Werner Krämer

Fallstudie/ E-Learning

 KMU Int.Wirtschaft E-Learning Didaktik Home Feedback Impressum Sitemap

"Longum iter est per praecepta, breve et efficax per exempla" (lateinische Lebensweisheit frei in Deutsch: Ein Gramm gutes Beispiel ist besser als ein Zentner gute Worte, L. A. Seneca, 4 v. Chr. - 65 n. Chr.).   

Untergliederung:VWL - Lehrbuch, 2.Teil, (3.Teil), (4. Teil), (5. Teil) (1.Teil)

VolkswirtschaftslehreFallstudien, Literaturtipps dazu, Lernsoftware,      Funktionsweise einer Volkswirtschaft, Ideologien (Ideen) & Wirtschaft, Wirtschaftspolitische Grundkonzeptionen, Geschichte des Geldes und     Kapitals, Marktbetrachtung (Grundlagen, Finanzmärkte, Umweltsektor, Arbeitsmarkt), Weltwirtschaftskrise, Folgen und Folgerungen der Krise, Aufstieg der Schwellenländer, Neue Ökonomie der Nachhaltigkeit, Analyse von Wirtschaftsordnungen, Exportorientierung und Wettbewerb, Spieltheorie & Modell, Theoreme, Daten, Portrait, Blogonomics

Ostasien; Betriebswirtschaft; Wert der Fallmethode  & Quellen  dazu; Fallbearbeitung als Methode; Mitarbeiterinterview in der Personal-ökonomik; Fallstudie im Studium; Stellenwert des Internet.                 

   

Sowohl im Bachelor als auch im Master wird es ohne Fallstudien nicht mehr gehen. Diese Seite wird weiter ausgebaut, auch zu E - Learning hin. Teile sind  wie ein Blog gestaltet. Dabei handelt es sich um aktuelle Artikel zu volkswirtschaftlichen Problemen, die Schwerpunktthemen einzelner Lehrveranstaltungen sind.

 

 

 

Volkswirtschaftslehre   "Lasst 100 Blumen blühen...",  Titel einer Kampagne von Mao Zedong 1956.

"Please find me a one-armed economist so we will not always hear ´On the other hand`...", Herbert Hoover, ehemaliger US-Präsident.

Fallstudien:

Ständig experimentiere  ich mit  einem Planspiel, aus dem ein   Buch  der Mittelstandsökonomik hervorgegangen ist. Dieses ist im Jahre 2003   erschienen (Werner Krämer: Mittelstandsökonomik, München). Auf dieser Basis will ich die Rolle der KMU in der Globalisierung weiter vertiefen (neues makroökonomisches Modell). Das Planspiel ist eine Weiterentwicklung der Fallmethode. Es eignet sich hervorragend um ganzheitlich und dynamisch ein Problem in den Mittelpunkt zu stellen, wenn Unterrichtszeit fehlt. Gegenwärtig geht es um die Auswirkungen der Globalisierung auf kleine und mittlere Unternehmen. Der Ansatz ist interdisziplinär und zeigt den Nutzen der VWL in der betrieblichen Praxis. Dieses Planspiel setze ich zur Zeit bei Marketing/Bachelor im 4. Semester ein. Ablauf und Lernerfolg sind o. k.; die Veranstaltung wird ständig verbessert.

"Unter den heutigen Bedingungen sind Spitzenmanager gezwungen, sich mehr mit dem Geld- und Devisenmarkt auseinander zu setzen als mit dem langfristigen Gedeihen ihres Unternehmens", Akio Morita (japanischer Unternehmer, 1921-1999, Sony).

Oil Price Shock (hoher Erdölpreis als Ausgangspunkt). Mit dieser Fallstudie arbeite ich im ersten Studienabschnitt. Sie soll theoretische Elemente praktisch veranschaulichen. Bei der Preiserklärung werden mikroökonomische Marktmodelle verdeutlicht; bei den Folgen wird mit makroökonomischen Hypothesen gearbeitet. Zunehmend werden umwelt- und internationale Aspekte berücksichtigt. So ist z. b. sehr interessant und lehrreich, den Einfluss der Ölpreiserhöhung auf die Wechselkurse zu untersuchen. Kleinere Fallstudien setze ich auch im 1. Studienabschnitt in der Klausur ein.

"Es gibt drei Dinge, die einen Menschen zum Wahnsinn treiben; der Ehrgeiz, die Liebe und die Beschäftigung mit Währungsproblemen", N. N., zitiert nach: Sperber, Wirtschaft verstehen, a. a. O., S. 274.

Globalisierung und Zukunft der Arbeit. Diese Fallstudie habe ich für IPO im Master -  Studienabschnitt entwickelt. Die Auswirkungen der Globalisierung, des technischen Fortschritts und der Bevölkerungsentwicklung auf die Arbeit können analysiert werden. Die Globalisierung hat zu einer Umkehrung der Knappheitsrelationen bei Arbeit und Umwelt geführt. Es gibt auch weltweite Interdependenzen beim Lohn. Die Ungleichheit in den Industrie- und Schwellenländern nimmt zu. Dies wird mit empirischen Forschungsmethoden verbunden.

"Die Aufgabe der Ökonomie ist es, die Welt zu verbessern", Olivier Blanchard, Chefvolkswirt des IWF.

Fallstudie "Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/2009" anhand des Buches "Die Neue Weltwirtschaftskrise", Frankfurt/ New York 2009 (Autor. Paul Krugman, Wirtschaftnobelpreisträger 2008). Dies ist der Mittelpunkt der Veranstaltung "Internationale Ökonomie" im SS 2009 bei IM und WS 2009/2010 bei IBMEA. Die Lernmodule der Veranstaltung begleiten das Buch und die Themen der Hausarbeiten.

MoPoS: Es handelt sich um ein Geldpolitik - Simulationsspiel, das man bei der Schweizer Nationalbank herunterladen kann. Adresse: www.snb.ch, MoPoS als Suchwort eingeben.

Second Life  (SL) als virtuelle Volkswirtschaft (Linden Lab, San Francisco) soll eventuell systematisch einbezogen werden (das Institut als Akteur oder Erfahrungsberichte und Experimente der Studenten). Eine explorative Studie in Form einer Hausarbeit läuft zur Zeit. Die zentrale Frage ist, was Volkswirte in diesen virtuellen Welten lernen können. Es gibt einige interessante Aspekte: Der Linden-Dollar ist die Währung, die über die interne Währungsbörse LindEx in US-Dollar umgetauscht werden kann und umgekehrt. "Avatar" ist die Spielfigur, das virtuelle Alter-Ego. "Covenant" ist die Nutzungsvereinbarung zwischen einem Landbesitzer und seinen Mietern oder Käufer. "Tier" ist die Grundsteuer, die für ein bestimmtes Stück Land zu entrichten ist. Alles was innerhalb von SL läuft ist "inworld" im Gegensatz zu RL ("real life"). Mittlerweile gibt es weltweit 15 Mio. Nutzer, aber die meisten Firmen haben sich Ende 2008 schon zurückgezogen. Das Projekt droht zu scheitern. Vgl. auch: "Virtual Worlds, Virtual Institutions", David Bray und Benn Konsynski, Working Paper, Mai 2007 und Stöcker, Ch.: Second Life, München 2007. Die University of Utah baut ihren kompletten Campus in Second Life nach. Den Aspekt des Rollenspiels kann man mittlerweile auch in anderen Programmen finden, z. B. bei World of Warcraft.

Eve-Online: Weltrollenspiel mit Chef-Ökonom J. Gudmundsson (Akureyi, Island) als Analyst der virtuellen Welt. Es scheint allmählich ein neues Feld der Ökonomie zu entstehen. Gerade Konflikte zwischen Gemeinschaft und Individuum können gut simuliert werden.

Howrse: Wirtschaftssimulation. Pferdezucht. Es geht um die Betreibung eines Reitzentrums. Dieses Spiel wurde als beste Wirtschaftssimulation 2008 ausgezeichnet.

Global Economics Game: Volkswirtschaftliches Planspiel. Gut und recht kostengünstig.

Classroom Expernomics: Volkswirtschaftliche Prinzipien können spielerisch gelernt werden.

OLAT: Einzelne Veranstaltungen der VWL verwalte ich über das E-Learning-System OLAT. Hier sind weitere Fallstudien enthalten.

Literatur-Tipps zu Fallstudien in der VWL:  

15 Fallstudien zur VWL (angewandte Mikro- und Makroökonomie) enthält folgendes Buch: Börsch-Supan, A./ Schnabel, R.: Volkswirtschaft in fünfzehn Fällen, Wiesbaden 2006. Zu jeder Fallstudie gehören eine Kurzfassung und eine Theorie-Box.

Wirtschaftspolitische Fallstudien mit Lösungstechniken sind in folgendem Lehrbuch: Möller, H. W.: Angewandte Volkswirtschaftslehre, Wiesbaden, 1997.

Neu ist folgendes volkswirtschaftliche Buch mit vielen Fallstudien: Sperber, Herbert: Wirtschaft verstehen. 100 Lernmodule für Schule, Studium und Beruf, Stuttgart 2007.

"Wer umsichtig agieren will, sollte - bildlich gesprochen - mit Lesebrille und Fernrohr gleichzeitig arbeiten", Axel Weber, Bundesbankpräsident.

Lernsoftware:

LiveEcon: Es handelt sich um eine interaktive ökonomische Lernsoftware von der schottischen Firma Interactyx, die seit 2006 auf dem Markt ist. Es ist eines der ersten elektronischen mikro- und makroökonomischen Lehrbücher Ökonomische Modelle können Schritt für Schritt verändert werden (dynamische Darstellung mit Modellierungsmöglichkeiten). Mehr als 60 Unis in den USA und GB setzen diese Software bereits ein. Der Nachteil ist noch, dass Daten relativ stupide eingegeben werden können und Sachverhalte nicht kritisch hinterfragt werden müssen.

MyEconLab: Online Lernportal von dem  britischen Verlag Pearson Education (seit 2002). Es gibt auch Internetseiten zu den herausgegebenen Lehrbüchern. 2010 gab es eine neue deutsche Version des Programms.

Mittlerweile kann man auch Vorlesungen von Professoren auf DVD käuflich erwerben. Es gibt auch Einführungsveranstaltungen der VWL.

"Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von anderen. So wird dir viel Ärger erspart bleiben", Konfuzius.

Funktionsweise einer Volkswirtschaft:

Jede Volkswirtschaft funktioniert nach einem Mechanismus, der sich in folgenden Grundregeln zeigt. Dies ist das Alphabet der Volkswirtschaftslehre. Alle Bürger leben in Volkswirtschaften, in denen sich das Wirtschaftsgeschehen abspielt. Die Wissenschaft sieht die Wirtschaftsakteure in ihren Rollen (Haushalte, Unternehmen, Staat u. a.) sowohl mikroökonomisch (individualistische Idealtypen ) und makroökonomisch (aggregierte Sektoren).

- Jede Wirtschaft braucht Ressourcen (alles, was genutzt werden kann, um etwas anderes zu produzieren). Dazu gehören die Produktionsfaktoren "Arbeit, Boden, Kapital". Immer wichtiger und teurer werden die zum Boden rechnenden Ressourcen "Energie" und "Rohstoffe", aber auch die durch ihn produzierten Güter "Lebensmittel". Abstrakt stellt die Produktionsmöglichkeitskurve alternative Kombinationen von Gütermengen dar, die sich bei einer gegebenen Ausstattung mit Produktionsfaktoren herstellen lassen. Weniger Einsatz von Produktionsfaktoren für mehr Waren wird durch die Produktivität gemessen, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft kennzeichnet. Die realen Kosten eines Gutes bestehen in seinen Opportunitätskosten (dem, worauf man verzichten muss, um das Gut zu bekommen). Viele definieren die Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft über den Umgang mit Knappheiten (natürliche Ressourcen, technisches Wissen, Zeit), die Allokation von knappen Ressourcen (was jedoch zu eng ist, aber es ist das Kardinalproblem). Am besten kann Knappheit durch Arbeitsteilung (siehe unten) und Tausch beseitigt werden.

- Die wichtigste Ressource ist die Arbeit, genauer die Motivation und Fähigkeiten der Menschen. Wegen abnehmender Knappheit in der Globalisierung gerät die Bewertung der Arbeit (Lohn) immer mehr unter Druck. Insofern könnte die relative Mehrwerttheorie von Karl Marx aus einem anderen Grund wieder aktuell werden. Immer mehr  Arbeiter sind auch schlecht beschäftigt (atypische Beschäftigung: Leasing, Zeitverträge, geringfügige Beschäftigung  u. a.) und stellen in rezessiven Zeiten einen Puffer dar. Insofern sind viele Länder auf dem Weg in die Dualisierung des Arbeitsmarktes (Kern- und Randbelegschaft). Zur Arbeit muss das Humankapital hinzugerechnet werden. Die Gestaltung der Arbeitswelt ist für die Qualität der Arbeit von entscheidender Bedeutung.

- Spezialisierung (Arbeitsteilung) sorgt für eine kompetente und Wettbewerb für eine effiziente Verwendung der Ressourcen. In Deutschland wird der Wettbewerb durch das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) geschützt. Es verbietet Kartelle und soll Unternehmenskonzentration verhindern. Der Wettbewerb wirkt auch als Anreiz für die Menschen, die zwischen Alternativen möglichst rational entscheiden müssen. Die Kosten eines Produktes bestehen aus dem, was dafür beim Erwerb ausgegeben werden muss. Tauschhandlungen erhöhen die Wohlfahrt der beteiligten Tauschpartner. Es scheint einer Gesellschaft besser zu gehen (Wohlfahrt), wenn die Menschen ihre eigenen Interessen verfolgen.

- Der Markt als Lenkungsmechanismus steht im Mittelpunkt jeder Volkswirtschaft. Er ist normalerweise gut für die Organisation des Wirtschaftslebens. Bei Marktversagen muss der Staat eingreifen. Vgl. hierzu meine aktuelle Markt - Betrachtung. Der Markt ist ein Ort, ein Mechanismus und eine Begegnung vieler Menschen (O. von Nell-Breuning, 1890-1991). Der Begriff reicht also vom kreativen Selbstentwurf von Menschen über Kommunikationsprozesse (Interaktion ist kulturell bedingt) bis zu Sachzwängen. Theorien über den Markt (ob sozial, kulturell, ökonomisch oder moralisch) beeinflussen wiederum den Markt selbst. Der Markt hat in einer idealen Welt die besten Lösungen. In einer Realität mit Verzerrungen (Qualität der Institutionen, historisches Erbe, Spekulationen)  muss es Modifikationen  geben. Einen freien Markt kann es in der Realität nicht geben, weil immer ein gutes Rechtssystem, Bilanzregeln u. a. da sein müssen und weil er den Umweltschutz nicht gewährleistet. Freie Märkte sind auch instabil und bedürfen deshalb der Regulierung. Besonders hervorzuheben ist ein brauchbares System von Eigentumsrechten.  "Die Märkte können länger irrational bleiben als man selber liquide", John M. Keynes. "Die Hypothese effizienter Märkte sollte man über Bord werfen", Klaus Adam, Mannheim (Wirtschaftswoche, Nr. 18, S.40).

- Der Staat schafft die institutionellen Rahmenbedingungen,  strebt die Erreichung anderer wirtschaftspolitischer Ziele an, sorgt für die Berücksichtigung der Umwelt (Internalisierung externer Effekte, starke Eigentumsrechte) sowie die soziale Abfederung (gerechtere Verteilung des Wohlstands). Insofern können Regierungen die Marktergebnisse verbessern, Wahlzyklen schwächen und stärken aber den Staat gleichermaßen. Der Staat kann sytemrelevante Banken nicht in die Insolvenz gehen lassen. Um seine Aufgaben zu erfüllen, muss der Staat Steuern, Abgaben und Schulden nehmen, um Investitionen,  Ausgaben, Subventionen und Sozialleistungen geben zu können. Staaten können nicht Pleite gehen, aber Ausgabenreduzierung infolge hohen Schuldendienstes und Steuerrückgängen wird zu Konflikten führen. Die Kultur und die Geschichte einer Volkswirtschaft, die auch wichtige Einflussfaktoren darstellen, führen ein schwer einzuschätzendes Eigenleben. Zusammen mit der Psychologie der Wirtschaftsakteure ist die Kultur zu lange in der Volkswirtschaftslehre ausgeklammert worden (vgl. meinen Beitrag über Japan). 

- Investitionen und Innovationen sorgen für Dynamik und erhöhen den Erfolg, der mit Ressourcen zu erzielen ist. Dieser wird in Gewinn gemessen und kontrolliert. Hauptträger von Investitionen und Innovationen sind die kleinen und mittleren Unternehmen (in öffentlichen Haushalten die Kommunen). Das Innovationsmanagement wird zu einem immer wichtiger werdenden Standortfaktor und Indikator der Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Mit Innovationen müssen die führenden Industrieländer ihren technologischen Vorsprung und ihren Wohlstand sichern. Der Schutz geistigen Eigentums fördert Innovationen. Bildung ist nicht nur für Innovationen notwendig, sondern steigert auch den Lebensstandard. Investitionen bestimmen den Wechsel zwischen Gipfel und Talsohle, was als Konjunktur angesehen wird. Viele Innovationen waren in den letzten 250 Jahren nur auf der Grundlage der fossilen Energieträger (Kohle, Öl, Gas) möglich. Die entscheidende Frage ist, was passiert, wenn diese Energieträger zur Neige gehen?

- Unternehmen sorgen auch für die Produktion von Gütern und Dienstleistungen und hängen von der Zufriedenheit ihrer Kunden ab. Dies wird manchmal auch verkürzt als Definition der VWL genommen: "Economics is the study of the production and distribution of goods and services". Dienstleistungen, die die Wirtschaftsstruktur moderner Länder prägen (Dienstleistungssektor vor Industrie und Landwirtschaft), haben eigene Gesetzmäßigkeiten im Preis- und Qualitätsmanagement. Von der Fähigkeit, Waren und Dienstleistungen zu produzieren, hängt der Lebensstandard eines Landes weitgehend ab. Die Trennung von Arbeit und Kapital (Unternehmen) wird oft als gegeben vorausgesetzt, obwohl sie Gegenstand der Analyse sein muss (z. B. bei Karl Marx). Gleichartige Unternehmen von der Produktion her werden zu Branchen zusammengefasst.

- Die Banken, insbesondere die Notenbank, sind für wertstabiles Geld verantwortlich (vgl. auch den Abschnitt über die Geschichte des Geldes). In kapitalistischen Volkswirtschaften (der Produktionsfaktor "Kapital" dominiert) hat der Finanzsektor eine Schlüsselfunktion. Die internationalen Finanzmärkte sind am weitesten globalisiert und der große Einfluss der Spekulation prägt den Marktmechanismus ("Mad Money"?). In der ökonomischen Theorie wird der Finanzsektor vernachlässigt (dies hat sich in der Finanzkrise 2008 gerächt, Finanzmärkte müssen auch weitgehend reguliert werden). GB und die USA forcieren den Protektionismus zugunsten ihrer Finanzzentren New York und London. Zu den bekanntesten Wirtschaftsdaten gehört die Inflationsrate, die als Kaufkraftverlust des Geldes beschrieben werden kann (Sinken des Preisniveaus nennt man Deflation). Kurzfristig kann es für eine Gesellschaft möglich sein, zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit zu wählen (Phillips-Kurve). Die Finanzaufsicht sollte mit der Internationalisierung der Finanzmärkte Schritt halten. Die Privatbank Metzler in Frankfurt/M. ist die letzte unabhängige, große Privatbank in Deutschland. Sie wurde 1674 als Tuchhandelsfirma gegründet. Schrittweise wurde der Warenhandel mit dem Geldgeschäft gekoppelt.

- In der Globalisierung sind die Volkswirtschaften der Weltwirtschaft zunehmend miteinander verflochten und gegenseitig abhängig. Die Globalisierung hat den Grad der gegenseitigen Abhängigkeit der monetären und realen Welt drastisch erhöht und wesentlich mehr Unsicherheit mit sich gebracht. Koordinierungsversagen wirtschaftlicher Akteure hat immer schlimmere Folgen (weltweite Finanzkrise 2008/2009). Zu den wichtigsten Elementen gehören der internationale Handel und Wettbewerb, die internationalen Finanzmärkte und die Veränderungen der Umwelt. Durch internationalen Handel kann es jedem besser gehen (Adam Smith), viele werden auch ausgebeutet. Multinationale Unternehmen, die unabhängig von Nationen agieren,  haben an Bedeutung gewonnen. Das Thema "Global Government" wird immer wichtiger, um Marktdefizite auszugleichen (siehe oben, vor allem Bereich "Umwelt"). Die Schwellenländer tragen einen großen Teil der Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft; viel hängt davon ab, wann sie das technologische Niveau der führenden Industrieländer (IL) erreichen. Dies ist eine Schicksalsfrage für das Wohlstandsniveau der IL. Der Schwerpunkt der Weltwirtschaft wird sich zunehmend nach Asien (China, Indien; im Jahre 1850 schon mal 50% der Weltwirtschaft) verlagern. Die aufstrebende, kaufkräftige Mittelschicht der Schwellenländer wird zunehmend zur Zielgruppe von Unternehmen der IL.

"Die ganze Börse hängt davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten und mehr Idioten als Aktien", Andre Kostolany.

Ideologien (Ideensysteme) und Wirtschaft:

"Die Ökonomen machen es sich zu leicht, wenn sie uns in stürmischen Zeiten nur sagen können, dass, nachdem der Sturm lang vorüber ist, der Ozean wieder ruhig ist", J. M. Keynes, in: Tract on Monetary Reform, 1923.

Kapitalismus: liberale Wirtschaftsgesinnung mit Anerkennung des Privateigentums mit dem Ziel, den Gewinn zu maximieren. Historisch beschreibt Kapitalismus die Entwicklung der Wirtschaft im 19 Jahrhundert. Heute ist umstritten, ob der Marktzwang notwendigerweise dazugehört. Weitere Fragen sind die nach der Ungleichheit, der Instabilität, der Demokratie, der Moral und dem Menschenbild. Vgl. Sieben Fragen an den Kapitalismus, in: Die Zeit, 35/2009, S. 17ff. "Gegen die Illusionen der Ideologie gibt es zwei Heilmittel: die Erfahrung und die Notwendigkeit", Friedrich List, 1789-1846 (in Schwellenländern einer der berühmtesten deutschen Ökonomen).

Kommunismus: Vorstellung von einer zukünftigen Gesellschaft, in der das Privateigentum abgeschafft, die Produktionsmittel in Volkseigentum sind und die materiellen und kulturellen Bedürfnisse aller Menschen gleich befriedigt werden (ursprünglich aus dem Lateinischen: der Gemeinschaft gehörend). Karl Marx (1818-1883, deutscher Philosoph und Nationalökonom) hat die Konsequenzen des Kapitalismus präzise beschrieben und auf immanente Fehler hingewiesen. Die Menschen können sich befreien und zu sich selber kommen, wenn die Funktionsweise des Systems (Gesetze der Akkumulation) geändert wird. Die konkreten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen, die sich auf den Kommunismus beriefen (UdSSR, DDR), hatten aber ebenso grundlegende Fehler. In Deutschland ist der Begriff sehr stark mit den negativen Assoziationen dieser realen Regime verbunden. Es sollte aber immer zwischen der Utopie von Marx/Engels und den historischen bzw. realen (Nordkorea, Cuba) kommunistischen Systemen unterschieden werden.  "Die moderne Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor", Karl Marx/ Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Paris 1848.

"Verzeihung, ich bin nach wie vor dialektischer Materialist", Fidel Castro, kubanischer Revolutionsführer, auf die Frage, ob ihn seine Krankheit Gott näher bringe. "Der Kommunismus ist eine großartige Theorie. Das Unglück besteht darin, dass er sich in die Praxis umsetzen lässt", Ephraim Kishon.

In den polaren Denkkategorien von Kommunismus und Kapitalismus sind wirksame Lösungen für ein neues Funktionieren einer optimalen Form zu finden. Zu starke Bindung an diese Extreme kann zu Krisen führen. Moral und Werte müssen in die Organisation der Wirtschaft einfließen. Insofern muss es konkrete staats- und rechtspolitische Konzepte geben. So hat Deutschland eine Soziale Marktwirtschaft (der Begriff soll auf Müller-Armack zurückgehen, die Idee auf Ludwig Erhard). Dieses wirtschaftspolitische Leitbild ist aus dem Neoliberalismus hervorgegangen und verbindet seit 1948 eine Wettbewerbswirtschaft (mit GWB, Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) mit der Idee der sozialen Gerechtigkeit. Dabei ist besonders wichtig, dass eine liberale Wirtschaftsordnung nicht nur Freiheit, sondern auch Verantwortung bedeutet (Haftung der Akteure für ihr unternehmerisches Handeln). Insofern sollten auch die Verursacher der Finanzkrise 2008/2009 an der Abfederung ihrer sozialen Folgen beteiligt werden.

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern"; "Alles muss angezweifelt werden", Karl Marx. Er wollte vor allem das erklären, was die Ökonomen seiner Zeit als Gesetz einfach voraussetzten: Trennung von Arbeit und Kapital, das Privateigentum und den Wettbewerb. Vgl. auch Karl Marx. Der Prophet der Krisen, Zeit Geschichte, Hamburg 2009.

Wirtschaftspolitische Grundkonzeptionen:

"Mens agitat molem" (Der Geist bewegt die Materie)

Merkantilismus: Ab Ende des 16. Jahrhunderts, vor allem in Frankreich (Colbert). Er wollte die Staatseinnahmen steigern und den Einfluss des Staates vergrößern (in Deutschland/ Preußen Kameralismus). Der Staat sollte auch Einnahmen aus Staatsbetrieben haben. Wichtig war die Finanzierung der Berufsarmee. Heute wird der VRChina manchmal Merkantilismus vorgeworfen. Hierzu muss aber der Protektionismus und die staatliche Strategie Chinas sehr differenziert analysiert werden.

Klassik (Smith, Ricardo, Say, Marshall, Thünen, Pigou): natürlicher Preis als Entgelt für Produktionsfaktoren; Angebot schafft Nachfrage; Geld ist neutral und damit Geldpolitik wirkungslos. Bei flexiblen Preisen und Löhnen findet die Marktwirtschaft ein stabiles Gleichgewicht. Es kann keine dauerhafte, unfreiwillige Arbeitslosigkeit geben. Staat kann keine positive Rolle in der Wirtschaft spielen. Diese Theorierichtung gerät in der großen Weltwirtschaftskrise 1929 - 1932 in die Kritik ("In the lon run we are all dead, Keynes).

Neoklassik (Gossen, Walras, Pareto, Jevons): Nutzen wird unter gegebenen Nebenbedingungen maximiert; vollkommen flexible Preise und Löhne; Staat hat Nachtwächterfunktion. Die Neuklassik (Barro, Lucas) führt die Theorie rationaler Erwartungen ein. Häufig werden beide zum Neoliberalismus zusammengefasst, dessen Kern im Ideal des eigeninteressierten, möglichst deregulierten Wirtschaftsakteurs besteht. Der Begriff geht auf den deutschen Ökonomen Alexander Rüstow (1885-1963) zurück, der zuletzt in Heidelberg wirkte. Man könnte auch Eucken zu dieser Gruppe rechnen.

Keynesianismus (Keynes, Hicks, Samuelson, Tobin, Robinson): relativ starre Preise und Löhne kurzfristig; Staat muss durch Geld- und Finanzpolitik eingreifen, um über Nachfrageanstieg Rezession zu bekämpfen: Arbeitslosigkeit entsteht nicht nur, wenn Löhne und Preise zu hoch sind. Auch mangelnde Nachfrage kann zur Arbeitslosigkeit und damit zur Rezession führen, aus der die Wirtschaft allein nicht herausfindet. Vorübergehende Staatsschulden müssen in Kauf genommen werden. Insgesamt soll der Staat vor den Risiken des Kapitalismus schützen.   In den 90er Jahren in Japan und 2008 in den USA erlebt der Keynesianismus eine Wiedergeburt. In den  USA soll vor allem mit Steuergeschenken und Steuersenkungen die Nachfrage angeregt werden. In der Weltwirtschaftskrise 2009 verhindert die keynesianische Politik überall in der Welt einen Absturz (die entscheidende Frage ist, ob auf Dauer)..

Neokeynesianer (Malinvaud, Grossman) und Neukeynesianer (Shapiro, Stiglitz, Blanchard, Jordi Gali´, Mark Gertler) variieren den Ansatz. Vollständig flexible Preise sind ihnen ein Dorn im Auge.  Preise reagieren zeitverzögert auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage ("sticky prices", klebrige Preise). Sie nehmen aber die mikrofundierten Modelle (mit rationalen Erwartungen) der alten Keyneskritiker und bauen dort Rigiditäten ein. Schritt für Schritt wird jetzt untersucht, was diese für Arbeitslosigkeit und Inflation bedeuten. Dabei spielt auch die Zentralbank eine wichtige Rolle für die Stabilisierung der Realwirtschaft. Mankiw stellt Informations-rigiditäten in den Mittelpunkt und bezieht auch ein, wie Unternehmen Preise setzen. Marktwirtschaft tendiert nicht zwangsläufig zu stabilem Gleichgewicht, sondern mehrere Gleichgewichte sind möglich.

Monetarismus (Brunner, Meltzer, Friedman): Aktive staatliche Politik ist überflüssig; Geld ist wichtigster Faktor, auf dessen stetige, gleichmäßige Entwicklung geachtet werden muss. Geldpolitik sollte hauptsächlich Inflation und Inflationserwartungen stabilisieren. Die Supply-Side-Ökonomen (Laffer, Roberts) radikalisieren diesen Ansatz noch. Die Politik des billigen Geldes vor und in der Krise, ausgelöst durch die Zentralbanken, mit ihren Folgen hohe Staatsverschuldung und neue Finanzblasen könnte mittelfristig wieder zu einer Renaissance dieses Ansatzes führen.

"Der Wunsch nach Nahrung wird bei jedem Menschen durch die Kapazität des Magens begrenzt, während sein Verlangen nach Annehmlichkeit und Verschönerung von Gebäuden, Kleidung und Hausrat nahezu grenzenlos erscheint", Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, München 2001, S. 143.

Geschichte des Geldes und des Kapitals:

"Die Instabilität gehört zum Finanzsystem, seit die alten Mesopotamier den Preis für Getreide danach kalkuliert haben, wie wohl die nächste Ernte ausfallen würde," Niall Ferguson, Historiker, in: Geld! Geschichte, Der Spiegel, Sonderheft, Nr. 4/ 2009, S. 12.

Geld ist die größte Antriebskraft und eine wichtige Quelle allen Fortschritts in der Wirtschaft. Der direkte Handel (Barter Trade) war zu ineffizient, Münzen und Tontafeln (vor 4000 Jahren Babylon) waren zu unbequem. Also entstanden Banknoten (in China, von Quittungen hergeleitet) und der Zahlungsverkehr in den Banken. Geldsysteme entstanden mit der Finanzierung von Kriegszügen, z. B. bei den Römern oder im Mittelalter für die christlichen Kreuzzüge. In Oberitalien entstanden im 12. Jahrhundert die ersten Seehandelskredite, die indisch-arabische Zählweise wurde übernommen und es wurden in Florenz die ersten modernen Banken gegründet. Im 15. Jahrhundert wird dort die doppelte Buchführung eingeführt.  Mit der Entdeckung Amerikas und dem Seeweg nach Indien beginnt ein Aufschwung des Fernhandels und der Kapitalgesellschaften. Edelmetalle, an die das Geld lange Zeit gebunden ist, gelangen in großen Mengen nach Europa. Im 18. Jahrhundert lösen Aktien von John Law die erste Spekulationsblase aus (Law verkaufte Aktien für die Mississippi Compagnie, aber es gab kein Gold in Louisiana; manche gehen auch vom holländischen Tulpenwahn 1637 aus). Damit gilt John Law als "Erfinder" des modernen Kapitalismus. 1716 erhält er per königlichem Dekret die Erlaubnis, in Paris die Banque Generale zu gründen. Um sich Gold zu beschaffen, beteiligt Law das Volk (er verkauft Aktien). Die erste große Gelddynastie waren die Medici in Florenz. Es folgten die Fugger in Deutschland und die Rothschilds in Frankfurt, Paris, London und New York. Vgl. Sonderheft Nr. 4 des Spiegel: Geld, 2009.

Für Karl Marx, der sich in seinem Hauptwerk "Das Kapital" intensiv mit Geld auseinandersetzt, ist es "wahres Gemeinwesen", "Gott der Waren". Er wollte die "Genesis der Geldform", die "Warenzirkulation", das "Geldrätsel" und den "Fetischcharakter" entschlüsseln.

Marktbetrachtung (theoretisch hat die Spieltheorie wichtige Beiträge geleistet, z.B. zum Oligopol, auch der Nobelpreis 2007 würdigt dies wieder):

Der Markt besitzt kein Gehirn und kein Herz", Paul Samuelson (er plädiert für den mittleren Weg und für eine Drosselung der Globalisierung; er gilt als Begründer der modernen "Lehrbuchökonomie" mit dem erfolgreichsten Lehrbuch aller Zeiten; von ihm stammt auch der berühmte Spruch:" Gott gab dem Ökonomen zwei Augen, eines für die Angebots- und eines für die Nachfrageseite", Samuelson starb 2009).

Der Markt als Lenkungsmechanismus ist das Kernkonzept der Volkswirt-schaftslehre. Denn nach dem Zusammenbruch fast aller Planwirtschaften Ende der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gilt die Koordination durch den Markt als der beste Lenkungsmechanismus der Wirtschaft. Die Globalisierung hat jedoch gezeigt, das in zwei zentralen Bereichen der Markt  nicht optimal funktioniert: auf dem Finanzmarkt und in der Umwelt. Insofern ist das Pendel zu stark in Richtung unregulierte Märkte ausgeschlagen. Auf einem dritten Markt, dem Arbeitsmarkt, wird in allen Ländern im Eigeninteresse stark reguliert, um die größten Nachteile der Globalisierung abzufedern und der Zufall spielt eine große Rolle. Auch in Bezug auf Entwicklungsländer gibt es Verzerrungen und deshalb muss es Modifikationen beim Marktmechanismus geben. Insofern ist der optimistische Glaube, dass Märkte, wenn man sie alleine lässt, alle Probleme lösen werden "markträumendes Gleichgewicht"), in arge Zweifel geraten. "Ich glaube nicht allein an die Selbstheilungskräfte der Märkte", Josef Ackermann, Deutsche Bank-Chef im März 2008.

Der weltweite Finanzmarkt  (vgl. auch meine Veranstaltung "Finanzierung") ist durch den hohen Anteil von Spekulationen  unberechenbar geworden und die Risiken werden unterschätzt: Hedge-Fonds, Private Equity Companies, Financial Derivatives und Real Estate Investment Trusts (Reits) entziehen sich mit ihren Motiven und Methoden den staatlichen Kontrollgremien und ökonomischen Theorien. Hedge-Fonds sind Investmentgesellschaften, die meist von London oder New York aus operieren,  mit einem enormen Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital, die ihren hohen Gewinn durch risikoreiche Anlagegeschäfte verdienen (2007 ca. 1,6 Bio. $ in 9400 Hedge-Fonds). Sie sind oft in Steueroasen registriert und können durch ihre dominante Stellung, wenn  sie zusammenbrechen, andere Marktteilnehmer in einer Kettenreaktion mit reißen.  Private-Equity-Firmen beteiligen sich am Eigenkapital von Unternehmen oder übernehmen diese ganz, um die Anteile später mit Gewinn zu veräußern. Die Asienkrise hat die ungeheure Relevanz des ersten globalisierten Marktes (auch der Aktien- und Devisenmarkt gehören dazu)  dargelegt. Der Aktienmarkt im Reich der Mitte ist zwar noch verschwindend klein, aber Gerüchte rund um die chinesische Wirtschaft beeinflussen mittlerweile die Welt - Finanzmärkte. Die G 8  wollen Regeln für Hedge-Fonds entwickeln, die Transparenz, Liquidität und Stabilität sichern. Transparenz ist für Investoren, Banken und Aufsichtsbehörden wichtig (z. B. mit Kreditregister). Allerdings wird um den (freiwilligen) Verhaltenskodex gestritten, der eine Selbstregulierung mit sich brächte. Die Bundesregierung erwägt Schutzregeln für Konzerne vor einer Übernahme durch kapitalkräftige staatliche Fonds aus Russland, China und dem Nahen Osten.  Große Angst in  Europa herrscht vor Chinas staatlichen Investmentfonds. Vgl. Marquardt/ Hefeker/ Schnabl/ Hoffmann, Hedge-Fonds: Risiken für die internationalen Finanzmärkte?, in: Wirtschaftsdienst 2007/ 4, S. 211-224.Als das Emirat Dubai Ende November 2009 in Geldnot gerät, zittern wieder die Weltbörsen. In Dubai sind der Staatsfonds Dubai World und dessen Immobilientochter betroffen (seit Beginn der Krise sind die Immobilienpreise um 50% gefallen). Die Schulden betragen 80 Mrd. $. Dubai World ist u. a. an der Deutschen Bank und EADS beteiligt. Auch Kuwait wird durch seine Schulden mitgerissen. Es zeigt sich, wie anfällig die globalen Finanzmärkte sind. Einige Länder planen Ende 2009 eine Sondersteuer auf Boni von Bankmanagern (Frankreich, USA, GB, Deutschland). Die BayernLB muss Ende 2009 die Hypo Group Alpe Adria mit 4 Mrd. € retten. Amerikanische Banken verhindern Ende 2009 eine strenge Kontrolle der Derivate. 1,5 Billionen € haben die die Zentralbanken der Welt seit der Finanzkrise erschaffen. Für 2012 wird auf den US-Finanzmärkten ein neues Beben erwartet (700 Mrd. $ Schrottanleihen, die mit Gewerbeimmobilien besichert sind). Im April 2010 gerät Goldman Sachs unter Betrugsverdacht. Die Griechenland-Krise und die Spekulation gegen den Euro 2010 machen eine Regulierung der internationalen Finanzmärkte dringend notwendig. Der Zusammenbruch einer Sparkasse in Spanien, die schlechten Wirtschaftsdaten in Spanien und der Korea-Konflikt lassen Ende Mai 2010 die Kurse wieder einbrechen. 2010 steigt der Zwang zur Fusion von Landesbanken. WestLB mit BayernLB ist eine Option, eine andere WestLB mit Helaba. Am Ende könnte eine StaatsLB stehen. Die erste große weltweite Finanzkrise war 1857, ausgelöst durch eine Bankenpleite in den USA. Die letzte große war 1987 (Schwarzer Montag, den 19. 10.). Dazwischen war ein großer Einbruch 1929 (Schwarzer Freitag und Beginn der Weltwirtschaftskrise).

Im Sommer 2007 zeigt die Krise auf dem US - amerikanischen Hypothekenkreditmarkt die Relevanz des Themas. Wegen gestiegener Zinsen können viele US-amerikanische Bürger ihre Häuser nicht mehr abbezahlen. In den amerikanischen Hypothekenmarkt haben aber viele internationale Investoren ihr Geld gesteckt. Deshalb wirkt sich die Krise auch auf die Börsen in Frankfurt und Tokio aus. Der Hypothekenmarkt für Risiko-Immobilien nennt sich Subprime-Markt. Mitte der 1990er Jahre entfielen auf ihn 2% aller Hypothekenkredite, heute sind es rund 25%, bei einem Gesamtvolumen von 680 Mrd. $. Subprime-Kredite sind über Umwege auch in anderen Anlageformen enthalten (Anleihen, Hedge-Fonds). Die Finanzinstitute reichen ihre Risiken oft mittels moderner Finanzprodukte an den Kapitalmarkt weiter. Dadurch sind z. B. die französische Großbank BNP Paribas, die englische Hypothekenbank Northern Rock oder die deutschen Banken IKB-Bank, WestLB, SachsenLB und Deutsche Bank  betroffen. Weitere Risiken stecken in den zahlreichen durch Schulden finanzierten Firmenübernahmen (Leveraged Buy - Outs) und in dem Trend, Kreditrisiken an Hedge Fonds weiterzureichen ("Kreditkarusell"). Die amerikanische Notenbank schätzt die Verluste von US-Finanzinstitutionen auf hunderte Milliarden Dollar. In der Folge zeigen sich die Interdependenzen in weltweiten Kurseinbrüchen der Aktien. Hier zeigt sich, wie wichtig Transparenz und eine Kontrolle der amerikanischen Rating - Agenturen wäre. Die Risikoeinschätzung hat sich völlig verändert. Die Bundesregierung will die Finanzaufsicht verbessern. Aber es bedürfte wohl eher einer globalen Aufsicht. Die Staatsfonds aus Arabien und China pumpen mittlerweile viele Milliarden als Beteiligung  in die amerikanischen Großbanken. Trotzdem brechen weltweit am 21. 01. 2008 die Aktienkurse ein (stärkster Rutsch seit 11.09.2001, DAX -7%). Trotz der Leitzinssenkung durch die Fed kurz danach kommt es weltweit zu Turbulenzen an den Aktienmärkten, was die große Unsicherheit zeigt. Erst allmählich beruhigt sich der Markt, hat hat immer mal Ausschläge nach unten (z. B. nach dem Fastzusammenbruch von Bear Stearns oder die Pleite der Hypothekenbank "Indymac"; auch Freddie Mac und Fannie Mae kriseln; sie werden im September 08 unter staatliche Obhut gestellt). Die Notenbank vergibt weiterhin Kredite zu günstigen Konditionen. Die Abschreibungen der Banken werden weltweit auf insgesamt 1,8 Bill. $ geschätzt. Der amerikanische Notenbankchef rechnet infolge dessen noch mit der Pleite einiger Banken. Die Bewertung der internationalen Großbanken an den Börsen sinkt auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Bankenexperten rechnen mit einem Andauern der Krise bis 2010. In den USA wackeln immer mehr Finanz - Dienstleister (z. B. AIG, Washington Mutual). Nachdem Fannie und Freddy in den USA unter staatliche Kontrolle gestellt werden, reagieren die Börsen in aller Welt zuerst positiv. Es kommt es zu einer Konsolidierung und damit zu Zusammenschlüssen: Commerzbank mit Dredner, Deutsche Bank mit Postbank; die Bank of America übernimmt Merrill Lynch; Citigroup übernimmt Wachovia. Goldman Sachs und Morgan Stanley werden reguläre Banken. Washington Mutual wird aufgelöst und kommt zu JP Morgan Chase. In Deutschland wird die Real Hypo Estate von einer Bürgschaft von den Banken und dem Bund gestützt. Mit einem Enteignungsgesetz soll 2009 die Kontrolle ganz übernommen werden, was nicht nötig ist, da der Bund die Aktienmehrheit kaufen kann.  Dies scheint notwendig, damit vom Bund nur der Marktpreis an Flowers gezahlt werden muss. Nach der Pleite der Lehman Brothers fallen die Kurse wieder und die größten Geschäftsbanken der Welt bilden einen internationalen Notfonds. Der Zusammenbruch von Lehman wirkt wie ein Dominostein und war wahrscheinlich ein Jahrhundertfehler. Inzwischen werden auch Banken in Russland (russische Finanzministerium gibt 16 Mrd. € an 28 Banken), Belgien/ Holland/Luxemburg (Fortis, Dexia), Schweiz (UBS), Schweden (Roskilde), Island (Glitnir) und Großbritannien (HBOS, B&B) erschüttert und meist durch Verstaatlichung gerettet. Die Börsen der Welt sind auf einer Berg- und Talfahrt. Die amerikanische Notenbank stützt AIG mit 85 Mrd. $ und übernimmt 80%. Außerdem will sie einen Fonds gründen, der die Risiken der Finanzinstitutionen sozialisiert und damit absichert (Einlagensicherung mit 50 Mrd. $ für Geldmarktfonds, insgesamt ca. 700 Mrd. $ für wertlose Hypothekenpapiere durch einen Rettungsfonds, Verbot von ungedeckten Leerverkäufen; Staat ist auch an Gewinnen beteiligt und erstes Zugriffsrecht; mittlerweile durch den Kongress). Die amerikanische Bundespolizei FBI ermittelt in 26 Fällen. Auch 2009 fahren die Banken noch Riesenverluste ein (Bank of America, Citigroup). Zehn der 19 größten US-Banken brauchen 2009 knapp 75 Mrd. $ Zusatzkapital. Ein Stress-Test der Banken zeigt die Lage etwas entspannt (die Zahlen sollen gefälscht sein!). Der US-Staat stützt die Autobank GMAC 2009 mit 7,5 Mrd. $. Sogar 2011 gehen noch zwei Regionalbanken pleite (Legacy, First Commercial). Die BaFin verbietet auch Leerverkäufe (Wetten auf fallende Kurse, auch die Managerhaftung soll modifiziert werden). Führende Köpfe der Kreditwirtschaft drängen auf eine "Bad Bank" für Risikopapiere über 800 Mrd. €. Der Staat übernimmt die Mehrheit an der Commerzbank, im letzten Quartal 2008 macht die Deutsche Bank einen Verlust von fast 5 Mrd. €. Die EU plant auch Reformmaßnahmen (mehr Eigenkapital: 1/4 der Kreditsumme, europäische Aufsichtsbehörde für Extra-EU-Aktivitäten, aber keinen Rettungsfonds). Im November erreicht die Krise weltweit den realen Bereich (USA, Japan, EU, China). Konjunkturprogramme sollen entgegen wirken. Ende 2008 haben ca. ein Drittel der deutschen Industrieunternehmen Probleme, Kredite zu bekommen. Auch die Auftragseingänge brechen ein, auch 2009. 2009 übernimmt der Bund 25% der Commerzbank. 2010 will dies Bank wieder in private Hände zurückgehen durch eine Kapitalerhöhung. Nach Berechnungen des IWF 2009 wird die Bankenrettung Deutschland 77 Mrd. € kosten. Immer mehr geraten auch die Sparkassen in den Strudel der Krise, weil sie die Landesbanken stützen müssen. 2009 will der Bund faule Wertpapiere absichern, indem er dezentrale "Bad Banks" vorsieht (entscheidend: welchen Wert setzt man für die Problempapiere an, die Aktionäre sollen mit ihren Dividenden einstehen). Bad Banks werden bei der WestLB, der NordLB und der HRE eingerichtet. 2009 ist ein Gesetz im Wirtschaftsministerium in Arbeit, das dem Staat Eingriffe in Banken erlauben soll, die von Insolvenz bedroht sind. Die erste Phase der Finanzkrise scheint Mitte 2009 zu Ende zu sein, aber Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten und Kreditausfälle können die Banken noch weiter belasten. Offen ist noch, inwieweit die Kapitalmärkte eine Umlage für die staatlichen Hilfen leisten müssen. Die Bundesregierung führt 2010 eine Bankenabgabe ein, ebenso wird die Bankenaufsicht (Regulierung) reformiert. Im Herbst 2011 steht die Welt vor einer ähnlichen Situation wie 2008. Eigentlich ist die Lage sogar bedrohlicher, weil eine Staatsschuldenkrise dazukommt. Es gibt starke Kurseinbrüche an den Börsen und das Misstrauen zwischen den Banken ist groß. 2011 und 2012 wird in den USA genauer untersucht, wer an den CDOs (Wertpapierverbriefungen, Bündelung vieler Einzelverträge zu CDOs) verloren und verdient hat. Profiteure waren ausgewählte Hedgefonds, die gegen die CDOs gewettet hatten, indem sie Ausfallversicherungen für besonders riskante Tranchen kauften.  "Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt", Warren Buffet, reichster Mann der Welt, über die Milliardenverluste mehrerer Großbanken in der internationalen Finanzkrise.

Es zeigt sich, dass Finanzkrisen einem Muster folgen: exzessive Kreditvergabe, Fehlbewertung von Risiken, Verschuldung, unvertretbare Vermögenssteigerungen, Steigerung des Konsums. Dazu kommen jeweils Eigenheiten. So W. White, Chefvolkswirt der BIZ, im Handelsblatt vom 18.02. 08, S. 4. Vgl. auch: C. Reinhart/ K. Rogoff: Is the 2007 U. S. Sub-Prime Financial Crisis So Different? An International Historical Comparison, Paper NBER, January 2008. "Wir brauchen eine konzertierte Aktion von Notenbanken, Anlegern und Regierungen, um  dieses Zusammenschmelzen von Werten endlich zu beenden", Josef Ackermann, Deutsche Bank - Chef. Der schwache Dollar wird die amerikanischen Exporte stärken. Die USA werden immer weniger konsumieren. Das hat Konsequenzen für die EU und China. Die Weltwirtschaft muss eine neue Balance finden. Märkte mit unvollständiger Information und Asymmetrien brauchen wohl sorgfältige Regulierung, damit sie effizient und stabil sind. "Diese Krise ist anders - ein  Ereignis wie es einmal oder zweimal pro Jahrhundert vorkommt, tief verwurzelt in den Ängsten vor der Insolvenz großer Finanzinstitutionen", Alan Greenspan, ehemaliger US-Notenbankchef.

"Falsche Wirtschaftspolitik und ungenügende Überwachung des Kapitalmarkts in den USA sind die eigentlichen Ursachen der Finanzkrise", Zhang Jianhua, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der chinesischen Notenbank.

Im Umweltbereich mit den Problemen "Artenschwund, Waldsterben, Überfischung, Sterben der Meereskorallen, Gletscherschmelze, Wasserverknappung, Ressourcenmangel, umweltbedingte Migration, Naturkatastrophen (schwere Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen), Ausbreitung der Wüsten und Klimawandel" macht sich besonders negativ bemerkbar, das der Markt global, aber das Umweltrecht weitgehend national ist. Außerdem belohnt der Markt die Geschwindigkeit und die Bedenkenlosigkeit und fördert externe Effekte. Auch die Wohlstands-Disparitäten in der Welt zwischen Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern verhindern globale Lösungen (Energieeffizienz, d. h. Primärenergieverbrauch je 1 Mrd. $ BIP: China 0,83; Russland 1,09; Indien 0,86). Die größten Klimaverschmutzer USA, China, Indien und Australien können sich zu keiner effektiven Reduktion entscheiden. Die Umweltökonomik ist sicher der wichtigste Teil der Volkswirtschaftslehre, da von ihrer Problemlösungskompetenz die Zukunft der Menschheit und das Überleben der Erde abhängt. Die Entwicklung der Zertifikate und ihre weltweite umweltpolitische Umsetzung spricht einerseits für diese Problemlösungskompetenz, andererseits können damit alleine nicht alle Umweltprobleme gelöst werden. Zertifikate (Erlaubnisscheine) sind eine marktwirtschaftliche Vorgehensweise, die aber mit erheblichen institutionellen Problemen verbunden sind.

Moralisch (in der Umweltpolitik ist Moral purer Realismus) und rational sind in beiden Bereichen globale Institutionen notwendig. Vielleicht kann man die Weltbank als multilaterales Kreditinstitut für Entwicklungsländer zurückfahren und ihr mehr Aufgaben in der Umweltpolitik und im Finanzcontrolling geben. Die Wirtschaftswissenschaften und ihre Theorien widmen diesen für die Menschheit zentralen Phänomen viel zu wenig Aufmerksamkeit, weil sie einmal in der Regel fernab der normalen Lehrbuchweisheiten liegen und andererseits ein interdisziplinäres, ethisches Denken erfordern. Die StudentInnen werde ich bei diesen Themen für Abschlussarbeiten, aber auch bei speziellen Wünschen nach Sonderveranstaltungen, nach meinen Kräften unterstützen. "Unser Marktradikalismus war ein unverschämter Ego-Trip", Erhard Eppler.

Anleger können über Aktien, Fonds und Zertifikate für das eigene Vermögen beide Bereiche verbinden: Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen ist das Potential der Zukunft. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Dow Jones Sustainable Total Return Index, der die Entwicklung nachhaltiger Aktien abbildet, eine bessere Wertentwicklung als das Börsenbarometer für internationale Aktien "MSCI". "Bis 2030 sind wir der größte Treibstofflieferant der Welt", L. I. Lula da Silva, brasilianischer Staatspräsident über Ethanol aus Zuckerrohr. Ebenso Chancen bieten Unternehmen, die sich mit Energieeffizienz beschäftigen. 46 Staaten wollen 2007 eine starke UN-Umweltbehörde schaffen (allerdings sind die größten Verschmutzer "USA, Russland, China und Indien" nicht dabei). Über die Finanzmärkte können Bürger vielleicht den größten Einfluss ausüben. Die Aktionäre sollten niedrigere Vorstandsgehälter, weniger Atomstrom uns mehr Moral durchsetzen. 2011 betrug das Volumen nachhaltiger Geldanlagen weltweit 11,0 Billionen $ (2006 3,6 Bio.).

Der Arbeitsmarkt, wird bezogen auf die Karriere genauso wie von Angebot und Nachfrage von Glück und  Pech beeinflusst. Gerade bei Hochschulabsolventen ist die Konjunkturlage bei Start von außerordentlicher Bedeutung. Dies habe ich schon vor  25 Jahren in einer empirischen Untersuchung festgestellt (neuere Untersuchungen liegen von Paul Oyer, Marianne Bertrand, Till von Wachter vor). Man kann auch einen grundlegenden Wandel des weltweiten Arbeitsmarktes durch die Globalisierung beobachten. Die Normalarbeitsverhältnisse gehen zurück, dafür steigen die atypischen Beschäftigungsverhältnisse sehr stark an (geringfügige Beschäftigung, Zeitarbeit, befristete Verträge, Teilzeitarbeit, Solo-Selbständigkeit). Die Kernbelegschaften sinken, die Randbelegschaften nehmen zu. Hierzu habe ich eine Veranstaltung mitgeplant und einen Einführungsvortrag gehalten. Andererseits scheint 2010 ein Kipp-Effekt auf dem Arbeitsmarkt einzusetzen, d. h. die Lage wird für das Arbeitsangebot, vor allem in bestimmten Segmenten, aufgrund der Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung sehr viel besser.

"Sofern wir in die Natur eingreifen, haben wir strengstens auf die Wiederherstellung ihres Gleichgewichts zu achten", Heraklit, griechischer Philosoph, ca. 550-480 v. Chr.

Weltwirtschaftskrise und die Lehren daraus:

Dieser Stein stellte im Römischen Weltreich einst den Mittelpunkt der damaligen Welt dar. Von hier aus waren die Entfernungen zu den Grenzen etwa gleich groß. Er steht im heutigen Istanbul (einst Konstantinopel). Er zeigt wie relativ Globalisierung und auch Weltwirtschaftskrisen sein können.

Die im letzten Jahrhundert begann mit dem Absturz der Börse in New York, wo die Kurse am 23.10.1929 um 13% einbrachen; bis zum 29.10.29 waren die Kurse dann insgesamt um 30% gefallen. Dem Einbruch der Börse war aber eine globale Verschlechterung vorausgegangen. Danach brach die Industrieproduktion weltweit ein. In der Folge gaben die Reallöhne erheblich nach, trotzdem stieg die Arbeitslosigkeit stark an. Diese Erfahrungen führten bei Keynes zu seinen Überlegungen in der "Allgemeinen Theorie..." ("In the long run we are all dead"). Anna Schwartz (eine der wenigen, lebenden Ökonomen, die die Krise noch selbst erlebt haben) und Milton Friedman haben haben die Entwicklung der Weltwirtschaftskrise darauf zurückgeführt, dass die Notenbanken den Geschäftsbanken nicht genug Liquidität zur Verfügung gestellt hatten (Schwartz/ Friedman: A Monetary History of the United States, 1867-1960). Schwartz weist heute auch immer wieder darauf hin, dass die laxe Geldpolitik von A. Greenspan die heutige Weltwirtschaftskrise (2008, 2009, 2010) mit verursacht hat. Hauptursache war eine Immobilienblase in den USA. Billiges Geld führte zu großzügiger Vergabe von Hypothekenkrediten auch an Schuldner mit geringer Bonität. Als die Immobilienpreise fielen, konnten viele Schuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen. Eine generelle Ursache war die Deregulierung der US-Finanzmärkte unter Reagan und Clinton (Sparkassen mehr Freiheiten, Darlehen mit variablen Zinsen, Trennung zwischen Geschäfts- und Investmentbanken aufgehoben). Die heutige Finanz- und Geldpolitik hat die Konzepte von Keynes umgesetzt und damit aus der Krise gelernt: Die Geldpolitik ist expansiv. Die Finanzpolitik brachte sofort Konjunkturpakete.  Zahlungsbilanzdefizite können aufgrund des flexiblen Wechselkurssystems zu Wechselkursanpassungen statt zu Deflation führen. Allerdings sollte auch eine Rückführung der massiven Liquiditätsexpansion durch die Zentralbanken sichergestellt werden. Ebenso müssen die explodierenden Defizite der öffentlichen Haushalte zurückgeführt werden. Der jetzige amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke hatte die Weltwirtschaftskrise 1930 intensiv studiert und entsprechende Lehren daraus 2009 angewandt. Die meisten Amerikaner verstehen aber nicht, warum der Staat den Privatbanken so viel Geld zur Verfügung gestellt hat. Vgl. auch: Rogoff, K./Reinhart, C.: Dieses Mal ist alles anders. Acht Jahrhunderte Finanzkrisen, München 2010. Sie zeigen, dass Banken- und Staatsbankrotte immer wieder geschehen - und die Menschen haben nichts daraus gelernt. Die Griechenland-Krise und der Angriff der Spekulanten auf den Euro zeigen, dass es dringend notwendig ist, die Spekulation zu bekämpfen (Verbot bestimmter Finanzprodukte, Finanztransaktionsteuer, bessere Kontrolle der Finanz- und Schuldenpolitik). Die Schulden-Disparitäten in der EU und erste Ansätze zu einer Transferunion könnten die EU in ihrer Existenz gefährden.

"What can you flood, saturate, peg and open? The market".

Folgen und Folgerungen aus der Krise 2008/2009/2010 :

"Wir müssen die Theorie, dass die Finanzmärkte effizient funktionieren, aufgeben", George Soros 2010.

Die wahrscheinlichste Folge der Finanz- und Weltwirtschaftskrise ist eine Geldwertkrise. Die wichtigsten Staaten dieser Welt sind total überschuldet. Die Staaten verlieren an Vertrauen; die internen Verteilungskonflikte werden zunehmen (in Deutschland z. B. die Finanzprobleme der Kommunen). Die Notenbanken der Welt haben für eine Geldschwemme gesorgt, die die Zinsen noch niedrig hält, um die Rezession zu bekämpfen. Die US-Regierung stemmt sich noch 2010 mit Hilfe einer expansiven Geldpolitik gegen die Krise. Sie hat bereits 1,75 Billionen Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Der Inflationsschub wird zu einer Zinserhöhung führen, die auch die Verschuldung verteuert. Die Preise werden auch durch die stark steigenden Ölpreise (Nachfrage in China, Krise in Nordafrika) in die Höhe gehen. Das Internationale Währungssystem wird die Inflation über die Welt verteilen. Hinzu kommt, dass eine Konjunkturerholung die knappen Ressourcen wie Energie und Rohstoffe verteuert, was in Form einer Kosteninflation verstärkend wirkt. Dies kann sich durch eine Euro-Abwertung beschleunigen, weil die Öl- und Rohstoffimporte in Dollar abgerechnet werden. Die Rohstoffpreise steigen Ende 2010 und Anfang 2011 schon stark an, zur Jahreswende lag die Inflationsrate in der EU schon bei 2,4%. Die Europäische Union gerät in eine große Belastungsprobe, weil einige Peripherieländer (z. B. Griechenland, Irland, Portugal) ihre Überschuldung nicht mehr selbst lösen können. Es droht ein "bail- out". Brechen jetzt etwa Konstruktionsmängel der EU auf, brauchen wir vielleicht einen Europäischen Währungsfonds?  Vgl. auch meinen Artikel "Inflation" auf der Seite "Glossar/ Theory". Ein relativ leicht zu lesendes Buch dazu ist: Müller, Hendrik, Sprengsatz Inflation, Frankfurt/ New York 2010 (Campus). 2010 pumpen die USA riesige Geldmengen in die Wirtschaft, um sie anzukurbeln. Das  führt in anderen Ländern zu Kapitalimporten, die zur Aufwertung der Währungen führt (z. B. in der EU). Die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan, die Krisen in Nahost und die weiteren Geldschwemmen durch die großen Notenbanken (allen voran die USA und Japan) treiben die Inflationsraten nach oben. Inflation droht besonders in Asien und Lateinamerika. Etwa Irland ist ganz schlimm betroffen. Die Wirtschaftsleistung ist 2008 und 2009 um 16 Prozent geschrumpft. Das Haushaltsdefizit stieg 2010 auf 32%. Die Gesamtverschuldung stieg von 25 auf 75% (auch durch die staatliche Rettung der Banken). Ägypten, das in den Sog von Unruhen 2011 nach der Algerienkrise gerät, rechnet nicht mehr direkt zu den Schwellenländern wie früher. Das BIP betrug 2009 "nur" 188 Mrd. $. Einigen Ländern droht auch eine Deflation, also eine fatale Abwärtsspirale der Preise, zum Beispiel Japan. Goldman Sachs half den Griechen, mit raffinierten Währungsgeschäften die Schulden zu verstecken. Sie sind nun wieder engagiert, um aus einer Pleite des Landes Gewinn zu schlagen. Die nebulöse und dubiose Spekulation scheint also weiterzugehen.

Besonders wichtig ist daher eine weltweite Reform der Bankenlandschaft. Durch zuviel Geld können wieder neue Finanzblasen entstehen. Banken müssen ihre Kernaufgaben erfüllen (z. B. Kredite geben). Sie müssen Geld in die richtige Richtung lenken und damit auch Menschen. Die Allgemeinheit darf zukünftig nicht mehr für die Schäden zahlen. Regulierung ist machbar, wenn die Lobby-Macht der Banken gebrochen wird. In jedem Falle muss die Bankenaufsicht wirkungsvoller gestaltet werden. Die Staaten müssen aktiver werden. Die Notenbanken stellen mit ihrer gefährlichen Liquiditätsschwemme auch eine Gefahr dar. Aber auch viele große Banken sind weiterhin angeschlagen. Trotzdem müsste die Gläubigerhaftung verstärkt werden. 2011 bricht der Bankenindex (DJ-Stoxx-600-Banken) ein. Voran ging der Aktiencrash insgesamt. Bankenpleiten drohen auch weiterhin. Die entscheidende Frage dürfte dann sein. ist dies immer systemrelevant?  Leider hatte die Bankenwelt aus dem Fall der Barings Bank, der ältesten Investmentbank GB, nicht gelernt. Am 26. Februar 1995 ging die Bank nach 233 Jahren Geschäft in Konkurs. Der Wertpapierhändler Nick Leeson hatte durch Spekulationen an der Internationalen Währungsbörse Singapur 1,4 Mrd. $ verloren. Die Interne Revision und des Risikomanagement der Bank hatten versagt.

Spekulation muss wirkungsvoll bekämpft werden. Eine Finanztransaktionsteuer muss ernsthaft in Betracht gezogen werden, weil sie eine positive Lenkungswirkung haben dürfte. Einige Finanzprodukte - wie die Leerverkäufe - sollten verboten werden. Die Verschuldungsprobleme einiger EU-Länder - wie Griechenland und Portugal - müssen Anlass zu Reformen und Stabilisierungsmechanismen in der EU sein. Die USA blasen mit der Federal Reserve Bank riesige Geldmengen in die Wirtschaft, die neue Blasen der Spekulation und den Währungskrieg anheizen. Der Ökonomie insgesamt fehlt ein neues Weltbild, in das Spekulationen integriert sind. Vgl. N. Roubini/ S. Mihm: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft, Frankfurt 2010. Der spekulative Finanzkapitalismus erhöht drastisch die Volatilität der Finanzmärkte und macht sie noch unberechenbarer.

Immer mehr Fachleute und Menschen zweifeln auch am Wirtschaftswachstum als Wohlstandsformel der Zukunft. Nicht erneuerbare Ressourcen, die Effizienz der Industrieproduktion, Nahrungsmittel und Umweltbelastung sind begrenzt, es wächst nur exponentiell die Weltbevölkerung (Im Jahre 2030 etwa Maximalwert). Wir müssen uns auf eine Welt mit weniger materiellem Luxus einstellen. Diese Tendenzen müssen auch in einer Veränderung der Messindikatoren des BIP zum Ausdruck kommen (so Stiglitz, Sen, SRW in Deutschland und Frankreich, Bundestags-Kommission).  Die zunehmende Energieknappheit könnte dazu führen, dass die Welt wieder kleiner wird, die Uhr der Globalisierung also zurückgedreht wird (steigende Transportkosten könnten die weltweiten Logistik-Netze wieder ändern, aber auch die stark steigenden Produktionskosten). Vgl. Jeff Rubin: Warum die Welt immer kleiner wird, München 2010 (Hanser). Ebenso: Meinhard Miegel, Exit. Wohlstand ohne Wachstum, Berlin/ Propyläen 2010 (Zentrale Thesen: Für die alten Industrieländer geht die Epoche raschen Wachstums zu Ende. Was noch an Wachstum anfällt, wird die Lebensqualität nicht erhöhen). Schon jetzt machen Preissprünge und Engpässe bei der Versorgung mit Rohstoffen der Wirtschaft immer mehr zu schaffen. Da die Lebensweise in den Schwellenländern sich mit steigendem Einkommen stark ändert, hat dies schädlichen Einfluss auf den Klimawandel . Besonders negativ wirkt sich der steigende Fleischkonsum aus (Futtermittel, Treibhausgasausstoß). Sicher müsste eine neue globale Wirtschafts- und Finanzpolitik geschaffen werden (so: J. Stiglitz, Im freien Fall, München 2010). Die Krise - insbesondere die nachfolgende Euro-Krise - schlägt auch auf das Konsumklima und den privaten Konsum durch. Die drohende Rezession in den USA könnte ein  Warnzeichen sein. Zumal die führenden Staaten gegen die Grundlagen der Makroökonomie handeln: bei hoher Arbeitslosigkeit, langsamem Wachstum und Liquiditätsfalle die Staatsausgaben kürzen. Die USA dagegen halten an ihrer Nullzinspolitik und neuen Konjunkturprogrammen fest. Wachstum geht vor Konsolidierung.

Auf betrieblicher Ebene zeigen sich die Folgen insbesondere durch Nachfrageeinbrüche und Finanzierungsprobleme. Dies ist besonders kritisch für mittelständische Unternehmen die permanent Finanzprobleme haben. Hier sollte der Staat für gerechte Rahmenbedingungen sorgen. Hierzu habe ich schon eine Reihe von Spezialveranstaltungen gemacht. Die multinationalen Unternehmen (Multis) sind auf die Expansion in den Schwellenländern vorbereitet. Sie haben ihre Ausgangsbasen, von denen sie die Kontinente beliefern können. Zum Beispiel wartet VW in China, Süd-Afrika und Brasilien/ Mexiko auf das "Erwachen der schlafenden Kontinente". KMU tun sich wesentlich schwerer mit ihren Strategien im Hinblick auf die Schwellenländer.

Auch die Kultur muss überdacht werden: Was angeboten wird, sind nicht die Ideale der Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie, sondern der Wall Street. Die Gesellschaften sind ökonomisiert worden, die Bildung wurde in den Dienst der Wirtschaft gestellt. Alles wird in ökonomischen Erfolgsmaßstäben gesehen. Wünschenswert wäre in der Tat eine "empathische Zivilisation" und ein globales Bewusstsein, wie es Jeremy Rifkin beschreibt (Frankfurt/ New York, Campus, 2010). Andererseits bringt eine Werteorientierung der Unternehmen (CSR) auch ökonomischen Erfolg. Rodrik spricht von einem Trilemma der Weltwirtschaft: Hyperglobalisierung, Nationalstaat ("Goldene Zwangsjacke") und Politische Demokratie (Globalregierung) seien unvereinbar (Rodrik, D. Das Globalisierungsparadox, München (Beck) 2011, S. 261.

Die Gefahr einer neuen Finanzkrise ist höher als normal. Die Staaten der Welt sind relativ hoch verschuldet. Die Geldpolitik schafft zu viel Liquidität. Die Banken sind noch zu schwach kapitalisiert. In den USA droht eine neue Rezession (Arbeitsmarkt kriselt, Stagflation?, Häuserpreise fallen wieder). Der Aktiencrash im August 2011 ist ein Indikator, ein Währungskrieg könnte folgen. So könnte die Schuldenkrise irgendwann wieder außer Kontrolle geraten.

Die Krise ist insgesamt als große ökonomische Fallstudie geeignet: Am Anfang steht eine Immobilienkrise (ab 2007). Dann wird daraus eine Bankenkrise (Höhepunkt Herbst 2008 mit Lehman). Daraus entwickelt sich eine Weltwirtschaftskrise (2009), die die gesamt Wirtschaft erreicht. Dann kommen die Staaten mit ihren Staatsschulden in Bedrängnis (2010). Daraus erwächst wieder eine neue Bankenkrise (2011).

Aufstieg der Schwellenländer (Änderung der Machtverteilung in der Welt):

Die Schwellenländer sind nicht exakt definiert. Auf jeden Fall dazu gehören die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Mit Süd-Afrika spricht man von BRICS. Dann kommen Argentinien, Australien, Indonesien, Süd-Korea (Industrieland, aber nicht G7), Mexiko, Saudi-Arabien und die Türkei. Im Kreise der Next-11 sind besonders wichtig: Chile, Ekuador, Ägypten, Israel, Vietnam, Philippinen, Malaysia, Pakistan. Hier einige Wachstumsraten der Schwellenländer 2011 in Prozent: Brasilien 3,8; Russland 4,3; Indien 7,8; China 9,5; Südafrika 3,4; Mexiko 3,8; Indonesien 6,4; Australien 1,8; Süd-Korea 4,4 (2012); Türkei 2,2 (2012).  Die wichtigsten Industrieländer wachsen langsamer. So wird in den USA nur mit 1,5% und in Japan mit -0,5% für 2011 gerechnet, in der EU mit -0,4%. Wahrscheinlich wird sich das weltweite Wachstum 2012 auf 3,2% verlangsamen.

Am schnellsten aus der Krise kommt China, das einen neuen Wachstumsschub erlebt (spätestens 2050 ist China die größte Volkswirtschaft der Welt). Mittlerweile entwickelt sich das Land immer mehr zum Anker der Weltwirtschaft, das langfristig die USA als Leitwirtschaft ablösen kann. Die Schwerpunktverlagerung der Weltwirtschaft nach Ostasien beschleunigt sich durch die Krise (vgl. Globalisierung auf der Ostasienseite). Auch andere Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Russland werden an Gewicht zunehmen (alle vier zusammen werden als BRIC bezeichnet, mit Südafrika spricht man von BRICS). Die Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts wird vom Aufstieg einer konsumhungrigen Mittelschicht in den Schwellenländern geprägt. In den BRIC-Staaten werden in Zukunft z. B. die meisten Autos verkauft werden (ähnlich ist es bei Handys und Sportartikeln). 27 % der weltweiten Produktion wird 2020 in den BRIC - Ländern stattfinden, mehr als in den USA und Japan zusammen. Die wachsenden Kundenzahlen rufen in diesen Ländern aber auch zunehmende Konkurrenz hervor: SAIC, BAIC, Chery und Geely aus China, Tata aus Indien und Hyundai-Kia aus Südkorea. Wegen der positiven Wirtschaftsentwicklung 2010 haben sich in vielen Schwellenländern die Defizite verringert (die Schwellenländer wachsen bis 2014 um 4,7%, die IL um 2,4%, Weltbank). Für die deutschen Exporteure setzen sich die "goldenen Jahre" fort. Die Schwellenländer steigern weiter ihre Infrastrukturinvestitionen. Allein China plant für die nächsten fünf Jahre seine Importe zu verdoppeln (Nationaler Volkskongress). 2016 dürfte das Land die USA überholen. Zu China habe ich einen Vortrag gehalten. Doch in China droht ein überhitzter Immobiliensektor zusammenzubrechen (spätestens 2012?, trägt 20% zum BIP bei); auch die stark steigenden Nahrungsmittelpreise sind bedrohlich (Jasmin-Revolution?). Brasilien und Deutschland ergänzen sich ideal: Brasilien hat sehr viele Rohstoffe, Deutschland kann Know-how liefern. Teilweise exportieren die Schwellenländer ihre Inflation auch in die Industrieländer. Der stärkere Verfall des Dollar gegenüber vielen Währungen bedeutet, dass auch der Rembimbi gefallen ist. Der handelsgewichtete Gesamtwert des Remimbi hat erheblich abgenommen, vor allem im Verhältnis zu den Währungen der Schwellenländer, mit denen China konkurriert. Durch die anhaltende Niedrigzinspolitik in den Industrieländern entsteht ein Kapitalfluss in die aufstrebenden Schwellenländer, was zu Vermögensblasen dort führen kann (IIF). Zweimal schon hat Brasilien die Steuern auf Auslandskapital erhöht. Brasilien setzt außerdem zunehmend wieder hohe Zölle ein (z. B. hohe Zölle auf Importautos um sich gegen die Folgen des hohen Realkurses zu schützen). Auch Südkorea erhebt eine Steuer auf Kapitalzuflüsse.  Andere Staaten in  Südostasien wehren sich mit einer Quellensteuer. Indien führt noch keine Kapitalverkehrskontrollen durch. Chile interveniert am Devisenmarkt, um eine Aufwertung der eigenen Währung zu verhindern. Argentinien kann eine zu starke Aufwertung des Peso mit einer geschickten Geldpolitik vermeiden (wichtig für Exportboom, vor allem bei Weizen und Soja). Venezuela hat die zweithöchste Inflationsrate der Welt (2011 27,6%, importierte Inflation, Kapitalimporte, zweithöchsten Erdölvorkommen). Natürlich leiden auch die Währungen vieler Industrieländer wie Japan und die Schweiz (Franken ist Fluchtwährung). Wenn diese Blasen platzen, könnte eine Kettenreaktion ausgelöst werden (der Finanzsektor ist weiterhin sehr instabil).  Viele andere Staaten stehen vor ungelösten Problemen, was ihre Schulden angeht. So stehen Staatspleiten weiterhin im Raum.

Vieles in den Schwellenländern hängt von der Wirtschaft in den USA ab. Wie wird sich die lahme Wirtschaft entwickeln und wie kann der riesige Schuldenberg abgetragen werden? Aufgrund der Schuldenkrise in Europa hat eine Flucht der Investoren in die Schwellenländer eingesetzt. In China und anderen asiatischen Boomstaaten boomen Immobilienpreise, Aktienkurse und Wohlstandsversprechen. Welche Auswirkungen haben diese Blasen? Wie wird sich der Rohstoffboom in den Schwellenländern entwickeln? Dies sind viele offene Fragen.

Der rasche Aufstieg der Schwellenländer wird auch durch die Staats-Schuldenkrise der Industrieländer und die Euro-Krise begünstigt. Beinahe jedes westliche Industrieland muss um sein Rating fürchten, während die Schwellenländer ihre Kreditwürdigkeit weiter verbessern. Es wird zu gravierenden Machtverschiebungen in der Welt kommen, wobei Asien die Führung übernehmen wird (insbesondere China, Indien). Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatten beiden Länder schon 50 Prozent des Welt - BIP. China will seine Währung freigeben. Der Renminbi, die chinesische Währung, ist auf dem Weg zur Weltleitwährung (10 Jahre?). Die Schwellenländer sind immer wieder im Mittelpunkt von Veranstaltungen (WS 11/12 in IBM(EA) (Internationale Finanzmärkte) und IHRM (Arbeitsmarkt, Personalwirtschaft). Die Schwellenländer werden immer mehr zur Lösung gravierender globaler Probleme eingesetzt. Ein wichtiges Forum sind hier die G20. China, Indien, Brasilien, Russland und Süd-Afrika kaufen (bzw. beabsichtigen dies) europäische Staatsanleihen, um den Euro zu stützen. Die Zentralbanken der Schwellenländer kaufen auch immer mehr Gold. Die Weltwirtschaft dürfte 2012 an Fahrt verlieren, so dass die Bedeutung der Schwellenländer weiter relativ zunehmen dürfte, da ihr Wachstum immer noch größer ist (vgl. ersten Absatz dieses Artikels). Wenn die Schwellenländer immer wettbewerbsfähiger werden, verlagern Unternehmen (auch aus Deutschland) immer mehr Produktion, Verwaltung und Forschung in diese Länder. Nach einer Studie des DIHK fördert die Produktion in anderen Ländern die Einstellung von Personal am Standort "Deutschland". Darauf hatte der SRW schon vorher hingewiesen (Exportfunktion!). 2012 sind die Geschäftsaussichten in den BRIC - Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) besonders gut.

Die Schwellenländer haben in der Regel gemeinsame Stärken und Schwächen. Zu den Stärken gehören der Rohstoffreichtum. Als Beispiel sei hier Indonesien genannt, das weltweit führender Produzent von Palmöl ist. Zudem werden dort Kohle, Kupfer, Erdgas und Eisenerz gefördert und exportiert. Als zweites Beispiel soll Mexiko genannt werden, das Öl, Gold und Silber exportieren kann. Eine andere Stärke ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit und damit ein Handelsbilanzüberschuss. Dies trifft auf Südkorea zu: das Land ist der größte Hersteller von Frachtschiffen, Speicherchips und Flüssigkristallbildschirmen. Zu den Schwächen gehört meist die Infrastruktur. Doch hier wird stark aufgeholt. Als Beispiel seien Indien und die Türkei genannt.

Auf ihrem vierten Treffen 2012 im indischen New Delhi beschließen die BRIC-Staaten eine eigene Entwicklungsbank und internationale Börsenlistings und das Handelsvolumen in drei Jahren zu verdoppeln. Die deutschen Exporte in die BRIC-Staaten sind mittlerweile höher als in die USA.

Neue Ökonomie der Nachhaltigkeit ("Green Economy"):

Nachhaltigkeit (Sustainability): im Kern die schonende Nutzung der Produkte eines regenerierbaren natürlichen Systems in einer Weise, dass dieses im Wesentlichen erhalten bleibt und sein Bestand nachwachsen kann. Die Idee ist ca. 300 Jahre alt und wurde erstmals von Carl von Carlowitz (1645-1714) in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica" (1713) formuliert. Er ist der Vater der Forstwirtschaftslehre und lebte in Freiberg, Sachsen. Danach wird ein Wald nachhaltig genutzt, wenn nur so viel Holz eingeschlagen wird, wie nachwächst. Bereits im 15. Jahrhundert findet sich der Begriff in Forstordnungen (Speyer 1442). Heute ist der Begriff ein Modewort, der auf viele Bereiche angewandt wird.

Mittlerweile hat die Konzeption der Nachhaltigkeit auch Einzug gefunden in viele Spezialgebiete der Ökonomie: In der Volkswirtschaftslehre geht es einmal um die Modifikation der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Das Bruttonationaleinkommen eignet sich nur bedingt als Indikator für Wohlstand. Die Haushaltsproduktion, ökologische und soziale Aspekte, Ehrenamt, Arbeit für die Familie und Schwarzarbeit finden keine Berücksichtigung. Die Siglitz - Kommission (mit Sen) hat 2009 Empfehlungen gemacht, wie Wohlstand und Lebensqualität besser zu ermitteln sind. Diese Vorschläge greifen Ende 2010 die Wirtschaftsweisen in Deutschland und Frankreich auf. Sie schlagen keine weichen Faktoren wie "Happiness", aber die Aufnahme von "Lebensqualität" und "Nachhaltigkeit" vor. Im Januar 2011 nimmt eine Bundestagskommission zur Wohlstandsmessung ihre Arbeit auf. Sie ist mit 17 Abgeordneten und 17 Wissenschaftlern besetzt. Zum anderen ist Nachhaltigkeit der Kernbegriff der Umweltökonomik. Im Zusammenhang mit knappen Ressourcen, insbesondere Energie, lenkt der Begriff hin auf eine Diskussion über neue Wirtschaftsformen. Nicht erneuerbare Ressourcen, die Effizienz der Industrieproduktion, Nahrungsmittel und Umweltbelastung sind begrenzt, es wächst nur exponentiell die Weltbevölkerung (Im Jahre 2030 etwa Maximalwert). Also geht es um ein "Wachsen ohne Wachstum" (vgl. gleichnamiges Buch von Willi Fuchs, München 2011). Über Innovationsdruck und Markteinführungshilfen sollten weiterhin die "grünen" Produktionsbereiche ausgebaut werden. Die kapitalistische Wirtschaft soll zu einer nachhaltigen Wirtschaft transformiert werden. Die wirtschaftliche Dynamik soll soziale und ökologische Gerechtigkeit zusammenführen. Zum Dritten steht Nachhaltigkeit  in diesem Sinne für Zielharmonie. Z.B. wird häufig die gleichberechtigte Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Belange als "nachhaltig" bezeichnet. In der Betriebswirtschaftslehre wird auf die langfristige Orientierung ökonomischer Entscheidungen hingewiesen im Unterschied zu der Quartalsorientierung vieler Unternehmen ("shareholder value"). Zurzeit kommt der Druck auch von den Kapitalgebern auf die Unternehmen, Nachhaltigkeit als Maßstab (natürlich auch ökologisch) zu setzen. So wird es als Wert und als Maßstab für Erfolg etabliert. "Es gibt keine bewerte Skala zur Messung des sozialen Bewusstseins von Konsumenten", Ingo Balderjahn, Uni Potsdam.

Eine besondere Rolle spielt der Begriff "Nachhaltigkeit" in mittelständischen Unternehmen. Hier wird er oft im Zusammenhang mit Familienunternehmen gebraucht. Im engeren Sinne wird der Begriff häufig auf die Nachfolge zugespitzt. Er kann aber auch umfassender im Mittelstand strategisch und ökologisch verwendet werden oder die gleichzeitige Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten meinen. So wird nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise darauf verwiesen, dass der Mittelstand mit seiner Nachhaltigkeit für den schnellen Wiederaufstieg Deutschlands entscheidend verantwortlich sei.

Die aktuelle Naturkatastrophe in Japan 2011 mit Erdbeben, Tsunami und Explosion von Atomkraftwerken wird die Diskussion über Nachhaltigkeit weltweit verstärken. Viele technische Risiken sind doch nicht beherrschbar. Die Atomkraft scheint gescheitert zu sein ("Brückentechnologie" wie lange?). Die Endlagerung des Atommülls erfolgt auch auf Kosten nachfolgender Generationen und nimmt ihnen Lebenschancen. Für die Nachhaltigkeit der Atomkraftwerke sprechen ökonomische Kriterien (hängt aber von den Bewertungskriterien ab: Bewertung der Risiken! Versicherungen finden sich nicht) und Klimagründe.

Die Katastrophe wird sich auf die Weltwirtschaft auswirken: Entscheidend ist der weitere Verlauf, d.h. ob die Wolke nach Tokio zieht (dann würde die Wirtschaft lange stillstehen). Japan könnte aus USA-Staatsanleihen rausgehen ( in der EU auch 800 Mrd. $) und das Geld im Land verwenden. Die Notenbank soll bereits 200 Mrd. € in die Märkte gepumpt haben (insgesamt sollen die Kosten bei 400 Mrd. Euro liegen). Dies würde zu einer Aufwertung des Yen führen und die USA wären betroffen. Die Aufwertung des Yen wird durch Spekulationen verstärkt. Die führenden Notenbanken (G7) wollen auf eine Abwertung des Yen hinwirken, damit japanische Exporte erleichtert werden. Die Konjunktur in China könnte stark in Mitleidenschaft gezogen werden, weil viele Zulieferteile aus Japan kommen (Chips, Silizium, Displays, Autolacke). Insgesamt dürften weltweite Wertschöpfungsketten Lücken bekommen. Japan wird einen Rückgang des BIP erleben (1. Quartal 2011 -0,9%). Die Stromausfälle und Lieferunterbrechungen führen zu einer Rezession.  Im Sommer 2011 könnten sich die Stromengpässe verstärken (Klimaanlagen, Einspargesetz). Insbesondere die Automobilindustrie ist betroffen. Toyota wird 2011 seine Weltmarktführerschaft verlieren (Produktion in Japan -60%). Es wird eine Verschärfung an den Rohstoff- und Energiemärkten eintreten. Natürlich gehen zuerst die Aktien- und Rohstoffkurse in aller Welt nach unten und zeigen Konjunkturängste (an den zehn größten Börsen sofort -440 Mrd. € Kapital). Wahrscheinlich wird es weltwirtschaftlich eine leichte Wachstumsverlangsamung geben (0,8%?). An allen deutschen Exporten hat Japan einen Anteil von 1,4% (deutsche Importe aus Japan 2,8%). Nur 0,1% aller Nahrungsmittel in Deutschland sind Importe aus Japan. Je länger die Produktion in der Region Fukushima stockt, desto mehr wird sich auch die Wettbewerbsposition der Unternehmen dort verschlechtern (neue Sublieferanten). Japans Fischer, Bauern und Hersteller von Lebensmitteln bangen um ihre Existenz. Auch der Reiseverkehr nach Japan bricht dramatisch ein. "In Japan gibt es eine Art Konsens, dass wir unsere Abhängigkeit von Nuklearenergie verringern wollen", Goshi Hosono, Energieminister Japans 2011.

Insgesamt sollte auch in der ökonomischen Theorie Nachhaltigkeitskonzepte eine größere Rolle spielen. Immer mehr Ökonomen wollen von Biologen lernen, wie komplexe Netzwerke in der Natur, so genannte Ökosysteme (Bienenstöcke, Ameisenhaufen),  funktionieren. Die meisten bestehenden Theorien sind zu sehr auf Optimierung ausgerichtet (z. B. Spieltheorie). Die Harmonie zwischen Ökonomie und Ökologie wird neuerdings wieder in Frage gestellt. Viele sehen die Gefahr, dass diese Formel gebraucht wird, um die Dauerpriorisierung der Wachstumsziele zu zementieren (vgl. Schluss mit der Harmonie, in: Die Zeit, Nr.5, 26.01.2012, S. 27).  "Das Bedürfnis nach einer neuen Form ökonomischen Denkens ist drängender denn je", Joseph Stiglitz 2011 (zitiert nach Handelsblatt vom 22.0811, S. 20).

Analyse von Wirtschaftsordnungen (Modell):

Für die ökonomische Betrachtung von Ländern wie China und Japan ist der Umgang mit Wirtschaftsordnungen fundamental. "Die Wirtschaftsordnung stellt das längerfristig stabile Rahmenwerk dar, innerhalb dessen private Haushalte und Unternehmen ebenso wie staatliche Stellen wirtschaftliche und die Wirtschaft steuernde Entscheidungen treffen" (Dr. R. Osterkamp, Ifo-Institut, München).  Merkmale sind Normen, gesetzliche Tradition, Unternehmensumfeld, Produktmarktregulierung, Soziale Sicherung, Arbeitsmarkt, Öffentlicher Sektor. Problematisch ist die Beurteilung des Erfolgs. Die Operationalisierung von Erfolg und Erfolgsdeterminanten  hängt stark mit den Ergebnissen zusammen und ist auch von Maßstäben abhängig (Lebensstandard, Glücksforschung). Damit sind Systemmodelle und Systemvergleiche immer problematisch. Beispiele: Bildung ist sehr wichtig, kann aber auch privat finanziert werden. Wirtschaftswachstum, z. B. in China, hat starke Basiseffekte. Ungleichheit ist extrem schwer zu messen.

 Als Vergleichsmaßstab ("Benchmark") werden oft die eigene Volkswirtschaft als Modell oder Pauschalmodelle wie das "angelsächsische" (geringe Staatsquote, geringe Steuerbelastung) oder "skandinavische" (hohe Staatsquote, hohe Steuerlast) genommen. Eine Langzeitstudie zeigt 2010, dass stattliche Eingriffe in Wirtschaft und Arbeitsmarkt (Sozialstaat) mehr bringt als bislang gedacht (Survey of Health, Ageing and Retirement, Share; seit 2004 in 13 europäischen Ländern).

Als Beurteilungsraster für Wirtschaftsordnungen dient in der Regel folgende Aufteilung: Lenkungssystem (dezentral, zentral), Eigentumsordnung (Volkseigentum, Privateigentum, Genossenschaftseigentum), betriebliche Ergebnisrechnung (Gewinn, Planerfüllung), Preisbildung (Markt, staatliche Preisfestsetzung bzw. Preispolitik).

Die Wirtschaftsordnungen von China und Japan sind kurz auf der Ostasienseite dargestellt (Links: Wirtschaftsordnung China, Japan). Eine der letzten Planwirtschaften, Cuba (auch noch Nord-Korea), stellt sein System durch Reformen um: es soll eine gemischte Ökonomie mit mehr Privatinitiative entstehen. Alle vorhandenen Wirtschaftsordnungen sind aber Mischsysteme, die dynamisch sind. Der Systemwettbewerb geht weiter. Die finanzkapitalistische Marktwirtschaft angelsächsischer Prägung konkurriert mit den sozialen Marktwirtschaften in Europa und Japan. Alle müssen das Erfolgsmodell VR China im Auge behalten, wo ökonomisch erfolgreich ein kapitalistisches Wirtschaftssystem mit einer kommunistischen Diktatur kombiniert wird (könnte 2012 die USA im BIP nach Kaufkraftparität überholen, ist auch international immer expansiver, z. B. in Südamerika und Afrika). Vieles ist an China auch untypisch: laut IWF liegen die Staatsausgaben bei rund 23% des BIP (Platz 147 von 183 Ländern, Deutschland 48%). Da oft auch die Wirtschaftskraft eines Landes, also das Bruttoinlandsprodukt, als Erfolgsindikator des Systems gesehen wird. macht sich die Eindimensionalität dieses Indikators besonders bemerkbar. Insofern müsste man Menschenrechte, Glück, Lebensqualität u. a. aufnehmen, wie es eine UN-Kommission (Sen, Stiglitz) auch vorgeschlagen hat. Entscheidend für die Beurteilung der Wirtschaftsordnung dürfte aber die gerechte Verteilung des geschaffenen Wohlstands sein (hier scheint der Staatskapitalismus immer mehr aufzuholen). Ein Klassiker auf dem Gebiet der Wirtschaftsordnung ist das Buch "Ludwig von Mises, Die Gemeinwirtschaft: Untersuchungen über den Sozialismus, 1922". In diesem Buch rechnet von Mises mit der Planwirtschaft ab. Der Sozialismus müsse scheitern, weil die Preise von staatlichen Instanzen gesetzt werden und nicht die tatsächlichen Knappheiten widerspiegeln.

Aktuell wird die Diskussion um Wirtschaftsordnungen durch die Frage nach den Rahmenbedingungen für die Wirtschaft eines Landes verdrängt. 2011 geht es beim Munich Economic Summit um dieses Thema. Während die USA wieder mehr Aufgaben auf den Staat verlagern wollen, fordern Länder in Europa den schlanken Staat. In die Diskussion mischt sich auch die "Occupy Wall Street" - Bewegung ein. Graeber, einer der führenden Köpfe, spricht von Kamikaze-Kapitalismus und versucht das Bild einer anderen menschlichen Gemeinschaft zu entwerfen (Mischung von Kommunismus und Marktwirtschaft; Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus, München 2012). "Wie wollen eine qualitative Veränderung der Wirtschaftsordnung erzeugen", Giorgos Kallis, Autonome Uni Barcelona.

"Sobald der Wagen sich dem Berg nähert, wird sich ein Weg auftun", chinesisches Sprichwort.

Exportorientierung und internationale Wettbewerbskraft:

"Auf Reisen in fremde Länder lernt man nicht das Land kennen, sondern sich selbst", aus Tibet. Auf dem Foto ist der berühmte Geiranger - Fjord in Norwegen  abgebildet. Norwegen ist nach dem Pro-Kopf-Einkommen eines der reichsten Länder der Erde (Platz 2 hinter Luxemburg, nach Kaufkraftparität Rang 1, Rang 1 beim Human Development Index). Der Reichtum kam mit den Öl- und Gasfunden im Meer seit 1966. Stavanger ist die reichste Stadt Europas. Schon zur Zeit der Hanse waren die Städte sehr reich und wichtig, wie etwa Bergen (die Seefahrer - Tradition geht auf die Wikinger zurück, die zuerst nach Amerika segelten). Norwegen hat auch eine der höchsten Frauenerwerbsquoten der Welt und die höchsten Sozialausgaben pro Kopf in Europa. Das Renteneintrittsalter liegt mit 67 Jahren relativ hoch. Das Land ist Mitglied der EFTA, aber nicht der EU. Währung ist die Norwegische Krone (NOK, etwa 8 Kronen = 1€). Im weltweiten Ranking der UN ist Norwegen das Land mit dem höchsten Wohlstandsniveau in Europa.

Jahrelang war Deutschland Exportweltmeister (höchster Exportwert in der Welt). 2009 ging der Titel an China verloren, die deutschen Exporte brachen um fast 20% ein (man muss natürlich die Relationen bei der Bevölkerung sehen: D 80 Mio., China 1,4 Mrd.). 2010 überholen auch die USA Deutschland (Exporte: China 1578 Mrd. US-$; USA 1278 $,; Deutschland 1269 Mrd. $, Japan 770 Mrd. $). 2011 könnte der Export Deutschlands erstmals eine Billion Euro erreichen und damit höher als 2008 sein (Prognose für Handelsbilanzüberschuss 143 Mrd. €.). Damit baut Deutschland seinen Weltmarktanteil auf 9,5% aus. Wichtig ist, dass Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit behält. Diese beruht auf technologischem Vorsprung, einer effizienten Ausstattung und einem effizienten Einsatz der Produktionsfaktoren, einem ausreichenden Markt, Attraktivität für Direktinvestitionen und einer optimalen Infrastruktur (Standortfaktoren, Kultur). Immer wichtiger wird eine effiziente Industriepolitik, die in der EU abgestimmt werden muss. Die Entwicklung der Terms of Trade gibt wichtige Anhaltspunkte. Indices von BERI oder IMD sind nicht valide und zuverlässig. Insbesondere Frankreichs ehemalige Finanzministerin Lagarde (jetzt Chefin des IWF) hat folgende Fragen aufgeworfen: Schadet unser Export anderen Ländern? Verschaffen wir uns mit Billiglöhnen Vorteile? Würden höhere Löhne die Binnenwirtschaft stärken? Was steckt hinter der deutschen Exportstärke? Die Internationale Arbeitsagentur haut 2012 in die gleiche Kerbe. Doch die hiesige Exportkraft beruht gar nicht auf niedrigen Löhnen. Einige Experten vertreten die Ansicht, dass die Nachfrage nach deutschen Gütern im Ausland bald wieder das alte Niveau erreicht. Andere meinen, andere Länder wie die USA, Großbritannien und Spanien seien gezwungen, ihre Leistungsbilanzdefizite - also Importüberschüsse - abzubauen. Wichtiger als den Export zu stützen, sei es, in Zukunft den deutschen Binnenmarkt zu stärken. Es geht auch um den Stellenwert der Einkommensungleichheit in den einzelnen Ländern. Unbestritten ist, dass eine Exportorientierung der beste Garant für Innovation ist. Andererseits haben die Exportüberschüsse Deutschlands ihren Ursprung auch in zu geringen Investitionen. Immer wichtiger wird die richtige und zukunftsweisende Ausrichtung der außenwirtschaftlichen Aktivitäten. Große Unternehmen, die nur in Europa und Amerika engagiert sind erleiden Verluste. Wer sich in Asien engagiert, meldet Supergewinne (Handelsblatt, 07.05.2010, S. 1).

Die Länder mit der stärksten weltwirtschaftlichen Verflechtung (Außenhandel, ausländische Direktinvestitionen u. a.) sind die Niederlande, Singapur, Irland und die Schweiz (DHL Global Connectedness Index 2011). 20 Prozent der weltweiten Produktion geht in den Export (überwiegend in Nachbarländer).

Eine Studie des Weltwirtschaftsforums 2010 sieht bei Deutschland in der Wettbewerbsfähigkeit einen Aufstieg von sieben auf Platz fünf. Infrastruktur, Innovationsstärke und Geschäftskultur werden als herausragend gesehen. Hintere Plätze belegt Deutschland bei der Effizienz des Arbeitsmarktes und den staatlichen Bürokratielasten.  Auch Paul Krugman kritisiert im Herbst 2010 in der New York Times Deutschland, weil es zu egoistisch sei wie China. Der Sparkurs sei eine Belastung für die Weltwirtschaft. Die Konsumentennachfrage im Inland werde vernachlässigt. Krugman scheint völlig zu übersehen, dass die lockere Geldpolitik in den USA den Dollar in den Keller treibt. Dadurch werden die Konkurrenzwährungen (Euro, Yen, Yuan) aufgewertet und die Exporte dieser Länder verteuern sich. Die Weltwirtschaft 2010 und 2011 befindet sich in einer Art Währungskrieg. Dieser könnte in einer Inflation münden. Wenn die US-Wirtschaft zu stark lahmt, könnte es infolge globaler Abhängigkeiten auch zu einem Einbruch in Deutschland kommen: Die USA fragen weniger Konsumgüter aus China nach. China bremst seine Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern daraufhin. Der deutsche Exportboom lässt nach und damit auch das BIP.

Die Technologieunternehmen der Schwellenländer werden allerdings auch immer mehr zu ernstzunehmenden Konkurrenten entsprechender Unternehmen in Industrieländern. Den Märkten in Asien hatten die führenden deutschen Technologieunternehmen (Siemens, Bosch) es zu verdanken, dass sie die Finanzkrise so gut überstanden. Doch Unternehmen aus China (Huawei, ZTE, Shanghai Electric) und Indien (Tata) holen in den oberen Kundensegmenten auf. Mittlerweile bieten auch sie komplexe Dienstleistungen an, deren wichtigstes Merkmal die Einheit von Produktion und Vertrieb ist. Die führenden Unternehmen aus den Industrieländern haben Mühe, ihre Positionen zu verteidigen (ZTE lag 2010 mit 1863 Patentanmeldungen vor den deutschen Spitzenreitern). Noch können allerdings die deutschen Vorzeigebranchen Elektroindustrie, Maschinenbau und Automobilbranche der Krise auch dank einer stark mittelständischen Struktur und hohen Wettbewerbsfähigkeit trotzen.

Gegen die hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wird immer wieder die deutsche Investitionsschwäche angeführt. Sie wird auf schwache Profitabilität von Unternehmensinvestitionen zurückgeführt. Allerdings könnte sich empirisch dahinter auch ein Bias verbergen, der durch schwache Investitionstätigkeit der öffentlichen Haushalte und beim Wohnungsbau begründbar wäre.

Insgesamt schwindet der Einfluss der USA. Nur noch 6,7% der deutschen Exporte gingen 2009 in die USA. Die Tendenz ist sinkend. Deutschland ist in der neuen globalen Welt (Beginn etwa 1990 mit dem Zusammenbruch des "Eisernen Vorhangs" und dem Aufstieg Chinas) eine Art "Free-Rider" (Trittbrettfahrer): wir verkaufen den Schwellenländern auf der einen Seite die Maschinen zur Produktion und auf der anderen Seite die Luxusgüter für die Neureichen. Prognosen für 2015 besagen, dass China dann einen Anteil von 12,8% am Weltexport hält, die USA 9%, Deutschland 7,5% (Schätzung EIU). Nach und nach dürfte auch der Yuan (Währung heißt Renminbi, Yuan ist Einheit) freigegeben werden (spätestens in 5 Jahren, Zeitplan ist noch unklar). Durch die dramatische Staatsschuldensituation und die Abstufung in der Kreditwürdigkeit durch S&P in den USA kommt die Weltleitwährung Dollar immer mehr unter Druck (Inflation steigt im Herbst 2011 auf 3,8%). In 10 Jahren dürfte der Renminbi Weltleitwährung sein. Wirtschaftliche Dominanz ergibt sich durch die Größe der Wirtschaft, die Finanzmacht und das Handelsgewicht.

Globale Ungleichgewichte zwischen Volkswirtschaften sind von der Theorie her nützlich. Es bringt Profit für die Überschuss- und die Defizitländer der Leistungsbilanz. Die internationale Arbeitsteilung ist als Tauschwirtschaft angelegt. So kann der Ausgleich auch intertemporal erfolgen. Entscheidend ist, dass das Kapital "in die richtige Richtung" fließt.  Im Moment wird der Aufschwung der Schwellenländer finanziert, der uns vielleicht in Zukunft vor den Risiken einer alternden Bevölkerung schützt (vgl. Renate Ohr: Globales Wechselspiel, in: Wirtschaftswoche, Nr. 48, 29.11.10, S. 44). In diesem Zusammenhang ist das Faktorpreisausgleichstheorem von Bedeutung. Es stammt von A. P. Lerner und P. A. Samuelson und besagt, dass der internationale Warenaustausch nicht nur zu einer Angleichung der Preise für handelbare Güter, sondern auch zu einer Annäherung der Preise für die Faktoren führt (insbesondere für die Löhne). So könnten auch Löhne auf national geschützten Arbeitsmärkten durch den Handel mit Niedriglohnländern (z. B. China) unter Druck gesetzt werden.

Die Exporte in der Welt werden allerdings immer mehr durch protektionistische Maßnahmen behindert. Vor allem die Schwellenländer behindern den Welthandel durch Schutzzölle, Exportquoten, Lizenzauflagen und weitere nichttarifäre Handelshemmnisse. Besonders hervor tun sich hierbei Brasilien (Zölle), China (Exportzölle, öffentliche Aufträge an Inlandsunternehmen), Indien (keine Lizenzen für Ausländer im Einzelhandel, Zölle) und Russland (Importzölle). Die EU arbeitet stark mit Subventionen, die USA bevorzugen Staatsaufträge.

"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird", Christian Morgenstern.

Weitere Teile des VWL - Lehrbuchs:

Übungsmodell für Deutschland:

mit logischer Struktur, Spieltheorie, Wirtschaftspolitik, Grundbegriffen  u. a. , auf der Seite Meth/Econometrics einzusehen. Auf der Seite Glossar/Theory gibt es eine umfangreiche Darstellung von

Übungstheoreme der Volkswirtschaftslehre: Übungstheoreme

Satirisches Portrait der VWL auf der Seite Öffentlichkeit.

"Einen Zyniker erkennt man daran, dass er von jedem Ding seinen Preis, aber von keinem den Wert kennt", Oskar Wilde, 1854 - 1900, englisch - irischer Autor;    "A cynic...is a man who knows the price of everything and the value of nothing".

Blogonomics:

Rasant steigt die Zahl ökonomischer Blogs im weltweiten Netz. Mittlerweile kann man diese auch zum Informieren und Lernen nutzen. Teilweise kümmern sich diese um bestimmte Themen. Andere stehen für bestimmte Denkrichtungen. Eine dritte Sorte geht von berühmten Ökonomen aus. Auch Zahlenbilder kann man sich in guter Qualität im Internet beschaffen (Probeabo bzw. Abo). Hier können Meinungen implizit enthalten sein. Im Folgenden finden sich einige Beispiele:

1. Berühmte Ökonomen

www.krugman.blogs.nytimes.com (Paul Krugman, Nobelpreis, Lehrbuch)

www.gregmankiw.blogspot.com (Gregory Mankiw, Lehrbuch)

www.economonitor.com/nouriel/ (Nouriel Roubini)

2. Ökonomengruppen

www.oekonomenstimme.org (Link auch auf der Startseite)

www.marginalrevolution.com

3. Denkrichtungen

www.wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress (klassische Ordnungspolitik, Wettbewerb)

4. Zahlenbilder

www.zahlenbilder.de

 

Ostasien  

"Liebe und Freundlichkeit sind die besten Gewürze zu allen Speisen", aus China.

Fallstudie "Asienkrise", Literatur: Krugman Paul R.: Die große Rezession, Frankfurt/New York 1999(2001 als Taschenbuch). Stiglitz, Joseph: Die Schatten der Globalisierung, Berlin 2002. Diese Fallstudie habe ich einige Jahre im Hauptstudium bei Marketing Ostasien eingesetzt (6. Semester). Als Gerüst diente das Buch von Krugman, das ich wirtschaftstheoretisch erläutert habe. Zusätzlich gab es Präsentationen der Studenten mit ihren vertieften Asien - Erfahrungen. Boom-and-Bust Cycles in Ostasien werden auf Grund der sehr guten wirtschaftlichen Entwicklung dort auch weiter durch ihre Blasen die Weltökonomie beeinflussen. Das Verhalten der Bank of Japan wird weiterhin für die ostasiatischen Tigerstaaten prägend sein. Die Abhängigkeit zwischen den Schuldner- (Japan) und Gläubigerstaaten (Tiger), sowie die Abhängigkeit Japans und Chinas vom amerikanischen Gütermarkt besteht auch heute noch. Die amerikanische Wachstumsschwäche im Zusammenhang mit der Unterbewertung vieler asiatischer Währungen führt dazu, das sich die asiatische Produktion immer stärker auf andere  Exportmärkte konzentriert. Die Devisenmarktinterventionen in China pumpen zusätzliches Geld in die inländische Wirtschaft. Dadurch nimmt die Geldmenge zu und die Preisblasen bei Vermögenswerten (die "Sterilisation" durch den Verkauf von Anleihen gelingt nur unvollständig). Die Folge könnte eine neue Finanzkrise sein. Insofern kann diese Fallstudien immer noch in geraffter Form eingesetzt werden.

2009 erscheint das Buch in einer Neuauflage mit neuen Kapiteln zur aktuellen Weltwirtschaftskrise (Die Neue Weltwirtschaftskrise, Frankfurt/ New York 2009). Ich verwende es im Master-Modul "Internationale Ökonomie", wo im SS 2009 die Krise im Mittelpunkt steht.

"Die Ostasienkrise war zuallererst eine Krise des Finanzsystems....Das Finanzsystem lässt sich mit dem Gehirn einer Volkswirtschaft vergleichen", Joseph Stiglitz: Die Schatten der Globalisierung, Berlin 2002, S.135.

Aktien-Crash in Shanghai (CSI 300 - Index, Yuan, mit Shenzhen) und seine Folgen für Finanz- und Gütermärkte. Ursachen waren ein Rückgang der US-Auftragseingänge, Infos vom Nationalen Volkskongress (Kapitalertragsteuer) und Äußerungen von Alan Greenspan. Es zeigen sich unmittelbare Folgen an den japanischen und US-amerikanischen Finanzmärkten. Gewöhnungs- und Lerneffekte können einbezogen werden ebenso wie kulturelle Aspekte. Besonders interessant ist der noch isolierte Status der Börse in Shanghai (kaum Fremdkapital). Aber immer mehr Unternehmen, die schon in Hongkong an der Börse sind, wollen auch in Shanghai Fuß fassen (z. B. China Mobile). Einflüsse des Handelsbilanzdefizits der USA auf die Stabilität müssen analysiert werden. China argumentiert, dass die amerikanischen Multis, die in China produzieren, durch ihren Export in die USA in erster Linie dafür verantwortlich sind. Mit dieser Fallstudie habe ich erstmals im SS 2007 im Hauptstudium gearbeitet.

Es kann auch eine Verbindung zu den Problemen auf dem amerikanischen Hypothekenkreditmarkt hergestellt werden:  Im Zentrum steht hier die Bankenkrise, die sich in Verlusten bemerkbar macht. Die Zinsen steigen und die US-Hausbesitzer können Kreditraten nicht mehr bezahlen. Dadurch werden die Banken vorsichtiger bei der Vergabe neuer Kredite.  Dies spüren Finanzinvestoren, Hedgefonds und private Konsumenten. Dadurch sinkt das US-Wirtschaftswachstum (die Aktienkurse fallen global) und die Wirtschaft könnte global langsamer wachsen. Ganz klar zeigen sich die Interdependenzen zu den weltweiten Aktienmärkten, die Kursrutsche erleben. Die Volatilität wird immer größer, weil sich die Risikoeinschätzung dynamisiert. Auf den realen Bereich greift die Krise außer durch die geringere Nachfrage aus den USA mit einer weitaus restriktiveren Kreditvergabe über (Baunachfrage rückläufig, weniger Kredit finanzierte Konsumausgaben und Investitionen). Es wird wahrscheinlich zu einem massiven Wertverlust amerikanischer Immobilien kommen (wegen der Wertberichtigung bei Hypotheken könnte eine Bankenkrise folgen). Entscheidend ist auch für die Auswirkungen auf die Konjunktur die Zinspolitik der Notenbanken (am besten wäre eine Zinssenkung; unveränderte Zinsen bzw. Zinserhöhungen können bremsen). Mit mehrfachen Zinssenkungen  versucht die Fed  die Finanzmärkte zu besänftigen. Ebenso wird Geld, auch von anderen Notenbanken (EZB, England, Schweiz, Kanada), in den Geldmarkt gepumpt. Trotzdem geraten die Aktienmärkte weltweit ab 21.01.08 in Turbulenzen (die erst durch eine Leitzinssenkung in den USA vorerst abgebremst werden und später durch das Rettungspaket der USA). Die Übergänge zwischen Vertrauenskrise, Liquiditätskrise und Finanzkrise sind fließend. Bei der Vertrauenskrise gilt eine Informationsasymmetrie ("Market for Lemmons"!). Die Liquiditätskrise wird durch die so genannten Commercial Papers (kurzfristige Kredite) verstärkt. Der internationale Finanzmarkt wird durch Geldspritzen der Notenbanken (über 1000 Mrd. $), durch Sozialisierung der Risiken (AIG, Freddy und Fannie) und durch Rettungsfonds mühsam stabil gehalten. Insgesamt betragen die Anlagenverluste durch die Finanz- und Wirtschaftskrise schon 50 Bill. $ (Asiatische Entwicklungsbank). 2009 sind in den USA schon 28 Banken Pleite gegangen. Vgl. auch Robert Shiller, Yale: Recent Trends in House Prices and Home Ownership ("Hot Paper", September 2007)  "Es wird noch eine Zeit lang dauern, bis das überwunden ist", Henry Paulson, US-Finanzminister über die Finanzkrise im Sommer 2007.

"Die USA unter Paulson sind kommunistischer als China", Jim Rogers, amerikanischer Hedgefonds-Manager.

Fehler der japanischen Wirtschaftspolitik in den 1990er Jahren: In dieser Zeit steckte Japan in einer langen Rezession. Geld- und Fiskalpolitik blieben relativ wirkungslos. Das Bankenwesen befand sich in einer Krise. Was kann man aus diesen Fehlern lernen? Inwieweit waren veraltete makroökonomische Paradigmen schuld. Literatur: Werner, Richard A.: Neue Wirtschaftspolitik. Was Europa aus Japans Fehlern lernen kann, München 2007. Besonders interessant ist das Kapitel über den deutschen Ökonomen Friedrich List, der als einer der ersten Ökonomen die These des Freihandels von David Ricardo in Zweifel zog und die Vorzüge von Protektionismus herausarbeitete. List belegte seine These mit Entwicklungsstudien über England und die USA. Von diesem Denken wurde die japanische ökonomische Lehre sehr stark beeinflusst (vgl. S. 442 ff.).

"Die Fed, die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan bestimmen die Geldpolitik für eine Zone, die 80% der weltweiten industrialisierten Wirtschaftsaktivität auf sich vereint... Kaum zuvor, wenn denn je, ist eine derart geballte Macht von einer so kleinen Anzahl von Institutionen unbehelligt vom direkten demokratischen Prozess ausgeübt worden", Goldman Sachs.

Eine Mittelstandsfallstudie bezogen auf ein deutsches KMU, das auch in China tätig ist, habe ich geschrieben. Sie wurde in einem Sammelband veröffentlicht. Es geht darum, welchen Spielraum ein mittelständisches Unternehmen in der Globalisierung hat.

"Der Sozialismus macht kapitale Fehler, der Kapitalismus soziale", N. N. (zitiert nach Vogt, G.: Faszinierende Mikroökonomie, München 2007, S. 347).

 

Betriebswirtschaftslehre 

"Betriebswirtschaftslehre ist zu fünfzig Prozent selbstverständlich und zu fünfzig Prozent unverständlich", N. N..

Einfluss der demographischen Entwicklung auf die Personalwirtschaft von Unternehmen.

"Ich prophezeihe Ihnen, dass Unternehmen in 20 Jahren völlig anders ausgerichtet sein werden als heute. Es wird in Zukunft nicht mehr um Survival of the Fittest gehen, sondern um Survivel of the Wisest", Deepak Chopra, Autor von Management-Bestzellern.

Klimawandel und betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Diese Fallstudien setze ich in Allgemeiner Betriebswirtschaftslehre zur Vorbereitung auf die Klausur ein. Im Mittelpunkt stehen Gesichtspunkte der Produktion, des Umweltmanagements und des Marketings.

"A great many people think they are thinking when they are merely rearranging their prejudices" (sehr viele Leute denken, dass sie denken, wenn sie lediglich ihre Vorurteile neu sortieren), William James, amerikanischer Philosoph und Psychologe, 1842 - 1910.

Rollenspiel "Interkulturelle Kommunikation": Dr. Walter Müller und Heinrich Lüdenscheid, Eigentümer einer mittelständischen Unternehmung in Süddeutschland möchten in China ein Joint - Venture gründen. Dazu treffen sie sich in Shanghai mit einem chinesischen Geschäftsmann und seinem Assistenten, um bei einem Bankett Verhandlungen zu führen. Den Kontakt haben sie über die Außenhandelskammer hergestellt. Der Chauffeur der chinesischen Gastgeber hat sie gerade aus dem Hotel abgeholt und zu dem Treffen gebracht. Dieses Rollenspiel zeigt, wie sich zwei vollkommen verschiedene Nationalitäten gegenüberstehen und über die jeweils andere kaum Wissen haben. Beide Parteien sind gewillt, zusammen zu kommen und das gemeinsame Ziel (Geschäftsabschluss) zu erreichen. Die Chinesen wie die Deutschen geben sich Mühe; es wird jedoch im Laufe des Gesprächs deutlich, dass alle Anwesenden stark in persönlichen Vorurteilen, sozialen und kulturellen Mustern, Ego-Bedürfnissen, Konditionierungen etc. festgesetzt sind. Dies macht eine ehrliche, persönliche Begegnung problematisch. Selbstverständlich ist die folgende Arbeit und das dazugehörige Theaterstück im umfang der Missverständnisse übertrieben, alle Beispiele sind jedoch real passiert und stammen meist aus den landeskundlichen Vorlesungen.

Dies ist ein Ausschnitt aus dem Drehbuch eines der vielen Rollenspiele aus der Veranstaltung "Psychologie und Kommunikation". Die Rollenspiele können von den Studenten als Prüfungsleistung erbracht werden. Andere Rollenspiele, die auf DVD gespeichert vorliegen, beschäftigen sich z. B. mit der Bedeutung des Essens-Rituals in China, mit dem Ablauf eines Kulturschock oder mit einem interkulturellen Bewerbungsgespräch. Vgl. zur Forschung z. B. Rituale

"Die ältesten und kürzesten Wörter - "Ja" und "Nein" - erfordern auch das stärkste Nachdenken", Pythagoras, griechischer Mathematiker (Lehrsatz), ca. 570 -480 v. Chr. Dieser Satz gilt umso mehr für die Kommunikation mit chinesischen oder japanischen Gesprächspartnern. Das japanische "Hai=Ja" hat z. B. sehr viele Bedeutungen, die sich erst aus dem Zusammenhang ergeben.

 

        "Das Denken kann man auch den  Pferden überlassen". Kunst in  der Hochschule Ludwigshafen (zum Glück ist das Pferd nicht weiß und somit kein Hochschulschimmel). Inwiefern ist das Pferd ein Modell und für eine Fallstudie geeignet?

"The goal of HBS is to prepare students for the challenges of leadership. We believe that the case method is by far the most powerfull way to learn the skills requiered to manage and to lead", Hompepage der Harvard Business School.

Das European Case Clearing House (www.ecch.cranfield.ac.uk ) verfügt über die weltweit größte Datenbank mit Zugriff auf über 20.000 Fallstudien überwiegend aus dem angel-sächsischen Raum.

Wert der Fallmethode und Quellen dazu

Fallmethode als Lehr- und Lerntechnik (case learning). Sie eignet sich besonders, um die Kluft zwischen Theorie und Praxis zu überbrücken. Sie wurde 1880 an der Harvard Law School entwickelt. Sie hat auch Vorteile, wenn Zeit und Geld sehr begrenzt sind oder der Zugang eingeschränkt ist. Sie kann komplexe Situationen besser darstellen und ganzheitlich besser lösen. Sie fördert das gehirngerechte Lehren, indem sie Erfahrungen, wiederholen und andocken ermöglicht. Ihr großer Nachteil ist die eingeschränkte Generalisierung. Probleme können auch bei zu großen Gruppen entstehen.

Im Rahmen des Bologna-Prozesses, in dem neue Bachelor- und Masterstudiengänge an den Hochschulen  entstehen, müssen dazu passende Lernmethoden entwickelt werden. Die Fallstudie kann der Illustration, der Entwicklung von Hypothesen und Konzepten, dem Test von Hypothesen, der Voraussage und methodischen Tests dienen. Sie muss auf die Praxis und Handlung bezogen sein, aktuell und anschaulich.

Durch die Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/2009 gerät die Fallmethode unter Beschuss. Da die Studenten anhand von Beispielen lernen, wie Manager vermeintlich erfolgreiche Unternehmen führen, sei die Ausbildung zu sehr auf unkritische, zu kurzfristige Renditesteigerung ausgerichtet. Zu viele MBA-Absolventen seien in den vergangenen Jahren zu den Investmentbanken gegangen und hätten wie die Lemminge die Krise verursacht. Der MBA wird als Master of Apocalypse verspottet, der Ethik zwar im Lehrplan hat, aber nicht vermittelt. Der Blick müsse von der Fallmethode weg wieder auf das große Ganze gelenkt werden. Es müsse auch weniger auf Zahlen als auf Persönlichkeit geschaut werden.

Fallbearbeitung als Methode (Phasen)

1. Problemstellung und -erkennung, 2. Ausgangslage, 3. Problemfelder und -diagnose (Zusammenhänge und Spannungsfelder), 4. Entwickeln von Lösungsalternativen, 5. Bewertung und Beurteilung der Alternativen, 6. Entscheidung: Auswahl und Begründung der Alternativen (Synthese), 7. Umsetzung planen (Maßnahmen, Ressourcen), 8. Kontrolle und Evaluation. Vgl. Zaugg, J./ Wenger, A. P.: Anleitung zur Bearbeitung von Case Studies, in: WiSt Heft 3, März 2003, S. 178 - 182.

Meister Konfuzius sprach: "Lernen und nicht denken ist nichtig. Denken und nicht lernen ermüdend".

 

Mitarbeiterbefragung in der  Personalökonomik 

"Don´t be irreplaceable - if you can´t be replaced, you won´t get promoted",       N. N..

Eine spezifische Form der Fallstudie stellt die Mitarbeiterbefragung dar. Im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung werden alle Mitarbeiter zu unterschiedlichen Merkmalen und Bedingungen ihrer Arbeit befragt. Von einer Mitarbeiterbefragung profitieren Geschäftsleitung und Mitarbeiter gleichermaßen. Vorteile liegen in der Status - Quo - Ermittlung, in der Steigerung der Motivation der Mitarbeiter und in der Verbesserung der Einstellung zum Unternehmen. Als Argument gegen eine Mitarbeiter-befragung werden schlechte Kosten-Nutzenrelation, Widerstände von Seiten der Mitarbeiter und kein zusätzlicher Informationsgewinn aufgeführt.

"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische", Karl Valentin. 2007 ist eine neue Biografie erschienen von Dimpfl, M. Berühmt ist auch folgendes Zitat: "Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut". 2007 ist der 125. Geburtstag.

 

Fallstudie im Studium  

"Wissenschaft ändert sich ständig... Das alles sind nur Theorien, die immer wieder von anderen abgelöst werden. Die Mythologie allein verschafft uns einen Aufschluss über das Wesen der Welt", Anselm Kiefer, (einer der größten lebenden Künstler, 1945 in Donaueschingen geboren, lebt in Paris, Zitat aus Focus 33/2008, S.58).

Die Fallstudie ist eine Methode, um die studentische Motivation und Eigenaktivität zu fördern und damit das Kompetenzniveau optimal zu erhöhen, indem sie neben Wissen und Verständnis auch Anwendung, Analyse und Beurteilung mit sich bringt. Damit verbunden ist intrinsisches Lernen (Deci & Ryan), das durch emotionales Erleben Kompetenz, Autonomie und soziale Eingebundenheit kombiniert. Die Fallstudien müssen  in die Planung der Lehre integriert werden. Am besten wird sie mit Gruppenarbeit zusammengebracht. Sie sollte mit anderen Lehrmethoden kombiniert werden. Im Plenum sollte ein Feedback und eine Diskussion erfolgen. Eine Bewertung muss eingebunden sein. Vgl. Paul, H.: Fallstudien, in: WiSt, Heft 6, Juni 2005, S. 349-353. Die Fallstudie bietet auch die Möglichkeit, mehrere Fächer im Hinblick auf einen Fall zu vernetzen und ist damit eine Kooperations-möglichkeit zwischen Kollegen. Der Fragmentierung der Fächer entgegen zuwirken und Transferelemente sowie Interdependenzen aufzuzeigen ist gerade am Ostasien-Studiengang ein wesentliches Lernziel.

"Eine Fähigkeit, die nicht täglich zunimmt, geht täglich zurück", Chinesische Weisheit.

 

Stellenwert des Internet  

"Dem sind keine Grenzen gesetzt, der sie nicht hinnimmt", ZEN - Weisheit.

Internet, Blogs, Podcasts, Wikis und E-Mails revolutionieren die Präsentation der Fallstudien und die Ökonomie insgesamt. Sie verkürzen drastisch die Veröffentlichungszeit und erhöhen die Veröffentlichungsmöglichkeiten durch immer mehr Online-Zeitschriften, Online-Paper sowie Foren und durch Werbemöglichkeiten auf Homepages. Außerdem leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung der Wirtschaftswissenschaften weg auch von Zitier-Kartellen. Durch die Virtualisierung von Datenzentren und Software-Werkzeugen (z. B. PHP) kommt es zu einer Privatisierung der Informationstechnologie, die die Unabhängigkeit erst möglich macht. Natürlich ist das Internet selbst im Rahmen der Internetökonomie auch ein interessanter Forschungsgegenstand, z. B. inwieweit die Informationstechnologie die Ungleichheit erhöht. Für die Studenten bedeuten sie einen erheblichen Zuwachs an Service durch die asynchrone Abrufbarkeit "on demand", durch die internationale Vergleichsmöglichkeit (Qualitätsmaßstäbe) und durch bessere Kontaktmöglichkeiten bei Auslandsaufenthalten. Auch im Selbststudium (Workload) kann das Internet einschließlich Lernplattformen zunehmend unterstützend wirken. Das Netz verändert alle Parameter der wissenschaftlichen Rahmenbedingungen.

Wer allerdings den Computer zu stark nutzt, so belegen es Studien, lernt schlechter und zeigt schlechtere Leistungen (Ausdrucksvermögen, Kreativität). "Das Netz ist auch ein Medium, das in steigendem Maße Nicht- oder Fastnichtmehrleser ermöglicht", Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ,  über das Internet. Insbesondere das "Internetdeutsch" bzw. "Denglisch" kann zu Kommunikationsdefiziten führen. Für die Studenten ist auch  die Versuchung groß, sich unseriös zu bedienen (Seminararbeiten mit den Funktionen "Kopieren" und "Einfügen"). Sie müssen auch lernen, die Seriosität von Web-Seiten zu bewerten. Für Professoren wird die Bindung an eine Hochschule gelockert (kann durch virtuelle Netze und Lehrstuhl-Allianzen - z. B. Nice- Network - ergänzt werden) und  der Arbeitsaufwand steigt erheblich, wenn das Medium "Internet" stark  interaktiv ausgebaut wird. Allerdings muss das Netz-Image bzw. der Internet-Leumund auch gepflegt werden. Vgl. auch zu näheren Informationen das Impressum einschließlich des Kommentars. Offen ist derzeit, welche Rolle "Social Networks" im Hochschulbereich in Zukunft spielen werden. Ist ein solches Netzwerk als Dreh- und Angelpunkt für Surfen zu wissenschaftlichen Zwecken im Internet vorstellbar? Erste Ansätze finden sich bei wiwi-online. Das Internet ist deshalb zu effektiv, weil es Verbindungen schafft zwischen Kommunikationspartnern, die sich nicht gut kennen müssen. Eine wichtige Rolle spielten Foren im Internet im Wahlkampf von B. Obama. Viele Experten sind der Meinung, dass dies entscheidend war. 732 Millionen Menschen weltweit nutzen Social Networks (Nielsen). Das Netz räumt mit eingeübten Weisheiten auf, erlaubt theoretisch Weltbürgerträume und steht für eine neue Öffentlichkeit. "Das Internet als Freiheitsmedium ist eine zentrale Voraussetzung für Veränderungen in unserer Welt", Konstantin von Notz, Netzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die kulturellen Auswirkung des "cloud computing" werden noch einschneidender sein. Alle großen Hindernisse bei der Versorgung mit kreativen Produkten verschwinden. Wissenschaftliche Artikel werden im Nu digitalisiert werden. Das Internet wird das wichtigste Austauschmedium werden. Entscheidend ist die Frage, ob sich dadurch die Qualität verbessert oder verschlechtert. Die Anonymität der Massen (Klickzahlen!) scheint zuerst einmal Qualität durch Quantität zu ersetzen. Was am Ende steht, weiß aber noch niemand.  "Wir werden durch das Internet noch sehr viel mehr über uns und andere Menschen lernen und wissen", Eric Schmidt, Google-Chef über das Internet in 10 Jahren. Mittlerweile sind schon 13% aller Web-Seiten auf Chinesisch. Es gibt weltweit 2008 ca. 1,4 Milliarden Nutzer, in Deutschland 43 Mio.

"In a world without walls or fences, who needs Windows or Gates"?

 

 

"Wende dein Gesicht der Sonne zu, und du lässt die Schatten hinter dir", Afrikanisches Sprichwort; oder: "So wie man die Strahlen der Sonne nicht zudecken kann, so kann man auch das Licht der Wahrheit nicht auslöschen", aus Arabien.