Flüsse Asiens: Yangtse, Mekong, Gelber Fluss, Ganges und Bramaputra. Experten schätzen, dass die Wasserreserven Chinas 2030 ausgeschöpft sein könnten. Mittlerweile machen die CO2-Emissionen der chinesischen Kohlekraftwerke allein 14% aus (deshalb hat China 2009 die USA als größter Emittent abgelöst). China hat in den letzten 5 Jahren doppelt so viele Autobahnkilometer gebaut wie die Deutschen in den letzten 100 Jahren. Die Schäden durch Taifune häufen sich (z. B. Sepat). Der Südosten wird stark von Wirbelstürmen heimgesucht. Shanghai ist vom Anstieg des Wasserspiegels bedroht. Wie in allen Schwellenländern haben die Treibhausgas-Emissionen durch tierische Gase (Klimafaktor Vieh) einen hohen Anteil. Mittlerweile gibt es eine Öko-Agrarfläche in China von 2,3 Mio. ha mit 1600 Betrieben. Damit liegt China hinter Australien und Argentinien auf dem dritten Platz. Mit nur sieben Prozent landwirtschaftlich nutzbarer Fläche müssen 22% der Weltbevölkerung ernährt werden. China kauft zunehmend Agrarfläche im Ausland (Afrika, Laos). Die Zahl der Einfuhranträge in Deutschland für Bio-Rohware ist stark gestiegen. Jährlich sterben etwa 650.000 Chinesen als direkte Folge der Umweltverschmutzung. Es werden mehrere Lebensmittelfabriken geschlossen, die verunreinigte Exportprodukte in die USA und die EU geschickt haben (50% aller beanstandeten Verbraucherprodukte stammen aus China). Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 sind 3000 Chemiefirmen geschlossen worden, weil die Umweltstandards erhöht wurden (dadurch verteuern sich die Chemikalien für Druckfarben in Europa). Im Großraum Peking werden im Jahre 2008 267 Unternehmen vorerst stillgelegt, um die Luftqualität für die Olympischen Sommerspiele zu verbessern. Betroffen sind insbesondere die Industriestadt Tangshan in der Provinz Hebei im Norden der Hauptstadt und von den Unternehmen her Koksereien, Zementhersteller und kleinere Kraftwerkbetreiber. Vom 1. Juli an werden die Fahrzeuge aus der Innenstadt verbannt, die die Grenzwerte nicht erfüllen. Der Wasserbedarf Beijings für die Olympischen Spiele geht vor allem zu Lasten vieler Dörfer in der Provinz Hebei. Es entstehen auch immer mehr Golfplätze in der Umgebung der Hauptstadt, die viel Wasser brauchen (auch Kunstschneepisten). Wasserknappheit wird insgesamt in China zu einem immer größeren Problem. 2011 ist besonders der Weizengürtel betroffen (7 Provinzen mit 80% des Weizens). In der Umgebung von Müllverbrennungsanlagen kommt es zunehmend zu Protesten von Anwohnern (meist Dioxin-Belastung). "Menschen, die sich abmühen, genug zum Essen zu verdienen, können sie nicht erzählen, sie müssten ihre Emissionen mindern", Lu Xuedu, Vizechef des Amtes für globale Umwelt - Angelegenheiten. "Der Abbau und die Erschöpfung von Ressourcen sowie der schlechte Zustand der Umwelt sind zu ernsthaften Hindernissen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung geworden", Zhou Shengxian, Umweltminister. Bereits in den drei Jahrhunderten der Qing-Dynastie bis 1911 zeichnete sich eine starke Zunahme der Ressourcennutzung und Umweltverschmutzung ab (Überfischung, Überrodung, extensive Landwirtschaft). In Maos "Großem Sprung nach vorn" (bis 1961) explodierte der Getreideanbau. Heute geht von der starken Industrialisierung (Verschmutzung der Flüsse, Luftqualität, Autodichte) die größte Gefahr aus. Mittlerweile gibt es aber 70 Gesetze und Verordnungen. Der größte Widerstand kommt aus den Lokalregierungen, deren Umweltämter zwar der SEPA unterstehen, aber finanziell der Lokalverwaltung. 2008 wird aus der SEPA ein Ministerium für Umweltschutz (Ministry of Environmental Protection, MEP). Der Drei-Schluchten-Damm entwickelt sich zu einem Desaster. Zur Bewältigung von Folgeproblemen (Erdrutsche, Umsiedlung, Wasserverschmutzung, Erdbeben) müssen in den nächsten zehn Jahren etwa 100 Mrd. Yuan ausgegeben werden. Für die Weltklimakonferenz in Kopenhagen wird bekannt gegeben, dass der Kohlendioxidausstoß im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gesenkt werden soll. Bis 2020 sollen die Emissionen je Einheit der Wirtschaftsleistung im Vergleich zu 2005 um 40 bis 50% gesenkt werden. In China steigen die Temperaturen derzeit stärker als im Weltdurchschnitt. Der 12. Fünfjahresplan für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung sieht 1,5 Billionen Dollar für Elektromobilität, Solarenergie und Biotechnik vor. Die Provinzen werden aufgefordert, der Umwelt zuliebe das Wirtschaftswachstum zu zügeln (bisher nur sechs von 30 Provinzen 2011). Einige Großstädte (zuerst Peking) kappen die Zahl der Autos pro Stadt (nur noch jedes zehnte Auto wird zugelassen). China wehrt sich 2011 gegen die Klimaschutzabgabe, die Fluggesellschaften ab 2012 in der EU entrichten müssen. Es droht mit Vergeltung. Berechnungen der chinesischen Verkehrsbehörde Cata zufolge würde der Emissionshandel die chinesischen Gesellschaften im ersten Jahr 120 Mio. kosten. Wer in China eine Produktionsstätte bzw. ein Bauprojekt errichten will, muss das "Environmental Impact Assessment Law" und Artikel 26 des Umweltgesetzes der VR China beachten. Nach dem EIA-Gesetz müssen bei Bauprojekten ein Environmental Impact Registration-Formular, eine Environmental Impact Assessment Form oder ein Environmental Impact Assessment Report erstellt werden. Nach Artikel 26 nuss die Umweltschutzbehörde das Umweltverträglichkeitsgutachten prüfen und anerkennen. "Langfristig werden die Umweltschäden sämtliche Ergebnisse der wirtschaftlichen Entwicklung aufheben....China muss grüner werden", Pan Yue, chinesischer Vize-Umweltminister. Aber: "Unsere Emissionen sind für unser Überleben wichtig", Yang Jiechi, Chinas Außenminister. Energie/ Rohstoffe: Energieverbrauch pro Kopf in kg ÖE 2004: 960. China hat einen Anteil von 38,6% (2006) am Weltkohleverbrauch. China importierte 2004 Öl im Wert von 38 Mrd. $ (Steigerung bis 2020 um des Zwanzigfache). Im Jahre 2006 hat China soviel Öl importiert wie noch nie zuvor (145,2 Mio. t, +14,5%, 81,9 Mrd. $). Der Ölverbrauch ist in den letzten zehn Jahren um 101,1% gestiegen (Indien +51,5%). Der Verbrauch in ganz Asien ist nahezu gleich hoch wie der in Nordamerika (24.589 Tausend Barrel). Der Iran liefert 14% der chinesischen Ölimporte und hat einen hohen Anteil bei Erdgas. Ein Drittel seiner Ölimporte bezieht China aus Afrika. So fand Anfang November in Peking ein "China-Afrika-Kooperationsforum" statt. China will seine Hilfe für Afrika auf über 5 Mrd. $ verdoppeln. Ende 2010 wird einen neue Öl-Pipeline zwischen Russland und China eröffnet. Sie ist 3600 km lang und führt vom östlichen Sibirien zu den Raffinerien im nordostchinesischen Daqing. Jährlich sollen über 30 Mio. t Öl befördert werden. In den nächsten 15 Jahren sollen 32 neue Atomkraftwerke gebaut werden! Eine neue Aufarbeitungstechnik bei den Brennelementen soll Uranressourcen von 80 auf 300 Jahre verlängern. Gegenwärtig verfeuern 69% aller Kraftwerke Kohle. Kohle hat einen Anteil am Primärenergieverbrauch von 65%. Damit trägt China einen Großteil der weltweiten Umweltverschmutzung. Senkung des Energieverbrauchs 2006 um 4% geplant. Der Drei-Schluchten-Staudamm, das größte Wasserwehr der Welt, soll in drei Jahren 1/10 des Elektrizitätsbedarfs decken. Viele Grundstücke für neue Bauvorhaben werden illegal vergeben (Korruption). Zusammen mit der UN soll in Peking eine Börse für Klimaschutzzertifikate aufgebaut werden. Die erste Börse dieser Art ist bisher die Chicago Climate Exchange. 2007 hat das Kabinett einen Nationalen Plan zum Klimawandel verabschiedet (erstes derartiges Dokument, federführend ist Xie Zhenhua als Vizepräsident für Umweltschutz und Energiepolitik der NDRC). Vor dem G8-Gipfel 2007 wird ein eigener Klimaschutzplan vorgelegt (bis 2010 Energieeffizienz +20%, Schadstoffausstoß -10%). Mit Fahrverboten bis zu 4 Tagen will Peking die Luftqualität für die Olympischen Spiele verbessern. Bei der Strom- und Energiegewinnung (Ökostrom) führt China mittlerweile bei erneuerbaren Energien (vor Deutschland), Wasserkraft und Solarthermie (Deutschland Dritter). Bei Strom aus Windkraft hat China Deutschland 2009 vom zweiten Platz verdrängt. An der Spitze liegen die USA (35.000 Megawatt). 2009 gab China 34,6 Mrd. $ für alternative Energie aus, mehr als jedes andere Land der Welt (bis 2020 150.000 Megawatt aus Windkraft). In China lagern 42% aller weltweiten Vorräte an Wolframcarbit (80% Weltmarktanteil bei China). China hat eine fast Monopolstellung bei Seltenerdmetallen wie Terbium, Yttrium, Neodymium, Erbium, Europium, Dysprosium, Promethium, Holmium, Thulium, Ytterbium, Dybrosium, (insgesamt 17). Seltene Erden sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Groß sind auch die Vorkommen an Lithium und Molybdän. Daneben gibt es noch große Vorkommen an den Seltenen Erden Gadolinium, Samarium, Praseodym und Lanthan. China verknappt 2010 sein Angebot an Seltenen Erden durch verschärfte Umweltschutzauflagen. Die geringen Umweltauflagen hatten den Preis bis dahin niedrig gehalten. China besitzt 97% der weltweiten Mengen. Sie werden für Computer, Halbleiter, Elektromotoren, Windturbinen, Akkus u. a. gebraucht. 2010 ist der Preis schon um 171% gegenüber 2009 gestiegen. Ende 2010 wird eine Rohstoffzentrale gegründet. Sie ist wie ein Industrieverband organisiert und mit dem Industrieministerium verbunden. Es gibt über 1000 illegale Minen, die Mensch und Umwelt gefährden. "Der Nahe Osten hat Öl, wir haben Seltene Erden", Deng Xiaoping 1992. Xinjiang im Nordwesten von China ist die größte Erdgasförderregion. Hier gibt es auch große Ölvorkommen. China hat die höchste Goldförderung in der Welt (270 t 2007). Als Nachfrager ist China mit seinem Rohstoffhunger ein großer Preistreiber. Zunehmend rückt Australien ins Blickfeld (hier leben 600.000 Chinesen, China ist der wichtigste Exportmarkt). Eisenerz, Kohle und Baumwolle werden geliefert. Es werden indirekt oder direkt Beteiligungen an australischen Firmen erworben, vor allem in der Bergbauindustrie. Inzwischen ist China hinter den USA der zweitgrößte Markt für Windenergie. Es gibt ca. 50 eigene Hersteller im Land. In letzter Zeit werden nur noch einheimische Hersteller bei Ausschreibungen berücksichtigt. Viele ausländische Anbieter müssen über die Aufgabe von Produktionsstätten in China nachdenken. Im Bereich der Solarenergie wird China immer erfolgreicher: 2009 kann das Silizium für Sonnenkollektoren 44% billiger produziert werden als in Europa. Mit einem System von Steuern auf die gesamte Wertschöpfung hält man eigene Rohstoffe im Land: bei Exporten Exportsteuer, Rückerstattung der Umsatzsteuer; bei Importen Einfuhrsteuer. Außerdem gibt es Manipulationen bei Rohstoffbörsen. Im Krisenjahr 2009 wurden 150 Mrd. Dollar international in Rohstoffe investiert. In Südamerika hat man einen Anteil am Ölgeschäft Ecuadors erworben, in Venezuela ein Ölfeld. In Birma wird eine Pipeline vom Indischen Ozean nach China gebaut. In Kanada ist man an Ölsand-Vorkommen beteiligt. In Nigeria werden vier Erdölraffinerien gebaut. In der Mongolei hat man Anteile an Kupfer- und Goldminen gekauft. 2011 nach der Naturkatastrophe in Japan stoppt die Regierung vorerst den Bau von Atommeilern (derzeit 13 in Betrieb, bis 2020 verdoppeln). Der Neubau soll verlangsamt werden und die Gesamtkapazität soll niedriger sein (China Electric Council, CEC). In Europa kooperieren chinesische Staatskonzerne in der Energiepolitik: Türkei Bau von Atomkraftwerken, Bulgarien Atomkraftwerk, Polen Kohlekraftwerk, Rumänien Kohlekraftwerk. 2011 löst China Japan als größten Kohle-Importeur ab. Mittlerweile besitzt China 2010 die größte, fünft- und sechstgrößte und achtgrößte Solarzellenfirma der Welt (Suntech Power, Yingli, JA Solar, Trina Solar) sowie die dritt- und viertgrößte Windkraftanlagenfirma (Sinovel, Goldwind) der Welt. Außenwirtschaft: 2001 wurde China Mitglied der WTO. 2010 wurden so viele ausländische Direktinvestitionen nach China gelockt wie noch nie: 105,7 Mrd. Dollar (+17%). China selbst investierte 59 Mrd. Dollar im Ausland (+36,3%). Weltweiter Zufluss an Direktinvestitionen 2007 74,7 Mrd. $ (2006: 64,6 Mrd. €, 2005: 63 Mrd. €, allein 6,5 Mrd. $ nach Shanghai, Prognose für 2008: 60 Mrd. $); deutsche Direktinvestitionen 7 Mrd. €, Direktinvestitionen aus Taiwan insgesamt: 50 Mrd. $ (150 Mrd. $ geschätzt). Eine große Rolle bei den Direktinvestitionen aus dem Ausland haben und spielen noch Auslandschinesen ("Chinese Bamboo Network"). Chinesische Direktinvestitionen im Ausland rund 3,7 Mrd. $ (+80% 2004), Direktinvestitionen in Deutschland 2008 380 Mio. €. China investiert vor allem in Afrika (30 Mrd. $, z. B. Großkredite für Öl an Angola und Nigeria) und hier vor allem in Rohstoff- und Energiebeschaffung; Exporte: insgesamt 840 Mrd. € (1202 Mrd. $) 2009, 1,484 Bio. $ 2008 (2007 1,218 Bio. $ , +26%, 790 Mrd. $ 2005, 2006: über 1 Bio. $, 43%-Anteil am BIP), (Anteil der USA: 21,4%, hohe Exportabhängigkeit!, die Hälfte stammt von den 50.000 in China produzierenden US-Firmen), 31,9 Mrd. $ (4,3%) nach Deutschland (2009 hat China Deutschland als "Exportweltmeister" abgelöst, 2008 lagen beide Länder Kopf an Kopf). 2010 stiegen die deutschen Exporte nach China um 44%, die Importe um 35%! . Damit ist das Land drittwichtigster Außenhandelspartner Deutschlands geworden (Spitzenreiter Frankreich vor Niederlande). Zunahme der deutschen Exporte 2008 um 14,3% auf 31,3 Mrd. € (2007 29,9 Mrd. €; 2006: 30% , 27,5 Mrd. €, 1995 -2004 durchschnittliche Steigerung um 16%), circa 3% der deutschen Ausfuhren. An der Spitze liegen Maschinen und Autos. Im 1. Halbjahr 2010 sind die deutschen Exporte nach China um 56% gestiegen. Insgesamt betrug die deutsche Ausfuhr nach China 2010 53,6 Mrd. €; die Einfuhr 76,5 Mrd. €. 2009 betrugen die deutschen Exporte 37,3 Mrd. €, die Importe 56,7 Mrd. €. Deutsche Importe aus China 2008 54,3 Mrd. € (2007: 54,6 Mrd. €, 2006: 48,8 Mrd. €, Anteil: 6,4%, drittwichtigster Importeur nach Frankreich und den Niederlanden). An der Spitze liegen Nachrichtentechnik/ Radio/ TV und Büromaschinen/ EDV. Importe von China insgesamt: 561,4 Mrd. $. Chinas Anteil am Welthandel beträgt 2005: 7,3%; Exporte in asiatische Länder 2004: 280 Mrd. $, Importe aus asiatischen Ländern: 310 Mrd. $. Die Importe in die EU aus China sind 2006 auf 14,2% aller Importe gestiegen (1998: 6,5%). Ende 2007 beträgt der Handelsüberschuss insgesamt 262,2 Mrd. $ (177 Mrd. €), ein Anstieg zum Vorjahr um 47,7%. 2008 beträgt der Handelsbilanzüberschuss 295 Mrd. $ (USA -800). 2011 betrug der Handelsbilanzüberschuss 160 Mrd. Dollar (-12%). Die EU ist 2007 wichtigster Markt für China vor der USA geworden. Rund 45% des EU-Außenhandels mit China geht allerdings auf Deutschland zurück. 2011 betrugen die Exporte 2,8 Billionen € (+22,5%, chinesische Zollbehörde). 2010 hatte China einen Außenhandelsüberschuss von 190 Mrd. $ (147,3 Mrd. €). Die Ausfuhren stiegen um 31,3% auf 1,58 Billionen Dollar (1,22 Billionen €). Die Importe stiegen um 38,7% auf 1,39 Billionen Dollar (1,08 Billionen Euro). Bilaterale Handelsabkommen bestehen mit Thailand, Chile und Pakistan. In Vorbereitung sind Abkommen mit Australien, Singapur, USA, Schweiz, Mexiko, Norwegen, Russland und den Asean - Ländern. Zwischen den USA und China gibt es einen "Strategischen Wirtschaftsdialog", der halbjährlich auf höchster Ebene stattfindet. Die Importländer sollen mit Krediten gestützt werden. Mittlerweile kommen jährlich 140 Mio. Besucher aus dem Ausland nach China (Incoming, Dienstleistungsexport). Erstmals seit Chinas Beitritt zur WTO erhebt die USA im Herbst 2009 drastische Strafzölle auf Reifenimporte aus China (35%). 2010 im Herbst folgen Strafzölle wegen der Wechselkurspolitik. Die Weltwirtschaftskrise führt dazu, dass China und Taiwan enger zusammenrücken. Taiwan will die Handelsbeschränkungen lockern, um nicht von der Integration der asiatischen Märkte abgeschnitten zu werden. Festlandbanken und andere unternehmen investieren zunehmend in Taiwan. Ende 2009 erhebt China Strafzölle auf Stahlprodukte aus USA und Russland. 2010 fahren die Europäer ihre Geschäfte mit dem Iran zurück, China springt in die Bresche und wird größter Handelspartner des Iran. Im März 2010 hat China erstmals seit sechs Jahren ein Handelsdefizit. China geht mit Griechenland eine Kooperation ein (Investitionen, Kauf von Staatsanleihen). Dies ist Teil einer längerfristigen Handelsstrategie, die Athen als Tor nach Europa vorsieht und den Euro stärken will. Nach der Weltwirtschaftskrise stecken die Chinesen systematisch viele Milliarden in europäische Peripherieländer: Haier Produktionsstätte und Logistikbasis in Varese/ Italen, chinesische Baken beteiligen sich am spanischen Energieversorger EDP, der Staatsfonds kauft sich in einen Immobilienkomplex in London ein, chinesische Investoren stecken Geld in rumänische Landwirtschafts- und Bergbauprojekte. 2011 droht China den USA mit einem Handelskrieg, weil diese immer mehr Sonderzölle erlassen (gegen die Unterbewertung des Yuan). Exkurs: Als wichtiger Stützpunkt für den Außenhandel zwischen Deutschland und China wurde im 19. Jahrhundert (1897) vom deutschen Kaiserreich Tsingtau (heute: Qingdao) gewaltsam als deutsche Handelsniederlassung an der Ostküste (Bucht von Kiautschou) gegründet und durch einen Pachtvertrag am 06.03. 1898 legalisiert.. Die Kolonie wurde 1914 von den Japanern erobert und endete damit. Die Alt-Stadt der heutigen Millionenstadt wird von deutscher Architektur geprägt (Gouverneurspalast, Kaiser-Wilhelm Ufer). Weltberühmt ist die von Deutschen gegründete Brauerei. 2008 fanden hier die Segelwettbewerbe der olympischen Spiele statt. Teile von Wuhan gehörten ebenso eine zeitlang zu Deutschland (in Hankou gab es eine deutsche Konzession, also ein Stadtteil unter deutscher Verwaltung). 1984 gab es hier den ersten ausländischen Fabrikdirektor: der Deutsche Werner Gerich bei den Wuhaner Dieselmotorenwerken. Mao schwamm in Wuhan noch mit 73 im Jangtse. China ist der weltweit größte Waffenexporteur. In Deutschland sind rund 600 chinesische Firmen registriert, vor allem Handelsunternehmen. Die Außenwirtschaft trägt Züge des Merkantilismus. Exportgüter: Elektronik und Elektrotechnik, Textilien und Bekleidung, Maschinen und Anlagen, Kunststoffe, optische Geräte. Zunehmend werden auch Autos, vor allem Nutzfahrzeuge, in die Schwellenländer des Nahen Ostens, Südamerikas und Osteuropas verkauft. Nach Europa werden immer mehr Möbel aus China exportiert. Die US-Nachfrage nach Spielzeug, Schuhen und Sportzubehör brach 2007/2008 ein. Die Maschinenbauproduktion Chinas ist auf den 4. Platz in der Welt vorgerückt. Mittlerweile ist China 2010 auch der größte Schiffbauer der Welt. Der Marktanteil liegt bei fast 40% (Tank- und Containerschiffe, Kriegsschiffe, Luxusyachten). Importgüter: Öl, Chemikalien, Eisen, Stahl, Maschinen, Anlagen. Die nichttarifären Handelshemmnisse (Produktzertifizierung ,Verzögerungen bei der Zollabfertigung) nehmen zu. Luxusgüter werden mit hohen Importzöllen und Mehrwertsteuern belegt und werden im Schnitt um 35% teurer. China und Russland wollen ihre Kooperation im Energiesektor und Handel ausbauen: Mit Russland wird 2008 eine Atomkooperation vereinbart. Der eigene Handelsüberschuss soll verringert werden. Das gleiche gilt für die Kooperation mit Afrika (Handel bis Ende des Jahrzehnts auf 100 Mrd. $ verdoppeln). Es werden auch langfristige bilaterale Rohstoff- und Energieabkommen, z. B. mit Nigeria und Kongo, abgeschlossen. Es leben mittlerweile schon 750.000 Chinesen in Afrika. Auf einer Konferenz Ende 2009 in Ägypten werden 10 Mrd. $ bis 2012 an Krediten versprochen (50 Länder aus Afrika, seit 2001 hat sich das Handelsvolumen verzehnfacht). Im Jahre 2008 überstiegen Chinas Direktinvestitionen in Afrika mit 5,5 Mrd. $ erstmals die der USA. Das Geld floss vor allem in die Rohstoffbranche und Infrastrukturprojekte. Von Kenia aus will Chinas Regierungssender CCTV den schwarzen Kontinent erobern. "China kommt wegen der Rohstoffe, sie kommen nicht, um gute Regierungsführung zu bringen", D. Kaberuka, Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank. 2007 will die Regierung ihre Exportsubventionen für die großen Stahlhersteller streichen. Papierimporte aus China belegen die USA 2007 mit Einfuhrzöllen von 10,9 bis 20,4 %, um gegen chinesische Exportsubventionen vorzugehen. Zwischen den USA und China wird auch in der Öffentlichkeit ein kleiner Handelskrieg ausgetragen (verseuchter Fisch aus China, verseuchtes Obst aus den USA). 22% der deutschen Teeimporte kommen aus China. 2007 wurde der Handel mit Indien um 56% auf 26 Mrd. € (nur Exporte von China) gesteigert (bis 2010 auf 60 Mrd. Handelsvolumen). Bestehende Handelsbarrieren sollen weiter abgebaut werden. Die Konjunkturprogramme 2009 enthalten allerdings protektionistische Klauseln, die eine Bevorzugung chinesischer Anbieter vorschreiben. China rechtfertigt sich mit ähnlichem Verhalten der USA. Außerdem gibt es nach der Weltwirtschaftskrise Exportzölle für chinesische Rohstoffe (insgesamt 10, vor allem für Bauxit, Zink, Magnesium, Mangan und Silizium). Unter Ökonomen wird diskutiert, ob Chinas Exportstrategie noch lange trägt. Viele empfehlen eine noch stärkere Förderung der Inlandsnachfrage (Vgl. "Is China`s Export-Oriented Growth Sustainable"? von Kai Guo und Papa N`Diaye, IMF Working Paper 09/172). Im Herbst 2010 verhängen die USA Strafzölle gegen China, wegen der Wechselkurspolitik. Anfang 2011 erlässt China wegen des Dioxinskandals ein Importverbot für deutsches Fleisch (auch Südkorea). "81 Prozent dieses Defizits entfallen auf ausländische Unternehmen, die China als Produktionsstandort nutzen", Wen Jiabao, Chinas Ministerpräsident, beim Asien-Europa-Gipfel in Helsinki im Sept. 2006 über das wachsende Handelsbilanzdefizit der EU mit seinem Land. In Yiwu an der chinesischen Ostküste gibt es die größte permanente Konsum- und Gebrauchsgütermesse der Welt. 2006 wurden hier 3 Mrd. € erwirtschaftet. Aus den ca. 58.000 Ausstellungsständen gehen 60% aller Waren in den Export, vor allem in kleine und mittlere Handelsunternehmen ("der größte Ramschladen der Welt"). Im Außenhandel Chinas konnte 2010 ( Uni Göttingen, 2001-2008) ein Dalai-Lama-Effekt nachgewiesen werden: Bei Kontakten zum Dalai Lama brechen die Exporte des Landes zu China um durchschnittlich 8% ein. Was ist, wenn China hier seine Rohstoffposition ausnutzt? Migration: China hat eine lange Tradition als Auswanderungsland. Das begann mit dem Sturz der Ming-Dynastie im 17. Jahrhundert. Die zweite Welle war nach dem Taiping-Aufstand im 19. Jahrhundert. Die dritte bildete die Flucht nach der Machtergreifung Maos. Ca. 40 Mio. Chinesen leben 2012 außerhalb des Landes. Etwa 2 Billionen $ erwirtschaften die Auslandschinesen. Sie haben eine wichtige Rolle beim Aufbau des neuen China gespielt (Bambus-Network). Der größte Stadtteil ist in San Francisco (80.000). Die meisten Auslandschinesen leben in Indonesien (8 Mio.), Thailand (7,2 Mio.), Singapur (4 Mio.), USA (3,5 Mio.). Gliederung: Bevölkerung, Bruttoinlandsprodukt, Wirtschaftswachstum, Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt, Inflationsrate/ Budgetsaldo, Umwelt, Energie/ Rohstoffe, Außenwirtschaft.
Bevölkerung: 127,5 Mio. 2010 (die japanischen Frauen haben mit 85,6 Jahren die höchste Lebenserwartung in der Welt; nirgendwo auf der Welt erreichen die Menschen ein so hohes Alter wie in Okinawa; ein heute zweijähriges japanisches Mädchen hat eine gute Chance, den 99. Geburtstag zu feiern), Geburtenrate mit 1,26 Kindern pro Frau niedriger als je zuvor: Japan ist zur Zeit die älteste Nation der Welt (Prognose: in den nächsten 50 Jahren soll die Bevölkerung um 40 Mio. abnehmen, bis 2050 soll der Anteil der über 65-Jährigen von heute 21% auf 41% wachsen!), 2005 ist die Bevölkerung erstmals seit dem 2. Weltkrieg geschrumpft; Bevölkerungsdichte: 338 je qkm. Nur noch knapp 17 Mio. sind unter 15 Jahre alt. Ein viertel der Japaner ist 2011 über 65 Jahre alt. Japan ist die viertgrößte Inselgruppe. Alphabetisierungsrate 99%. 2009 leben in Japan die Rekordzahl von 40.399 Hundertjährigen. Die japanische Bevölkerung tut sich teilweise schwer mit in Japan lebenden Ausländern, vor allem mit Filipinen. Sie werden oft als minderwertig angesehen und die Kinder werden in den Schulen zum Teil gemobbt. ("Ijime"). Dies kann häufig auch Behinderte und besonders Begabte betreffen. Die Zahl der Singles wächst dramatisch an, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. 61 Prozent der unverheirateten Männer zwischen 18 und 34 Jahren haben keine Freundin. Fast 50% der weiblichen Altersgruppe bevorzugt ein Solo-Dasein. Jüngst Prognosen 2012 gehen davon aus, dass die Bevölkerung bis 2060 auf 87 Mio. schrumpft (Quelle: Gesundheits- und Sozialministerium). Bruttoinlandsprodukt (Wohlstand): 2009 5,1 Billionen $ (3,8 Billionen €), 4844 Mrd. $ 2008 (9% am Welt - BIP), (4.367 Mrd. US-$ 2006, 2. Stelle hinter den USA), 39.734 $ pro Kopf 2009 (38.630 $ pro Kopf 2008). Allerdings ist diese Zahl bei Japan sehr interpretationsbedürftig: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Die Produktionsleistung der Industrie abzüglich der Zulieferungen (Bruttowertschöpfung) liegt an zweiter Stelle hinter den USA und vor China und Deutschland. Nach Kaufkraftparitäten gerechnet (PPP) liegt Japan an vierter Stelle. Relativ sinkt die Bedeutung Japans erheblich: 1994 trug es noch 18% zur Weltwirtschaft bei, 2008 sind es kaum noch 10%. Die einst so egalitäre Gesellschaft erweist sich zunehmend als Illusion: Die Gesellschaft spaltet sich noch deutlicher als in Deutschland. Von 90% aller Japaner die früher zur Mittelschicht zählten, sind heute nur noch 60% geblieben. 30% zählen zur Unterschicht. Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist mit ca. 23% die höchste in der Welt (in % vom Nationaleinkommen). In früheren Krisen hatten sich die Japaner als besonders robuste Konsumenten erwiesen. Im Jahr 2009 ist der Konsum aber eingebrochen (Tankan der BoJ: immer mehr Arbeitslose, Kaufzurückhaltung). Die Japaner sind zu Sparfüchsen und Schnäppchenjägern geworden. Es ist ein Trend zur Knausrigkeit zu beobachten. Die Konjunkturprogramme 2008/2009 umfassen 17,7% des BIP, damit ist Japan Weltspitze. 8,7% beträgt der Anteil Japans an der globalen Wirtschaftsleistung 2010. 1990 waren es noch 14,3%. "Japans Wirtschaft stürzte von einer Klippe in ein tiefes Tal und watet nun im Nebel durch Morast", Miyako Sudo, Direktorin der Bank von Japan. Wirtschaftswachstum: 2010 3%, 2009 -5,2%, -0,7% 2008; +2 % im Jahre 2007 (2,2 % im Jahre 2006, 1,9% 2005; 2,3% 2004; 1,4% 2003). Die Prognose für 2011 liegt bei 1% (nach Atomkatastrophe nur noch 0,6%). In der Weltwirtschaftskrise gingen einige Institute auch von noch negativeren Zahlen aus. Vor allem bricht der Export weg. Erst im zweiten Quartal 2009 wächst das BIP wieder mit 0,9% nach fünf Minusquartalen, im dritten Quartal um 0,7%. Auf dem Innovationsindikator des DIW liegt Japan auf dem 5. Platz von 13 Ländern (einen Platz vor Deutschland). Der Konsum (er macht ca. 60% des BNA aus) stieg 2006 um 1,1% ebenso wie die Exporte; am stärksten stiegen die Internehmensinvestitionen mit 2,2%. Zur Wirtschaftswunderzeit zwischen 1951 uns 1960 betrug das durchschnittliche Wirtschaftswachstum 8,7% (D: 8,5%). Größte Beitrag vom Außenhandel, steigende Investitionen, während der Konsum bremst. Die Dienstleistungsbranche boomt. "Entwickelte Länder wie Japan und Deutschland mit hohem Lebensstandard sollten aus ethischen Gründen ihr eigenes Wachstum zurückstellen, auch wenn das schwierig ist", Kazuo Inamori, Kyocera-Gründer und Stifter des Kyoto-Preises. Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt: 66,26 Mio. Erwerbstätige, 66% im Dienstleistungsbereich (2005, zum Vergleich Deutschland: 71%), Arbeitslosenquote 2010 5,1% wie 2009; 2007 3,9% (4,2% 2006, 4,4% 2005, 4,7% 2004, 5,3% 2003); die ALQ der 15-24-jährigen war mit 9,5% 2004 am niedrigsten (zum Vergleich Frankreich: 36,2%; D: 11,7%). 2007 lag die ALQ bei 3,8% (im November 2008 bei 3,9%; im Februar 2009 bei 4,1%, ca. 3 Mio. Arbeitslose, März 09 5,6% , Sommer 09 5,7%, Nov.09 5,2%). Für 2009 insgesamt liegt die ALQ bei 5,1% (Prognose für 2010: 6%). Doch die Zahl täuscht, da die Zahl der Teilzeitarbeiter und Tagelöhner sowie Altersarmen rapide gewachsen ist: es gibt ein wachsendes Heer von Teilzeitkräften (40%?) und Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen und schlechter Bezahlung (bereits 1/3?). Seit 2001 dereguliert auch Japan seinen Arbeitsmarkt (vor allem Lockerung des Kündigungsschutzes). Der traditionelle Arbeitsmarkt war durch lebenslange Beschäftigung, Senioritätsprinzip und Unternehmensgewerkschaften gekennzeichnet. Die Deregulierung wurde notwendig wegen Überschuldung vieler Unternehmen, hohe Kosten, steigendem internationalen Wettbewerb und Wandel der Mentalität in Japan. 2009 sollen nach Schätzungen 1,5 Mio. ihren Arbeitsplatz verlieren; bis März 2009 trifft es schon 400.000. Die Zahl der Haushalte, die von Sozialhilfe leben, ist in den letzten 10 Jahren um 37% auf über eine Million gestiegen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Der Niedriglohnsektor breitet sich systematisch aus. Durchschnittlicher Bruttolohn/Monat in € 2778 (Mittelwertproblematik!). Ein Drittel aller Beschäftigten hat nur befristete Arbeitsverträge. Reformen auf dem Arbeitsmarkt sind weiterhin dringend notwendig (hohe Einstellungsbarrieren und hohe Kosten von Entlassungen). Das Mindestalter für die staatliche Rentenversicherung wird vorübergehend von jetzt 60 auf 65 heraufgesetzt. Ein neues Gesetz regelt die Weiterbeschäftigung von Senioren: Firmen müssen ihre Mitarbeiter bis 65 weiterbeschäftigen oder sie wiedereinstellen (Betriebszugehörigkeit wird nicht angerechnet, deshalb billiger). Als Folge von Arbeitslosigkeit treten in Japan häufig Hikikomori, ein vollkommenes Rückziehen aus der Gesellschaft, und Selbstmord auf. 2008 soll die Zahl der Selbstmorde über 32.000 liegen. Nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise leidet Japan unter einer Entlassungswelle. Seit Oktober 2008 haben 160.000 Menschen ohne Festanstellung ihren Job verloren. 400 Mrd. Yen (3,2 Mrd. €) sollen aus dem Konjunkturprogramm in den Arbeitsmarkt fließen. Wer als Zuwanderer in Japan freiwillig ausreist, bekommt eine einmalige Zahlung von umgerechnet 2300 € ("Abwrackprämie"). Überwiegend richtet sich das Angebot an "Latino-Japaner", die in ihrem Stammbaum japanische Wurzeln hatten (etwa 400.000 Menschen). Mittlerweile lebt 2009 schon jeder sechste Japaner unterhalb der Armutsgrenze. Die Wirtschaftsstrategie der der neuen Regierung 2009 sieht zwei Prozent Wirtschaftswachstum jährlich in den nächsten 10 Jahren mit vier Millionen neuen Arbeitsplätzen vor allem in Gesundheit, Umweltschutz und alternativen Energien vor. Die japanischen Manager wollen ihre Gehälter nicht offen legen (bekannt: C. Ghosn, Nissan 891 Mio. Yen, 8,05 Mio. Euro, Vorstandschef). Inflationsrate/ Budgetsaldo: ca. -10% 2011, -0,9% 2010, -1,4% 2009; (0,1% Durchschnitt 2007, 0,3% 2006 -0,3% 2005, 2004: 0,0%). Deflation damit kaum beendet. Budgetsaldo: -2,4 2006 (-6,4 2005; -7,2 2004, in % des BIP); im ersten Quartal 2008 steigen die Preise jedoch schon um 4,7% (stärkster Anstieg seit 27 Jahren, Hauptfaktor Ölpreis). Das neue Investitionsprogramm umfasst 380 Mrd. €. Im Februar 2010 sanken die Verbraucherpreise um 1,2%. Japan fällt zurück in eine Deflation. Die Neuverschuldung 2009 wächst auf 326 Mrd. € (44 Bill. Yen), dies sind etwa 7% des BIP. Gegensteuern will man mit einer Verdopplung der Verbrauchsteuern auf 10%. Das Defizit für 2010 soll 44,3 Billionen Yen betragen. Der Gesamtschuldenstand in % des japanischen BIP beträgt 2008 197%, 2009 200%. 2010 sind es 204,2%. 2011 werden 229% geschätzt. 2007 betrug die Gesamtverschuldung noch 180,3%. Haushaltssanierung stagniert, wird mit dem Konjunkturprogramm Ende 2008 wieder aufgegeben. Das Haushaltssaldo liegt 2010 bei -9%, 2009 bei -10,3%. 2011 kassiert Standard & Poor`s das Top-Rating für Japan. Im August des gleichen Jahres folgt Moody´s. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe verschärft die Schuldenproblematik. Umwelt: , CO2-Emissionen pro Kopf in t 2006: 9,8 (insgesamt: 1236 Mio. t 2007, D: 798 Mio. t, 10,0 t pro Kopf)); Waldzu-/abnahme in % 1990-2000: +- 0. Umweltabgabe mit Kompensationssystem im Großraum Tokio (Verursacher zahlen nach dem Anteil an den Gesamtemissionen ein), ansonsten starke Verbreitung von Kooperationslösungen. Japans Immobilienmarkt (einer der weltweit größten) hat seine Krise vorläufig überwunden. Gefährlicher gelber Staub aus China (feiner Sand aus der Wüste Gobi, der sich mit den Abgasen aus chinesischen Firmen vermischt) bedeckt vereinzelt Teile von Japan. Bis zum Jahre 2050 sollen die Treibhausemissionen um 60 bis 80% gesenkt werden.2008 fängt Japan an, das Emissionshandelssystem zu testen. Deutsche und japanische Städte kooperieren beim Klimaschutz ab 2008: Nahverkehr, Städteplanung, Energieeffizienz, Kraft-Wärme-Kopplung. In der Umweltpolitik gibt zwei moderne Zertifikats-Handelssysteme: Einmal das "Japanese Voluntary Emission Trading System (JVETS) und das "Emission Trading System of the Tokyo Metropolitan Government". 2010 muss die Regierung ein Klimagesetz nach Protesten aus der Industrie entschärfen: Handel mit Emissionen mehr Spielraum für den Ausstoß von Treibhausgasen durch fehlende Begrenzung des Emissionsvolumens. Ende 2010 wird sogar die Ausgabe von Zertifikaten vorerst eingestellt. "Leute, kauft Hybrid-Autos von Toyota", Renate Künast, Grünen-Fraktionschefin im Bundestag. Im Dez. 2009 findet in München ein Deutsch-Japanisches Wirtschaftssymposium über Kooperation im Bereich Umwelt statt. Energie/Rohstoffe: Energieverbrauch pro Kopf in kg ÖE 2002: 4058. Ein schweres Erdbeben beschädigt Mitte 2007 die weltweit größte Atomanlage im nordjapanischen Kashiwasaki, so dass Radioaktivität austreten kann. Die Informationspolitik ist mangelhaft. Die Atomkraftwerke liegen auf felsigem Untergrund und sind durch Mauern gesichert. Sie werden bei Beben automatisch heruntergefahren. Bisher gab es in den Atomkraftanlagen 97 schwerwiegende Vorfälle. Die 54 Atomkraftwerke decken etwa ein Drittel des Strombedarfs (30%). Der älteste Reaktor ist von 1970. 12 sind noch in der Planung. Durch das schwerste Erdbeben, was Japan je erlebt hat, 2011 werden vier Atomkraftwerke schwer beschädigt. In einem, Fukushima Daiichi, setzt eine Kernschmelze ein. Radioaktives Cäsium, Plutonium, Jod und Strontium wird freigesetzt. Die Präfektur Fukushima im Nordosten Japans ist das Herz der japanischen Atomindustrie (Fläche von Schleswig-Holstein, 2 Mio. Menschen). Dem Land droht eine anhaltende Energieknappheit. Im März bricht die Industrieproduktion um 15,3% ein. Insgesamt soll das Wachstum der Wirtschaft 2011 nur noch 0,6% betragen. Japan ist ein sehr rohstoffarmes Land. In der Provinz wird Strom teilweise mit regenerativen Energien erzeugt. Beispiel ist die Stadt Kuzumaki in der Provinz Iwate. Hier stehen Windräder in 1000 Meter Höhe. Ein Großteil der Erdölimporte kommen aus dem Iran. Nach der Naturkatastrophe in Fukushima verordnet die Regierung der Wirtschaft einen Sommer-Stromsparplan für 2011. Auch soll ein Stresstest aller Atomkraftwerke durchgeführt werden. Viele Japaner sind skeptisch, da Regierung und Atomwirtschaft zu eng verwoben sind. Man spricht in Japan vom "Atomdorf", das ein Geflecht von Tepco und Politik darstellt. Prüfbericht der Atomkraftwerke wurden systematisch gefälscht. Mitte 2011 werden aber zahlreiche Beamte im Energiesektor entlassen. Die Aufsichtsbehörde soll unabhängig angesiedelt werden. 2012 wird die Laufzeit der Atomkraftwerke durch ein Gesetz auf 40 Jahre begrenzt. Ab Mai 2012 muss Japan für einige Zeit ohne Atomkraft auskommen, weil einige Wartungen anstehen. Außenwirtschaft: 2010 Exporte 770 Mrd. Dollar. 2009 Exporte in Höhe von 545 Mrd. $ (2008 Exporte in Höhe von 783 Mrd. $, 2007 Exporte im Wert von 713 Mrd. $. Exporte 2006 ca. 7000 Mrd. Yen, 598,2 Mrd. $ 2005; 538,8 Mrd. $ 2004), Zunahme der Exporte 2006: 9,6%; 19% Kfz, Kfz-Teile; Zunahme der deutschen Exporte nach Japan 2004: 6,8% (Anteil an allen deutschen Ausfuhren: 1,7%; Anteil Einfuhr: 3,4%); deutsche Exporte nach Japan 2007 13,1 Mrd. € (2006: 13,9 Mrd. €), Importe aus Japan 2007 24,1 Mrd. € ( 23,7 Mrd. € 2006). Anteil der Exporte in die USA 25%. Importe: ca. 6000 Mrd. Yen 2006 (518,6 Mrd. $ 2005); Japans Anteil am Welthandel 5,1% (2005 geschätzt, zum Vergleich: D 9%, USA 9,7%). 37% der Exporte gehen nach den USA und China: hohe Abhängigkeit. Japan erwirtschaftet 14% seines BIP durch Exporte. Die Exporte in die EU sind rückläufig: 1998 10,1% aller EU - Einfuhren; 5,6% 2006. Deutschland ist das wichtigste Exportland innerhalb der EU. Ende 2008 brechen die Ausfuhren Japans ein (in die Schwellenländer einschließlich China mehr als ein Viertel, in die USA mehr als ein Drittel). Gründe sind der starke Yen und die zurückgehende Nachfrage. Japan ist weltweit führend bei der Produktion und im Export von Industrierobotern. In Japan lagert eine riesige strategische Reserve an Thunfisch (35.000 t?). Auf riesigen Farmen werden die Fische nachgefüttert. Mit den Reserven werden auch die Einkaufpreise bei den Fischern gedrückt. Eine der ältesten protektionistischen Maßnahmen ist die Importbeschränkung für Reis. Gleichzeitig wird der Reisanbau in Japan hoch subventioniert. Insgesamt ist Japan aber wie kein zweites Industrieland vom Lebensmittelimport abhängig. Es wird deshalb besonders stark von steigenden Lebensmittelpreisen getroffen. Anfang 2009 hat Japan erstmals seit 13 Jahren ein Defizit in der Leistungsbilanz (Januar: 1,4 Mrd. €). Die Exporte sind um 14,1% zurückgegangen (um 45,7% zum gleichen Monat des Vorjahres). Immer mehr japanische Firmen produzieren im Ausland. Dies wird durch den starken Yen und die Katastrophe in Fukushima verstärkt. Vor allem die japanische Autoindustrie (18% des BIP) ist betroffen. 2011 hat Japan sein erstes Handelsbilanzdefizit seit 30 Jahren. Die Einfuhren überstiegen die Ausfuhren um 2492 Yen (25 Mrd. Euro, bei den Einfuhren Anstieg vor allem bei Rohöl und Flüssiggas; bei den Ausfuhren Rückgang bei Autos und Halbleiter). In Japan sind rd. 500 deutsche Unternehmen mit einer Produktionsstätte (Direktinvestition) vertreten. Die Zahl stagniert seit einigen Jahren. 2005 hatten die Direktinvestitionen aus Deutschland ein Tief (-900 Mio. €). Wenn sich die Konjunktur auf den Auslandsmärkten abkühlt, nehmen schnell die Schwierigkeiten im Inland durch den schwachen Konsum zu. Handelsbilanzsaldo 2006: 7937,3 Mrd. Yen. Ausländische Direktinvestitionen werden erleichtert. Bisher betrugen die ausländischen Direktinvestitionen nur 2,2% des jährlichen BIP (ein Achtel des deutschen Wertes). 6% aller deutschen Direktinvestitionen wurden in Japan getätigt, 2% aller japanischen Direktinvestitionen in Deutschland. Übernahmen in Japan sind jetzt auch per Aktientausch möglich. Energie und Telekommunikation bleiben aber weiterhin geschützt. Japan schließt 2006 einen Wirtschaftspakt mit Indien (gegen China). Unter anderem sollen die japanischen Investitionen in Indien erhöht werden. Ziel ist ein Freihandelsabkommen. Japan schließt eine Reihe von weiteren bilateralen Freihandelsabkommen mit anderen asiatischen Staaten: Thailand, Malaysia, Singapur. In Vorbereitung sind Abkommen mit Indien, Vietnam und den Philippinen. Ein Handelsverbot für die bedrohte Thunfischart "Blauflossenthunfisch" könnte die Sushi - Gerichte beeinflussen. Freihandelsabkommen mit weiteren Pazifikstaaten und der EU stoßen auf den Widerstand der heimischen Agrarlobby. In Deutschland sind die Interessen sehr unterschiedlich: die japanische Autoindustrie muss 10% Importzölle zahlen, was gut für die deutschen Werke ist. Die japanische Regierung nimmt 2,4% bei Chemikalien. 2011 beginnt man mit dem Aushandeln eines Freihandelsabkommens mit der EU (Japan sechstgrößter Handelspartner). Japan ist auch dazu gezwungen wegen des Freihandelsabkommens der EU mit Süd-Korea (damit fallen 8% Zoll für EU-Exporte nach in das Land weg). 2012 lockert Japan sein Waffenexportverbot. Lange Zeit gab es in der chinesischen Sprache kein Schriftzeichen für "Nation". China hatte sich immer als Reich verstanden, dem die ganze Welt gehört. Erst als das Land im 19. Jahrhundert erstmals vom Westen besiegt wurde, musste das neue Wort "Guojia" (die Nation; wörtlich: die Familie, die innerhalb schützender Grenzen lebt) geschaffen werden. Diese Daten können Sie selbst bei den Institutionen unter Links (auch speziell Ostasien) abrufen. Besonders hervorzuheben sind die Länderprofile des Statistischen Bundesamtes (PDF, Online) und das Wirtschaftshandbuch des OAV. Im Rahmen der VWL - Lehrveranstaltung "Internationale Wirtschaft/ International Economics" beziehe ich diese empirische Ebene mit ein. "Durch Protektionismus ist noch niemand wettbewerbsfähiger geworden. Wir brauchen Einbindung, nicht Ausgrenzung Chinas", Herbert Hainer, Adidas-Vorstandsvorsitzender. "Nicht nur Chery, sondern auch andere chinesische Wettbewerber werden ihre Produkte in Amerika oder im Rest der Welt verkaufen, mit uns oder ohne uns", Dieter Zetsche, Daimler-Chrysler-Chef (über den möglichen Kooperationspartner und Chinas Autoindustrie).
Der Lotos ist ein Symbol der Reinheit. Im Buddhismus symbolisieren Frucht, Blüte und Stengel Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. "Wer gut zu führen weiß, ist nicht kriegerisch. Wer gut zu kämpfen weiß, ist nicht zornig", Laotse: die Weisheit des Tao Te King (Begründer des Daoismus bzw. Taoismus). China: (direkt zu Japan) Geschäftsmodell des Interessenausgleichs: Verkauf von Marktanteilen gegen Technologie und Know-how-Transfer (Marktchancen gegen Wissen; Gefahr der Produktpiraterie bei geringen rechtlichen Sanktionsmöglichkeiten). Motto: "Von anderen lernen und es dann besser machen", Zhang Ruimin, Gründungs-Chef von Haier. Gutes Beispiel auch: Dongfang Electricial Maschinary. Dieses Geschäftsmodell resultiert aus dem kulturellen Wert des Interessenausgleichs. Die chinesischen Geschäftspartner definieren exakt ihre Interessen, respektieren aber auch die des Partners. Dann nähert man sich niemals direkt, sondern andeutungsweise in kleinen Schritten dem gemeinsamen Ziel. Zizhu Chuangxin - unabhängige Innovation - wird die intelligente Weiterentwicklung ausländischer Expertisen genannt. Investitionen und Ausschreibungen werden auch 2010 noch mit Technologietransfer verknüpft. Auch der Zugang zu seltenen chinesischen Rohstoffen könnte mit Bedingungen verbunden werden. "Unsere Technologie ist eine Re-Innovation auf Basis fortschrittlicher Entwicklungen des Auslands, die wir angepasst haben", Liu Zhijun, chinesischer Eisenbahnminister, über Eigenentwicklungen bei Hochgeschwindigkeitszügen. Konkubinenwirtschaft: Zwang für ausländische Konzerne, Gemeinschaftsunternehmen mit demselben chinesischen Mutterkonzern zu bilden (Sieren, F.: Der China Code, a. a. O., S. 23). Dies wird mit einem Arsenal von nicht-tarifären Handelshemmnissen erreicht. Dabei werden die ausländischen Unternehmen auch als Vorbild gesehen: "Spiele Schach nur mit dem Meister", chinesisches Sprichwort. In seinem neuen Buch "Der China Schock (Berlin 2008) spricht Sieren von der "Mutter-Courage-Okonomie": China engagiert sich in armen und schwachen Ländern, um an die Rohstoffe herankommen (S. 32). Dies ist allerdings zu einseitig gesehen, denn "development is business" und oft effizienter als Entwicklungsbürokratie. "Es geht der chinesischen Regierung eindeutig um den Zugriff auf moderne Technologien. Dadurch könnte New Opel in eine gefährliche Abhängigkeit vom chinesischen Staat geraten", internes Regierungsgutachten zum chinesischen Autobauer BAIC (zitiert nach Wirtschaftswoche 30/2009, S. 110). Targeting: Strategie einiger chinesischer Unternehmen, weltweit Zukunftsmärkte zu erobern. Es bedeutet so viel wie Anpeilen, Angreifen, Ausschalten. Dies wird mit Staatshilfen unterstützt. Als Beispiel gilt Huawei, eine Netzausrüsterfirma, die mit Brachialmethoden versucht, in Frankreich, Schweden und Deutschland Fuß zu fassen (Wirtschaftswoche, 12/2010, S. 40ff.). "Ich bewundere beispielsweise die langfristige Perspektive in der chinesischen Politik, von der wir uns durchaus auch etwas abschauen können", Peter Löscher, Siemens-Chef. Entrepreneurship von Natur aus: Geschäftsinn, Basar-Handeln und erfolgreiches wirtschaftliches Verhalten sind Bestandteil der chinesischen Kultur (Hirn, W.: Herausforderung China, a. a. O., 51 ff.). Motto: einfacher, billiger und schneller. Es fehlen oft von der Kultur her die Kreativität und Kritikfähigkeit, aber auch die Qualität. Noch sind Chinas Unternehmen relativ innovationsarm. Eine andere Ursache für diese Eigenschaften ist die starke Kontrolle, die in allen Bereichen des Lebens zu spüren ist ("Großer Wandel - wenig Veränderung"). So verschieden sind die wirtschaftsethischen Prinzipien der Kulturen nicht, so dass man auch nicht nach dem Prinzip "anything goes" agieren sollte. Da sich Rahmenbedingungen für Unternehmen oft über Nacht ändern, ist große Flexibilität erforderlich. Eiserner Reisnapf und Eiserner Sessel: aussterbende Prinzipien der Planwirtschaft, die lebenslange Beschäftigung in einem Staatsbetrieb mit Rundum -Versorgung bedeuten. Sie werden Schritt für Schritt durch die Entwicklung eines Sozialversicherungssystems aufgefangen (Lohnnebenkosten!). Das seit 1958 bestehende Hukou - System gilt dagegen noch: es regelt die sozialen Pflichten und Rechte einer Person in Verbindung mit rigiden Mobilitätsbeschränkungen nach Wohnort und Herkunft des Bürgers. Es wurde 1958 eingeführt, um die Bauern nach der Kollektivierung daran zu hindern, in die Städte zu flüchten. Danwei (Einheit von Familie und Arbeitseinheit usw.) und Guanxi (Beziehungsnetz) üben einen starken Einfluss aus. Z. B. bringen die Kredite der Auslandschinesen an Angehörige im Land die Wirtschaft immer wieder in Schwung. Auch sind viele Privatunternehmer auf die Hilfe ihrer Familie und Freunde angewiesen, da sie bei staatlichen Banken nur schwierig Kredite bekommen. Die Danwei - Philosophie führt dazu, dass der Wert des Einzelnen als begrenzt angesehen und das Individuum nur in seiner Funktion als Teil eines sozialen Verbandes wertvoll betrachtet wird. Konfuzianismus: Er prägt noch immer die Beziehungen der Menschen: Respekt des Jungen gegenüber dem Alten, des Untertanen gegenüber dem Fürsten, der Frau gegenüber dem Mann ("Die Tugend des Herrschers ist die des Windes, die Tugend des Volkes ist die des Grases", Konfuzius; gilt auch für Unternehmenshierarchien: führt zu geringer Machtdistanz). Insofern wird in China viel mehr Wert auf Hierarchie gelegt. Auf den Konfuzianismus gehen generell die Werte "Hierarchie" und "Harmonie" zurück. Motto: "Weise ehren, Fähige beauftragen, Unfähige ausbilden", Konfuzius (Tugend "zhi"). Der Konfuzianismus ist auch eine wichtige ideelle Grundlage für das Nachahmen und die Produktpiraterie: "Wer nicht auf den Spuren anderer wandelt, kommt nicht ans Ziel", Konfuzius. Die Kulturstandards "Gesicht wahren", "Etikette", "Geduld" (geduldiges Warten) und "indirekte Gespräche" werden auch im Geschäftsleben gewahrt. Das Personalmanagement muss durch tägliche Instruktionen den größte Teil der Managementzeit beanspruchen. Dabei müssen Ausländer auf Augenhöhe mit den Chinesen agieren, d.h. sie aufgrund ihres Andersseins nicht schlechter behandeln. (vgl. Kausch, U.: China Pioniere, Frankfurt/ New York 2007, 267ff.). "Asiatische Werte sind international, europäische Werte sind europäisch", M. bin Mohammad, Premier von Malaysia. Yin und Yang: sie stehen für das Schöpfungsprinzip und das bipolare Spiel zweier Urkräfte. Die Lehre des Yin und Yang sind Bestandteile des Daoismus. Situation Pull versus Vision Push (Fussy Vision), Donald Sull, London Business School: die ständigen Umwälzungen und extremen Unsicherheiten haben einen kulturellen Lernprozess ausgelöst, der dem chinesischen Manager einen Vorsprung im "Erspüren, Antizipieren und Prioritäten setzen" gibt. Insgesamt ordnet man chinesische Verhaltensweisen eher dem Prinzip "Yin" zu, das durch ganzheitliches, integrierendes und intuitives Denken in Netzwerken gekennzeichnet ist. Verhandeln: Grundsätze sind Freundlichkeit und Undurchsichtigkeit. Dazu kommt Flexibilität. Als Vorbild wird oft der Strategieklassiker "Kunst des Krieges" von Sunzi (5.-4. Jh. v. Chr.) genommen. Angestrebt wird in der Regel ein eher informeller Vertrag, der gegenseitiges Vertrauen voraussetzt (hier kommt das andere Rechtsverständnis der Chinesen zum Ausdruck). "Dass China heute plural ist, das ist auch der westlichen Wirtschaft zu verdanken. Wann immer ein Unternehmen aus Europa oder den USA in China investiert, bringt es seine Werte mit", Frank Sieren im Handelsblatt, 30.04. 2011, S. 10. "Beobachtet die Lage ruhig. Steht fest zu eurer Position. Antwortet vorsichtig. Haltet unsere Stärken verborgen. Versteckt unsere Schwächen. Wartet auf die günstige Gelegenheit eines Comebacks. Beansprucht nie die Führerschaft", Deng Xiaoping. Lean Production: Schlanke Produktion wurde von dem Toyota Ingenieur Taiichi Ohno in den 50er Jahren entwickelt. Sie besteht aus den Komponenten Just-in-Time, Vereinfachung des Arbeitsvorgangs und der Arbeitsorganisation (Automatisierung, jidoka), Verbesserungsvorschläge und Total-Quality-Management (TQM). Die Fertigung steht im Zentrum des Unternehmens; wichtig ist auch die Zulieferer-Endhersteller-Beziehung. Der bekannteste "Guru" der Unternehmensführung von internationalem Format ist Kenichi Ohmae, geb. 1943. Seine vielen Bücher sind voller japanischer Beispiele zur Unternehmensführung. Zitat von ihm aus seinem Buch "Die neue Logik der Weltwirtschaft, Frankfurt 1994": "Die zentrale Aufgabe des Managements wird es in Zukunft sein, die Produktpalette am Interesse des Konsumenten auszurichten, der dann der wirkliche Souverän des globalen Marktgefüges ist" Kaizen: Ständige Verbesserung und Änderung wurde von Massaki Imai entwickelt, ursprünglich in der Fertigungstechnik. Es beinhaltet ein konsequentes Innovationsmanagement, das in permanenter Produktverbesserung und Verbesserung aller betrieblichen Prozesse besteht (die Japaner besitzen eine besondere Fähigkeit darin, Fehler zu erkennen und zu korrigieren). Es ist eine Art Führungsphilosophie, die insbesondere Verschwendung verhindern und Lernprozesse fördern soll. Die Prozessorientiertheit ist ein besonderes Merkmal der japanischen Produktion. Verbunden damit ist das Ringi Seido - Prinzip, wonach lediglich der Anstoß von oben kommt und ein Umlaufverfahren entsteht (der große Vorteil liegt in der Durchsetzbarkeit). "Geht mit den Menschen um wie mit Holz: um eines wurmstichigen Stückchen willen, würdest Du nie den ganzen Stamm wegwerfen", Japanisches Sprichwort. Geschäftswelt: Wie in ganz Asien ist das persönliche Netzwerk oft Voraussetzung für Geschäftserfolge. Auch informelle Informationsflüsse sollten genutzt werden. Visitenkarten sind Dokumente der Identität. "honne" (wahre Absicht) und "tatemae" (Fassade) prägen die Verhaltensmuster, ebenso das Vermeiden eines klaren Neins (iie). Die Übergänge zwischen Arbeitszeit, die recht lang ist, und Freizeit sind oft fließend. Pünktlichkeit ist ungeschriebenes Gesetz: lieber fünf Minuten zu früh als zwei zu spät; sonst verliert der Wartende sein Gesicht. Dies ist wichtiger Ausdruck von Selbstbeherrschung und Selbstformung, die insgesamt prägend sind. In Japan herrscht auch eine sehr hohe Aufnahmefähigkeit gegenüber Wissen aus anderen Ländern (Wissensmanagement). Das älteste japanische Unternehmen und auch älteste Familienunternehmen der Welt ist "Kongo Gumi", gegründet 578, Baugewerbe. Nemawashi: der japanische Ausdruck für das allgegenwärtige Streben nach Konsens und Harmonie gilt als einer der Hauptgründe für den wirtschaftlichen Aufstieg nach dem 2. Weltkrieg. Shitsurei - Entschuldigen Sie. Das Senioritätsprinzip wird traditionell immer noch hoch geschätzt, wenn es auch in großen internationalen Unternehmen im Abbau begriffen ist Es geht wie Gruppengeist und Loyalität unter anderem auf die Samurai zurück, die auch die Gründer einiger erfolgreicher Firmen waren (z. B. Honda, Mitsubishi). Arbeitsbeziehungen: geprägt durch Gewerkschaften mit betrieblicher Tarifpolitik, Trennung von Stamm- und Randbelegschaft und Teamorientierung. Arbeiter werden eher ganzheitlich eingesetzt (Generalisten). Es besteht eine starke Verbundenheit zum Unternehmen. In hierarchischen Organisationen ist die konfuzianische Ethik maßgebend: Gefolgstreue gegenüber dem Herrn und Übertragung des Vater-Sohn-Verhältnisses. Langfristiges Denken und Planen: aus der Sicht, dass zuerst die Mitarbeiter, dann die Aktionäre kommen. Unterschied zu USA und EU. Alle Geschäftsbeziehungen werden langfristig angelegt. Verbunden oft mit "Amöbenmanagement": von Kazuo Inamori, dem Gründer von Kyocera, entwickelte Unternehmensphilosophie, in der alle Unternehmensteile eigenverantwortlich arbeiten müssen. Das Entscheidungsverhalten in japanischen Unternehmen wird von Wertvorstellungen, Familienkonzept, Gruppenideologie und Harmonie beeinflusst (Rothlauf: Interkulturelles Management, München/ Wien 2006, 397). Entscheidungsprozesse sind durch Kyodotai geprägt, d. h. eine organische Zusammenarbeit einer Gemeinschaft bei gegenseitiger verständnisvoller und freundschaftlicher Unterstützung. Sie beruht auch auf einer enorm hohen Kooperationsfähigkeit. Diese zeigt sich auch bei den erfolgreichen Industrieclustern (vor allem in der Automobilindustrie). Die effizienten Netzwerke von Produktionsfirmen und Zulieferbetrieben können helfen, Produktionsverlagerungen und Outsourcing abzumildern. Sehr erfolgreich ist auch die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft. Keiretsu: eine Finanzgruppe hat eine Mehrheitsbeteiligung an einer Reihe von Unternehmen. Gruppen von Unternehmen werden auch durch wechselseitige Beteiligungen verbunden. Die Beteiligung kleiner Investoren ist weiter verbreitet als in Deutschland. Karoshi-Syndrom: Tod durch Überarbeitung. Schon 10.000 Menschen sollen in Japan an diesem Syndrom oder Selbstmord aufgrund von Überarbeitung (Karojitsatu) gestorben sein. Auslöser sind die unbezahlten Überstunden, die in keiner Statistik auftauchen. "Niemand hat Japan jemals beschuldigt, es einem leicht zu machen, Japan zu verstehen", Winston Churchill.
"Dass Keime nicht zu Blüten werden, ach, dass kommt vor. Dass Blüten nicht zu Früchten werden, ach, dass kommt vor", Konfuzius. "Wenn man ein Fenster öffnet, dann kommt nicht nur frische Luft hinein, sondern auch Fliegen", Deng Xiaoping. China: (direkt zu Unternehmen, Japan bzw. zu Direktinvestitionen) Produktpiraterie: Für ausländische Firmen, insbesondere den deutschen Maschinenbau, ist die Produktpiraterie ("Produktpiraterie wird zum größten Verbrechen im 21. Jahrhundert", M. L. Cattaui, Ex-Generalsekretärin der internationalen Handelskammer) besonders bedrohlich. Bei ca. 47% der in Deutschland beschlagnahmten Waren ist das Herkunftsland China (Kosten ca. 30Mrd. €). Mit 50 Beschwerdeagenturen und der Ansiedlung des Problems bei der Vizepremierministerin versucht die Regierung, eine Lösung zu erreichen. Bislang liegt die Umsetzung in den Provinzbehörden, die aber ein noch größeres Interesse daran haben, dass die Fabriken der Region möglichst erfolgreich produzieren (nach dem Motto: "Peking ist weit und die Berge sind hoch"). Innerhalb des Jahres 2005 wurden in China 2600 Produktpiraten festgenommen, der Umgang mit dem geistigen Eigentum macht insbesondere den ausländischen KMU Problemen. MAN verklagt die chinesische Firma Zongda wegen Kopie eines Busses; der Prozess gilt als Richtung weisend. Mittlerweile gibt es einen internationalen Kongress gegen die Verletzung von Patent- und Markenrechten (am 31.01.07 3.Treffen in Genf). Im Jahre 2007 ziehen die USA China wegen mangelnden Schutzes geistigen Eigentums vor die WTO. In China selbst sind ca. 80% der gerichtlichen Auseinandersetzungen, in denen es um Produktpiraterie geht, einheimische Fälle. In Deutschland gilt ab 01. 09. 08 ein neues Gesetz, das neue Möglichkeiten bei der Beweisbeschaffung und Beweissicherung bietet (Auskunftsansprüche). Die optimale Strategie zur Sicherung von Wissen hängt vom technischen Niveau des Gastlandes ab. In entwickelten Staaten greift der Patentschutz, in Schwellenländern ist Geheimhaltung besser. Manche Fälle der Nachahmung tragen auch eher zur Belustigung bei: zum Beispiel die Rolls Royce-Kopie von Geely. Man könnte sie als ironische Provokation betrachten. Nach einer EU-Zollstatistik kommen 2010 67% aller Fälschungen aus China. Es gibt eine steigende Tendenz, vor allem in der Automobil-, Telekom- und Gesundheitsbranche. 2011 ist eine Trendwende bei der chinesischen Rechtsprechung zu beobachten. Immer öfter werden auch einheimische Marktverletzer verurteilt. Als Vorbild gilt der Beijing First Intermediate People´s Court, der 2011 chinesische Unternehmen wegen der Verletzung von Marken- und Patentrechten verurteilte. Als Ursache für die Verbesserung wird die Einrichtung spezieller Kammern gesehen. In der Vergangenheit war die Rechtsprechung zugunsten einheimischer Unternehmen vor chinesischen Gerichten. Die Gerichtskosten sind relativ niedrig in China. In den westlichen Provinzen ist eine Durchsetzung von Rechtspositionen nach wie vor schwierig (Fünfjahrespläne). Dies gilt aber sogar auch für viele Staaten der USA. Die EU (Technologie-Kommissar Antonio Tajani) erwägt mittlerweile 2010 eine Genehmigungsbehörde für sensible Firmenverkäufe, wie sie die USA bereits hat. Sie soll den Abfluss von Spitzentechnologien an China verhindern. Besonders gefährlich für europäische Unternehmen ist die Regelung, dass sie ihre Technologie offen legen müssen, wenn sie in China an Staatsaufträge kommen wollen. 2011 schließen acht Länder ein Abkommen gegen Produktpiraterie: USA, Japan, Australien, Kanada, Neuseeland, Marokko, Südkorea, Singapur. Die EU, Mexiko und Schweiz wollen später beitreten. Die Obergrenze für US-Beteiligungen an Gemeinschaftsunternehmen in China soll von 33 auf 49 Prozent angehoben werden. "Sie sind als Hersteller erst richtig gut, wenn ihre Produkte gefälscht werden", Kim-Eva Wempe, Chefin der Juwelier-Kette Wempe. Immer mehr chinesische Unternehmen haben Direktinvestitionen in Deutschland. Bekannte Beispiele sind Rossmann (40%), Esprit, Goldpfeil und Junghans (Schweiz). Zunehmende Bedeutung haben auch Direktinvestitionen in Logistik (z. B. Hafen von Piräus, Griechenland). Dies gilt natürlich auch umgekehrt für deutsche Logistik-Firmen in China (Duisport packing logistics, Deutsche Post u. a.). Ende 2011 fallen die ausländischen Direktinvestitionen in China um über 9% (das erste Minus seit 2009). Chemische Industrie: Das Umsatzplus der BASF in China 2007 beträgt gut 10%. Ende September 2005 nahm die BASF (seit 120 Jahren in China) ihren Verbundstandort Nanjing in Betrieb, er soll erweitert werden (in den nächsten Jahren sollen 577 Mio. € zusammen mit Sinopec investiert werden; Steamcracker). 2009 wird der Standort zusammen mit Sinipec mit 1,4 Mrd. $ wieder erweitert. Die BASF baut zusammen mit Huntsman und drei chinesischen Unternehmen eine zweite Anlage zur Produktion von MDI (Kunststoff-Vorprodukt, bis 2010, 1. Anlage am 10.08.06 eingeweiht). In Shanghai entsteht eine neue Produktionsanlage der BASF für hochreine Chemikalien. Die BASF kauft Ende 2006 ein Werk für Motorrad-Katalysatoren im südchinesischen Guilin. Die BASF erweitert ihre Katalysatoranlagen in China (Shanghai, Marktführer in Asien). Sie kauft ebenfalls den chinesischen Betonzusatzmittel-Hersteller Hi Con. In der westchinesischen Provinz Chongqing am Drei-Schluchten-Damm plant die BASF eine Großinvestition mit einer Kunststofffabrik. 2011 kommt die Genehmigung zum Bau der Großanlage (300 Arbeitsplätze, 860 Mio. €). Im März 2007 legt die BASF eine Anlage zur Produktion elastischer Fasern im Chemiepark Caojing bei Shanghai still, für die im Oktober 07 die Betriebsbereitschaft wiederhergestellt wird. 09. 2009 wird über eine Beteiligung chinesischer Firmen (Petrochina, CIC) an der BASF spekuliert. Bis 2020 will die BASF ihren Umsatz in der Asien-Pazifik-Region verdoppeln. Bis 2013 sollen 2 Mrd. € investiert werden (Plan 2009). Bayer investiert bis 2009 1,8 Mrd. $ in den Chemiepark bei Shanghai. Bayer beginnt 2008 mit dem Bau einer Großanlage für TDI in Shanghai (bis 2012 2,1 Mrd. €). Bis 2016 sind weitere Investitionen in Höhe von rund 1 Mrd. € geplant. 2011 macht Bayer 8,3% seines weltweiten Umsatzes in China. Der Konzern beschäftigt dort 9300 Menschen. Weitere Produktion soll nach China verlagert werden. Auch der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist stark in China vertreten. Die Produktion von Aspirin startete schon 1936 in Shanghai. Ab 2011 sollen bis 2015 weitere 1,5 Mrd. € in Sachanlagen investiert werden. Der Umsatz soll bis 2015 verdoppelt werden. Der Kosmetikhersteller Beiersdorf erklärt China zu seiner wichtigsten Wachstumsregion. 2010 belastet das Chinageschäft aber Beiersdorf. Die Strategie ist gescheitert. Ursache ist der Kauf der Haarpflegesparte des Mischkonzerns C-Bons 2007. Lanxess baut 2007 eine neue Anlage zur Herstellung von Schmierstoff-Additiven. Freudenberg eröffnet 2008 eine neue Fabrik für Spezialschmierstoffe und Formtrennmittel in der Nähe von Shanghai (in China beschäftigt die Firma insgesamt 3600 Mitarbeiter). Fuchs Petrolub baut seine Produktionsstätten in China aus. Novartis will Milliarden investieren (Pharmamarkt wächst zweistellig). Petrochina will mit BP kooperieren. Sinopec hilft dem spanischen Energieunternehmen Repsol im Brasiliengeschäft. Sinopec will China Gas feindliche übernehmen, was in China sehr selten ist. Bis 2015 soll China auf den zweiten Platz aller Märkte vorrücken (hinter den USA vor Deutschland). Evonik hat Probleme im Nordosten Chinas mit einer Chemiefabrik, bei der es 2009 eine Explosion gab (Krebsfälle?). Dienstleistungen: die Allianz verbündet sich mit dem größten Finanzkonzern Chinas (Citic Trust and Investment Company Ltd., die chinesische Regulierungsbehörde hat die Zusammenarbeit bei Lebensversicherungen genehmigt), zusammen mit Goldman Sachs und American Express geht die Allianz auch eine strategische Partnerschaft mit Chinas größtem Bankhaus ICBC ein (auch Goldman Sachs, insgesamt gibt ICBC 8,89% der Aktien ab). 2011 erhöht die Allianz die Beteiligung am chinesischen Versicherer China Pacific Insurance (Versicherungsmarkt wächst über 20% pro Jahr). ICBC bekommt im September 2006 die Genehmigung für den Börsengang Ende Oktober 2006 und stellt mit 22,0 Mrd. $ Volumen einen vorläufigen Rekord auf. Künftig will die Bank auch in den Geschäftsfeldern "Investment, Versicherungen und Leasing" aktiv sein. Seit 2005 gibt es eine Kooperation mit der Deutschen Bank im Investmentbereich. Das Börsendebüt der China Construction Bank im Oktober war nicht viel versprechend: sie konnte bei ihrer Erstnotiz an der Hongkonger Börse keinen nennenswerten Wertzuwachs erzielen, bis Sept. 2006 stieg der Kurs aber um 50%. Sehr erfolgreich verlief der Börsengang von ChinaLife, allerdings differieren die Kurse von Hongkong und Shanghai stark. Versicherer Ping An schafft 2007 nach der Börsenkrise einen guten Start an der Börse. Die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim beteiligen sich mit 14% an der Hua Xia-Bank. 2009 wird die Beteiligung erhöht. Die Deutsche Bank erhält als erstes deutsches Kreditinstitut 2008 eine Banklizenz. Sie kann damit über ihre Chinatochter künftig auch Dienstleistungen in der Landeswährung anbieten. Sie hat circa 550 Mitarbeiter in China. Asien wird zur Schlüsselregion erklärt. Die Deutsche Bank ist eine bewusste Alternative zu den amerikanischen Investmentbanken. China Pacific Insurance, drittgrößter Lebensversicherer Chinas, feiert in Shanghai ein glänzendes Börsendebüt. Die britische Großbank HSBC will die Zahl ihrer Filialen in China verdoppeln. Die China Merchants Bank kauft die Wing Lung Bank in Hongkong. Die China Development Bank will die Dresdner Bank von der Allianz kaufen, was jedoch scheitert. Die Olympischen Spiele pushen das chinesische Staatsfernsehen (CCTV) und den Werbemarkt. Die Bank of China steigt bei Rothschild in Frankreich ein (20% der Anteile). UBS trennt sich 2009 von den Anteilen an der Bank of China. Die Bank of East Asia steht vor dem Zusammenbruch. Die Bank of America trennt sich 2009 von ihren Anteilen an der China Construction Bank. Die Gastronomieketten "Nordsee" und "Käfer" wollen 2011 nach China. Die Citigroup will 2011 eine Kooperation mit der chinesischen Orient Securities eingehen. DHL, Deutsche Post-Tochter, trennt sich 2011 vom inländischen Expressgeschäft in China. Die Bank of America will ihre Anteile an der China Construction Bank 2011 verkaufen. UBS gerät in China unter Druck (auch wegen der Beteiligung an BYD). Computer/ Telekommunikation: Der Computerhersteller Levono, nach dem Kauf der IBM-Sparte der drittgrößte Computerhersteller der Welt, will 2006 Kosten in dreistelliger Millionenhöhe einsparen. Huawei (Telecom) ist das international wettbewerbstärkste Unternehmen Chinas. Das Internet - Unternehmen Google startet eine chinesische Web-Site, die die Zensurbestimmungen der chinesischen Regierung einhält (z. B. Taiwan, Demonstration 1989, Dalai Lama); der Konkurrent Yahoo soll gegen Geld persönliche Daten von Regimekritikern zur Verfügung gestellt haben. SAP kooperiert mit chinesischer Softwarefirma "Neusoft". Der Telekomausrüster Huawei beliefert den Netzanbieter Arcor . Chinas zweitgrößter Notebook-Hersteller Hasee legt seine Europa-Zentrale nach Berlin. Es wird die gesamte japanische Firma NEC kopiert. Intel darf Chipfirma bauen (2,5 Mrd. $). China Postel vergibt 2007 einen Auftrag von 1,9 Mrd. € an Nokia. Infineon will das Asiengeschäft ausbauen. Der chinesische Chip-Hersteller Grace Semicon beruft den ehemaligen Infineon - Manager Schumacher zu seinem Chef. Der Mobilfunkanbieter China Mobile ist mittlerweile Weltspitze. Der Reingewinn stieg 2007 um 37% auf 2,45 Mrd. €. Telefonica aus Spanien stockt seine Beteiligung in China auf (China Netcom). 2009 vergibt China Lizenzen für neue Mobilfunknetze. 2010 startet Mediamarkt (Metro) mit ersten Filialen in Shanghai. 2010 zieht sich der Such - Riese Google aus China zurück. 2010 will sich Vodafone aus China verabschieden. SAP sieht China 2010 als größten Wachstumsmarkt noch vor den USA (dreistellige pozentuale Zuwachsraten). 2011 verbündet sich Microsoft mit der chinesischen Suchmaschine Baidu. Der Internethändler Alibaba will Yahoo übernehmen. Apple und Proview aus China streiten 2012 in Shanghai um Namensrechte für das iPad. Stahl/Maschinenbau/Hochtechnologie: mittlerweile findet 50% der Welt-Stahlproduktion in China statt (wahrscheinlich Sättigung, weil Rohstoffe nicht im Land sind). Pfaff (Nähmaschinenhersteller, Kaiserslautern) will seine Produktion in China erweitern. KK&K aus Frankenthal hat mit dem chinesischen Partner CPMW ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. ABB verlegt die Weltzentrale seiner Robotersparte nach Shanghai. China will Transrapid bis Hangzhou verlängern (Lizenzgebühr oder Joint Venture für Thyssen-Krupp/Siemens, es wird allerdings auch erfolgreich ein eigener Prototyp getestet). Nach der Entscheidung über den Nichtbau in Bayern 2008, plant Thyssen-Krupp eine Lizenz oder den Verkauf nach china. Es wird vorübergehend ein Baustopp wegen Strahlengefahr verhängt (Bürgerproteste). China will Milliarden in Bahn-Ausbau investieren und will 60 ICE-Züge von Siemens kaufen (teilweise auch Produktion mit chinesischem Partner). 2009 werden 100 Schnellzüge bei Siemens bestellt (Typ Valero). Siemens räumt Korruptionsfälle in China ein. Es ist eine Airbus-Montage in China geplant (bis 2010 will China aber ein eigenes Großraumflugzeug entwickeln) Es wird 2007 ein Gemeinschaftsunternehmen im ostchinesischen Tianjin gegründet, das 2008 die Produktion aufnimmt (EADS hat einen Anteil von 51%). In Harbin wird 2009 ein neues Fertigungszentrum gegründet (Joint Venture mit Airbus China). China will den staatlichen Flugzeugbau bündeln. Der fränkische Wälzlagerkonzern Schaeffler will den chinesischen Kugellagerhersteller Luoyang Bearing Corp. übernehmen, was von Chinas Minister für Staatsbetriebe überprüft wird. Heidelberger Druck will sein erst im Frühjahr 2006 in Betrieb genommenes Montagewerk in Shanghai erweitern. Die Raschig GmbH, Ludwigshafen, baut in China aus und kauft sich in Indien ein. Die Wormser Renolit kauft Folienhersteller Guangzhou Tins Plastics Ltd. Die Aktien von Baosteel, Wuhan Steel und Angang fallen wegen der Streichung von Exportsubventionen. Schott will bis 2010 30% seiner Erlöse in Asien erzielen. Der Hamburger Maschinenbauer Körber will verstärkt in China investieren. Dürkopp Adler, das von den Chinesen übernommen wurde, schreibt wieder schwarze Zahlen. Dem Inder Mittal gelingt als erstem Ausländer die Übernahme eines chinesischen Konkurrenten: China Oriental Group. Chinalco aus China übernimmt eine Minderheitsbeteiligung an Rio Tinto 2008 und 2009 eine Mehrheitsbeteiligung (Australien, 15,1 Mrd. €, Anteile von Alcoa übernommen). Tangshan, Handan Steel und Chengde Vanadium schließen sich zum größten Stahlunternehmen zusammen. Xián Typical Industries, chinesischer Hersteller von Industrienähmaschinen, wird seine Europazentrale in Kaiserslautern gründen. Infineon plant ein Entwicklungszentrum in Peking. Grohe übernimmt den chinesischen Wettbewerber Joyou und wird dort Marktführer. Der chinesische Baumaschinenhersteller XCMG investiert ab 2011 50 Mio. € in ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in Krefeld. Heideldruck baut seine Fabrik in Shanghai aus und koppelt sich mehr an den chinesischen Markt. Im Dezember 2011 gibt es eine Internetkampagne gegen Gerätemängel bei Siemens. KBA (Koenig & Bauer Druckmaschinen) kauft 2012 einen chinesischen Konkurrenten (Produktion für den regionalen Markt). Autoindustrie: Der Zuwachs betrug 2009 44% oder 2,5 Mio. PKW; in China wird jedes 4. Auto der Welt produziert. 2009 steigen die Pkw-Neuzulassungen wegen der staatlichen Unterstützung rapide an. China nähert sich den USA als größter PKW-Markt der Erde. Shanghai General Motors hat mit 9,5% den höchsten Marktanteil (40% aller Autos stammen mittlerweile von rein chinesischen Firmen), gefolgt von Shanghai VW mit 8.9%. Das meistverkaufte Auto ist der Jetta. 2007 hat VW 28% mehr Autos verkauft, es wird ein Verkaufsrekord aufgestellt (910. 000, Marktanteil schrumpft allerdings: noch 18%). Im ersten Halbjahr 2009 gibt es einen neuen Absatzrekord. 2008 startet VW sein viertes Werk in China (in Nanjing). Ende 2008 muss VW die Produktion unterbrechen (Absatz -16%). Im März 2009 gibt es einen Rekordabsatz, weil China auch mit staatlichen Maßnahmen der Autoindustrie unter die Arme greift (Steueranreize). Bis 2014 will VW seine Produktionskapazität in China auf drei Mio. Autos pro Jahr hochfahren. Bis Ende 2015 will VW allein 10,6 Mrd. Euro investieren. Der neueste Investitionsplan im Herbst 2011 sieht vor, von 2012 bis 2016 14 Mrd. € zu investieren. VW beschäftigt 41.000 Menschen, 2018 dürften es 80.000 sein. 2011 plant VW ein China-Mobil analog dem Käfer. In der Kooperation mit dem chinesischen Elektroautohersteller BYD gibt es Schwierigkeiten. Wegen der starken Nachfrage baut VW ein weiteres Werk Yizheng bis 2013. Der Audi A6 ist zum Auto der chinesischen Parteikader geworden. 2011 bringt VW Seat nach China. 2012 gerät VW in der Region Xinjiang zwischen die Fronten eines ethnischen Konflikts. Der chinesische Autobauer Nanjing (hat eine Kooperation mit Fiat), der Rover 2005 gekauft hatte, will den MG Rover wieder bauen. Nanjing (NAC) wird wird Ende 2007 von SAIC übernommen. SAIC kauft von BMW (Bao-Ma: "edles kostbares Pferd") nach der Technologie auch den Markennamen Rover. BMW stockt seine Produktionskapazität 2007 auf (insgesamt 65.000 Verkauf pro Jahr mit Importen). Brilliance, der Partner von BMW, zieht sich von der New Yorker Börse zurück. China soll der zweitgrößte Absatzmarkt weltweit für Audi werden. Jeder 5. zugelassene Wagen stammt aus deutscher Produktion (88% davon in China produziert). Peugeot-Citroen will die Kapazität des Werkes in Wuhan bis 2008 auf 300000 Einheiten verdoppeln. Daimler-Chrysler nimmt am 15. 09. 06 seine erste Fabrik in China in einem Vorort von Peking in Betrieb (Kapazität: jährlich 115.000 Fahrzeuge). Außerdem soll zusammen mit der chinesischen Firma Chery ein Kleinwagen für den Export in die USA in Ostchina hergestellt werden. Das Projekt wird nach dem Verkauf von Chrysler 2007 gestoppt und soll neu verhandelt werden. Das Joint-Venture von Daimler und Fujita Automobile in Fuzhou bekommt im Juni 2007 die Business License (200 Mio. €, ab 2009, 40.000 Fahrzeuge). Daimler baut seine Finanzsparte in China aus. Außerdem sollen Lieferwagen in China produziert werden. Die Zusammenarbeit mit dem LKW-Hersteller Beiqi Foton verzögert sich zunächst. Es wird dann 2008 ein Gemeinschaftsunternehmen für schwere Lastwagen gegründet. 2010 läuft die Kooperation richtig an. Aber erst 2011 wird das Gemeinschaftsunternehmen genehmigt (Joint-Venture, hohe Kapazität). Ab Mitte 2009 will Daimler den Smart in China anbieten. Wegen Startschwierigkeiten auf den Wachstumsmärkten China und Indien könnte Daimler 2010 seine Weltmarktführung bei LKWs an FAW aus China verlieren. Daimler möchte den chinesischen Staatsfonds CIC als Aktionär. Chinesische Staatsunternehmen planen angeblich zuerst Zusammenschlüsse in China und dann in Fünfjahresplänen gezielt Übernahmen und Fusionen in Deutschland. Die Tongij-Universität in Shanghai forscht mit BMW und VW am Hybridantrieb und an der Brennstoffzelle. GM forscht in China bei Bio-Kraftstoffen und umweltfreundlichen Motoren. Der Kölner Motorenbauer Deutz strebt in China die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen für die Produktion von Bus- und Lastwagenmotoren an. Die Mannheimer Röchling-Gruppe, international führender Kunststoffverarbeiter, hat in China zwei neue Autozulieferwerke in Betrieb genommen. Der chinesische Autobauer Shuang huan wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe von Daimler und BMW. Bosch, das seit 1909 in China ist, macht dort in 18 Standorten und mit 15.000 Beschäftigten einen Umsatz von 1,3 Mrd. €. In der Weltwirtschaftskrise 2009 unterstützt die Regierung die lokalen Hersteller (30% Marktanteil, vor allem im westlichen Hinterland, Steuersenkungen). Autozulieferer Schaeffler, der in China 5 Produktionsstätten und ein Entwicklungszentrum in Anting bei Shanghai betreibt (insgesamt in C. 3000 Mitarbeiter), verhandelt mit der Stadtverwaltung von Peking über eine Finanzierung. BAIC will sich 2009 unbedingt an Opel beteiligen (660 Mio. für 51%). BAIC steigt 2009 mit 40% in die Fujian Daimler Automotive (Joint-Venture mit Daimler) ein. 2010 fordern chinesische Autohändler ein Importverbot für Daimler, weil sie sich diskriminiert fühlen. China ist für Daimler der Wachstumsmarkt schlechthin. Mit BYDe6 haben die Chinesen 2009 das beste Elektroauto (400 km, nur 20.000 €). 2009 plant BMW ein zweites Werk in China (seit 2003 Joint Venture mit Brilliance). Ende 2009 kauft Geely Volvo (2010 vollzogen, über 2 Mrd. $). Geely will die Automarke Volvo auch in China produzieren (Plan: bis 2020 10.000 neue Arbeitsplätze). BAIC übernimmt Teile von Saab. China als Markt ist bedeutsam für alle deutschen Auto firmen: Volkswagen 33%, Audi 17%, Porsche 13%, BMW 11%, Mercedes 9%. 2010 will Opel auch Autos in China verkaufen. Bis 2012 will der japanische Autobauer Nissan seine Produktion in China verdoppeln. Ab 2011 will Ford verstärkt in die Schwellenländer, vor allem nach China gehen. Freudenberg aus Weinheim baut ein Autozuliefererwerk in Yantai am Gelben Meer (Nutzfahrzeugkomponenten). SAIC erwirbt 2010 ein Prozent der GM-Aktien und will sich noch stärker in das Unternehmen einkaufen. Der chinesische Autohändler Pang Da beteiligt sich 2011 an Saab, im Juni folgt Zheiang Youngman Lotus. Das Projekt droht 2012 zu scheitern wegen der Lizenzen von GM. Mahindra aus Indien könnte die Rettung bringen. Der Autozulieferer Continental schafft 5000 neue Arbeitsplätze in China (2012 werden 18 Werke und Entwicklungszentren betrieben). "Wir sehen das entscheidende Wachstum in der Automobilindustrie zuvorderst in China", Dieter Zetsche, Daimler-Chef. Energie: Linde geht ein Gase-Joint-Venture mit Sinopec Qilu ein (Investition von 48 Mio. €). Der Staatskonzern Sinopec übernimmt 49% der sibirischen Fördergesellschaft Udmurtneft. 2010 fasst Sinopec in Angola Fuß. RAG geht eine langfristige Zusammenarbeit mit der Huainan-Gruppe ein. Zwei chinesische Firmen bauen ab 2009 das größte Solarkraftwerk der Welt im Qaidam-Becken. Petro China beteiligt sich an Ölprojekten in Alberta/ Kanada. China Petrochemical beteiligt sich an Addax Kanada. 2010 übernimmt der Ölkonzern Gnooc Bridas aus Argentinien. KSB aus Frankenthal (Pumpen- und Armaturenspezialist) will in der Asien-Pazifik-Region, vor allem in China, bis 2013 35 bis 40 Mio. € investieren. Man will vom Wachstumstreiber Energieeffizienz profitieren. Handel: Das chinesische Handelshaus Li & Fung kauft die internationale Einkaufslogistik von Karstadt-Quelle. Metro will die Zahl seiner Märkte in den nächsten vier Jahren verdoppeln (erster Markt 1996 in Schanghai, mittlerweile 10% des Gesamtumsatzes in Asien). Karstadt-Quelle vergibt sein Importgeschäft an ein chinesisches Unternehmen (Li & Fung). Tengelmann zieht sich aus China zurück (Obi - Märkte). Vor den Olympischen Spielen will Puma stark expandieren. Coca Cola will den größten chinesischen Safthersteller Huiyuan Juice schlucken. 2010 eröffnet Metro Media-Markt. Dabei wird mit Foxconn kooperiert. Spielzeug: in China werden 75% aller weltweit produzierten Spielzeuge hergestellt (80% des Spielzeugs, das in Europa auf den Markt kommt). Ein Großteil für den Export (für 12,5 Mrd. €), das größte Abnehmerland sind die USA. Die Qualitätsstandards und die Überwachung sollen 2007 verbessert werden. Nach den millionenfachen Rückrufen stehen viele Spielzeugfirmen vor dem Bankrott. So geht der größte Spielwarenhersteller Smart Union in Dongguan Pleite. Sportartikel/ Schuhe: Adidas produziert mittlerweile 90% aller Schuhe in China, das der wichtigste Produktionsstandort ist. In Shanghai wird ein Entwicklungszentrum unterhalten, indem Designer speziell neue Produkte für den chinesischen Markt entwickeln. Adidas rüstet 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking das chinesische Team aus. 2011 erreicht Adidas den höchsten Anstieg in China (13%). Durch die Anti-Dumping-Zölle der EU sind über 1000 Schuhhersteller in China Pleite gegangen. Nike hau mehrere Werke in China mit insgesamt 210.000 Beschäftigten. Die Firma dokumentiert, dass in diesen Werken und bei den Zuliefern zugesicherte Arbeitsbedingungen nicht eingehalten werden (Minderjährige, Löhne werden nicht gezahlt, Dokumente gefälscht). Chinesische Fabrikarbeiter klagen 2008 Puma wegen unmenschlicher Zustände an. Es handelt sich um Zulieferer, insbesondere Dongguan Surpassing. Nahrungsmittel: Pepsi plant 2010 19 neue Standorte in China. Vgl. zu den größten chinesischen Unternehmen die entsprechenden Links. Über das erste deutsch-chinesische Joint - Venture in der Automobilindustrie erschien Anfang September 2006 ein Buch: Martin Posth, 1000 Tage in Shanghai, München 2006. "Ich halte es für eine große Gefahr, unsere beste Technologie nach China zu geben. Deshalb lassen wir dort nicht unsere neuesten Geräte fertigen", Reinhard Zinkann, Miele Co - Chef. Chemie/ Energie/Pharma: Der Darmstädter Pharmakonzern Merck bündelt sein Pharmageschäft in Japan unter dem Dach einer Tochtergesellschaft. Es kommt Ende 2008 zu einer Fusion von Nippon Oil und Nippon Mining. Automobilindustrie: Mitsubishi Motors will in Russland investieren. Mitsubishi und Peugeot wollen eine strategische Partnerschaft eingehen. Honda investiert in Indien. Honda kritisiert GB, weil es nicht dem Euro beitritt. Toyota baut ein neues Werk im kanadischen Woodstock und plant eine Produktionsstätte in Europa (Deutschland oder Frankreich?). Toyota baut 2007 die achte Fabrik in den USA (1,3 Mrd. $, Geländewagen). 2008 beschließt Toyota neue Produktionsstätten in Brasilien zu bauen. Toyota hat ein Rekordjahr 2006 und überholt GM 2006 im Absatz und setzt sich damit an die Weltspitze. 2007 fällt der Absatz von Toyota in Japan auf ein 24-Jahres-Tief. 2008 macht die Firma einen operativen Verlust von 1,2 Mrd. € erstmals seit 1941; 2009 rutscht Toyota immer tiefer in die roten Zahlen (die Ursprünge der Firma gehen auf das Jahr 1867 zurück, zum Unternehmen gehören 522 Tochterfirmen z. B. für Boote, Fertighäuser u. a.). Die Märkte in den USA und in Japan sind 2009 eingebrochen. Die Pläne für Werke in Russland und Thailand werden 2009 gestoppt. Die Firma beantragt sogar 1,6 Mrd. € Staatshilfe. Die katastrophale Pannenserie 2009/2010 wird zum Problem für die gesamte japanische Industrie. 2011 verliert Toyota wieder die Spitzenposition an General Motors durch die Naturkatastrophe. Opel stellt Export nach Japan bis Jahresende 2006 ein. Volvo will das japanische Unternehmen Nissan Diesel (LKW) übernehmen. Im Batteriebereich (Lithium-Ionen) entstehen einige Kooperation: Nissan/ NEC, VW/ Sanyo, Daimler/ Samsung/ Evonik. 2008 wurden rund 1,8 Mio. japanische Autos in Europa produziert (144.000 Arbeitsplätze, 13,8% Marktanteil). Die japanische Nutzfahrzeuge - Daimler Tochter Mitsubishi Fuso will mit Nissan Diesel Motor zusammengehen. VW will Ende 2009 20% von Suzuki kaufen. In der Kooperation kommt es immer wieder zu Konflikten (vor allem als VW Suzuki Vertragsbruch vorwirft). Suzuki will 2011 mit VW vor ein Schiedsgericht in London (VW soll seine Anteile abgeben). 2011 schließt BMW eine Kooperation mit Toyota beim Motorenbau. Kommunikation/ Logistik: die Deutsche Post will mit der japanischen Staatspost kooperieren, die 2007 privatisiert werden sollte (die Postreform scheitert am Parlament, bei Neuwahlen gibt es einen Erdrutschsieg für Koizumi und damit Rückendeckung für die Privatisierung), die japanische Post ist das weltweit größte Finanzinstitut, das Ersparnisse im Wert von 2,64 Billionen Euro verwaltet. Vodafone will das Japan-Geschäft abgeben. Die Deutsche Post geht als erstes deutsches Unternehmen ein Joint -Venture für den Versand von Werbebriefen mit dem japanischen Unternehmen Yamamoto Holdings ein (49%-Anteil). Die Regierung untersagt dem amerikanischen Hedge-Fonds TCI eine Aufstockung des Anteils an J-Power von 9,9 auf 20%. Die größte Fluglinie Asiens "Japan Airlines" muss 2010 in die Insolvenz. Danach soll es wieder neu "starten". Handel: Die japanische Einzelhandelskette "Seven-Eleven", die weltweit 28000 Mini-Läden betreibt, kommt im Herbst 2006 mit modernen Tante-Emma-Läden nach Deutschland. Der Gewinn von dem Luxusgüterkonzern "Egana Goldpfeil, das von dem Deutschen H.-J.Seeberger geführt wird, wuchs um 39% auf 27,2 Mio. €. Der Spielwarenriese Namco Bandai übernimmt den deutschen Puppenhersteller Zapf Creation. Elekronik/ Hochtechnologie: Der Elektronik-Konzern Matsushita präsentiert Rekordergebnisse bis 2008/2009. Es soll vor allem auf Flachbildschirme gesetzt werden. Ab 2009 fahren viele Elektronikkonzerne rote Zahlen, vor allem Sharp. Sanyo muss auf Druck der Hausbank die Sanierung beschleunigen. Japans Solarfirmen (Sharp, Kyocera, Sanyo) greifen in Europa und Deutschland an. Bosch, das seit 1911 in Japan ist, macht in Japan mit 20 Fabriken (8000 Beschäftigte) einen Umsatz von 2,1 Mrd. €. Mit 100 Mio. € beteiligt sich Bosch 2008 an Rinnai. Der Frankenthaler Pumpenkonzern KSB gründet zum 1. Juli 2008 ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Spezialpumpenhersteller Nikkiso in Altenstadt bei Frankfurt. Der Mischkonzern Toshiba will sich stark auf den Bau von Atomkraftanlagen in aller Welt konzentrieren. In den USA kooperiert er mit Sandisk. Die japanische TDK übernimmt 2008 Epcos. Die japanischen Halbleiterhersteller Renesas und NEC schließen sich zum drittgrößten Chipproduzenten der Welt zusammen. Sony, Toshiba und Hitachi wollen in einem gemeinsamen Unternehmen Bildschirme für Smartphones und Tablet-Computer produzieren (2011). Der Kamerahersteller Olympus gerät 2011 stark unter Druck (Bilanzbetrug, Mafiaverbindungen). Dienstleistung: Allianz bietet in Japan Vorsorgeprodukte an. Die amerikanische Citi - Bank übernimmt das japanische Geldhaus Nikko Cordial (61% Anteil). Die Deutsche Bank will ihr Geschäft in Japan stark ausbauen. Die Finanzaufsicht geht gegen die Großbank "Mizuho" wegen illegaler Nutzung von Kundendaten vor. Der Finanzkonzern Sumimoto Mitsui steigt 2008 bei der britischen Bank Barclays ein 600 Mio. €, 2%). MUFG erwirbt 21% von Morgan Stanley. Nomura kauft das Asiengeschäft von Lehman Brothers. Sumitomo Mitsui beteiligt sich an Barclays. Das Modehaus Jil Sander wird an den japanischen Konzern Onward Holdings verkauft. Stahl: Die japanischen Anbieter Nippon und Sumitomo schließen sich zur Nummer zwei der Welt zusammen. Vgl. zu einigen großen japanischen Unternehmen die entsprechenden Links. Gründe, Wandel und Struktur der Direktinvestitionen (insb. in China): Generell können die Motive im Kostenbereich oder Absatzbereich liegen. Im Absatzbereich gewinnt die Logistik zunehmend an Bedeutung. Empirisch überschneiden sich in der Regel die Ursachen (kann über die Steigung der Exportfunktion gemessen werden). Hinzu kommen Monopolüberlegungen und das Streben nach Internalisierung (Risikostreuung, Kontrolle aller relevanten Faktoren, z. B. der Steuern). Von herausragender Bedeutung ist die Absicherung gegen das Transferrisiko (Währungsrisiko, zeigte sich nach der Umstellung auf ein flexibles Weltwechselkurssystem). Auch strategische Erwägungen wie zukünftige Potentiale, Rohstoffsicherheit, Lerneffekte und Dumping können eine Rolle spielen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Kultur einschließlich der Sprache (Beispiel: Irland). Allerdings ist bei den Gründen der Wandel sehr groß: z. B. plant China Sonderregelungen und Vergünstigungen, etwa beim Steuerrecht, für ausländische Investoren abzuschaffen. Künftig gibt es für alle Unternehmen einen einheitlichen Steuersatz von 25% (vorher chinesische Firmen 33%, ausländische Betriebe 15%). Ausländische Unternehmen müssen zukünftig auch wie die Chinesen eine Landnutzungsteuer zahlen (je nach Region 60 Cent bis 3 € pro Quadratmeter). In den Sonderwirtschaftszonen soll es eine schrittweise Umsetzung geben. Außerdem wird bei ausländischen Unternehmen sehr viel genauer auf die Einhaltung von Umweltvorschriften geachtet. Drei Fünftel der chinesischen Exporte und fast der gesamte Export im Technologiesektor werden von ausländischen Firmen produziert. Damit ist das Land die größte Basar-Ökonomie: 55% des Handelsbilanzüberschusses 2006 kamen aus dem Import von Vorprodukten, deren Weiterverarbeitung und anschließender Ausfuhr (58% aus Unternehmen mit einer ausländischen Beteiligung von mehr als 25%.). Damit bekommt China auch nur einen kleinen Teil des Einkommens aus Exporten. Mittlerweile gibt es auch eine Migration von ausländischen Direktinvestitionen in andere Länder (Indonesien, Vietnam). 2008 werden ca. 14% aller weltweit hergestellten Güter in China produziert. Dies ist ein großer Schwachpunkt der chinesischen Wirtschaft. China selbst plant Direktinvestitionen im Ausland, vor allem im Energiebereich, mit Hilfe der staatlichen Investmentfirma, die sich aus Devisenreserven speist. Die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland lagen 2005 bei ca. 200 Mio. €. 2009 lagen die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland schon bei 629 Mio. €. In Parchim bei Schwerin plant ein chinesischer Investor einen Flughafen zu errichten, der ein europäisches Drehkreuz darstellen soll (vergleichbar Dubai). In Europa ist Budapest die heimliche Hauptstadt der Chinesen, wo und von wo aus viele Direktinvestitionen durchgeführt werden. In Mailand sind viele Einzelhandelsgeschäfte aus China vertreten. Ab 2011 erlaubt China Auslandsinvestitionen in der Landeswährung Yuan. Struktur: 2010 gab es einen Rekord bei ausländischen Direktinvestitionen in China: 105,7 Mrd. $ (+17%). China investierte 59 Mrd. $ im Ausland (+36,3%). Dabei waren die ländlichen Provinzen im Westen und Zentralchina erstmals im Vordergrund. Im Jahre 2006 erfolgten Direktinvestitionen in einer Höhe von 81,1 Mrd. $ in China, ca. 11 Mrd. € davon aus Deutschland (kumuliert, 2007 14 Mrd., relativ zur Bevölkerung die meisten in der Stadt Taicang). 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 18 Mrd. €. Seit 1980 wurden ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 524 Mrd. € genehmigt. Form: WFOE, EJV, CJV; 700 Mrd. $ seit der Öffnung. Insgesamt wurde in ca. 400.000 Fabriken investiert. Ausländische Firmen haben 2006 nach offiziellen chinesischen Angaben 78 Mrd. € (795 Mrd. Yuan) an Steuern gezahlt. 60% der Körperschaftsteuer geht an die Zentrale in Peking, der Rest an die Lokalregierungen. Die Änderungen im Steuergesetz 2007 sollen auch chinesische Privatunternehmen treffen, die Tochterfirmen auf den Bahamas oder den Virgin Islands haben (die chinesischen Unternehmen auf dem Heimatmarkt sollen gestärkt werden). Der Staat verhinderte Mehrheitsbeteiligungen ausländischer an chinesischen Firmen (Citigroup - Guangdong Development Bank, Private - Equity - Firma "Carlyle" - Maschinenbauer "Xugong", ZF Friedrichshafen - Hangzhou)). Fast alle größeren Partnerschaften in Schlüsselbranchen benötigen die Genehmigung der Regierung (max. 20% bei Banken, 49% in der Automobilindustrie). Die amerikanischen multinationalen Unternehmen, die in China produzieren, und in die USA exportieren, verursachen einen großen Teil des amerikanischen Handelsdefizits. 2012 ist China erstmals der gefragteste Investitionsstandort für deutsche Unternehmen (43% in einer Umfrage des DIHT). China war auch Partner auf der Hannover Messe 2012. 500 Aussteller aus China waren da. Der chinesische Staatsfonds will 66 Mrd. $ im Ausland investieren. Zuerst wurden 3 Mrd. $ in eine Beteiligung bei Blackstone investiert. Zunehmend investieren chinesische Unternehmen im Ausland. Seit Mitte 2010 betriebt der Logistikkonzern Cosco das größte Containerterminal im Hafen von Piräus. Dieses soll noch weiter ausgebaut werden. Weitere Kooperationen mit Griechenland sind geplant (Tourismus, Olivenöl-Lieferungen). Immer erfolgreicher sind chinesische Baukonzerne im Ausland. 2010 gewinnt Covec eine Ausschreibung in Polen. Die Bank of China baut ihre Europazentrale neben die britische Notenbank. In Rumänien wird vor allem in Landwirtschaft und Bergbau investiert. 2012 investiert der chinesische Baumaschinenhersteller Shandong Heavy Industry 400 Mio. € in die italienische Feretti-Werft (Mehrheit, Luxusyachten). Ca. ein Dutzend chinesische Industriebetriebe haben viele Arbeitsplätze im US-Bundesstaat South Carolina geschaffen. Mittlerweile sind 2010 ca. 800 chinesische Unternehmen mit Direktinvestitionen in Deutschland aktiv (z. B. Beteiligungen bei Waldrich Coburg und Rossmann, Übernahme von Dürkopp Adler 2005 durch SGSB). Am bekanntesten ist die Übernahme von Volvo durch Geely für 1,3 Mrd. Euro. Aufsehen erregt auch die Übernahme von Medion (Aldi-Computerlieferant) durch Lenovo im Sommer 2011. Der Konstanzer Solarzellenhersteller Sunways kommt auch in chinesische Hände. Anfang 2012 übernimmt der Sany-Konzern den deutschen Pumpenhersteller Putzmeister (500 Mio. €?). Man holt einen international erfahrenen Private Equity Investor mit ins Boot (Citic Private Equity, Hongkong). Auch der zweitgrößte deutsche Beton-Pumpenhersteller Schwing wird 2012 vom chinesischen Konzern XCMG übernommen. Direktinvestitionen in energetische und mineralische Rohstoffe werden bevorzugt in Südostasien, Südamerika und Afrika ( 29 Länder in Afrika) getätigt. 2012 wird das erste chinesische Automobilwerk in Europa eröffnet: Great Wall, Geländewagenbauer, im Norden Bulgariens. "China wird zur Produktionsbasis der Welt", Jürgen Hambrecht, Ex-Chef der BASF (Manager des Jahres 2005, Vorsitzender des APA, Motto: "Schaffe, net schwätze").
"Den Fluss überqueren, indem man Stein für Stein ertastet", Deng Xiaoping. Dies ist meist die richtige Strategie für beide Länder. China: (direkt zu Japan) Obwohl das Pro-Kopf-Einkommen in den letzten Jahren ständig gestiegen ist, führen die regionalen Disparitäten zu einer insgesamt noch sehr geringen Kaufkraft außerhalb der Sonderwirtschaftszonen. Der Markt in China ist auch in hohem Maße differenziert und segmentiert. Dies gilt sowohl regional als auch von der Kaufkraft her. Im Wirtschaftsboom ist darüber hinaus der Wettbewerb sehr stark ausgeprägt. So ist in vielen Branchen der Markt zwischen den ausländischen Wettbewerbern schon aufgeteilt. Auch chinesische Unternehmen wachsen immer mehr zu Wettbewerbern heran. Für den Markteintritt sollte man China als Partner akzeptieren, so dass auf Augenhöhe verhandelt wird. Um in China erfolgreich zu sein, muss man ein lokales Unternehmen werden. Im Konsumgüterbereich ist oft ein Hindernis, dass die Handelslandschaft fehlt. So man z.B. auf Franchising ausweichen, sollte aber auf die Professionalität der Partner achten. Für die Marktforschung in China gilt das Gegenteil des folgenden Spruches: "Des Himmels Netz hat weite Maschen und doch entkommt ihm nichts", Lao-tse. Das heißt aber nicht, dass man auf Fakten und Informationen verzichten soll, denn man sollte es auch mit folgendem Spruch halten: "Geh lieber nach Hause und mache ein Netz, als dass du im Teich nach Fischen tauchst", Chinesisches Sprichwort (Könnte heißen: Sammle erst ausgiebig Informationen über Ostasien und mache dann ein erfolgreiches Asienmanagement). Unterschätzt werden die kulturellen Unterschiede. Tätig sind als KMU vor allem die klassischen Zulieferfirmen für deutsche Großunternehmen. Zunehmend engagieren sich auch deutsche KMU, die Absatznischen sehen. Diese sind meist im Bereich der Industrieausrüstung, d. h. viele deutsche Mittelständler bauen die Fabriken für die "Fabrik der Welt". Im Konsumgüterbereich sind die teuren deutschen Qualitätsprodukte in Anbetracht der niedrigen Kaufkraft kaum zu verkaufen, so dass Produkte lokal mit chinesischen Partnern für den heimischen Markt billiger hergestellt werden müssen. Insgesamt sind etwa 2000 deutsche KMU (2700 deutsche Unternehmen aller Größenklassen) auf dem chinesischen Markt aktiv. 2012 wird diese Zahl mit über 5000 angegeben (Wirtschaftswoche global 1/2012, S. 30). Vorrangig interessiert bei KMU der chinesische Markt; niedrigere Löhne sind ein Motiv unter vielen. Alle Kosten müssen berücksichtigt werden. Die Strategie, mit Joint - Venture in den Markt zu gehen, wird seltener; der Trend geht zum Aufbau eigener Töchter. In jedem Falle braucht man einen "langen Atem" (Stetigkeit im Engagement) und ein kluges Beziehungsmanagement. Vor einiger Zeit habe ich einen Aufsatz zu diesem Thema geschrieben. Mit Gastgeschenken in größerem Umfang findet zur Zeit eine Abzocke statt; bei lokalen, kleinen Unternehmensberatungen oder deutschen Organisationen sollte man vorher Erkundigungen über die Seriosität von Geschäfts- und möglichen Kooperationspartnern einholen. Nach der Wirtschaftskrise ändern sich die Bedingungen sehr schnell, so dass die KMU sehr flexibel sein müssen. Die Kosten müssen drastisch reduziert werden, um auf die Umsatzeinbrüche zu reagieren. Der Urheberrechtsschutz ist noch sehr unzureichend.
Viele deutsche Konzerne setzen auf Hongkong
als Standort für die 2009 wurden deutsche Waren im Wert von 36,5 Mrd. € nach China exportiert. Dies sind 7% mehr als im Vorjahr (die gesamten Exporte sanken um 18,4%). 37% der deutschen Firmen wollen in Zukunft in China investieren (Umfrage DIHT 2010). Nach dem Firmenverzeichnis des German Company Directory (GCD) haben 2011 4035 Firmen eine Niederlassung in China. Mit der Expansion des Handels und der Direktinvestitionen steigen die Marktchancen von Logistikunternehmen aus Deutschland rapide. Die lokalen Logistikanbieter in China sind meist nur durchschnittlich. Als erfolgreiches Beispiel gilt Duisport Packing Logistics. Mittelständler in China versuchen, untereinander enge Beziehungen zu knüpfen, um höchste Qualität liefern zu können. Sie beliefern sich vor allem gegenseitig mit Vorleistungen. Gut scheint dies im Raum Shanghai zu funktionieren (z. B. EBM-Papst, Rittal, Gildemeister). "Wie der Yangtze und der Rhein, die lebendig fließen und nie versiegen, so wird die Freundschaft zwischen China und Deutschland ewig bleiben", Wen Jiabao, Chinas Premier auf der Hannover Messe 2012. "Sind Rüben auf dem Markt gefragt, muss man sie nicht waschen", Chinesisches Sprichwort. Angesichts der 13 Jahre andauernden Rezession ordnete und orientierte sich die gesamte Wirtschaft einschließlich Markt, Finanzwelt und Institutionen neu (Deregulierung): So wurden viele bürokratischen Hemmnisse angebaut, das verschlungene Distributionssystem im Groß- und Einzelhandel wurde verkürzt und vereinfacht und neue Geschäftsbereiche wurden geöffnet (z. B. Gesundheitswesen). Die Kundenorientiertheit, dass heißt neue Kunden zu gewinnen und zugleich alte Kunden zu erhalten, sollte immer im Vordergrund stehen verbunden mit Kundenservice (bis zu "Amae"). Die japanischen Kunden achten besonders auf die Produktqualität und Zuverlässigkeit. Ein gute Beziehung zu japanischen Behörden und deren Beamten sollte gepflegt werden (bis zu "Ogoscho"), die dann auch als Informationsquelle genutzt werden können. Dies ist angesichts des komplexen rechtlichen Rahmens, insbesondere bei Exporten, oft notwendig. Genauso wie die japanischen sollten auch die ausländischen Unternehmen die Konkurrenz, die zunehmend aus China kommt, immer im Auge behalten. "Größe allein dient nicht notwendigerweise dem Kunden", Leitspruch von Akio Toyota, Chef von Toyota. Im Vordergrund bei deutschen KMU steht in der Regel der Ausbau eines Vertriebsnetzes und des Kundendienstes. Produktionsstandorte in Japan für die Markterschließung werden weniger gesucht. Vgl. Markteintritt von Klein- und Mittelbetrieben in den japanischen Markt von Parissa Haghirian, in: Pohl, M./ Wiechorek (Hrsg.): Japan 2006, Hamburg 2006, S. 151 ff. Im Sommer/ Herbst 2007 habe ich ein Projekt zur interkulturellen Kommunikation mit Schwerpunkt "Zusammenhang Wirtschaft-Kultur" in Bezug auf Japan durchgeführt. 2010 wollen wieder mehr deutsche Firmen in Asien investieren. Nach einer Umfrage des DIHT bei 9000 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes 44%. Die Unternehmen wollen vor allem ihren Vertrieb und den Kundenservice in Asien ausbauen. Kostengründe spielen eine untergeordnete Rolle (28%, in China nur 20%). "Wirkung ist die Vergeltung der Ursache", Japanisches Sprichwort. "Ich kann mir gut vorstellen, dass unser nächster Wettbewerber aus China kommt, ich weiß nur nicht genau, wann", James McNerney, Boss von Boing. Tee ist in China etwa seit dem 3. Jh. n. Chr. bekannt und wurde ab dem 6. Jh. beliebt und auch dann nach Japan exportiert. Das deutsche Wort "Tee" leitet sich auch aus dem Chinesischen ab (ti - Fujian-Dialekt). Bekannt ist vor allem der grüne Tee (nicht fermentierte und getrocknete Blätter). Heute wird in China ein Viertel der Weltteeproduktion hergestellt Hangzhou in der Provinz Zhejiang an der Ostküste Chinas ist eine der Geburtsstätten der chinesischen Teekultur. "Not for all the tea in China" bedeutet "not at any price" (aus dem 19. Jahrhundert, als Tee sehr teuer war).
"Ohne die Kälte des Winters gäbe es die Wärme des Frühlings nicht", Zen. 2010 hat Japan Güter im Werte von 18,9 Mrd. € nach China geliefert. Es handelt sich vor allem um Elektronik, Maschinen, Autos und chemische Produkte.Im Jahre 2009 war aus Sicht Japans China (Exporte: 78,6 Mrd. €, Importe 87,9 Mrd. €) der wichtigste Handelspartner. Exporte von China nach Japan 2006: 90 Mrd. € (114 Mrd. $ 2005, 11%; 87,4 Mrd. $ 2004: 12%). Exporte von Japan nach China 2007 77 Mrd. € (2006: 85 Mrd. € , 80 Mrd. $ 2005, 75 Mrd. $ 2004, 13% der japanischen Exporte, 15,2% der chinesischen Importe). China größter Handelspartner Japans vor USA und Deutschland. Japan wichtigster Handelspartner Chinas. Im Jahre 1972 betrug das Handelsvolumen noch 1,1 Mrd. $, im vergangenen Jahr über 207,36 Mrd. $ (2010: 340 Mrd. Dollar). Vereinbarte Japanische Direktinvestitionen in China 7,96 Mrd. $ 2003 (+66%). Die getätigten DI stiegen 2004 auf 5 Mrd. $, 2006 lagen sie bei 4,6 Mrd. $, -30% gegenüber 2005. Umgekehrt gibt es nur ganz wenig chinesische Direktinvestitionen in Japan (im mittelständischen Bereich), bevorzugt wird eher Hongkong und Macao, bei Ressourcen auch Süd- und Nordamerika und Afrika. Der Anteil der asiatischen Direktinvestitionen an allen Auslandsinvestitionen in Japan beträgt nur 7,6%. Beide Länder rivalisieren um Energiequellen in umstrittenen Meeresabschnitten. Im Herbst 2010 bricht der Konflikt bei den Senkaku-Inseln wieder auf. Diese Gewässer gelten als reich an Öl und Gas. Anlass ist die japanische Festnahme eines chinesischen Fischers. Im April 2007 besucht Chinas Premier Wen Jiabao nach sieben Jahren Pause Japan, um die Wirtschaftsbeziehungen noch zu verbessern.2011 kooperiert China mit Japan bei Währungen. Es wird die direkte Abwicklung von Handelsgeschäften in den Währungen Renmimbi und Yen vereinbart (bisher über Umweg Dollar, was teuer ist). Japan will auch ein Teil der Devisenreserven in chinesische Staatsanleihen investieren. Im WS 2007/2008 im 2. Studienabschnitt (im Hauptstudium) führte ich zu diesem Thema ein Seminar bei MO/IBM EA (auch Ostasien in der Globalisierung) durch. Themenvereinbarungen für Seminararbeiten per Email während des Auslandsaufenthalts in China oder Japan sind möglich. Sie müssen in den Rahmen passen ("Tokios Taxifahrer werden in zehn Jahren Chinesisch sprechen, nicht Englisch", Taro Aso, Japans ehemaliger Außenminister).
Historischer Abriss aus der Sicht Japans: Es gab auch schon sehr früh Handelsbeziehungen zwischen den Ländern Japan und China. Im 8. Jh. n. Chr. hatte China eine so herausragende Stellung, dass große Nachbarländer wie Korea, Indien und Japan nur einen Vasallen-Status ausübten und mit Tributgesandtschaften ihre Hochachtung erwiesen. Im Nationalmuseum von Nara (im 8. Jh. n. Chr. Hauptstadt) liegt ein vollständig erhaltener Schatz, der über die Rolle Chinas als Drehscheibe in Asien Aufschluss gibt. Der Etappenhandel über die Seidenstraße (2008 vom 09. 02. bis 01. 06. findet die Ausstellung "Ursprünge der Seidenstraße - Sensationelle Neufunde aus Xinjiang" im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum statt) konnte bis zu sechs Jahre für eine Ware dauern. Alle 10 Jahre fuhr eine Flotte von Japan nach China, von der nur ein Drittel ankam ( die Japaner kannten nur die Küstenschifffahrt). Erst spät klinkt sich Japan aus mit einem berühmten Brief des Shogunats Ashikaga (bis 1508) an China, in dem dass Land der aufgehenden Sonne (Japan) das Land der untergehenden Sonne (China) grüßt. 1534 landen die Portugiesen in Tanegashima (fälschlicherweise galt lange das Jahr 1543 als Entdeckungsjahr Japans durch die Europäer, Portugal war jedoch im Wettbewerb mit Spanien zu einem früheren Zugang gezwungen, vg. Gerlach von M.: 1543 - Japan entdeckt? digitale Diss. UB Tübingen 2006); die von ihnen mitgebrachten Feuerwaffen setzen sich rasch durch und ermöglichen die Reichseinigung durch Fürst Oda (Samurai-Familie Tokugawa). 1603 wird der Regierungssitz nach Edo (Tokyo) verlegt und ab 1616 findet eine Abschottung gegen das Ausland, Auslandsreisen und den Außenhandel statt. Hauptsächlich findet in dieser Zeit nur Außenhandel mit China, Holland (über die Insel Dejima in Nagasaki; P. F. von Siebold wirkte dort als Arzt und Naturforscher: in Japan einer der bekanntesten Deutschen) und England statt (bereits 1600 war William Adams nach Japan gekommen, seit 1613 liefen die Engländer den Hafen Hirado an). 1853/54 erzwingt der amerikanische Admiral Perry durch Flottenpräsens der "Schwarzen Schiffe" die Öffnung Japans für den Außenhandel. Die Meiji -Zeit (1867) bringt dann eine weitere Öffnung Japans im Außenhandel gegen Westen und tief greifende Reformen. Nicht einmal 100 Jahre nach der Öffnung ist Japan Weltmacht und fällt 1937 in China ein (dem japanischen Eroberungswahn fallen 20 Mio. Menschen zum Opfer, schon 1931 und 1932 kam es zu Gebietseroberungen, 1895 wurde das heutige Taiwan kolonialisiert). Diese Hypotheken belasten noch heute die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Das zeigt sich immer wieder, wenn führende Politiker Japans den Yasukuni - Schrein besuchen (2007 von Abe erstmals ausgesetzt), der den Männern gewidmet ist, die sich um das Land verdient gemacht haben. Dagegen hat der Überfall auf Pearl Harbor 1941 und die Niederlage gegen die USA im 2. Weltkrieg keine negativen Auswirkungen mehr auf die Wirtschaftsbeziehungen mit den USA. Vgl. auch GeoEpoche, Nr. 21, 2006: Das kaiserliche Japan. "Freunde kann man sich aussuchen, mit Nachbarn muss man ein Auskommen finden", Wu Bangguo, chinesischer Parlamentsvorsitzender über die Zukunft der chinesisch-japanischen Beziehungen. "Chinas Entwicklung ist ein großes Plus für Japan", Shinzo Abe, Japans ehemaliger Ministerpräsident. Berühmter Zen-Trockengarten (karesansui) im Ryoanji-Tempel in Kyoto. Das Weltkulturerbe ist eine im höchsten Grade stilisierte Komposition aus 15 Felsblöcken als Inseln des Lebens und geharktem weißen Sand als Ozean des Lebens. Der ganze Kosmos auf kleinster Fläche. Der größte japanische Garten in Europa ist in Kaiserslautern. Auch dort kann man einen Trockengarten in Natura beobachten. Der japanische Garten in Kaiserslautern startet jährlich mit dem Kirschblütenfest. "Blue sweep of heavens Wide and clear- Might my heart share Their spaciousness!", Der japanische Kaiser Mutsuhito, später Meiji genannt (das japanische Kaisertum ist die älteste bestehende Monarchie der Welt; der Tenno gilt den Japanern als Abkömmling der Sonnengöttin Amaterasu und höchste Autorität des Shinto). Die Stadt Kyoto, die schönste aller japanischen Städte, wurde weltweit durch das so genannte Kyoto-Protokoll zum Symbol für globalen Umweltschutz. Es wurde 1997 beschlossen und schreibt vor, dass die Industrienationen ihren Ausstoß von Treibhausgasen um durchschnittlich 5,2% relativ zu 1990 im Zeitraum 2008-2012 reduzieren (im Februar 2005 ist es mit der Ratifizierung Russlands in Kraft getreten). China und die USA sind nicht beigetreten (Australien erst 2007), weshalb Japan lange gezögert hat. In Japan ist Kyoto heute noch historisches und kulturelles Zentrum des Landes und die Radfahrerstadt Japans. Kyoto war von 794 bis 1603 Hauptstadt von Japan. Die Japaner haben ein sehr hohes Umweltbewusstsein (man sieht so gut wie keinen Müll in der Landschaft; auch die Mülltrennung klappt perfekt; in der Umweltpolitik war das Kompensationssystem im Großraum Tokio mit Aufgabe des Kausalitätsprinzips in der Rechtsprechung Bahn brechend). In den vielen Gärten Kyotos (z. B. am Tenryu-ji - Tempel, am Ryoan-ji - Tempel, am Tofuku-ji - Tempel, am Rokuon-ji-Tempel mit dem berühmten Goldenen Pavillon, am Sanzen-in - Tempel, im Heian-Schrein/Ozaki-Park, im Shugakuin-rikyo -Garten) kommt die starke ästhetische Komponente zum Ausdruck, die auch heute noch in allen Bereichen des täglichen Lebens eine Rolle spielt. Die Gärten sollen auch Wege der Erleuchtung bieten und zu Gelassenheit führen. "Willst du einen Tag lang glücklich sein, trinke Bier; willst du einige Jahre glücklich sein, heirate; willst du ein Leben lang glücklich sein, lege einen Garten an", asiatisches Sprichwort.
In Japan selbst steht eher der heilige Berg Fuji-san für den Umweltschutz (früher nur für hohe Beamte zugänglich, bis in die Zwanziger Jahre des vorigen Jh. nicht für Frauen, wohl 663 erstmals von einem Mönch bestiegen) . Die hier aufgehende Sonne wurde auch zum Nationalsymbol Japans und prägt die Nationalflagge. Der eigentliche Name Japans "Nippon" (Nihon) bedeutet ja aufgehende Sonne. Der Fuji steht als Heiligtum und Symbol des Landes für Reinheit und als Tor in eine andere Welt (früher Sitz der Götter, Kami). Im Shintoismus dreht sich so gut wie alles um Reinheit und Reinigung. Shintoismus, Buddhismus und Konfuzianismus bilden eine integrierte Einheit in Japan: Shintoismus sehr diesseitig mit Moralregeln und enger Verbindung zur Natur (Umweltschutz ist Bestandteil der Kultur), Buddhismus mit Jenseitsbezug, der durch Rehe symbolisiert wird; Konfuzianismus als Grundlage des gesellschaftlichen Ordnungssystems mit Pyramidenform. Obwohl sich die japanische Regierung zur Zeit so "grün" wie noch nie gibt, wird das Ziel des Kyoto - Protokolls nicht erreicht werden: von 1990 bis 2012 die CO2 Emission um 6% zu senken wird mit 4% verfehlt. Auf dem G8 Gipfel 2007 unterstützte Japan die Position Deutschlands gegen die USA. Japan hatte von Deutschland 2008 die G8 Führung übernommen, das Folge - Treffen fand auf Hokkaido statt (in Toyako, bekannt durch den Vulkansee Toya und seine Kurquellen). In den folgenden Jahren tritt Japan eher wieder als Bremser in der Umweltpolitik auf. Auf Druck der Industrie wird 2010 ein Klimagesetz (keine Emissionsobergrenze) entschärft. "Und wenn du auch die Kraft hast, einen Berg zu versetzen, so brauchst du noch einen Verstand, der so groß und so ruhig ist wie ein Ozean", asiatisches Sprichwort.
"Länder wie die USA, Spanien, Portugal und Italien sind eigentlich alle bankrott. Die Zukunft liegt dort, wo das Geld ist. Das ist Asien", Jim Rogers, Mitgründer des Hedge-Fonds Quantum. Ostasien als Teil der Globalisierung: "Wenn es hinter den Mauern blüht, wird man es draußen riechen", (aus China). "Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen", (aus Japan). Gliederung: Begriff und Ursachen der Globalisierung, Welthandelsboom, Asien als Antreiber, Grundzüge der Globalisierung, Produktionsfaktor "Arbeit", Auswirkungen auf Deutschland und die EU, Geschichte, Ziele der Globalisierung.
Begriff und Ursachen der Globalisierung: zunehmende weltweite Vernetzung der nationalen Produkt-, Arbeits- und Kapitalmärkte (nie waren die Volkswirtschaften so eng miteinander verflochten; "Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten", Kurt Tucholsky). Staatsgrenzen verlieren an Bedeutung für ökonomische Transaktionen. Beschleuniger sind neue Technologien (Kommunikation), wissenschaftliche Innovation, niedrigere Transaktionskosten (Zollabbau), Deregulierung vor allem der Kapitalmärkte, die Dynamik der Schwellenländer, insbesondere die Öffnung Chinas. Seit dem Zusammenbruch Osteuropas 1990 ist der Begriff in der öffentlichen Diskussion. Er wurde vom Harvard-Ökonom Theodore Levitt bekannt gemacht. Im Zuge der Globalisierung verlagert sich das Epizentrum der Weltwirtschaft allein schon aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Richtung Asien und China wird bald die beherrschende Volkswirtschaft der Welt sein. Im Jahre 2025 dürfte China nach Schätzungen einen Anteil an der Weltwirtschaft (zu Kaufkraftparitäten) von 25% haben (gegenwärtig 2009 8%-Anteil am globalen BIP, Japan 9,1%). Insgesamt entwickeln wir uns wirtschaftlich zu einer multipolaren Welt; für Unternehmen bedeutet dies ein weltweiter Entscheidungshorizont. Die treibenden Kräfte in der Globalisierung sind der technische Fortschritt, der harte Wettbewerb zwischen den reichen Ländern und der Freihandel. Restriktionen liegen in der Begrenzung der Ölförderanlagen, der Agrarproduktion und der Infrastruktur. Für einige ist die Globalisierung eine positive Entwicklung, die neue Möglichkeiten für die Menschen in den unterentwickelten Ländern bringt; für andere eine Möglichkeit reicher Nationen, auf Kosten der ärmeren zu profitieren. In der Weltwirtschaftskrise 2009 nimmt der Protektionismus wieder zu, so dass sich die Globalisierung zurück entwickeln könnte. "Wir müssen einen weniger akademischen Erklärungsansatz für die Vorzüge der Globalisierung entwickeln", Neville Isdell, Coca-Cola-Chef." Welthandelsboom: Die fortschreitende Globalisierung weitet den Welthandel immer weiter aus. Nach der Weltwirtschaftskrise wächst er 2010 um 14,5%. Die Prognose für 2011 von der WTO lautet 6,5% (Exportvolumen). Augenscheinlich zeigt sich dies am Wachstum der Zahl der Handelsschiffe und Häfen (im Container-Umschlag 2007 Singapur vor Shanghai, Hongkong, und Shenzen; Güterumschlag auf See erreicht 2007 Höchststand). Der Welthandel wuchs 2006 um 8%, 2005 um 7,3%, im Jahre 2004 um 10,3% (lt. IWF Umfang der Exporte 2006 11920 Mrd. US-$). 2007 betrug das Wachstum des Welthandels 5,5%, wegen Risiken der Finanz- und Immobilienmärkte, große Handelsungleichgewichte) . Von 1950=100 wuchs er auf 2943 im Jahre 2005 (Index). Gemeint ist der reale Anstieg mit Waren und Dienstleistungen, die insgesamt exportiert oder importiert werden. Man spricht von globalem Kapitalismus. Das weltweite Handelsvolumen betrug 2007 28.194 Mrd. $ (2006: 24.541, WTO). Für 2009 kommt es nach der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem Einbruch von -12% (WTO, stärkster Einbruch seit 80 Jahren). Die erste Weltrezession seit 1945 ist da. Besonders betroffen ist Ostasien. Die WTO rechnet 2010 wieder mit einem kräftigen Anstieg von 9,5%. Ca. 40% des Welthandels wird durch die Luft abgewickelt (Flugzeuge). 12,5 Billionen $ ist der Wert aller Waren, die 2009 global gehandelt wurden. Durch die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 ist der Welthandel stärker eingebrochen als während der große Depression. Man konnte beobachten, wie die globalen Lieferketten zusammenbrachen. China ist mittlerweile Deutschlands drittgrößter Außenhandelspartner, 2010 stiegen die deutschen Exporte nach China um 44%. Nach Daten der WTO für 2010 ergibt sich folgende Rangfolge der Exportnationen (in Mrd. Dollar): China 1578, USA 1278, Deutschland 1268, Japan 770. In der Globalisierung (seit 1990) ist der Anteil der USA an den Weltexporten von 11,6 auf 8,5% 2010 gefallen. "Großes Potential liegt in Asien, aber auch nach wie vor in Osteuropa. hinzu kommt Südamerika", Wolfgang Reitzle, Linde-Chef, Handelsblatt 07.12.09, S. 4). Nach einer IWF-Berechnung ist die Weltwirtschaft (Welt - BIP) 2006 um 5,4% gewachsen (2007: 5,2% , 2008: 4,8%). 2010 soll die Weltwirtschaft um 4,6% wachsen, 2011 um 4,4% (IWF). Als Risiken gelten die hohen Ölpreise, die Dauerkrise in der Eurozone und die Megaschulden der USA. Darunter die reichen Länder 2010 um 2,6% (2011: 2,4%). Am stärksten wird das Wachstum für die Schwellenländer China und Indien prognostiziert (China: 2010 10,5%, 2011 9,6%; Indien: 2010 9,4%, 2011 8,4%). In Indexwerten wuchs das Welt - BIP vom Jahre 1950=100 auf 2005=779. China hat einen Anteil am Weltnationaleinkommen von etwas mehr als 5%, Anteil am Welt - BIP 2008 8% (12% nach Kaufkraftparität). Der Anteil am Welthandel beträgt 2009 10% (vor drei Jahren noch 3%). Die Erdbevölkerung wächst um ca. 80 Mio. Menschen (etwa die deutsche Bevölkerung) pro Jahr und hatte am 01.01.2007 6,6 Mrd. Menschen. In den Jahrtausenden wuchs sie um das 22fache, das Welt - BIP um das 300fache.Von 1950 bis 1998 wuchs die Weltwirtschaft so schnell wie nie zuvor. Aber auch die Einkommensschere zwischen dem Westen und dem Rest der Welt ist weiter als jemals zuvor. Das Welt - BIP pro Kopf liegt bei 8191 $ 2007. Knapp 23% des Weltsozialprodukts wird nicht verbraucht (gespart), doch die Verteilung hat sich grundlegend geändert: Die Industrieländer sind höher verschuldet, die Schwellenländer sparen zunehmend. Risiken des Welthandelsbooms sind die steigenden Rohstoffpreise (vor allem Öl) und die Korrekturen an den Finanzmärkten. Nach der Finanzkrise und durch die Weltwirtschaftskrise wird mit einem Rückgang der Weltwirtschaftsleistung 2009 um -0,8% gerechnet (die weltweite Industrieproduktion ist im ersten Quartal 2009 um 13% eingebrochen) . 2010 soll die Weltwirtschaftsleistung dann wieder um 3,4% wachsen, vor allem aufgrund der Schwellenländer (Goldman Sachs Prognose, IWF: 3,1%). Die weltweite Börsen - Kapitalisierung hatte 2008 einen Rückgang von -17,4 Billionen $. Im Sog der Schuldenkrise gerät die Weltwirtschaft Ende 2011 wieder in eine schwierige Situation. Das Weltwirtschaftsklima trübt sich ein. Euro-Krise, Geringes Wachstum in den USA und Abschwächung in China werden zu Risiken der Weltwirtschaft. Wahrscheinlich wird sich das weltweite Wachstum 2012 auf 3,2% verlangsamen. Erst ab 2013 soll es mit der wirtschaftlichen Dynamik allmählich aufwärts gehen. "Die Globalisierung führt dazu, dass immer mehr Länder und Märkte viel bedeutender werden", Deutsche Bank-Chef J. Ackermann. Asien als Antreiber: In Asien wuchs der Welthandel noch viel stärker. Im Jahre 2004 erhöhte er sich um 16,8% und 2005 um 12,1%. Für 2006 ergaben sich 14,3% und für 2007 noch 14,0%. Damit wird nach einer OECD-Studie in Asien mehr als die Hälfte des Weltwachstums generiert, insoweit ist Asien der Motor der Globalisierung. Das Exportwachstum in China allein betrug 2007 25,7%. Für 2010 gibt es in Asien (ohne Japan) 10,2% Wachstum. Die Exporte Asiens wachsen von 2009 auf 2010 um 32,1%, die Importe um 17,6% (China 28,4 und 22,1). In Asien werden 25% des Welt - BIP erwirtschaftet (der Haken ist: "die unersättliche, aber fast ausgelaugte, Konsumlust der USA sorgt für die Nachfrage, der Fleiß der chinesischen Arbeiter für ein Überangebot"). Die EU (27) hat einen Anteil von 24,6%, die USA von 24,1%. Damit sind die Blöcke 2010 etwa gleich groß. Aber es gibt gravierende Unterschiede bei der Bevölkerung: EU-27 396, USA 310, Asien 3200 Mio. Das weist auf Zukunftsmärkte hin. Die Wachstumsraten in den Schwellen- und Tigerländern Ostasiens liegen über 8%. Auch nach der Weltwirtschaftskrise Ende 2009 treiben China und Indien die Weltwirtschaft an (China +20% Industrieproduktion, Indien +10,3% im November). Um 7,4% soll Asiens Bruttoinlandsprodukt 2010 wachsen (ADB, Morgan Stanley). Asien wird immer mehr zum zum ökonomischen Zentrum der Welt. Der Anteil Asiens am zukünftigen Wirtschaftswachstum wird bei ca. 50% liegen. Der Anteil Chinas allein am Zuwachs der Weltproduktion seit 2000 liegt bei ca. 25%. Damit übertrifft Asien die Regionen Nordamerika und Europa sowie die Welt. Die Region Asien-Pazifik hat ihren Anteil am Welthandel in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Insbesondere der Anteil der USA schrumpft. Der Anteil Asiens am Welthandel betrug 2006 29,6%, Anteil an der Weltbevölkerung 60,3%. 2008 fällt das Exportvolumen Asiens (einschl. Australien) auf ca. 25% zurück. Im Jahr 2050 könnten China und Indien zusammen wieder mehr als doppelt soviel erwirtschaften wie die USA und West-Europa (Prognose vom Bankhaus Bär). Dann wäre der der Stand Mitte des 19. Jahrhunderts wieder erreicht. Nach Paul Samuelson (Artikel im Journal of Economic Perspectives 2004. "Bei Wal - Mart Lebensmittel billiger einkaufen zu können, reicht nicht notwendigerweise aus, um Lohnverluste auszugleichen", Ökonomie-Nobelpreisträger und berühmtester US-Ökonom über die Folgen der Verlagerung von Jobs ins Ausland.) können die Schwellenländer wie China und Indien durch technischen Fortschritt bei der Produktion von Industriegütern in die Lage versetzt werden, den Industrieländern des Westens bei den von ihnen exportierten Investitionsgütern mehr Konkurrenz zu machen (Verbreitung von Wissen!), so dass die Preise dieser Güter sich relativ zu den Preisen anderer Güter (z. B. Agrarprodukte) verringern (Terms of Trade!). Kurz gesagt heißt dies, wenn das arme Land dem reichen Land die Technologie klaut und im reichen Land nichts Neues entsteht, kann das arme Land das reiche Land einholen. Durch die Globalisierung wurde die Armut in Asien - vor allem in China und Indien - deutlich verringert: 300 Mio. Menschen leben weniger als vor 16 Jahren unter der Armutsgrenze (Bericht der UN 2006). Bis 2030 soll der durchschnittliche Lebensstandard der Menschen in China auf ein Niveau steigen, das dem des heutigen Spaniens entspricht. In Süd- und Ostasien liegen die großen dynamischen Wachstumsmärkte, während die Bevölkerung im Westen schrumpft und immer älter wird. China kann aber noch nicht die Rolle einer Lokomotive für die Weltwirtschaft übernehmen, weil das Wachstum zu sehr auf Exporten und Investitionen beruht. Trotzdem werden die asiatischen Teile der Wirtschaftskarte größer, vor allem durch China und Indien. Sie waren von der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 weniger betroffen und erholen sich schneller. Das Wachstum der Wirtschaft, das Vollbeschäftigung und Wohlstand garantiert, in den traditionellen kapitalistischen Ländern wird zur Zeit vor allem durch staatliche Geldspritzen aufrecht erhalten, was nicht unendlich dauern kann. Die Religionen der Chinesen, Inder und Japaner (Buddhismus, Konfuzianismus, Hinduismus) haben keinen universalistischen Anspruch, was ein großer Vorteil in der Globalisierung zu sein scheint. "Ein Wirtschaftsmodell, das auf zu starken Anlageinvestitionen und Exporten beruht, ist dauerhaft nicht tragbar", Sprecher des chinesischen Statistikamtes bei der Veröffentlichung der BIP - Zahlen im Sommer 2006. Aus den Schwellenländern kommt das Wachstum der Zukunft. Seit 2000 entsteht dort die Hälfte des Wachstums in der Welt (nach Kaufkraftparitäten 43%). Davon fließen die Hälfte in Investitionsgüter, die die Industrieländer liefern. Die meisten Schwellenländer haben auch geringere Defizite und einen niedrigeren Gesamtschuldenstand (2011): China -1,6% Defizit, 17% Schuldenstand (zum Vergleich: USA: -10,8%, 100%; Euro-Zone: -4,4%, 87%). "Die meisten Menschen leben in Ländern, deren Pro-Kopf-Einkommen weit unter dem der Industrieländer liegt. Der Aufholprozess dort wird dem Wachstum der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren weiter kräftige Impulse geben", George Akerlof, Ökonom und Nobelpreisträger 2001, University of California (in: Wirtschaftswoche 38/2009, S. 18.). Grundzüge der Globalisierung: Die Globalisierung schafft einerseits eine große, globale Nähe ("global village", Familie?) und andererseits unterwirft sie Staaten einem ökonomischen Standortwettbewerb, der ihnen Gestaltungsmöglichkeiten raubt (Unternehmen sind mobil, Länder sind immobil und müssen attraktiv sein). Trotzdem kann der Mensch den Markt beeinflussen, deshalb sollte man auch mit freier Selbstbestimmung gegen blinden Marktgehorsam angehen. Zusammen mit der demographischen Entwicklung zwingt die Globalisierung die Staaten auch, die Effizienz ihrer öffentlichen Sektoren zu überprüfen. Die Globalisierung hat die Schwankungen der Weltkonjunktur verringert (Konjunkturzyklen können besser absorbiert werden) und das Wachstumspotential der Weltwirtschaft erhöht. Sie hat auch zu dauerhaft niedrigeren Inflationsraten (disinflationärer Effekt, wird durch die Angleichung der Löhne verringert; die reichlich Liquidität in China könnte zu Inflation führen). Diese These ist umstritten und es gibt empirische Gegenbeweise (vgl. Working Paper von L. M. Ball vom NBER). Die Globalisierung hat zu niedrigeren langfristigen Zinsen geführt (2007 steigen aber die Zinsen weltweit). Sie bringt steigende Absatzchancen, vor allem im Bereich Know-how intensiver Güter. Verbraucher bekommen Spitzenprodukte zu geringeren Preisen. Der globalisierte, moderne Kapitalismus hat den Wohlstand insgesamt gemehrt, aber vertieft die ökonomische Spaltung in den Industrie- und Schwellenländern. Die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zwischen der USA als führende Wirtschaft und den übrigen Ländern sind größer geworden: Kühlt die Konjunktur sich in den USA ab, trifft dies vor allem China und Japan. Weil andere Länder stark von der Nachfrage Chinas abhängen, wirkt sich der Abschwung über die gesamte globale Lieferkette negativ aus. Der Schutz geistigen Eigentums erodiert und die Produktpiraterie ist eine bedeutende Größe in der Globalisierung geworden: 350 Mrd. € werden jährlich mit Plagiaten erwirtschaftet, ca. zwei Drittel stammen aus China. Die Wirtschaftskrise 2009 führt zu einer Trendumkehr bei Auslandsinvestitionen. Gerade der Internationalisierungskurs der deutschen Wirtschaft flaut ab (-40%, Unsicherheitsschock). Mit riesigen Haushaltsdefiziten finanzieren die Staaten ihre Konjunkturprogramme (-5%). Der Protektionismus behindert die Globalisierung noch: Schwellen- und Entwicklungsländer hoffen auf einen besseren Marktzugang für Agrarprodukte. Die Industrieländer fordern mehr Marktzugang für Industriegüter (Konflikt zwischen Indien und USA). Es rächt sich allmählich, dass die Globalisierung des Handels, der Produktion und der Nachrichten bisher sich vor allem auf Wachstum konzentriert war, weitgehend ohne globale Regeln und Kontrolle. Die zunehmende Weltbevölkerung und eine expandierende Globalisierung verbrauchen immer mehr fossile Energie und tun sich schwer mit Entsorgungsproblemen und Belastung von Boden, Luft und Wasser. "Chinas Aufstieg ist das wichtigste geopolitische Ereignis in unserem Leben", John Thornton, früher Vorsitzender von Goldman Sachs. Der Produktions-Faktor "Arbeit" , vor allem in seiner gering qualifizierten Form, scheint aber in jedem Falle der große Verlierer der Globalisierung zu sein (nach dem Heckscher - Ohlin - Modell verliert in der Globalisierung der vormals relativ knappe Faktor in einer Volkswirtschaft): das Angebot von Arbeit auf dem Weltmarkt hat sich vervielfacht (von 1,46 Mrd. auf ca. 3 Mrd. arbeitsfähige Menschen, davon haben nur ca. 800 Mio. einen festen Arbeitsplatz), wodurch die relativen Preise für den Produktionsfaktor "Arbeit" im Verhältnis zum zur Verfügung stehenden Kapital, sowie für arbeitsintensive Produkte und Dienstleistungen fallen. ("Frühestens in 30Jahren werden die Löhne in China das Niveau westlicher Länder erreichen", R. Freeman, Harvard). In den alten Industrieländern sind ganze Branchen weg gebrochen, Arbeitsplätze werden verlagert. Die Globalisierung drückt auf die Löhne und die abhängig Beschäftigten müssen immer mehr ihrer Sozialleistungen bezahlen, auch die Arbeitszeiten steigen. In Deutschland und anderen Industrieländer steigt der Anteil der Niedriglohnbezieher schnell an und die Nominallöhne dieser Gruppe sinken. Auch Südostasien bleibt nicht verschont: Die Arbeitslosigkeit hat sich von 1993 bis 2002 um 9 Mio. auf 14,6 Mio. erhöht (bei ungenauer Messung, lt. UN-Bericht, Gründe sind hauptsächlich die Rationalisierung und Privatisierung sowie das Bevölkerungswachstum). Die Jugend stellt etwa ein Fünftel der Erwerbsbevölkerung, aber die Hälfte der Arbeitslosen. Im Jahre 2005 hatte China allein fast so viele Arbeitskräfte in Industrie und Handel wie die EU, Nordamerika und Japan zusammen (412,5 Mio. gegenüber 416,9 Mio. ). Die globale Ökonomie ist trotz robusten Wirtschaftswachstums nicht in der Lage gewesen, insgesamt genug Arbeitsplätze zu schaffen. Trotzdem profitieren sowohl die armen wie die reichen Chinesen ("Win-Win"). Im Westen gibt es eine Win-Lose-Situation (Samuelson). Seit 2000 sind z. B. in den USA rund 3,2 Mio. industrielle Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Unternehmen in den Hochlohnländern müssen immer bessere, innovative Produkte entwickeln, die denen aus China überlegen sind. Diese können sie dann in der gleichen Warengruppe auch deutlich teurer verkaufen. Die Wettbewerbsfähigkeit muss ebenso verbessert werden, indem lohnintensive Produktionsaktivitäten nach China und Osteuropa ausgelagert werden. Das weltweit zunehmende Arbeitskräfteangebot drückt insgesamt auf die Löhne, schwächt den Konsum und macht dadurch die Wirtschaft der Industrieländer abhängig vom Export. Nur im Bereich der hoch qualifizierten Arbeitskräfte steigen die internationalen Beschäftigungschancen in einzelnen Sparten. Doch auch hier stellen Fortschritte der Informationstechnologie eine Bedrohung dar. Es ändert sich auch dramatisch die Form der Beschäftigung: Die Zahl der Beschäftigten ohne jede soziale Absicherung erreicht immer neue Rekordstände. In Jahre 2009 arbeiten weltweit 1,8 Mrd. Menschen ohne regulären Anstellungsvertrag, das sind 60% aller Erwerbstätigen. Bis zum Jahr 2020 könnte der Anteil informell Beschäftigter auf zwei Drittel steigen (so ist die Lage schon in Asien). Seit Zweitausend arbeiten in Lateinamerika 52,2%, in Asien 78,2% und in Afrika 55,7% im informellen Sektor mit unsicheren Jobs (ILO und WTO). 1,2 Mrd. Menschen arbeiten weltweit ganz ohne Arbeitsverträge (OECD). Die weltweite Wirtschaftskrise führt auch zu einem starken Rückgang der Migration. Viele Länder versuchen, ihre Fremdarbeiter in die Heimatländer zurückzuschicken (Spanien, Tschechien, Singapur). Insgesamt steigende Lebensmittel- und Rohstoffpreise könnten auch eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen. Durch die Weltwirtschaftskrise sind die Reallöhne 2008 weltweit aber nur um 1,4% zu 2007 gestiegen (ILO). Sicher wird das Wachstum der Produktivität wie auch der Verbilligung der Arbeit zu grenzenlos gesehen. Dieses Wachstum und die Ausbeutung der Arbeit wird nicht unendlich sein können. Infolge der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 steigt die weltweite Arbeitslosigkeit 2010 auf ein Rekordhoch in den Industriestaaten (213,4 Mio., 34 Mio. mehr als vor der Krise, ILO). Die globale Arbeitsproduktivität ist schwer zu messen. Laut einer Studie des Conference Board lag ihr Anstieg im Jahre 2010 bei 3,6%. 2011 betrug der Anstieg nur 2,5%. Dies könnte damit zusammenhängen, dass viele Firmen Personal in Krisenzeiten halten. Generell mit dem Einfluss von "made in China" auf westliche Jobs beschäftigt sich folgender Artikel: The Relative Sophistication of Chinese Exports, Peter K. Schott, in: Economic Policy, Bd. 53, S. 7-49 (Januar 2008). Zu dem Thema "Aspekte der Globalisierung" habe ich viele Jahre im Diplomstudiengang "Marketing" eine Veranstaltung angeboten. "Die globale Vernetzung der Wirtschaft nimmt rasant zu", Capgemini - Europachef Schnieder. Auswirkungen auf Deutschland und die EU: Deutschland wurde kurzfristig durch die Fehler in der Wiedervereinigung und der Währungsunion zurückgeworfen. Insgesamt ist Deutschland extrem stark in die Globalisierung eingebunden: 40% des BIP werden im Export erwirtschaftet, 9 Mio. Arbeitsplätze hängen vom Export ab. 75% des Umsatzes erzielen die 30 Dax - Unternehmen, die auch teilweise überwiegend in ausländischer Hand sind, im Ausland. Der Asien-Boom führt zu Verlagerungen von Arbeitsplätzen nach Ostasien (Outsourcing) und die industrielle Basis Europas bröckelt ("Wir haben doch längst keine Wahl mehr, wo wir Arbeitsplätze schaffen", Bernd Pischetsrieder, ehemaliger VW-Chef, zur Patriotismus - Aufforderung der Politik.). Die Wertschöpfung wird immer mehr im Export verdient und es wird weiter Produktion nach Osten verlagert werden, weil die Schwellenländer zunehmend in die Wertschöpfung Europas und der USA eingebunden werden. Dies führt zu weiteren Arbeitsplatzverlusten im Westen, aber positiven Abhängigkeiten (gegenseitiges Verständnis oder Wohlstandskrieg?). Die Nettoverdienste je Arbeitnehmer sind in Deutschland 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3% gesunken. Im Gegensatz dazu steigen die Einkünfte aus Kapitalerträgen stark an, was für eine Mitarbeiterbeteiligung spricht. Deutsche Unternehmen profitieren insgesamt stark von der Entwicklung in Asien, sind also Gewinner, wobei die Chinesen mehr als Partner akzeptiert werden müssen. Deutschland und China gehören insgesamt zu den großen Gewinnern der Globalisierung. Der Asien-Boom treibt die Energie- und Rohstoffpreise nach oben. Die Preise für Kupfer, Stahl und Aluminium sind rasant gestiegen. Die Konflikte um Ressourcen werden zunehmen (globale Ölnachfrage 2006 +0,9%; Chinas Anteil an den Weltimporten: Eisenerz 46%, 36% Baumwolle). China selbst fördert 31% Eisen und 25% Bauxit in Anteilen der Weltförderung. Auch der Raubbau an der Natur wird verschärft und die Umweltbelastungen steigen stark, wodurch sich der Weltklimawandel beschleunigt ("Gift für den ganzen Erdball", Der Spiegel; China hat noch als Entwicklungsland das Kioto - Protokoll nicht unterschrieben, ist der zweitgrößte Erzeuger von Treibhausgasen nach den USA). Die weltweite Wasserkrise ist kurzfristig noch bedrohlicher, weil die Senkung des Grundwasserspiegels den landwirtschaftlichen Anbau unmöglich macht( auch in Indien und China). Verschärft wird dies durch die hohe Produktion von Biosprit (Maispreis in China 2007 +15%). 2006 hatte die EU ein Handelsbilanzdefizit von 89,9 Mrd. € gegenüber China (gegenüber 2005 ein Zuwachs um 42,6%). Die EU hat einen Anteil von 34,2% am Welt - BIP (2009; USA 26,8%, China 8%, Japan 9,1%). Für die internationale Wettbewerbsfähigkeit könnte die zunehmende Vernetzung Chinas, Japans und Indiens große Auswirkungen haben. "Die Macht verschiebt sich eindeutig von West nach Ost", David Miliband, britischer Außenminister, über die Folgen der Globalisierung. Geostrategisch könnte China die Schwächung der Globalisierung durch den Irak-Krieg ausgleichen. Der Einfluss der niedrigen Warenpreise auf unseren Preisindex ist positiv: dadurch profitieren Verbraucher und die Zinspolitik der EZB relativiert sich in ihrer Bedeutung. Dieser Effekt kann durch protektionistische Importzölle und die steigende Inflation abgeschwächt werden. Chinas gegenwärtiger Kurswechsel mit weniger Wachstum und mehr Konsum könnte den Energiebedarf Chinas reduzieren und damit auch die globalen Ungleichgewichte zwischen den hohen Ersparnissen Asiens und dem riesigen Leistungsbilanzdefizit der USA verringern. Mobile Faktoren haben eine Exit - Option (Sparer verlagern Geldanlagen, Unternehmen verlagern Realkapital). Wähler messen den Erfolg der Regierung am Beispiel der Nachbarn ("Yardstick - Competition"). Krisen der sozialen Sicherungssysteme, Gesundheits- und Bildungssysteme können verschärft werden. In Chinas Bildungsinstitutionen schlummert ein riesiges Potential an Kreativität, das den Wettbewerb um Wissen dramatisch verschärfen wird (nicht Produktpiraterie ist das Problem!); und Europa muss aufpassen, nicht den Anschluss an die USA und China zu verlieren. Am dringendsten sind Qualifizierungsmaßnahmen für die Erwerbstätigen (Trainingprogramme für Arbeitslose, Job - Betreuung). In der Handelspolitik der EU gegenüber China ist es wichtig, eine Verbesserung der Rechtsinstitutionen für ausländische Produktion in China und ein weiteres Öffnen der Märkte anzumahnen. "Das Ausmaß, in dem China die Welt aus dem Gleichgewicht bringt, ist so gewaltig, dass die Welt binnen 30 bis 40 Jahren eine neue Balance finden muss. Man kann nicht so tun, als sei China nur einfach ein weiterer großer Mitspieler. Es ist der größte in der Geschichte der Menschheit". Lee Kuan Yew, Ex - Staatspräsident von Singapur. Geschichte: Globalisierung hat es schon immer gegeben, nur in kleineren Räumen und durch Kriege unterbrochen. Als Beispiele seien die Ansätze in der Bronzezeit (Zinn gegen Bernstein), das Imperium Romanum, die Hanse in der mittelalterlichen Weltwirtschaft, Portugal und Spanien im 15. Jh. (Zusammenbruch der europäischen Silberminen durch die Entdeckung Amerikas), die Fugger und Welser als reichste Handelsfamilien der Welt im 16. Jh. , sowie die Niederlande und England im 17. und 18. Jh. genannt. So zeigen die Bilder des niederländischen Malers Jan Vermeer Kernpunkte der Globalisierung im 17. Jahrhundert (Die Perlenwägerin, Der Geograph, Briefleserin am offenen Fenster). Manche Kollegen sehen historisch auch die Entdeckung des Seeweges nach Indien 1498 durch Vasco da Gama und die Gründung von Kalikut/ Kappad Beach als Geburtsstunde der Globalisierung an. Seit der Einigung der streitenden Reiche in China unter dem ersten Kaiser Qin Shihuangdi im Jahre 221 v. Chr. hat kein anderes Weltreich es so gut verstanden, dauerhaft jene Größe zu behaupten. Noch 1820 bestritten Indien und China zusammen 50% der Weltwirtschaft (China allein 33%). Mit Ausnahme der zurückliegenden 200 Jahre war so der technische Fortschritt und die Macht in Ostasien ähnlich oder höher als im Westen (rund 5000 Jahre besteht die chinesische Kultur, um 1000 war China mit Abstand das Land mit dem höchsten Lebensstandard). Deshalb gilt auch: "Der Aufstieg Chinas und Indiens sollte weniger als eine neue Entwicklung verstanden werden, sondern eher als ein Wiederaufstieg", Jairam Ramesh, indischer Politiker. Wenn wir heute Angst vor "Know-how-Klau" in China haben, sollten wir nicht vergessen, dass dort oft Jahrhunderte vor Europa der Reis-, Soja- und Teeanbau, der Weinbau (nach Kleinasien kam die "Erfindung" des Ackerbau vor 10.000 Jahren als zweites nach China), die Essigproduktion, die Spaghetti (mit Marco Polo nach Italien), das Schießpulver, der Kompass (berühmt ist auch der Seismograph, den Zhang He benutzte), der Buchdruck (ältestes gedruckte Buch der Welt aus dem 9. Jh. erhalten), das Papier (Eunuch Cai Lun), das Porzellan (um 620, in Meißen/ Albrechtsburg erst 1709 durch Böttger unter König August dem Starken), die Seide, die Pockenschutzimpfung, die Zahnbürste, den faltbaren Regenschirm, das Toilettenpapier, die Trockendocks, das Bambusprinzip im Schiffbau (Schotten) ebenso wie Schaufelräder, der Webstuhl, das Fernglas und der Eisenguss erfunden wurden. Auch Geldscheine gab es zuerst dort: handgeschriebene Quittungen ersetzten schwere Eisenmünzen, sie wurden "Fei chien" ( fliegendes Geld, Song Dynastie, 960-1279) genannt. Auch die Entwicklungen in Mathematik, Astronomie, Medizin und anderen Wissenschaften waren oft weiter als in Europa. Vgl. Institute of the History of Natural Schiences, Chinese Academy os Sciences: Ancient China`s Technology and Science, Beijing1983. Der Jesuit Adam Schall von Bell aus Köln lebte im 17. Jahrhundert in Peking. Er brachte es zum kaiserlichen Astronom (Kalender-Mandarin). Durch die Nähe zum Kaiser konnte er viel für das deutsch-chinesische Verständnis tun. "Ihr seid überrascht, weil ihr euch zu wenig mit Geschichte befasst", Zhao Xiao, chinesischer Ökonom und Regierungsberater, über den Wiederaufstieg und die Rolle Chinas in der Globalisierung. "Wir waren ungewaschene Schweine, als sie die fantastischste Kultur der Welt hatten", Anthony Bourdain, New Yorker Koch und Bestsellerautor über die Essenstradition der Chinesen. "Diese menschliche Rasse in dieser Region wird nie wie Römer und Griechen werden. Die Chinesen sind und bleiben: ein Volk, das von Natur ausgestattet wurde mit schmalen Augen, kurzen Nasen, einer flachen Stirn, wenig Bart, langen Ohren und vorstehenden Bäuchen; was ihre Institutionen hervorbringen konnten, haben sie hervorgebracht", der "Aufklärer" J. G. Herder. In der Bundeskunsthalle Bonn wurden von April bis Juli 2006 Grabfunde und Tempelschätze aus Chinas alter Hauptstadt Xi´an gezeigt. Mehr als 1000 Jahre regierten die Himmelssöhne von Chang`an ("Langer Friede") aus, wie Xi`an zu jener Zeit hieß. Der Ausstellungskatalog "Kaiserliche Macht im Jenseits" enthält sehr informative Essays zur Geschichte, insbesondere Kulturgeschichte. Vor der Globalisierung können wir uns nicht verschließen. Die Zeiten nationalstaatlicher und damit wirtschaftlicher Grenzen sind ein für allemal vorbei", Klaus Kleinfeld, ehemaliger Siemens - Chef. Ziele der Globalisierung: Die Industrieländer können nicht auf Dauer die Probleme in ärmeren Ländern ignorieren. Die Wohlstandsverteilung in der Welt muss fairer gestaltet werden, indem Freihandel nicht nur in Worten, sondern auch in der Praxis verwirklicht wird. Nur China und Indien, die einst auch sehr arm waren, sind heute aufgrund ihrer Macht eingebunden. 2050 werden diese Länder die Spitze der Weltwirtschaft bilden, vor USA, Brasilien, Japan, Russland, Mexiko und Indonesien (Deutschland dann an neunter Stelle, Prognose des IWF). Der Lebensstandard vieler Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Südamerika sollte weiter wachsen, aber Entwicklungspolitik darf nicht nur Exportförderung sein. Die internationalen Institutionen, die bisher den Zielen der Industrieländer dienen, indem sie die Spielregeln festlegen, müssen demokratisiert werden. Dringend müssen neue Organisationen (Global Governance) aufgebaut werden, die die globalen Probleme (so auch das Wohlstandsgefälle) angehen. Vor allem die Transparenz der Finanzmärkte muss erhöht werden. Die Verletzung elementarer Menschenrechte wie die Missstände "Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Öko-Dumping" müssen durch Mindeststandards, etwa bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in den Industrieländern, bekämpft werden. Ein Zurück zur Abschottung ist nicht mehr möglich, alle Länder müssen sich dem Wettbewerb stellen und an der Globalisierung partizipieren. Eine wettbewerbskompatible Rahmenordnung muss zum globalen Wandel begleitend entwickelt werden. Diese muss dem Umkippen ökologischer Gleichgewichte und der Verteilung knapper Energie - Ressourcen höchste Priorität einräumen. Die Knappheit von Nahrungsmitteln und Energie korrelieren (z. B. bei Bioenergie), Eigenheiten der Finanzmärkte wirken verstärkend (Spekulation). National wird es zu Anpassungen kommen müssen: Änderung der Lohnstruktur, Lohnzuschüsse für Geringqualifizierte, Modifikation der Steuerpolitik (duale Einkommensteuer). Entscheidend für die weitere Entwicklung der Globalisierung wird sein, wie wettbewerbsfähig die Schwellenländer auch in nicht arbeitsintensiven Branchen werden (Verringerung des technologischen Vorsprungs) und wie innovativ die Schwellenländer bei High Tech - Produkten werden. China muss sich darauf gefasst machen, für viele Begleiterscheinungen der Globalisierung zum Sündenbock gemacht zu werden. Nach der weltweiten Finanzkrise 2007/8 und anderen Problemen nehmen die Near-Shoring-Tendenzen (Produktion in der Nähe der Heimat) zu. Die Globalisierung scheint langsamer zu werden. Nicht nachlassen wird jedoch der Wettbewerb um knappe Rohstoffe und Energie. Noch unklar ist, wie das Wachstum der virtuellen und realen Geldmenge wieder in ein vernünftiges Verhältnis zu geldwerten Produktionsmitteln und Gütern gebracht werden kann. Eine IWF-Prognose für 2010 sieht folgende Gesamt-Schulden in Prozent des BIP: China 19,1%, EU 84,1%, USA 92,7%. "Der schlaue Chinese löst den fleißigen Chinesen ab", Joachim Ihrke, Asienchef der Unternehmensberatung Droege. "Den Tiger reiten, um nicht von ihm gefressen zu werden", Koreanisches Sprichwort. "Einige unserer Zulieferer verlegen ja jetzt schon ihre Werke von China nach Vietnam, weil China zu teuer geworden ist", Philips-Chef Gerard Kleisterlee. "Auch ein Affe fällt vom Baume", Japanische Weisheit. China: (direkt zu Japan) Die Wirtschaft Chinas hat noch einige Schwierigkeiten: Was China überwiegend verkauft, ist billig. Was China aus dem Ausland braucht, ist teuer. Dreifünftel der Ausfuhren stammen von ausländischen Firmen in China. Dagegen steht nur eine chinesische Weltfirma im Ausland, nämlich Haier. Die Unterbewertung der Währung verteuert die Importe und senkt den Innovationsdruck im Inneren. So bleiben die Staatsbetriebe weiterhin unrentabel (verdeckte Arbeitslosigkeit). Hinzu kommt, dass die Produktion in China immer höhere Umweltkosten (z. B. schlechte Luft, schmutziges Wasser) mit sich bringt. Mit dazu bei trägt auch die rasant schnelle Urbanisierung (einschließlich nicht umweltschonender Bauweise). Unter den Umweltproblemen (vor allem Wasserknappheit) leiden besonders die Bauern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwar jeder fünfte Mensch Chinese ist, aber nur 4% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde in China liegt (die Reiskammer Chinas ist die Provinz Yunan im Südwesten mit Terrassenanbau und Wasserbüffeln). Die Disparitäten zwischen den Provinzen sind erheblich. Gravierend ist der Unterschied zwischen den entwickelten Küstenstreifen und dem so genannten Hinterland Außerdem sind in der Vergangenheit besonders hohe Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Rohstoffen/ Energie zu beobachten gewesen (werden bei Boom wiederkommen). Schweinefleisch ist zum Beispiel 2008 60% teurer als vor einem Jahr (extreme Preissteigerungen auch 2011, Schweinezyklus). Spekulatives Geld kommt mittlerweile auch von außen, weil die Zinsen in den USA niedrig sind. Die Liquiditätsschwemme kommt ebenso über den Devisenmarkt. Immer noch landet ein großer Teil der Liquidität als Sparen in den Guthaben der Privathaushalte ("Tiger im Käfig"). Die Bekämpfung der Liquiditätsschwemme ist schwierig, da die Währung nicht frei konvertierbar ist. So versucht man vor allem, die Folgen der Inflation über Subventionierungen der Nahrungsmittel und des Diesels abzumildern. Die großen chinesischen Banken (ICBC, BOC, China Construction Bank, ABC) sind auch leicht in die Krise des amerikanischen Subprime-Marktes verstrickt. Sie haben hohe Abschreibungen und schleppen sowieso schon viele "faule Kredite" (meistens an Staatsfirmen) mit sich rum. Sie gelten aber als sicher, weil der Staat Hauptanteilseigner ist. Ein großes Problem stellt auch immer noch die unzureichende Infrastruktur dar (Wasseranschlüsse, Elektrizität, Straßen- und Schienennetz). Die fortschreitende Urbanisierung (erstmals leben 2012 mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land) hilft nur einem Teil der Menschen (das Hukou-System kontrolliert auch weiterhin). Die weltweite Finanzkrise 2008/2009 bringt einen Exporteinbruch und nicht so hohes Wachstum 2009 (nur 8,7%, die "rote Linie" von 8% wird überschritten, trotzdem hohe Arbeitslosigkeit). Trotzdem war 2009 das schwierigste Jahr seit dem Aufstieg Chinas (so Wen Jiabao auf dem Volkskongress im März 2010). China hat zu wenig Arbeitsplätze. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben erhebliche Schwierigkeiten. Vor allem im Süden Chinas haben ca. 30.000 Unternehmen 2008 geschlossen, die Unternehmern aus Hongkong gehören. Dies ging 2010 weiter. Der chinesische Konsum hinkt schon seit Jahren dem Wirtschaftswachstum hinterher. Der Anteil der Löhne am BIP sinkt, die Sparquote ist relativ hoch (die Jungen sparen viel, die Alten lösen ihre Ersparnisse nicht auf). China konnte aber als erstes Land die Krise überwinden und könnte Asiens Lokomotive werden (vor allem für Japan). Es droht eine "Sägezahn-Entwicklung": diese Achterbahn könnte die sozialen Spannungen erhöhen. Chinas neuer Nationalismus gerät immer öfter in Konflikt mit ausländischen Unternehmen (2010: Google). Als großer Unsicherheitsfaktor gilt die Immobilienblase. In der Finanzkrise 2008 wurde in China aus Angst der Geldhahn aufgedreht, was viele lokale Kader rigoros auch für unsinnige Projekte nutzten. Land wurde veräußert bzw. von den Bauern enteignet. Insgesamt wurden darüber hinaus viele unsinnige Investitionsprojekte (Fehlinvestitionen) angeregt. Der Binnenmarkt schwächelt weiterhin. Immer mehr muss Chinas Wirtschaft auch auf Innovationen und Hightech umstellen. "Wir heißen Chinas Anstrengungen willkommen, eine größere Rolle auf der Weltbühne zu spielen", Barack Obama 2009 bei seinem China-Besuch. Gesellschaftlich sind die Einkommensunterschiede zwischen Armen und Reichen immens (eine relativ ungerechte Gesellschaft). In einigen Provinzen Zentralchinas verdienen Arbeiter und Angestellte durchschnittlich nur ein Drittel des Lohnes ihrer Landsleute in Peking oder Shanghai. Dabei ist noch nicht die Rede von den zig Millionen armer Bauern. In den Billiglohnfirmen im Süden Chinas gibt es sehr schlechte Arbeitsbedingungen (Verstöße gegen Arbeitsrecht, 70 Stundenwoche, Löhne unter gesetzlichem Mindestlohn, schlechte Hygiene). Insgesamt steigen die Einkommen aber aufgrund der stark wachsenden Arbeitsproduktivität (Haupttreiber ist die Urbanisierung). Der "neue Mittelstand" in China, den es auch gibt, ist schwer zu fassen. Die Focusierung auf den Clan/die Familie, die es immer gab, ist mit der Ein-Kind-Familie weggefallen. Durch diese gibt es in vielen Regionen einen Männer-Überschuss. Dies wird sich verstärken, wenn in den nächsten 20 Jahren 300 Mio. Menschen vom Land in die Städte ziehen. Wie aber sehen die Strukturen der Zukunft aus? China ist ein einzigartiges Laboratorium der gesellschaftlichen Entwicklung. Gegenwärtig findet gleichzeitig eine Rückbesinnung auf das Religiöse (auch mehrere Religionen bei einer Person) und den Konfuzianismus ("Weisheitslehre") statt. China ist kein Nationalstaat europäischen Musters, sondern eine Kontinentalmacht. China muss gleichzeitig den internationalen Machtzuwachs und seine großen internen Veränderungen (sozialer und wirtschaftlicher Wandel, Machtverschiebungen) bewältigen. Die Spannungen zwischen dem materiellen Entwicklungsstand und den politischen Strukturen können die langfristige Entwicklung stören. "In diesem Land ist jede Bewegung eine am Abgrund", N. N. , zitiert nach "Der Spiegel", 32/ 2008, S. 84. China wird immer wieder von schweren Naturkatastrophen heimgesucht. Die letzte war das schwere Erdbeben 2008 in Sichuan, bei dem über 87.000 Menschen starben. Rund 375.000 Chinesen wurden verletzt (12.000 Schulen stürzten ein). Die Wüste und Versteppung schreiten voran, zunehmend treffen Sandstürme auch die reichen Regionen (z. B. Peking 2010). Der Südwesten Chinas, ein wichtiges Agrargebiet, wird von Dürre heimgesucht. Man versucht, ihr durch Brunnen bohren Herr zu werden. Die ethnischen Konflikte zwischen den Volksgruppen nehmen zu (oft vermischt mit sozialen und ökonomischen Motiven). Ebenso zu nimmt der Verteilungskampf zwischen den Provinzen. Die rückständigen Provinzen hätten gerne weiter hemmungsloses Wachstum, Konjunkturhilfen und geringere Umweltstandards. In den reichen Küstenprovinzen werden zunehmend auch die Interessen der Superreichen vertreten (mittlerweile auch viele im Volkskongress). "Kein Land kann China besiegen. Nur unsere eigene Korruption kann uns zerstören", General Liu Yan, Chef der Logistik-Abteilung der Volksbefreiungsarmee (nach Die Zeit 19/2012, 03.05.12, S. 3). Im politischen Bereich spricht man von den "Drei T - Problemen": Taiwan, Tibet, Tiananmen. In Tibet gibt es Chrom, Kupfer, Blei, Gold, Eisen, Erdöl, Zink und Uran. Außerdem ist Tibet reich an Wind- und Wasserkraft. Zehn große Flüsse Asiens entspringen in Tibet, das durch seine Lage auch für die Monsunregen in Asien sorgt. Es gibt aber über das rein Wirtschaftliche hinaus die traumatische Erfahrung aus dem Bürgerkrieg und die Angst vor der Balkanisierung. Tibet ist immer autokratisch regiert worden und war lange Zeit eine feudale Theokratie (regiert vom buddhistischen Klerus unter Führung des Dalai Lama, der die einfachen Tibeter ausplünderte ). Schon im 13. Jahrhundert unter dem Mongolenkaiser Kublai Khan gehörte es zu China (wie auch später lange Zeit; zuletzt seit Mao). Von 1904 bis 1947 war Tibet von britischen Truppen unter Führung von Francis Younghusband besetzt. Bedacht werden sollte auch heute, dass die Exilregierung in Dharamsala/ Indien eher undemokratisch und religiös intolerant ist sowie keine Berührungsängste zu Diktatoren hat. China sieht sich selbst als "Reich der Mitte" (Zentrum der Welt), das sich nichts vorschreiben lässt und sehr stolz auf seine lange Geschichte und Kultur ist. Die politische Führung hat wie einst der Kaiser nur ein "Mandat des Himmels": wenn sie nicht den Wohlstand fördert, kann sie abgestraft werden (Beispiel: Entstehung der Ming-Dynastie durch revoltierende Bauern). Jedes Jahr gibt es circa 80.000 gewalttätige Massenproteste, vor allem im Westen und Nordwesten Es besteht ein hoher Erwartungsdruck. China hat Angst vor dem Ägyptenvirus (Jasmin). Nur ein stabiler Wohlstand lässt politische Repression zu. Mittlerweile kommt es infolge von Internet-Aufrufen zu einzelnen Protesten. Deshalb wird auch immer rasch bei steigenden Lebensmittelpreisen reagiert. China ist noch kein Rechtsstaat ("Loose Face" ist das Schlimmste: "Gib jemandem Gesicht, lass niemanden seines verlieren und wahre dein eigenes", Chinesisches Sprichwort). Das Recht entspricht deutschem Recht (bis auf Aktienrecht und Bankenrecht, USA); die Rechtsprechung ist ganz anders. Die Zentrale in Peking kann auch nicht Alles kontrollieren, so dass die Provinzen eine natürliche Autonomie haben. Im Dorf Wukan können 2012 erstmals demokratisch neue Ortsvorsteher gewählt werden. Regionale und lokale Regierungen zerren am Machtanspruch der Partei, aus ökonomischem Eigeninteresse. Taiwan wird von vielen multinationalen Unternehmen zu "Greater China" gerechnet. 2008 gibt es eine Annäherung durch ein erstes Treffen der Parteichefs nach 60 Jahren (Vereinbarung direkter Flugverbindungen). Außenpolitisch unterhält China in Rivalität zu Indien besonders enge Beziehungen zu Pakistan und Burma. China fürchtet eine Einkreisung durch Indien, Russland, Südkorea und Japan. Im Finanzmarktbereich scheint es mittlerweile eine Zusammenarbeit mit Japan zu geben. Die tibetisch-nepalesische Grenze wird seit 2007 stark überwacht. Die Flucht von Tibetern soll verhindert werden. Zu Füßen des Cho Oyu wird vor allem der Nangpa La - Pass kontrolliert. China vorgelagert ist eine Inselkette, die von der Koreanischen Halbinsel über Japan, Taiwan, die Philippinen bis nach Indonesien reicht. Alle diese Staaten sind mit den USA durch Militärabkommen oder Sicherheitsgarantien verbunden ("umgekehrte Große Mauer"). Streit gibt es mit Vietnam um die Paracel- und Spratly-Inseln. Die USA und China kämpfen um die Vorherrschaft im Pazifik. Umstritten sind die Seegebiete, die China kontrollieren will. Die USA verfügen über eine Reihe von Marinestützpunkte in dem Bereich. Heute sieht sich das Land als "Daguo" (die Großmacht), das groß sein will, aber frei von imperialen Zielen. Probleme kommen auch in folgenden Zitaten zum Ausdruck: "China hat mit dem Papier auch die Bürokratie und den Beamtenstaat erfunden", N. N. Ebenso: "Fette Beamte ergeben dürre Bauern", altchinesische Weisheit. "Lass den hohen Berg sein Haupt beugen! Mach den Fluss gefügig", Mao Zedong, Gedicht von 1958 (als man noch nicht an die Umwelt dachte). "Die Tibetkrise trägt in sich das Potential, zu einer Krise zwischen China und dem Westen und zu einer Weltkrise zu eskalieren", Konrad Seitz, Ex-Botschafter. Japan: Wirtschaft: Die Probleme Japans liegen darin, dass es zum einen die Nation mit der ältesten Bevölkerung der Welt ist (höchste Lebenserwartung, Geburtenrate 1,26; Prognose nimmt ein Schrumpfen in den nächsten 50 Jahren um 40 Mio. an), und dass zum anderen der Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft am langsamsten von allen Industrienationen erfolgt. Außerdem ist der Schuldenstand mit über 190% des BIP extrem hoch (ca. 7 Billionen Yen). Die Wirtschaft Japans boomte zwar seit sechs Jahren wieder bis 2008, doch vom Aufschwung profitieren nicht mehr alle (immer weniger volle und feste Arbeitsplätze, Spaltung zwischen Armen und Reichen, Zulieferer - KMU haben zunehmend Schwierigkeiten). Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird immer größer. Mit einem Zeltdorf mitten in Tokio im Hibiya-Park gelingt ein Tabubruch. Als erste von der Krise betroffen sind die Zeitarbeiter. Bis März 2009 wurden noch 85.000 entlassen. Sie verlieren damit auch ihre firmeneigene Unterkunft. Beim Pro-Kopf-Einkommen ist das Land vom vierten auf den achtzehnten Platz abgerutscht, der Anteil an der Weltproduktion fiel von 18% im Jahre 1994 auf heute ca. ein Zehntel. Durch die hohe Abhängigkeit vom amerikanischen Markt zieht eine Rezession dort Japan mit nach unten. Dies geschieht auch Ende 2008/ 2009; die Industrieproduktion bricht um 8,1% ein (wie noch nie nach dem Krieg). Die Exportindustrie kämpft Ende 2008 und 2009 mit starken Umsatzeinbrüchen. Mit dazu bei trägt auch die Aufwertung des Yen (der Yen-Kurs wird auch vom Carry - Trade beeinflusst) . Um Kosten zu sparen, müssen immer mehr Unternehmen im Ausland produzieren (China?). Immer schneller wandert die Produktion ins Ausland ab. Die Wirtschaft kommt auch 2010 nur langsam in Fahrt (Privater Konsum rückläufig). Das Land wird als zweitgrößte Volkswirtschaft von China abgelöst. Preisdeflation kommt immer wieder. 2011 hat Japan erstmals seit 30 Jahren ein Handelsbilanzdefizit (Import an Energie). Beunruhigend ist auch die soziale Deformation bei der Renten- und Gesundheitsversicherung. Die Wirtschaftswunderjahre sind endgültig vorbei. Den Preis muss Japan aber heute noch bezahlen: Korruption, Billiglöhne und Atomkatastrophen. Immer noch ist Japan auch nach Fukushima auf der Suche nach einem Kompromiss zwischen Wirtschaftsinteressen und den Ängsten der Normalbürger. Das "Atomdorf" (Verflechtung zwischen Tepco und Politik) besteht weiterhin. Naturkatastrophen: Das Land liegt in einer Erdbebenzone. Immer wieder kommt es zu schweren Erdbeben. Das Jahrhunderterdbeben 2011 verbunden mit einem Tsunami richtet große Schäden an und tötet viele Menschen. Zwei Atomkraftwerke werden schwer beschädigt. In Fukushima tritt nach einer Explosion radioaktives Cäsium, Jod, Plutonium und Strontium aus. Mehrere Meiler geraten außer Kontrolle. In der Erdbebengegend sind auch Halbleiter- und Autowerke betroffen, die abgeschaltet werden müssen. Die Produktionsausfälle sind hoch. Sie werden verschärft durch einen massiven Strommangel und Energiemangel insgesamt. Besonders betroffen ist die Lebensmittelindustrie. Die Fischerei in dem Gebiet steht vor dem aus. Die Folgen für Japan sind unabsehbar. Es setzt sofort eine Diskussion über die Finanzierung des Wiederaufbaus ein. Erwogen wird eine Sondersteuer (Solidaritätszuschlag). Insgesamt wird sich der Staat mit Wiederaufbaumaßnahmen im Bereich der Infrastruktur und mit sozialen Hilfsprogrammen engagieren müssen. Der Wiederaufbau hat zwei Seiten: z. B. boomt Sendai wieder, während noch viele kleinere Städte in Trümmern liegen. Japan beeinflusst natürlich auch die Weltwirtschaft: Es hat am weltweiten BIP einen Anteil von 8,9%. Die Importe aus der Welt haben einen Anteil von 4,2%. An der Weltbevölkerung hat das Land einen Anteil von 1,9% (alle Zahlen von 2010). Es wird Dominoeffekte in den Wertschöpfungsketten geben. Gesellschaft und Politik: Der Strukturwandel im Land bringt viele Probleme mit sich. Die starke Zunahme prekärer Beschäftigungsformen steht im Widerspruch zur hohen Bedeutung der Arbeit. Die Rolle der Frau und ihr Wandel belastet viele Frauen. Viele wollen als Singles in den großen Städten leben. Die starke Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik verhindert wichtige Reformen. Die Parteien sind sehr zerstritten. Die Solidarität in der Gesellschaft brökelt. "Ein großer Kessel kocht langsam", Japanische Weisheit. "Sobald die Steine schwimmen, versinken die Blätter", Japanische Weisheit. "Macht selten die Worte, dann geht alles von selbst", Laotse: Die Weisheit des Tao Te King. Im SS 2004 organisierte ich ein Symposion "Transformation in China" , das in die Lehrveranstaltungen bei Marketing Ostasien im Hauptstudium (International Economics) integriert wurde. Termin war der 24. April 2004 (ganztätig). Die Veranstaltung war im Ostasieninstitut. Mit Transformation ist der Umwandlungsprozess vom Wirtschaftssystem der Planwirtschaft auf das System der Marktwirtschaft gemeint. Als Referenten waren Prof. Dr. G. Brinkmann (Uni Siegen), Prof. Dr. R. Busch (FH Ludwigshafen), Prof. Dr. X. Gu (Uni Bochum), Dr. K. -P. Hopp (Rechtsanwalt, Hamburg), Prof. Dr. W. Krämer (FH Ludwigshafen), Prof. Dr. W. Pippke (FH für öffentliche. Verwaltung, Münster) und Dr. M. Vermeer (Ostasieninstitut) vertreten. Teilnehmer, die von Frau Vizepräsidentin Prof. Dr. Rump begrüßt wurden, waren Professoren verschiedener Hochschulen (Ludwigshafen, Köln, Worms), Vertreter aus Verwaltung (z. B. BMF), Beratungsunternehmen (z. B. Zenit), Praktiker aus Banken und Unternehmen (z. B. WestLB) und Studentinnen bzw. Studenten des Ostasieninstituts. Die Ökonomie muss China immer stärker berücksichtigen: Hier ist ein exemplarisches Studieren ökonomischer Prozesse im Zeitraffer möglich, für die Industrieländer viele Jahrzehnte/Jahrhunderte brauchten. Die Globalisierung führt auch zu einer ständigen Veränderung der Wettbewerbsposition von Ländern. China gewinnt enorm an Bedeutung; Deutschland hat große Probleme, seine Position zu halten. Was sind die Einflussfaktoren dieser Entwicklungen? Von der Entwicklung Chinas sind auch viele Probleme in der Welt abhängig (Umwelt, Arbeitsplätze, Rohstoffpreise). China könnte der große Gewinner der Globalisierung werden. Im Mittelpunkt des obigen Symposions stand eine umfassende interdisziplinäre Betrachtung, die Politik, Verwaltung, Rechtssystem, Bildungssystem, Kultur und Wirtschaftssystem umfasste: Die Vereinbarkeit zwischen kommunistischen Kaderstrukturen und marktwirtschaftlichen Wirtschaftsabläufen scheint möglich zu sein, eine starke zentralistische Führung scheint für ein Land dieser Größenordnung notwendig zu sein. Demokratische Entwicklungen sind noch nicht absehbar, außer auf kommunaler Ebene. Die Machthaber in Peking sind hervorragende Strategen, die ihre Ziele sehr pragmatisch umsetzten. Im Gegensatz zu anderen Diktaturen stellen sie die Entwicklung des eigenen Landes in den Mittelpunkt ihres Machtstrebens. Das sich langsam wandelnde Verwaltungssystem vereint verkrustete Strukturen und sehr moderne Elemente. Die Menschen in China sind mittlerweile durch Geld motiviert. Sparguthaben der Familien werden in die Bildung der Kinder investiert, die es einmal besser haben sollen als ihre Eltern. Rechtsgrundsätze, die vor allem auch aus Deutschland übernommen wurden, werden kreativ auf die eigene Kultur angepasst. Daneben existiert weiterhin die Todesstrafe, die auch für die alltäglich praktizierte Korruption (eine Ursache sind die niedrigen Gehälter in Verwaltung und Bildung) angewandt wird. Kleine und mittlere Unternehmen sorgen für einen raschen Strukturwandel und die nötige Wirtschaftsdynamik. "Demokratie wie in westlichen Ländern ist für China eine Sackgasse", Hu Jintao, chinesischer Staatspräsident und Parteichef. "Es ist noch ein weiter Weg, bis China die politische Demokratie aufgebaut hat", Weißbuch der chinesischen Regierung 2005. "Wir wollen das demokratische System in China weiter vervollkommnen und die demokratische Vielfalt im Land bereichern", Wen Jiabao in seiner Rede auf dem 10. Nationalen Volkskongress. "China wird die Puste ausgehen, wenn das Land nicht demokratischer wird", Philippe Aghion, Harvard-Professor für Economics. "Eine tausend Meilen weite Reise beginnt vor deinen Füßen", Laotse: Die Weisheit des Tao Te King.. Im Frühjahr 2005 fand mit dem Institut zur Erforschung wirtschaftlichen Verhaltens e. V. ( Köln) ein Forschungsaufenthalt in China statt: Mittelstandspolitik in China, Verhältnis der chinesischen Wirtschaft zu Deutschland, Löhne, WK-Regime. Wir wurden vom Beijing Administrative College betreut. Es fand ein Symposium über die akuten Wirtschaftsprobleme beider Länder (u. a. Arbeitsmarkt, Bevölkerungsentwicklung, Sozialversicherung) statt. Informationen wurden in der BDA (Ministry of Foreign Affairs), der Planungsbehörde und der deutschen Außenhandelskammer eingeholt. Vergleiche ausführlichere Informationen auf der Seite Forschung/Aufenthalt."Reisen ist besonders schön, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Aber am allerschönsten ist es, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt", Laozi (Laotse).
Im Sommer 2007 fand ein Aufenthalt in Japan statt. Es ging auch um die Interkulturelle Kommunikation und den Zusammenhang zwischen Kultur und Wirtschaft. "Auf Reisen in fremde Länder lernt man nicht das Land kennen, sondern sich selbst", aus Tibet. Im Herbst 2008 fand ein längerer Aufenthalt in China mit Forschungsprojekten und Vorlesungen statt (Beijing, Chengde/Hebei, Tianjin, Lanzhou/Gansu) .
Vorlesungen hatte ich am Beijing Administrative College, am Gansu Administrative College in Lanzhou (Provinz Gansu, Seidenstraße, Gelber Fluss, Wüste Gobi; auch Empfang mit Präsident und Vizepräsidenten, Dekan) und an der Capital University of Economics and Business, Beijing. Besucht habe ich darüber hinaus die Tsinghua Universität (Empfang und Essen mit Vize-Präsidentin) und die Geely-Privatuniversität (Empfang beim Präsidenten). Im Herbst 2012 werde sind weitere Vorlesungen in China geplant. "Wenn ihr noch länger hier bleibt, werdet ihr Schlitzaugen bekommen", Prinz Philip zu englischen Studenten in Peking. "China ist Ordnung und Unordnung. In diesem Spannungsfeld gedeihen unsere Geschäfte. Wenn wir nur noch Ordnung haben, werden Chinas Wachstumsraten sinken", Zhou Jian Jun, Chinesischer Unternehmer (zitiert nach "Das China-Paradox", Umschlagrückseite). "Einmal sehen ist besser als hundertmal hören", Chinesische Weisheit.
"Als meine Augen alles/ gesehen hatten, kehrten sie zurück, (zur goldenen Pfingstrose) Basho (Matsuo Munefusa), japanischer Dichter (1644 - 1694, Meister des Haiku). "The world today seems asolutely crackers, with nuclear bombs to blow us all sky high. There`s fools and idiots sitting on the trigger. It`s depressing and it`s senseless, and that`s why... I like Chinese." Monty Python`s Flying Circus, 1980.
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